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Mit Vorsicht genießen


ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund - epaper ⋅ Ausgabe 3/2010 vom 04.08.2010

Nicht alle Menschen können nach Herzenslust essen, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Lebensmittelallergiker reagieren empfindlich auf Kuhmilch, Hühnereiweiß, Nüsse oder Fisch. Dank neuer Deklarationsvorschriften bei Nahrungsmitteln sind sie nun besser vor bösen Überraschungen geschützt.


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Foto: DAK/Gregor Schlaeger

Die häufigsten Allergieauslöser in Nahrungsmitteln sind Kuhmilch und andere Milchprodukte. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder sind davon betroffen. Rund acht Prozent eines Geburtenjahrgangs reagieren auf die Eiweißstoffe in der Milch allergisch. Doch das muss zum Glück nicht ein Leben lang so ...

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Die häufigsten Allergieauslöser in Nahrungsmitteln sind Kuhmilch und andere Milchprodukte. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder sind davon betroffen. Rund acht Prozent eines Geburtenjahrgangs reagieren auf die Eiweißstoffe in der Milch allergisch. Doch das muss zum Glück nicht ein Leben lang so bleiben. Bei vielen Kindern nimmt die Empfindlichkeit mit zunehmendem Alter ab. Eine Datenerhebung zweier Allergiekliniken in den USA ergab 2007, dass die Milchallergie bei 19 Prozent der Kinder im Alter von vier Jahren wieder verschwunden war. Bei den Achtjährigen waren sogar 42 Prozent allergiefrei. 79 Prozent der Patienten hatten mit 16 Jahren keine Beschwerden mehr, wenn sie Milch tranken.

Wer als Kind Milch gut vertragen hat, ist jedoch nicht automatisch als Erwachsener vor einer Allergie gefeit. Diese Immunreaktion kann ganz plötzlich und in jedem Lebensalter ausbrechen. Christine Schmitt war 19, als ihre Haut, kurz nachdem sie einen Milchkaffee getrunken hatte, überall zu jucken anfing. Sie brachte das Ereignis zunächst nicht mit dem Getränk in Verbindung, die Reaktion verschwand nach wenigen Stunden wieder. Ein paar Tage später, während des Volleyballtrainings, schwoll ihr Gesicht jedoch stark an. Kurz zuvor hatte sie einen Joghurt gegessen. Die junge Frau musste den Sport sofort abbrechen, weil ihr schwindelig wurde und sie Schwierigkeiten beim Atmen bekam. Der Trainer rief den Notarzt.

Der einige Tage später durchgeführte Allergietest beim Allergologen zeigte zweifelsfrei, dass sie eine Milcheiweißallergie hat. Seit nunmehr sieben Jahren verzichtet Christine auf alles, was Milch enthält. Dazu gehören Kuhmilch, Joghurt, Quark, Sahne und noch einiges mehr. Auswärts essen geht sie nur noch zu ihrem Lieblingsitaliener, der weiß, dass sie auf keinen Fall Milchprodukte essen darf. Doch neulich muss in die Spaghetti al Arrabiata trotz aller Umsicht in der Küche doch irgendwie Milcheiweiß hineingeraten sein. Gleich nach dem Essen wurde ihr übel und die Haut juckte überall. Mit dem sofort eingenommenen Antihistaminikum und dem Cortison aus ihrem Notfallset bekam sie die Reaktion wieder in den Griff. Vermutlich hatte der Koch mit dem gleichen Löffel die Sahne- und die Tomatensoße verrührt.

Kleine Mengen, starke Wirkung

Schon winzige Verunreinigungen können eine allergische Reaktion in Gang setzen, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Neben Milcheiweiß gehören vor allem Erdnüsse zu den Nahrungsmitteln mit einem hohen allergenen Potenzial. Doch auch Eier, Getreide, Gewürze und Kräuter, Krebstiere, ja sogar der Genuss von Fleisch bereitet manchen Menschen erhebliche Probleme. Das Immunsystem reagiert auf kleine Mengen eigentlich harmloser Substanzen in der Nahrung mit Abwehrreaktionen. Die Symptome sind vielfältig: Von Hautausschlag, Erbrechen oder Durchfall bis zu Asthmaanfällen und einem Kreislaufkollaps ist alles möglich.

