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mittelpunkt • topthema: ZUKUNFT DER SCHULE


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 04.04.2018

Im kommenden Jahr feiert die Grundschule in Deutschland ihren100. Geburtstag. Grund genug, den Blick in die Zukunft einer Bildungseinrichtung zu werfen, die schon immer ein Kind ihrer Zeit war – und mit der alle Klugheit beginnt


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Bildquelle: familie & co, Ausgabe 4/2018

Die Digitalisierung des Lernens in der Grundschule schreitet voran. Darauf müssen sich Schüler, Lehrer und Eltern einstellen


Schule ist in der Diskussion. Schule verändert sich. Schule bereitet Sorgen. Aber: Schule macht auch Hoffnung! Durch sie werden die Zukunftschancen unserer Kinder geprägt. Sie ist ihr Tor zur Welt. Genau deswegen steht sie heutzutage auch besonders in ...

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... der Diskussion, denn Schulen unterscheiden sich sehr: Immer mehr von ihnen bieten Ganztagsbetreuung an. Elektronische Tafeln lösen die Kreidetafeln ab, moderne Medien verändern das Lernen und kooperative Lernformen ersetzen zunehmend den alten Frontalunterricht. Die Grundschule wird 2019 einhundert Jahre alt. Dabei stimmt sie heute nicht nur mit der von 1919 nicht mehr überein, sondern ist auch ganz anders als die, die wir als Kinder selbst erlebt haben.

Auf dem nationalen IT-Gipfel im November 2016 wurde unter dem Motto „Lernen und Handeln in der digitalen Welt“ die „Schul-Cloud“ als Pilotprojekt vorgestellt, das derzeit an Versuchsschulen erprobt wird. Schulbücher wird nach ihrer flächendeckenden Einführung niemand mehr benötigen. Zunächst aber wird in allen dritten Schuljahren des Saarlands der Mini-Computer Calliope eingesetzt. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka begrüßte das mit den Worten: „Mit digitalen Medien ist es möglich, den Unterricht individueller zu gestalten.“ Das klingt sehr positiv. Schule mit modernster elektronischer Vernetzung scheint die Perspektive für zukünftige Entwicklungen zu sein. Doch es gibt auch andere Stimmen. Unterrichts- und Schulentwickler Otto Seydel (s. Interview Seite 5) beispielsweise betrachtet die „digitale Revolution“ nur als ein Element neben künstlerischen, ökologischen und demokratischen Wegen der Weiterentwicklung von Bildung.

MIT-UND VONEINANDER LERNEN – DAS BLEIBT WICHTIG

Wenn von Digitalisierung die Rede ist, wird dieses Miteinander häufig ausgeblendet. Lernen ist zudem nicht allein Aneignung von Wissen, sondern auch das Teilen von Gelerntem mit anderen. „Als sozialer Raum der Begegnung und der Auseinandersetzung mit anderen Erfahrungen und Sichtweisen wird die Schule immer wichtiger“, meint Hans Brügelmann. Der Erziehungswissenschaftler mahnt, dass Lernen nicht ein bloßes Anhäufen toten Wissens sein dürfe, sondern auch in seiner Bedeutung für Persönlichkeitsentwicklung und Gemeinschaftsfähigkeit gesehen werden müsse. „Das bedeutet konkret, dass Kinder tagtäglich erleben, wie wichtig ihre Gedanken und Gefühle sind, dass sie sich jedoch mit anderen verständigen und arrangieren müssen. Lernverträge, Klassenrat und Schulparlament sind zentrale Merkmale einer demokratischen Schule, in der alle mit- und voneinander lernen“, plädiert Brügelmann für die Relativierung elektronischer Medien.

