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MOBILITÄT DER ZUKUNFT | Alltagstest Jaguar I-Pace: Er läuft und lädt und lädt…


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auto Test - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 27.02.2019

Drei AUTO TEST-Männer unter Strom: Den neuen, rein elektrisch betriebenen Jaguar I-Pace testen wir unter verschiedenen Alltagsbedingungen. Taugt so ein E-Auto auch für die Langstrecke?


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Fotos: S. Krieger

Fahren wir bald alle elektrisch? Abwarten! Erst mal stromern drei AUTO TESTMänner drauflos. Denn es wird ernst: der Jaguar IPace im ersten Test. Chefredakteur Tom Drechsler, sein Vize Stefan Voswinkel und Testchef Andreas May erzählen, wie sie den ElektroJag erlebt haben. Und ob sie elektrisiert sind.

Andreas May (47):

Pace kommt aus dem Englischen und steht für Schnelligkeit. „Die Pace war hoch“, heißt es ...

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... im Pferderennsport. Meine Pace liegt heute bei 110 km/h, Gegner sind die Brummis auf der rechten Autobahnspur. Große Pferde, aber lahme. Mein Pferd heißt Jaguar IPace, ein ElektroCrossover in der 80000EuroLiga, autsch! Chef Tom hat befohlen: „Du machst mal einen Tag Homeoffice in deiner Heimat Ziegenhain.“ 375 Kilometer von Hamburg nach Hessen elektrisch, schönen Dank auch. Der Akku zeigt 349 Kilometer Reichweite an. Also: Theoretisch müsste ich an der A7Abfahrt Homberg/Efze aussteigen und schieben. Daher erst mal in den EcoModus schalten, geht ganz einfach per Tastendruck auf der Konsole. Überhaupt: alles total easy in diesem Jag, links vier Tasten für die Fahrstufen, darüber sitzt das TouchscreenNavi. Nach kurzer Eingewöhnung hast du dich schnell eingefuchst, du siehst auf dem Navi alle Ladestationen an der Route; ob sie schnell oder mittelschnell laden erst im Untermenü. Mit rohem Ei auf dem Gaspedal über die A7, in Rhüden im Harz erster Halt. Nach 225 Kilometern wäre eh GassiStopp, hinten im Auto sitzt LabradorDame Bella und muss mal. Doof nur: Durchschnittstempo 85 km/h, bei 120 Sachen geht die Restreichweite schneller runter als das Bier im Sommer. An der Ladestation im Harz zeigt die Batterie um 16:45 Uhr 39 Prozent an, Restreichweite 132 Kilometer. Nach Gassirunde und Kaffee ist es 17:19 Uhr, also 34 Minuten später. Der Akku steht bei 74 Prozent und 251 Kilometern.

Reicht für die restlichen 150 Kilometer. Und der „I“ kann sogar noch ein bisschen Pace machen. Mit 26 Prozent und 76 Kilometer Restreichweite kommt er an. Nach fünfeinhalb Stunden. Mit einem Diesel sind es zwei Stunden weniger. Könnten aber auch ein, zwei Knöllchen mehr sein, die Rennleitung an der A49 blitzt auch nachts.

Ach ja, das Laden und die Kosten: In Ziegenhain habe ich den Akku in 58 Minuten wieder auf 80 Prozent geladen, von 76 auf 264 Kilometer. Die Kilowattstunde (kWh) kostet 37 Cent, macht bei 42,8 kWh genau 15,84 Euro. Für 188 Kilometer. Dass ein EAuto günstig fährt, hat niemand behauptet. Die Anschaffung ist es ja auch nicht.

Tom Drechsler (54):

Als ich Freitagabend in den IPace steige, dessen CrossoverForm mir übrigens sehr gut gefällt, zeigte er 401 km Reichweite an. Warum so viel? Tiefgarage, 21 Grad. Draußen bei 8 Grad gebe ich das Ziel ein: Potsdam, 283 km. Das Navi sagt: Sie können Ihr Ziel nur mit einem Ladestopp erreichen. Warum? Wenn’s kalt ist und dunkel, suppt die Reichweite weg. Ich denke: Das wollen wir doch mal sehen…

Als ich nach der Stadtgrenze und etwa 15 Kilometern schon 50 Kilometer Reichweite verloren habe, schalte ich die Klimaanlage aus, dimme die Ambientebeleuchtung (Fahrlicht riskiere ich lieber nicht) herunter. Dann lerne ich: Bei 95 bis 105 km/h schaffe ich schneller einen Kilometer zum Ziel, als dass ich einen an Reichweite verliere.