Was drinsteckt , ist nicht immer mit bloßem Auge zu erkennen. Deshalb sind Zutatenlisten wichtig.


Foto: NiDerLander/fotolia.com

Zwar zeigen erste kleine Studien, dass eine spezifische Immuntherapie auch bei Nahrungsmittelallergien helfen könnte, insbesondere, wenn es sich um eine Kreuzallergie als Heuschnupfenfolge handelt. Doch bis zur Praxisreife werden noch einige Jahre vergehen. Deshalb gilt bis auf Weiteres: Wer auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagiert, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als das entsprechende Nahrungsmittel von seinem Speiseplan zu streichen. Dafür muss man dem „Übeltäter“ aber erst einmal auf die Spur kommen – und das ist gar nicht so einfach.

Die Suche nach dem Auslöser einer Allergie gleicht häufig detektivischer Kleinarbeit. Daher ist es sinnvoll, ein Ernährungstagebuch zu führen, um dem Arzt erste Hinweise auf mögliche Allergene geben zu können. Mit Haut- und Bluttests und eventuell einem Provokationstest kann dann eine Sensibilisierung genau nachgewiesen werden. Allerdings komplizieren instabile Allergene und das Fehlen standardisierter Extrakte das diagnostische Vorgehen bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie.

Deswegen testet man bei Lebensmittelallergien oft auch direkt mit den in Verdacht geratenen Lebensmitteln. Bei diesem sogenannten Prick-z-rick sticht der Arzt zuerst in das vermutlich die Allergie auslösende Nahrungsmittel und pikst dann mit der feinen Nadel gleich anschließend in die Haut des Patienten.

Alternative Tests sind oft unseriös

Die akribische Untersuchung beim Allergologen hilft auch, Nahrungsmittelunverträglichkeiten von echten Allergien zu trennen. Erstere können zwar körperliche Beschwerden wie heftige Übelkeit, Blähungen oder Durchfall verursachen, sind aber nicht lebensbedrohlich. Aufgrund der häufig ähnlichen, unspezifischen Symptome bei beiden Erkrankungen gehen viele Patienten nicht gleich zum Allergologen. Um herauszufinden, welche Lebensmittel die Beschwerden verursachen, sind Alternativmethoden wie die Kinesiologie beliebt. Bei der Kinesiologie soll die Berührung eines Allergens beim Betroffenen zur Änderung der Muskelspannung führen, die ein Fachmann erkennen kann. In mehreren Studien hat dies jedoch nachweislich nicht funktioniert. USamerikanische Chiropraktiker führten einen kinesiologischen Muskeltest an 68 Studenten durch. Die Auswertungen ergaben, dass die Ergebnisse zufällig waren. In einem doppelblinden Test durch deutsche Wissenschaftler untersuchten vier Kinesiologen sieben Allergiker jeweils 20 Mal. Auch hier entsprach die diagnostische Trefferquote dem Zufall. Schließlich wurden 315 Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen, die mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit in Zusammenhang stehen können, kinesiologischen Muskeltests unterzogen. Auch diese Untersuchung ergab keine eindeutigen Ergebnisse.

Eine andere Alternativmethode ist das Auspendeln eines Lebensmittels. Je nachdem, ob das Pendel nach rechts oder links ausschlägt oder kreisende Bewegungen vollführt, wird entschieden, ob das Nahrungsmittel vertragen wird oder nicht. In einer kontrollierten Studie wurde geprüft, ob sechs Homöopathen, die diese Methode einsetzen, durch das Pendeln zwischen einem homöopathischen Medikament und einem Placebo differenzieren können. Insgesamt wurden 156 Pendelmessungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Treffsicherheit des Pendelns in etwa der des Zufalls entsprach. Auch Bioresonanztechniken werden für die Diagnose von Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten verwendet. Schwingungsunterschiede beim Kontakt mit einem Allergen sollen eine Sensibilisierung anzeigen. Die Wirksamkeit konnte bisher nicht belegt werden. In einer Studie lag die Fehlerquote bei 80 Prozent. Auch die Identifizierung von Allergenen durch Elektroakupunktur ließ sich in einer Studie nicht nachweisen. Die Änderung von elektrischen Potenzialen beim Kontakt mit einem Allergen soll angeblich eine Sensibilisierung anzeigen.