Aber Relativierung bedeutet ja nicht Ausschluss. Die Vogelsangschule Saarlouis beispielsweise verfügt nicht nur über elektronische Whiteboards in allen Grundschulklassen, sondern auch über ein Schulnetz, mit dem alle elektronischen Materialien in jeder Klasse jederzeit abgerufen werden können. Ihr pädagogisches Konzept jedoch sieht die Kinder selbst im Mittelpunkt des Schullebens. Nestwärme und Gemeinschaft stehen im Einklang mit dem Einhalten von Regeln, dem Annehmen von Vorbildern und der Übernahme von Verantwortung für andere.

BUCHTIPP

Richard David Precht: Anna, die Schule und der liebe Gott. Goldmann, 352 Seiten, 9,99 Euro
Wie können wir Kindern helfen, Neugier, Kreativität und Teamgeist für eine immer komplexere Welt zu erwerben?

BUCHTIPP

Remo H. Largo: Lernen geht anders. Bildung und Erziehung vom Kind her denken. Piper, 192 Seiten, 8,99 Euro
Largo zeigt, wie freies Lernen in jeder Altersgruppe möglich wird.

Soziale Medien müssen durch soziales Miteinander in der Schule ergänzt werden. Nur so sind ganzheitliches Lernen und eine lebendige Gemeinschaft möglich


„Technik und Medien haben sich der Pädagogik unterzuordnen“, stellt auch Wolfgang Kraft klar. Der Direktor des baden-württembergischen Landesmedienzentrums (LMZ) betont die Vorzüge von Tablets im Unterricht, grenzt ihren Einsatz aber ein: „Diese Geräte ergänzen die herkömmlichen Medien und Methoden, ersetzen sie aber nicht.“ Unter dieser Voraussetzung betreut das LMZ mehrere Versuchsschulen. Eine davon ist die Bergschule in Heidenheim. Je zwei Schüler aller vierten Klassen teilen sich einen Tablet-Computer. Der medienpädagogische Berater des LMZ unterstützt die Lehrer beim Einsatz der Geräte. So nutzen die Schüler sie neben den herkömmlichen Medien wie Arbeitsblättern und Büchern.

Es gibt jedoch auch Schulen in Deutschland, die von ganz anderen Realitäten geprägt sind. An etlichen Bildungseinrichtungen sind die Fenster undicht und die Toiletten in einem unzumutbaren Zustand. Allein in Berlin beläuft sich der aktuelle Sanierungsstau an Schulen auf 3,9 Milliarden Euro. Da ist es besonders wichtig, erst einmal an die Kinder zu denken.

Kurze Geschichte der Grundschule

In Deutschland gab es vor 1919Volksschulen mit den Klassen 1 bis 8 für die ärmeren Schichten der Bevölkerung. Kinder wohlhabender Eltern besuchten Vorschulen oder erhielten Privatunterricht, um sich auf die Aufnahme in das Gymnasium vorzubereiten. Erst 1919, ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, wurde in Artikel 146 der Weimarer Reichsverfassung verkündet: „Auf einerfür alle gemeinsamen Grundschule baut sich das mittlere und höhere Schulwesen auf.“ Mit dem Reichsgrundschulgesetz vom 28. April 1920 wurde sie dann als staatliche Schulart für alle Kinder offiziell ins Leben gerufen.

DIE SCHULE WIRD SICH NOCH MEHR DER VIELFALT STELLEN MÜSSEN

Die Idee der Grundschule bei ihrer Einführung vor 99 Jahren war es ja gerade, Kinder aus den verschiedenen sozialen Schichten gemeinsam zu unterrichten. Wo das gelingt, werden Schülerinnen und Schüler mit deutschen Eltern zusammen mit denen aus fremdsprachigen Elternhäusern beschult, Kinder mit Behinderungen gemeinsam mit Hochbegabten, sozial schwache zusammen mit reichen. Das ist die Voraussetzung für eine positive gesellschaftliche Integration, für das Miteinander aller sozialen Gruppen. Heute weiß man aus der sozialwissenschaftlichen Forschung, dass gerade diese Vielfalt es ermöglicht, mehr begabte Kinder zu entdecken und die schulischen Leistungen aller effizienter zu fördern.

