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MOBIL MIT STIL


Auto Bild klassik - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 15.07.2021

FAHRKULTUR

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HUNDEFUTTER MIT CHAUFFEUR Nach dem Dreh lässt sich der Filmstar zum Tierefüttern fahren

DIE SÜDKÜSTE SPANIENS, nicht weit von Almería, 1967 oder 1968. Ein weißer Rolls-Royce Silver Cloud rollt von der Straße, Reifen knirschen auf Sand. Es steigt aus: Brigitte Bardot, mit einer Tüte voller Küchenabfälle in der Hand. Ihr Chauffeur, Brahim, beobachtet sie. Ein Hund kommt, schnappt sich ein Stück und trollt sich. Brigitte lächelt ihm hinterher. Es klickt: Jacques Héripret macht ein Foto.

Der Fotograf lebt heute in Paris, wir haben ihn gefunden. „Jeden Tag forderte Brigitte Bardot die Kantine auf, Tüten mit Essen beiseitezustellen. Wir steckten sie in ihren Koffer, und sie ging nach ihrem Drehtag, um die streunenden Tiere zu füttern. Sie war gerne allein mit ihren Tieren, das gab ihr eine Pause von ihrem Arbeitstag“, erzählt er uns. Sie drehte gerade mit Sean Connery den Western „Shalako“. Brigitte Bardot selbst bezeichnet die Fahrt zu den Tieren als „bouffe“, als „Fresstour ...

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... nach der harten Arbeit.“ Héripret sagt uns auch: „Wegen des Geruchs nach Speiseresten aus der Kantine wollte niemand in ihr Auto einsteigen.“

„Wegen des Geruchs nach Speiseresten aus der Kantine wollte niemand in ihr Auto einsteigen.“

Jacques Héripret, Fotograf

Das Foto verdichtet das damalige Leben der Bardot: Schauspielerei und die luxuriöse Welt des Films – das war ihre Arbeit.

Ihre Leidenschaft: Das waren und sind die Tiere.

Dass ihr Rolls-Royce (siehe Kasten Seite 47) deshalb zum Himmel stank und ihr Chauffeur das ertragen musste – lässt das den Schluss zu, das Autos und Menschen ihr egal sind?

Was Autos angeht: nein. Ihr Privatsekretär Frank Guillou schreibt uns zum Beispiel, dass sie zwei Renault 4L habe, und „sie hat eine Leidenschaft für diese Autos“. Außerdem, berichtet er, stünden heute auf ihrem Hof am Mittelmeer ein Toyota-Geländewagen, ein Mini Moke, ein Renault Kangoo („um ihre Hunde Gassi zu führen“) und in Paris ein Renault Twingo. Sie habe „sehr viele Autos besessen“ und sie immer wieder gewechselt.

Ein Mini Moke befand sich die meiste Zeit in ihrem Fuhrpark. In der Pariser Bardot-Ausstellung stand ihr grüner Moke von 1966. Die Firma Moke Azur Cars in Saint-Tropez arbeitete 2020 sogar zehn Mini Moke „mit veganen Materialien“ auf, teils blau, teils pink lackiert, „BB“ hat sie vor dem Verkauf signiert.

Zu ihren Liebschaften zählte der Rennfahrer François Cevert. Ein Video zeigt, wie die beiden 1971 über eine Automesse schlendern, sich Sportwagen ansehen, rauchen und mit etwas bekleidet sind, das wie Pelzmäntel aussieht (aber die können ja kaum echt gewesen sein).

Unauffällige Autos – ja, die gab’s schon, einen Peugeot 206 von 2003 zum Beispiel. Aber ihr Geschmack führt sie offenbar immer wieder zu den exaltierteren Modellen, egal ob billig oder teuer: AMC Pacer, Morgan +4, Porsche, Range Rover … klar, sie selbst war ja auch nie eine graue Maus.