Zucker ist zwar nicht gesund, aber auch nicht schuld an Allergien.


Es gibt keine Zuckerallergie

Fragwürdig sind auch einige alternative Methoden zur Behandlung von Nahrungsmittelallergien. Oft wird als Ursache für die Beschwerden ein kranker Darm angesehen. Eine Besserung soll durch eine Darmsanierung beispielsweise mit der Kolo-ydro-Therapie erreicht werden. Bei dieser Anwendung fließen innerhalb von 30 bis 60 Minuten bis zu 60 Liter Wasser in den Dickdarm, dabei wird der Dickdarminhalt herausgespült. Bei der Spülung kann der Arzt oder Heilpraktiker die Wassertemperatur mehrmals ändern, um den Darm mit Kälte und Wärme zu reizen. Die Spülflüssigkeit wird außerdem oftmals mit Sauerstoff oder Vitaminen angereichert, um die Wirkung zu verstärken. Es gibt allerdings keine aussagekräftigen Studien, die die angegebenen Wirkungen belegen.

Ähnlich verhält es sich mit der Anti-Pilz-Diät. Alternativmediziner verordnen gegen einen Pilzbefall im Darm eine komplett zuckerfreie Ernährung. Doch „Reaktionen auf Zucker sind aus allergologischer Sicht nicht möglich“, erklärt Sonja Lämmel, Ernährungswissenschaftlerin vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Umgangssprachlich werde der Begriff Zuckerallergie oder Pseudoallergie auf Zucker bei einer Candidabesiedlung im Darm verwendet. „Liegt tatsächlich eine übermäßige Candidabesiedelung im Darm vor, steht eine medikamentöse Behandlung an erster Stelle“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Bezüglich einer Anti-Pil-iät, bei der unter anderem auf Zucker verzichtet wird, gebe es sehr unterschiedliche Meinungen. Nach Ansicht des Deutschen Allergie- und Asthmabundes und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es keine wissenschaftlichen Belege für den Nutzen einer solchen Diät. Auch die weitverbreitete Empfehlung, dass Neurodermitiker keinen Zucker essen sollen, könne wissenschaftlich nicht bestätigt werden, erklärt Lämmel. Eine zuckerfreie Ernährung bedeute für Erwachsene und besonders für Kinder eine starke Einschränkung und Diätstress. Zudem sei eine solche Ernährung so gut wie unmöglich, da jedes Kohlenhydrat aus Zuckermolekülen bestehe.

Diäten gefährden gesunde Entwicklung

Ohnehin sind Allergien gegen mehrere Lebensmittel eher selten. Vor allem Kinder reagieren meist nur auf ein bis zwei Lebensmittel allergisch, besorgte Eltern lassen aber oft viel mehr weg. Dabei sollten „unsinnige Diäten unbedingt vermieden werden, um Kinder in ihrer Entwicklung nicht zu gefährden“, warnt Ernst Rietschel von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin. Erst wenn die Krankengeschichte und ein Bluttest kein eindeutiges Ergebnis bringen, sollte mit einem weiteren Test untersucht werden, ob ein bestimmtes Nahrungsmittel die Beschwerden hervorruft. Dann kann man die Ernährung gezielt umstellen.

Kinder vertragen vor allem Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Soja, Erdnuss und Fisch nicht. Jugendliche und Erwachsene dagegen reagieren eher auf pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Kräuter und Gewürze. Betroffen sind oft Heuschnupfenpatienten, die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien - auch Kreuzallergien genanntentwickeln: Der Körper reagiert auf bestimmte Eiweißstoffe in Obst, Gemüse und Kräutern genauso wie auf die jeweils botanisch verwandten Baum-, Getreide-, Gras- oder Kräuterpollen. Dem Allergen in Birkenpollen etwa ähneln Eiweißstoffe in Äpfeln, Kern- und Steinobst.