Die Schule der Zukunft wird noch mehr als die heutige Schule mit Kindern konfrontiert sein, die einen Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich aufweisen. Verhaltensauffälligkeiten nehmen seit einigen Jahren stetig zu. Die oben bereits erwähnte Vogelsangschule in Saarlouis ist aufgrund ihres besonderen pädagogischen Profils noch mehr davon betroffen als andere. Sie hat gemeinsam mit dem Jugendamt der Stadt und der „partnerschaftlichen Erziehungshilfe“, einem Träger der freien Wohlfahrtspflege, zusätzliche Sozialpädagogen einstellen können, die die Arbeit der Lehrkräfte vor allem in den Klassen 1 und 2 unterstützen. Sie ersetzen die sonst üblichen Einzelfallhelfer, die es nur noch für Kinder mit körperlicher oder geistiger Behinderung gibt. Einen anderen Ansatz mit ähnlicher Zielsetzung verfolgt der Aachener Verein Malaika e.V. Er hat die Förderung von Lern- und Lebensfreude im Blick und speziell dafür sein „Förderkonzept Glück“ entwickelt. Es will Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen und lädt sie ein zu Optimismus, Neugier, Mut, Achtsamkeit sowie zu Zukunftsvisionen. Etliche Schulen in Aachen und Umgebung praktizieren dieses Konzept schon seit Jahren erfolgreich. Bewegung, gemeinschaftliches Lösen von Problemen durch „Ziehen an einem Strang“ oder die „Komplimenterunde“ lassen die Kinder gemeinsam Glücksgefühle wahrnehmen und so Persönlichkeit entwickeln.

INTERVIEW

WIE MÜSSEN DIE RAHMENBEDINGUNGEN EINER SCHULE DER ZUKUNFT AUSSEHEN?

Dr. Otto Seydel ist Pädagoge und Autor sowie Gründer und Leiter des Instituts für Schulentwicklung (OSIS)


familie&co: Wie sollten sich Schulen entwickeln, damit sie die Kreativität der Schüler fördern können?
Lehrer brauchen Freiräume, um selbst kreativ sein zu können. Dann geben sie Schülerinnen und Schülern eher eine Chance, sich frei zu entfalten. Leider droht die Gefahr, dass eben diese Freiräume im Lehrplan immer mehr beschnitten werden.
Müssten die architektonischen Konzepte von Schule nicht zukunftsorientierter gestaltet werden?
Natürlich. Viele Schulbaukonzepte orientieren sich allein an einer eng definierten pädagogischen Funktionalität und effizienten Flächennutzung. Aber Schulen brauchen offene, nicht funktional vorbestimmte Räume, Ecken, Nischen, in denen sich Überraschendes entfalten kann.
Was macht eine zukunftsfähige Ganztagsschule aus?
Personell: eine gute Zusammenarbeit von Lehrern und anderen pädagogischen Fachkräften. Zeitlich: ein Wechsel im Tageslauf zwischen Konzentration und Entspannung, Ruhe und Bewegung, Hand- und Kopfarbeit. Räumlich: eine hohe Aufenthaltsqualität, vermittelt durch Architektur und Mobiliar. Und es braucht offene Werkstätten, Präsentationsbereiche, Rückzugszonen.
Die aktuelle Bertelsmann-Studie weist auf eine mangelhafte Lehrerversorgung hin. Wie beurteilen Sie die Situation?
Ich sehe Chancen. Allerdings nur, wenn es gelingt, Schule zu öffnen, indem Menschen eingestellt werden, die einen pädagogischen Blick auf die Kinder und Jugendlichen einbringen, der nicht durch Lehrplan und Noten bestimmt ist. Damit aus der Not eine Tugend werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens: Es müssen Erwachsene geworben werden, die dieser Aufgabe gewachsen sind. Notfalls muss die Zusammenarbeit nach einer Probezeit sofort beendet werden! Zweitens: Es müssen ausreichend Mittel und Kompetenzen bereitgestellt werden für Begleitung und Schulung. Und drittens: Begleitung und Schulung müssen auch die professionellen Lehrer einbeziehen. Sie müssen lernen, mit den neuen Helfern zusammenzuarbeiten.

