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Mitten im Laben: Silke (41) ist querschnittsgelähmt, weil ihr Mann sie am Trapez nicht auffing: Der Unfall hat unsere Liebe noch stärker gemacht


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 28.02.2019
Artikelbild für den Artikel "Mitten im Laben: Silke (41) ist querschnittsgelähmt, weil ihr Mann sie am Trapez nicht auffing: Der Unfall hat unsere Liebe noch stärker gemacht" aus der Ausgabe 10/2019 von Bildwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 10/2019

ZUSAMMENHALT
Mit Rollstuhl, Hochrad und ihrem Hündchen machen Silke und Didier gerne Ausflüge


SOLIDARITÄT
Zu Hause in Aigle (Schweiz) sitzt auch Didier im Rollstuhl


NEUES STANDBEIN FÜR DAS PAAR
Heute verdienen die beiden als Ballonkünstler ihr Geld. Damit Silke besser arbeiten kann, lässt sich ihr Rollstuhl in eine stehende Position aufrichten


AUF DER ÜBERHOLSPUR
Silkes neue Leidenschaft ist das Handbike – sie gewinnt ein Rennen nach dem anderen


Wenn man Silke und Didier (52) zum ersten Mal zusammen sieht, könnte man meinen, die beiden seien frisch verliebt. Hier ein inniger Blick, dort eine ...

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... zärtliche Berührung. Es ist ganz klar: Die zwei sind ein Herz und eine Seele. Daran hat auch das schreckliche Unglück, das Silke in den Rollstuhl zwang, nichts geändert. Das Leuchten verschwindet aus ihren schönen Augen, als sie erzählt: „Es war der 24. September 2007. Wir trainierten eine neue Version unserer Akrobatik-Nummer Jungle Joke für einen Auftritt in einem Freizeitpark im italienischen Rimini.“ Ein ganz normales Training, ein ganz normaler Tag. „Ich schwang am Trapez, und der als Gorilla verkleidete Didier sollte mich auffangen.“ Auf ein Sicherheitsnetz oder -Seil haben sie verzichtet. Schließlich hatten sie ähnliche Nummern bei ihren Engagements in Zirkussen, Freizeitparks, Open-Air-Festivals und Varieté-Theatern schon jahrelang absolviert. Probleme gab es nie. Auch an diesem Tag streckte Didier seine kräftigen Hände nach Silke aus. Aber dieses Mal griff er daneben – und Silke krachte aus vier Metern auf den steinharten Boden, brach sich den Schädel und das Rückgrat, musste zwei Wochen Koma und sieben Monate Reha überstehen. Sie erinnert sich an die Zeit danach: „Am Anfang war es der Horror. Eine Hälfte von mir, die körperliche, schien abgestorben zu sein. Ausgerechnet die Hälfte, die mich immer durchs Leben geführt hatte.“ Kennt man ihre Vita, versteht man, was sie damit meint: Schon als Kind liebte die in Deutschland geborene und in der Schweiz aufgewachsene Silke das Tanzen und Turnen. Ihre Eltern hatten ihr schon früh erlaubt, Lehrgänge in Zirkusschulen zu besuchen und schließlich, als sie 18 war, die staatliche Schule für Artistik in Berlin zu absolvieren. Während eines ihrer Engagements lernte Silke 2003 den Schweizer Artisten und Clown Didier Dvorak kennen – und lieben. Von da an arbeiteten die beiden als erfolgreiches Duo zusammen. Beide konnten sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Wie also sollte es nach dem schrecklichen Unfall weitergehen? Silke erinnert sich: „Irgendwann habe ich begriffen, dass ich nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein geistiger Mensch bin.“ Vor allem in der Reha habe sie durch die Schicksale anderer gelernt, dass Aufgeben keine Option ist. Für sie schon mal gar nicht! Und das Paar schaffte es tatsächlich, sich ein neues Leben aufzubauen: Als Ballon-Künstler gestalten Silke und Didier aus abertausenden bunten Latex-Schläuchen riesige Landschaften, Figuren und Dekorationen für Ausstellungen und Festivals. Auch in ihrer Freizeit hat Silke wieder Spaß: Das Handbiking verleiht ihr nach eigenen Worten das Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit. Sie strahlt, als sie von ihren Rennerfolgen berichtet. Und sie strahlt noch mehr, als Didier sie zärtlich umarmt und sagt: „Silke ist die großartigste Person, die ich kenne. Sie hat nie ein Wort über den Unfall verloren, mir nie auch nur den Hauch eines Vorwurfs gemacht. Für Außenstehende mag das merkwürdig klingen, aber uns hat dieser schreckliche Schicksalsschlag nur noch enger zusammengeschweißt.“


„Es war, als sei plötzlich eine Hälfte von mir abgestorben“


SO GESCHAH DAS UNGLÜCK
„Jungle Joke“ hieß die Nummer, bei der Silke aus vier Metern in die Tiefe stürzte


Kreativ- EXTRA

Schreiben Sie uns Ihr Schicksal!

Sie haben etwas erlebt, das Stoff für eine große Geschichte oder sogar für ein Buch ist? Senden Sie Ihre Story (mit Foto) an: Red. Bildwoche, „Schicksale“, Rotweg 8, 76532 Baden-Baden oder per Mail: kontakt@bildwoche. de, Betreff: Schicksale. Und vielleicht können Sie ja Ihre Geschichte bald hier lesen …


Fotos: blup.de, Cynthia Vice Acosta/Remo Naegeli, Fotolia, PR