Deklaration gibt mehr Sicherheit

Für Nahrungsmittelallergiker ist es wichtig, dass alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung aufgelistet sindwenigstens das ist seit einigen Jahren einfacher geworden. Insgesamt sind nur 14 Substanzen in Lebensmitteln für rund 90 Prozent aller Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen verantwortlich. Und die müssen inzwischen bei verpackter Ware EU-weit auf dem Etikett angegeben werden - auch wenn nur kleinste Mengen als Zutat verwendet wurden. Dazu zählen glutenhaltiges Getreide (Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen, Hafer, Kamut oder Hybridstämme davon), Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Soja, Milch (einschließlich

Laktose), Schalenfrüchte (Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Cashewnüsse, Paranüsse, Pecannüsse, Pistazien, Macadamianüsse, Queenslandnüsse), Sellerie, Senf, Sesamsamen, Schwefeldioxid und Sulfite (ab zehn Milligramm pro Kilogramm oder Liter), Süßlupinen und Lupinenerzeugnisse sowie Weichtiere wie Schnecken.

Die entsprechenden Inhaltsstoffe müssen entweder im Namen des Produkts (zum Beispiel Milchschokolade, Nusscreme, Fischsalat) oder in der Zutatenliste (zum Beispiel Lecithin aus Ei, Erdnussöl, Sojamilch, Selleriegewürze) angegeben sein. Bei Produkten ohne Zutatenliste muss der Hinweis an anderer geeigneter Stelle auf dem Etikett stehen, bei Wein beispielsweise auf dem Etikett mit dem Aufdruck „enthält Sulfite“.

Einige der ursprünglich stark allergenen Zutaten werden durch industrielle Verarbeitung allerdings so stark verändert, dass sie ihr allergenes Potenzial verlieren. Das habe Studien der Europäischen Lebensmittelbehörde bestätigt. Diese Stoffe sind daher von der Allergenkennzeichnung be freit. Es handelt sich um folgende 13 Verarbeitungsprodukte: Glukosesirup auf Weizenbasis einschließlich Dextrose, Maltodextrine auf Weizenbasis, Glukosesirup auf Gerstenbasis, Getreide für Destillate von Spirituosen, Fischgelatine als Trägerstoff für Vitamin- oder Karotinoidzubereitungen und Aromen, Fischgelatine oder Hausenblase als Klärhilfsmittel in Bier, Wein und Apfelwein, vollständig raffiniertes Sojabohnenöl und -fett, natürliche gemischte Tocopherole (E306)/natürliches Dalph-ocopherol/natürliches D-alpha-Tocopherolacetat/ natürliches D-alpha-Tocopherolsuccinat, aus Phytosterinen und Phytosterinestern gewonnene pflanzliche Öle, aus Pflanzenölsterinen gewonnene Phytostanolester, Molke in Destillaten für Spirituosen, Laktit sowie Nüsse in Destillaten für Spirituosen.

Der Blick auf die Zutatenliste ist für Allergiker unerlässlich. 14 Hauptallergene sind bei verpackter Ware EU-weit angegeben.


Foto: Image Source

Keine Regel ohne Ausnahme

Auch über zusammengesetzte Zutaten wie eine Fruchtmischung im Joghurt oder die Füllung von Teigwaren bleiben Allergiker nicht länger im Dunkeln. Früher mussten die einzelnen Bestandteile erst dann aufgelistet werden, wenn davon mehr als 25 Prozent im Lebensmittel enthalten waren. Jetzt müssen auch Einzelbestandteile mit einem geringeren Anteil aufgeführt werden.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Bei fünf Produktgruppen müssen die Bestandteile nicht einzeln aufgelistet werden, vorausgesetzt ihr Anteil im Lebensmittel ist kleiner als zwei Prozent und sie enthalten keines der 14 Hauptallergene. Diese Ausnahmen gelten für Kräuter- und Gewürzmischungen, Konfitüren und ähnliche Erzeugnisse, Kakao- und Schokoladenerzeugnisse, Fruchtsäfte und -nektare sowie Jodsalz. Hintergrund ist, dass Firmen so ihre Rezepturen nicht im Detail preisgeben müssen, um ihr Know-how zu wahren, etwa die genaue Zusammensetzung der Gewürzmischung, die dem Produkt den typischen Geschmack verleiht. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) sieht diese Regelung allerdings kritisch: Sie sei für Menschen, die schon auf geringste Mengen an Gewürzen – etwa auf Beifuß – allergisch reagieren, ein Problem.