14 Thesen zur Zukunft des Lernens (nach Dr. Otto Seydel)

Welches sind die elementaren Rahmenbedingungen für erfolgreiches Lernen in der Schule?
1 Lernen braucht gute Akustik und angepasstes Klima, ausreichend Licht und frische Luft.
2 Lernen braucht Sicherheit.
3 Lernen braucht eine anregende und wohltuende Umgebung.

Wie wird gelernt?
4 Lernen braucht vielfältige aktive Zugänge und unterschiedliche Perspektiven.
5 Lernen braucht den Wechsel der Sozialformen: allein, zu zweit, in der Kleingruppe, im Klassenverband, in der Jahrgangsstufe.
6 Lernen braucht die Balance von Ruhe und Bewegung.

Welche Lerninhalte und Lernwege erhalten in Zukunft ein besonderes Gewicht?
7 Die „digitale Revolution“ erschließt neue Methoden für Instruktion und Individualisierung.
8 Theaterspielen und Tanzen, Singen und Gestalten, Malen und Musizieren schaffen die Basis kultureller Bildung.
9 Schule ist Vorbild und Projektfeld im ressourcenschonenden Umgang mit Umwelt und Technik.
10 Der demokratische Staat benötigt eine demokratische Schule: Demokratie muss praktiziert werden, um verstanden zu werden.
11 Die Schule öffnet sich zur Stadt, die Stadt öffnet sich zur Schule.

Welche Auswirkungen auf Unterricht und Schulleben haben die Anforderung „Ganztag“ und „Inklusion“?
12 Ganztagsschule ist nicht nur Lernort, sondern auch Lebensort: Zum Toben und Chillen, Spielen und Reden, Essen und Trinken, Feiern und Präsentieren u.v.a.
13 In der inklusiven Schule wird niemand ausgeschlossen.

Wie verändert sich die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer?
14 Lehrer arbeiten nicht als „Einzelkämpfer“, sondern im multiprofessionellen Team.

Den sozialen Realitäten hat sich auch die inklusive Berliner Fläming-Grundschule geöffnet. Sie arbeitet seit 1975 als erste deutsche Grundschule mit Kindern mit und ohne Behinderung. Ihre rund 580 Kinder kommen aus 44 verschiedenen Herkunftsländern. Zehn bis zwölf Prozent von ihnen weisen einen sonderpädagogischen Förderbedarf auf. Diese Schule beweist mit ihrer Arbeit seit mehr als vier Jahrzehnten, dass das Miteinander von Kindern ohne und mit Behinderung nicht nur möglich, sondern auch für alle förderlich ist. Auf ihrer Internetpräsenz findet man die „7 goldenen Regeln“ zum respektvollen Umgang miteinander. Regel 1 lautet: „Jeder Mensch ist verschieden. Das erkenne ich an und achte das. Anderen Mitmenschen gegenüber verhalte ich mich wertschätzend. Denn ich möchte auch von anderen anerkannt sein.“ Genau diese Haltung ist für Schulen heute wie in der Zukunft maßgeblich, ob sie mit oder ohne Computer arbeiten.

KINDER BESTIMMEN SELBST, WAS SIE LERNEN WOLLEN

Gerade die inklusiv arbeitenden Schulen weisen den Weg in die Zukunft. An ihnen spielt das menschliche Miteinander eine besondere Rolle, weil die individuellen Unterschiede zwischen den Kindern größer sind als anderswo. Schulen brauchen künftig also sowohl mehr Individualisierung als auch mehr Gemeinsamkeit. Die wachsende Unterschiedlichkeit zwischen den Schülerinnen und Schülern erfordert ihre zunehmende Kooperation. Teamfähigkeit muss für alle real erlebbar sein, denn in Zukunft wird es immer mehr und immer komplexere Herausforderungen geben, die nur im Team zu bewältigen sind.