Ihre beinahe schon offizielle Berufsbezeichnung war „Sexsymbol“. Den Titel hat sie sich erarbeitet, nicht allein mit ihrem Aussehen, sondern aktiv. Bereits 1952 trieb der Film „Liebesnächte mit Manina“ den prüden Zuschauern die Röte ins Gesicht, wahlweise Zornes-, Scham- oder Erregungsröte. Ihr Durchbruch war 1956 „Und immer lockt das Weib“, mit dem sie international das Image der Franzosen als liebestolles Volk zementierte.

1967 schwang sie sich im Lederminirock aufs Motorrad, besang das Fahren auf der Harley-„Davidsonne“ und wie die Vibrationen ihr Blut in Wallung versetzen. Im selben Jahr nahm sie mit ihrem Ex Serge Gainsbourg das schwüle Chanson „Je t’aime … moi non plus“ auf – als die Platten schon gepresst waren, bat sie ihn, den Song unter Verschluss zu halten, um ihren Ehemann Gunter Sachs nicht zu erzürnen. Gainsbourg ließ die 40 000 Singles auf seine Kosten vernichten und nahm das Lied zwei Jahre später noch einmal auf – mit Jane Birkin.

An Erfolg und Geld mangelte es ihr nicht. Laut Buchautor Henry-Jean Servat hat sie dem französischen Staat zu ihren besten Zeiten mehr Devisen eingebracht als Renault.

1973 schmiss sie alles hin: die Filme, die Musik, den ganzen Zirkus. „Filmemachen ging mir bereits seit Langem auf die Nerven, und innerhalb einer Sekunde beschloss ich, damit aufzuhören. Sofort.“ Nicht wirklich sofort, die Sexkomödie „L’histoire très bonne et très joyeuse de Colinot Trousse-Chemise“ drehte sie noch zu Ende.

Gegen das Töten von Robbenbabys zog sie 1977 zu Felde, Frankreich verbot dann den Handel mit Produkten aus der Robbenjagd. 1986 gründete sie die Tierschutzstiftung Fondation Brigitte Bardot, die viele Projekte betreibt;, sie beteiligt sich etwa an der Wiederansiedlung von Wölfen in den Alpen – so war sie wieder in den Schlagzeilen.

Und die machte Brigitte Bardot nicht zum letzten Mal: Ihr Buch „Un cri dans le silence“ aus dem Jahr 2003 ist eine Schimpftirade gegen Ausländer, gegen Moslems, gegen emanzipierte Frauen, gegen Medien, Justiz und Politik – nur nicht gegen den rechtsradikalen Front National.

Ausgerechnet sie, das frü - here Sexsymbol, kritisiert das Bildungsministerium so: Es fehle ihm „an Strenge, Moral und Verantwortungsgefühl“. Das Klonen von Menschen „wäre zu befürworten, wenn es die Geburten anormaler Kinder verhindern könnte“. Sie beklagt eine „Islamisierung Frankreichs. Diese erzwungene Unterwerfung widert mich an“. Ein Gericht in Paris verurteilte sie wegen Aufrufs zum Rassenhass zu einer Geldstrafe.

Eine kuriose Passage aus dem Buch, die sich auf Autos bezieht: „Man hat nicht mehr das Recht, ohne den gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsgurt, durch den man in sein Auto gequetscht wird, zu fahren, hat nicht mehr das Recht, einen gewissen Sicherheitsabstand zwischen den Autos nicht zu beachten, hat nicht mehr das Recht, die Geschwindigkeit von 130 km/h zu überschreiten, obwohl die Tachometer in den Autos bis 250 km/h gehen.“

Womit wir fast wieder bei der jungen Brigitte wären. Schauen wir uns zur Entspannung die Anfangsszene des Films „In Freiheit dressiert“ von 1961 an. Einfach auf der Videoplattform YouTube „2CV la bride“ eingeben, schon sehen wir die schmollmundige junge Brigitte, wie sie in einer Ente völlig chaotisch durch den Pariser Stadtverkehr drischt. Viel Spaß.

Frank B. Meyer