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Mitten im Leben: DETEKTIV JOCHEN MEISMANN (57) JAGT LIEBESBETRÜGER IM INTERNET: „So werden einsame Frauen von skrupellosen Schwindlern ausgenommen“


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 13.02.2020
Artikelbild für den Artikel "Mitten im Leben: DETEKTIV JOCHEN MEISMANN (57) JAGT LIEBESBETRÜGER IM INTERNET: „So werden einsame Frauen von skrupellosen Schwindlern ausgenommen“" aus der Ausgabe 8/2020 von Bildwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 8/2020

FALSCHE IDENTITÄT Solche gefälschten Ausweise versenden die Betrüger im Internet. Sie machen den Frauen vor, interessante Berufe zu haben


GUTGLÄUBIGES OPFER Petra W. (links) fiel auf einen Liebesbetrüger herein. Mit langen Briefen und diesem gestohlenen Foto (oben) gaukelte er ihr Liebe und Georgenheit vor und wickelte sie ein


Am Anfang waren es viele liebe Worte, Zuwendungen mit unzähligen Text- und Sprachnachrichten. Und das jeden Tag per Handy-Chat und auf dem Bildschirm ihres Computers. Petra W. (54) wurde überflutet mit Liebesschwüren. Und obwohl sie den unbekannten Charmeur nie persönlich ...

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... getroffen hat, waren am Ende tausende Euro weg: „Es war wie eine Sucht für mich, von der ich nicht mehr lassen konnte und wollte. Ich dachte den ganzen Tag an ihn und wann er mir wieder so romantische und gefühlvolle Dinge schreibt. Ich schwebte monatelang auf Wolke sieben.“ Die Krankenschwester aus einem Dorf in Baden-Württemberg blickt immer noch fassungslos auf das Schicksals-Jahr 2013 zurück. Damals geriet sie in die Fänge eines „Romance Scammers“. Das sind kriminel-Fotos: Alpha STORYTELLING by Kai Kapitän (2)/Privatfoto (5), Stefan Schejok le Liebesbetrüger oder Heiratsschwindler im Internet. Sie finden ihre Opfer immer leichter, denn die Frauen geben in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook sehr viel Privates über sich preis.

Betrug. „Das ist eine Goldgrube für solche Betrügerbanden, die mit der Einsamkeit ihrer Opfer weltweit und ganz bequem von ihrem Computer aus immer noch Milliarden verdienen, obwohl diese Betrugsmasche mittlerweile bekannt sein sollte“, erklärt Detektiv Jochen Meismann (57) aus Dorsten (NRW). Mit seinem Team von „A Plus Detektei“ (www.detektei-aplus.de) jagt er die Liebesschwindler, deckt ihre Absichten auf und warnt die potentiellen Opfer: „Das sind in der Mehrzahl einsame Frauen auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Das verraten sie oft unbewusst durch ihre Postings oder wenn sie sich bei Partnerschaftsbörsen anmelden. Ihnen gegenüber steht eine skrupellose Betrugsindustrie.“


Die Opfer sind auf der Suche nach Liebe


Ausspioniert. Das sind gut organisierte Banden, meist aus afrikanischen Staaten, die Informationen über ihre Opfer sammeln und sie analysieren. Der erste Kontakt findet über Nachrichten an die Frauen statt. Die Betrüger verstecken sich hinter gefälschten Profilen und gestohlenen Fotos. Es werden also Personen „erschaffen“, die interessante Berufe haben, aufmerksam, humorvoll und romantisch sind. Echte „Traummänner“! Und denen überweisen die betroffenen Frauen Geld, weil sie sich verliebt haben.

Blind vor Liebe. Petra W. ist eine von ihnen. Sie verlor einige tausend Euro – trotz Warnungen von Freunden und Familie: „Ich konnte einfach nicht mehr damit aufhören, obwohl mir mein Bauchgefühl zwischendurch immer wieder gesagt hat, dass da vieles nicht stimmen kann.“ Damals war Petra W. nach 28 Jahren Ehe geschieden und arbeitete auf einer Palliativstation: „Da hätte ich mir zu Hause einen Partner gewünscht, der mich emotional auch mal auffängt.“ Dann schrieb sie plötzlich „Mike Alvin“ an. Zunächst war sie skeptisch: „Warum sollte ein Fremder aus dem Ausland mit mir flirten wollen? Doch es waren sehr schöne Worte, für die ich damals sehr offen war.“ Damit hing sie am Haken des Betrügers. Und als der „Ingenieur“ Geld für seine kranke Tochter oder einen kaputten Bohrer brauchte, überwies sie ihm das Geld: „Ich wollte mir nicht eingestehen, einem Betrüger auf den Leim gegangen zu sein. Heute schäme ich mich dafür, will aber andere Frauen davor warnen, denn der Liebesbetrug funktioniert immer noch.“

Aufgespürt. Das bestätigt auch Detektiv Jochen Meismann. In seiner Detektei melden sich jede Woche mindestens zehn Frauen und berichten von ihren Erlebnissen: „Wir überprüfen dann im Auftrag der Klientinnen, ob die ,Traummänner’ echt oder ,Romance Scammer’ sind. Viele der Frauen sind uns dankbar, brechen den Kontakt zu den Liebesbetrügern ab.“ Bei einigen Fällen, wie bei Petra W., ist es aber leider viel zu spät. Eine Frau aus NRW zahlte 220.000 Euro an ihren „Verehrer“. Detektiv Meismann: „ Die Opfer sind oftmals gutgläubig, aber nicht dumm. Sie kommen aus guten gesellschaftlichen Kreisen und sind gebildet.“ Und sie haben eins gemein: Sie suchen nach der großen Liebe.


Manche Frauen zahlen ein Vermögen


SPURENSUCHE Viele der Betrüger sitzen in Nigeria und sind für die Strafverfolgung somit nicht greifbar


Tipps von Psychotherapeut Dr. Christian Lüdke (59)

Dass Frauen auf Liebesbetrüger hereinfallen, nennt man „Hybristophilie“, besser bekannt als „AMIGA“-Syndrom. Es bedeutet, dass die Opfer schon frühzeitig Widersprüche bemerken, trotzdem lassen sie sich auf das Spiel ein mit der Bergündung: „Aber Meiner Ist Ganz Anders!“ Sie haben das Gefühl, dass sie eine außergewöhnliche Beziehung haben. Es sind sehr häufig Frauen, die emotional sehr vereinsamt sind und letztlich nach jedem Strohhalm greifen, der Ihnen Aufmerksamkeit bringt. Wer im Internet angeschrieben wird, sollte immer Freunde zur Kontrolle mit einbeziehen und auf das Bauchgefühl vertrauen. Sobald jemand Geld will, Abstand nehmen!


Fotos: Alpha STORYTELLING by Kai Kapitän (2)/Privatfoto (5), Stefan Schejok