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MITTELMEER: GEWINNER UND VERLIERER: Das Mittelmeer im Wandel


TAUCHEN ehemals unterwasser - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 08.09.2020

Das Mittelmeer und damit seine Bewohner verändern sich: Die Lesseps’sche Migration in Kombination mit der durch den Klimawandel verursachten Erwärmung des Meerwassers macht manche seiner marinen Arten zu Gewinnern, andere zu Verlierern.


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Bildquelle: TAUCHEN ehemals unterwasser, Ausgabe 10/2020

Meeresforscher gehen davon aus, dass sich in Zukunft viele ursprüngliche Mittelmeer-Arten in den kältesten Regionen sammeln und teilweise auch verschwinden werden. Gewinner sind dagegen Arten mit tropischer Affinität, die sich bei steigenden Wassertemperaturen rundum wohlfühlen. Vergessen wir dabei nicht, dass zahlreiche weitere vom Menschen verursachte Faktoren wie ...

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... Wasserverschmutzung, Überfischung und Tourismus das Leben im Mittelmeer beeinflussen - wobei sich dieses auch schon vor unserem Auftreten auf diesem Planeten gewandelt hat.

Wie alles anfing: Das Tethysmeer

Das heutige Mittelmeer geht erdgeschichtlich auf das sogenannte Tethysmeer zurück. Im Jura, vor 120 Millionen Jahren, verband dieses relativ warme Korallenmeer mit seinen tropischen Bewohnern den Indopazifik mit dem noch jungen Atlantik.

Zur geologischen Geburtsstunde unseres heutigen Mittelmeers kam es dann durch tektonische Plattenbewegungen: Die Afrikanische Platte kollidierte im Nordosten mit der Eurasischen Platte. Dadurch schloss sich vor zirka zwölf Millionen Jahren die Verbindung zwischen Tethys und Indopazifik. Isoliert überlebten dort Arten mit tropischer Affinität, die wir heute Tethys-Relikte nennen.

Später - vor fünf Millionen Jahren - schloss sich dann die Meerenge von Gibraltar und damit die Öffnung zum Atlantik. In Folge trocknete fast das gesamte Mittelmeerbecken aus. Im stark salzhaltigen Wasser kam es zum massiven Artensterben. Erst zwei Millionen Jahre später brach der Damm von Gibraltar. Atlantikwasser flutete das Mittelmeerbecken, und atlantische Arten breiteten sich dort aus.

Blickt man weit in die Erdgeschichte zurück, wird klar, dass es auch zwischen Mit-telmeer, Rotem Meer und Indopazifik schon immer Bewegung gab: So füllte sich vor etwa 20 Millionen Jahren das neu entstandene Becken des Roten Meeres zunächst von Norden aus mit Wasser aus dem Mittelmeer. Das dort neu entstandene Meeresleben wurde später nahezu komplett ausgelöscht, als das Wasser verdunstete. Dann flutete der Indische Ozean das fast leere Meeresbecken. Die folgende Isolation des Roten Meeres brachte viele endemische Arten hervor, die es fortan nur dort gab. Erst seit etwa 15.000 Jahren besteht wieder ein Anschluss zum Indopazifik. Noch viel jünger ist die von Menschenhand gemachte neue Verbindung zum Mittelmeer.

Lesseps’sche Migration

Tethys-Relikte und atlantische Einwanderer bildeten bis 1869 Flora und Fauna im Mittelmeer. Mit der Eröffnung des Suezkanals wurden das Rote Meer und dadurch der Indopazifik mit dem Mittelmeer erstmals wieder verbunden. Unter der Leitung des französischen Unternehmers Ferdinand de Lesseps entstand über Wasser durch den Kanal eine Handelsroute zwischen Europa und Südostasien. Unter Wasser wandert seither nur eine geringe Anzahl Meeresbewohner aus dem Mittelmeer ins viel wärmere Rote Meer aus. Dagegen ist die Zahl der zunächst ins wärmere östliche Mittelmeer einwandernden Arten weitaus höher: Man geht gegenwärtig von fast 1000 Spezies aus! Von dort führt die Reise für viele weiter nach Westen. Manche Neulinge besetzen bisher ungenutzte ökologische Nischen, andere verdrängen alteingesessene Bewohner. Hinzu kommt, dass diese eingewanderten Arten mit den vom Klimawandel verursachten steigenden Wassertemperaturen im Mittelmeer prima zurechtkommen.


Die Gewinner - Lesseps’sche Migranten: Beim Tauchen in Griechenland, der Türkei oder vor Israel sind Ihnen viele Lesseps’sche Migranten bestimmt schon begegnet. Wir stellen Ihnen hier ein paar fotogene Vertreter vor:


FADENSCHNECKE

Ist diese Schönheit - FLabeLLina rubolineata - nun selbst ins Mittelmeer eingewandert oder dort eingesetzt worden? Auch über den Transport via Schiff findet so manche Art ihren Weg ins Mittelmeer. Oft lassen sich die Hintergründe nicht eindeutig klären.

ROTSTREIFENHUSARENFISCH

Aufmerksamen Mittelmeer-Tauchern ist er schon länger bekannt: Der Rotstreifen-Husarenfisch Sargocentron rubrum stammt ebenfalls aus dem Roten Meer. Typisch für diesen nachtaktiven Fisch sind seine großen Augen. Vorsicht: Er ist giftig!

BRAUNER FEILENFISCH

Stephanolepis diaspros ist ein naher Verwandter des Drücker- fischs und der tropischen Kugelfische. Er ist im östlichen Mittelmeer verbreitet und lebt in Tiefen zwischen 20 und 50 Metern.