Freiwillige Hinweise eher verwirrend

Hingegen bringen freiwillige Hinweise auf mögliche Allergene mehr Verwirrung als Nutzen. „Kann Spuren von (Nüssen) … enthalten“, so oder so ähnlich heißt es immer häufiger auf Produkten. Dieser Hinweis soll die Herstellerfirmen juristisch absichern. Wenn also in der Fabrik eine Produktionsstraße benutzt wurde, auf der vorher ein Lebensmittel mit allergenen Bestandteilen hergestellt worden ist – wenn beispielsweise nach der Nussschokolade die Vollmilchvariante durch die Maschine läuft – können sich diese auch in dem Produkt finden, ohne dass sie eingesetzt wurden.

Der DAAB hält die Spurenkennzeichnung eher für ein Problem als für hilfreich. So komme es vor, dass Allergiker, die jahrelang eine bestimmte Kekssorte vertragen und gekauft haben, dasselbe Produkt dann meiden, weil es einen entsprechenden Hinweis trägt. Das grenze die ohnehin schon kleine Auswahl an Lebensmitteln für Allergiker weiter ein. Eine Umfrage des DAAB unter 450 Lebensmittelallergikern ergab denn auch, dass die Informationen zur Kennzeichnung „als unzureichend und verwirrend eingestuft werden“.

Ein großes Manko ist nicht zuletzt, dass eine Allergenkennzeichnung von loser Ware bisher nicht vorgeschrieben ist. Gleiches gilt für das Angebot in Restaurants oder Kantinen sowie für sehr kleine Verpackungen. etwa Portionspackungen für Marmelade oder Butter. Bieten Hersteller oder Verkaufspersonal keine Informationen an, sollten Allergiker solche Produkte besser meiden. In der Studie des DAAB berichteten 28 Prozent der Befragten von allergischen Reaktionen nach dem unbewussten Verzehr ihres Allergieauslösers in Backwaren, Wurst oder in Restaurants.

Anaphylaktischer Schock

Schon Spuren eines Allergens können ausreichen, um eine starke allergische Reaktion in Gang zu setzen, die im schlimmsten Fall tödlich endet. Mediziner unterscheiden zwischen vier verschiedenen Stufen.
■ Beim Schweregrad I treten Hautrötungen auf. Darüber hinaus kann es weitere Symptome wie großflächige, juckende Schwellungen, Hitzewallungen, Schwindel oder Übelkeit geben.
■ Beim Schweregrad II kann es zu Hautrötungen kommen. Es treten zudem Atemprobleme oder Herzrasen auf.
■ Eine allergische Reaktion des Schweregrads III kann mit Blutdruckabfall, Kreislaufkollaps und Bewusstlosigkeit einhergehen.
■ Beim höchsten Schweregrad IV drohen ein Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems und der Atemorgane. Bei den Schweregraden III und IV müssen die Betroffenen umgehend ärztlich versorgt werden.

IgG-Test ist unsinnig

Alle namhaften Allergologenverbände warnen vor Tests auf spezifisches Immunglobulin G (IgG oder lgG4) zum Nachweis von Nahrungsmittelallergien oder -Unverträglichkeiten. In einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben sie: „Nahrungsmittelspezifisches lgG4 liefert keine Hinweise auf eine (drohende) Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz, sondern stellt im Gegenteil eine natürliche Immunantwort nach Kontakt mit Nahrungsmittelbestandteilen dar. Die Bestimmung von lgG4-Antikörpern gegen Nahrungsmittel ist daher irrelevant für den laborgestützten Nachweis einer Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz.“ Ungeachtet dessen bieten zahlreiche Ärzte und Heilpraktiker an, mithilfe des IgG-Tests und einer Blutprobe bis zu 300 Lebensmittel auf ihre individuelle Verträglichkeit zu testen. Das Ergebnis sind meist ellenlange Listen an Lebensmitteln, die man künftig vermeiden soll. Zu den fragwürdigen Tests gehörenAllergoscreen, Imupro 300, Novo Test, Cytolisa-Test undSelect 181.


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