Lernen findet in Zukunft nicht mehr nur in, sondern vermehrt auch außerhalb der Schule statt


Schon in der Vergangenheit haben Grundschulen begonnen, die Bedürfnisse und Rechte der Kinder mehr und mehr zu berücksichtigen – als Schutz-, aber noch nicht als Teilhaberechte. Grundschulexperte Hans Brügelmann meint deswegen: „Kinder haben ein Recht mitzubestimmen, was und wie sie lernen. Schließlich wissen auch wir Erwachsenen nicht, in was für einer Welt die heutigen Kinder einmal leben werden. Sie müssen also vor allem lernen, wie sie sich neues Wissen aneignen und ihre Kompetenzen weiter entwickeln können.“ Dementsprechend wird sich Unterricht verändern – hin zum eigenaktiven Lernen.

Auch die Rolle der Lehrer wird sich wandeln, vom „Be-Lehrer“ hin zum Coach, der Orientierungshilfe in der Welt der Medien und Inhalte bietet. Und die Klassengemeinschaft wird sich hin zum Mit- und Übereinanderlernen verändern. Soziale Wesen brauchen schließlich soziales Miteinander, um nicht unsozial zu werden. An Computern nur nebeneinander zu lernen wird der Menschheit nicht helfen, die Zukunft zu gewinnen.

Ganztägiges Lernen setzt eine entsprechende Infrastruktur voraus, z. B. Mensen, Ruhezonen sowie Sport- und Freizeit anlagen


Auch die architektonische Gestaltung der Schulen muss sich diesen Trends anpassen. Wenn Kooperation wichtiger wird, brauchen Kinder Flächen und Plätze dafür. Sie müssen Lern- und Leseecken, Werkstätten und Küchen, Raum für Sport, Spiel und Freizeit zur Verfügung haben, wenn sie ganzheitlich lernen sollen. Die Entwicklung der Schularchitektur wird mit der Stadtentwicklung Hand in Hand gehen. „Schule wird nur dann zum Zusammenhalt in der Gesellschaft beitragen können, wenn sie auch in benachteiligten Stadtteilen attraktiver und besser ausgestattet wird“, meint Pädagogikprofessor Hans Brügelmann.

Entscheidend ist aber allemal das menschliche Miteinander. Welche großartigen Leistungen Kinder und Jugendliche zu erbringen vermögen, kann man sehen, wenn man sich die Porträts der Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises anschaut. Grundschulkinder spielen miteinander Theater, helfen sich gegenseitig in der Freiarbeit, produzieren zusammen Schulradio oder präsentieren ihre Forschungserkenntnisse vor der Klasse.

Wo Kinder derart eigenständig und interaktiv lernen können, hat die Zukunft der Schule bereits begonnen – und bietet mutmachende Einblicke in die Schule der Zukunft.

Internettipps

www.zeit.de/2010/48/CH-Schule/komplettansicht
Franco Supino beschreibt in der ZEIT, wie das Lernen in Zukunft aussehen könnte – „vorausgesetzt, die Politik lässt die Finger davon“.
www.wissen.de/innovatives-lernen-oderalles-beim-alten-wie-sieht-schule-im-jahr-2030-aus
Innovatives Lernen oder alles beim Alten? Wie sieht Schule im Jahr 2030 aus? Ergebnisse einer globalen Befragung von Bildungsexperten.


FOTOS: GETTYIMAGES/LISE GAGNE, -/HERO IMAGES; FOTOLIA.COM/SYDA PRODUCTIONS; PIXTAL; CHRISTOPHER CLEM FRANKEN