ROTMEERKANINCHENFISCH

Über den Suezkanal gelangten Siganus rivulatus und der Dunkle Kaninchenfisch Siganus luridus zuerst ins östliche Mittelmeer. Von dort breiten sie sich unaufhaltsam aus, weshalb man sie auch als invasive Arten bezeichnet. Die Folgen sind dramatisch, wie man etwa auf der griechischen Insel Kretafeststellen kann: Die Kaninchenfische weiden den Algenbestand ab, der für das ökologische Gleichgewicht im Lithoral unersetzlich ist. Dazu kommt die rasante Vermehrung, da es aufgrund der Überfischung immer weniger natürliche Fressfeinde wie Zackenbarsche gibt. Im durch den Klimawandel erwärmten Wasser fühlen sich diese tropischen Einwanderer pudelwohl. Eindämmungsmöglichkeiten sind nur Fang und Verzehr.

GLATTER FLÖTENFISCH

Nach seiner explosionsartigen Vermehrung in den letzten beiden Jahrzehnten ist er aus dem östlichen Mittelmeerbecken nicht mehr wegzudenken: der Glatte Flötenfisch Fistularia commersonii, bekannt für seinen langgestreckten, schlanken Körper. Der Raubfisch erreicht eine Länge von bis zu 1,80 Meter.


Weitere Gewinner - Mittelmeer-Arten mit tropischer Affinität: Doch auch unter den älteren Mittelmeer-Bewohnern gibt es Arten, die von den durch den Klimawandel bedingten ansteigenden Wassertemperaturen profitieren und sich weiter ausbreiten:


MEERJUNKER

Ein enger Verwandter des Meerpfaus ist Coris julis. Er besticht mit seinen verschiedenen Farbkleidern. Auch dieser Lippfisch steht auf der Gewinnerseite der Arten.

EUROPÄISCHER PAPAGEIFISCH

Lange war Sparisoma cretense der einzige seiner Art im Mittelmeer: Er gilt als ein tropisches Relikt aus dem Tethys-Korallenmeer. Durch den Suezkanal bekam er Gesellschaft vom tropischen Blauband- Papageifisch Scarus ghobban.

MEERPFAU

Der auffallend farbenfrohe Thalas- soma pavo verleiht dem gesamten Mittelmeer und auch dem Ostatlantik einen exotischen Touch. Das Foto zeigt ein Männchen (Mitte) mit seinem Harem.

WAS KANN ICH TUN?

Ein Weg, den bedrohten Arten zu helfen, ist sicher, die eigenen Essgewohnheiten in Bezug auf Leckerbissen aus dem Meer zu überdenken. Auch die finanzielle Unterstützung von NGOs, die sich dem Schutz des Mittelmeers und seiner Bewohner verschrieben haben, ist eine gute Sache: Wir empfehlen die NGO MareMundi unter der Leitung von Dr. Robert Hofrichter. In der von ihm 2020 herausgegebenen Neuauflage von »Das Mittelmeer - Geschichte und Zukunft eines ökologisch sensiblen Raumes« im Springer Spektrum Verlag werden die in diesem Beitrag angesprochenen Themen ausführlich behandelt. Mehr zum Thema lesen Sie außerdem im Interview der Autoren mit Dr. Robert Hofrichter, erschienen in unterwasser-Ausgabe 12/2019.

GRAUER DRUCKERFISCH

Batistes carolinensis ist eine atlantisch-mediterrane Art. Die Fortpflanzungszeit dieses Mittelmeer- Drückers ist im Sommer. Neugierige Taucher, bitte aufgepasst! Bei der Bewachung seiner Laich-Grube versteht das Männchen überhaupt keinen Spaß!

SEESTERN UND SEEIGEL

Auch diese beiden marinen Arten enden zu oft als unerwünschter Beifang. Besonders im östlichen Mittelmeer beobachtet man schwindende Bestände. Sichtungen von schönen Exemplaren wie diesem Kammstern Astropecten arantiacus werden im Mare Nostrum immer seltener.


Die Verlierer - Überfischung: Manche invasive Arten aus dem Roten Meer gefährden Bestände anderer Mittelmeer-Spezies: Bekannt ist die Plage des giftigen Indischen Rotfeuerfischs Pterois miles. Der geschickte Räuber setzt den Fischbeständen zu.


TRITONSHORN

Leicht zu erbeuten, diente diese größte Schnecke des Mittelmeers einst als Signalhorn und beliebtes Souvenir. Auch wenn die Population im Mittelmeer heute geschützt ist, sieht man die Charonia tritonis variegata in freier Wildbahn fast kaum mehr.

GROSSER BÄRENKREBS

Eine fragwürdige Delikatesse: Der Scyllarides latus wird bis zu einem halben Meter lang und ist wegen der Überfischung sehr selten geworden. Charakteristisch sind die plattenartigen Antennenglieder dieses Krebses.

ZACKENBARSCH

Als Folge der Überfischung sind die Bestände der Zackenbarsche - wie des Gestreiften Zackenbarschs Ephinephelus Costae - gefährdet. Fehlen diese großen Raubfische, vermehren sich kleinere Arten explosionsartig, was wiederum das empfindliche marine Ökosystem stört. Daher werden Meeresschutz gebiete benötigt, in denen sich die Zackenbarsch- Populationen wieder erholen können.

UNECHTE KARETTSCHILDKRÖTE

Meeresschildkröten wie die Caretta caretta sind stark gefährdet und stehen international unter Schutz. Einst wurden sie sogar gejagt. Noch heute sind sie Opfer als Beifang in Schleppnetzen oder verenden durch den Plastikmüll im Meer.