Das Jaguar-Cockpit mit Zentraldisplay und schwebender Konsole – cool!


Temperaturregler und Sitzheizung in einem – und das Display zeigt es bildlich


Technische Daten

Motor : 2 Elektromotoren

Leistung : 294 kW (400 PS)

max. Drehmoment : 696 Nm

Akku-Kapazität: 90 kWh

Antrieb : Allrad / 1-Gang-Getriebe

Kofferraum: 656–1453 l

0–100 km/h: 4,4 s

Verbrauch: 24,2 kWh/100 km

Reichweite: bis 470 km

Preis: ab 78 240 Euro

Wie im Elfer: Da vorn kein Verbrenner steckt, entsteht Platz fürs Gepäck


! 400 Kilometer Reichweite? Nur in der Theorie. In der Praxis fährst du 110 km/h auf der rechten Spur mit rohem Ei auf dem Gaspedal

Okay: Ich brauche nicht zweieinhalb, sondern dreieinhalb Stunden, aber ich komme ohne Zwischenstopp an. Mit 34 Kilometer Restreichweite.

Waschküchenfenster auf Kipp, Kabel durch, Strom an. 38 Stunden Ladezeit zeigt mein I-Pace an. Meine Frau sagt: Das Fenster bleibt jetzt aber nicht das ganze Wochenende offen, oder? Ich: Nee, nee…

Am nächsten Tag, alle drei Kinder mit an Bord, der Akku zu 37 Prozent geladen, Rundtour. Ehefrau fährt und lernt: Rekuperation? Macht den Bremsfuß überflüssig. Beschleunigung? Einfach klasse. Platz und Anmutung? Richtig chic. Kurvenlage? Sportliches Spal-uunststück (klar, bei den Batterien im Boden).

Dann wieder laden, laden, laden. Ich google: Wie geht Stromtankstelle für zu Hause? Stoße auf nur einen AUTO BILD-Artikel. Das muss mehr werden. Montags schaffe ich die 283 Kilometer wieder in dreieinhalb Stunden, diesmal sogar mit 60 Kilometer Restreichweite. Und mich hat kein Lkw überholt. Sauber! Und noch eine letzte Erkenntnis: Zumindest auf der Autobahn ist ein E-Auto nicht leiser.

Stefan Voswinkel (42):

Zunächst ein Geständnis: Ich mag Elektroautos. Fand schon den BMW i3 cool (wenn auch nicht schön) und hab mich sehr auf den Jaguar gefreut. Tatsächlich passt der irgendwie in mein Leben. Ich wohne mitten in einer Millionenmetropole; wenn ich weiter wegmuss, nehme ich meist den Zug oder Flieger.

Dementsprechend problemlos hat sich der I-Pace in meinen Alltag integriert. Die Reichweite? Für mich immer genügend vorhanden. Statt (wie meine Nachbarn) darüber zu philosophieren, ob denn knapp 80000 Euro zu viel für ein Auto seien, mit dem man nicht einmal in einem Rutsch in den Urlaub fahren kann (mache ich mit meinem privaten Diesel auch nicht), freue ich mich an einem Gefühl, das unbezahlbar ist: Du fühlst dich einfach gut am Steuer! Während die ganzen Verbrenner rund um dich lärmen, genießt du als Fahrer die Ruhe. Erfreust dich an der Erkenntnis, dass du nie, wirklich nie von Fahrverboten betroffen sein wirst. Und du weißt, dass die Luft in der Innenstadt so viel besser wäre, wenn es mehr Autos wie den Jag gäbe.

In meinem Fall hat der I-Pace so oder so einen unschlagbaren Vorteil: einen serienmäßigen Parkplatz. Sonst muss ich ewig suchen, jetzt ist vor der Ladesäule um die Ecke für mich immer ein Plätzchen frei. Noch.

Fazit

Lange haben wir auf die europäischen Tesla-Gegner gewartet, der Jaguar ist der Erste. Er überzeugt auf ganzer Linie mit einem „Haben wollen“-Gefühl. Das ist Premium-Verarbeitung! Auch Langstrecke ist kein Thema mehr. Das ist aber a) teuer und b) passt nicht in jeden Alltag.

Langer Radstand und kurze Überhänge machen den 4,68-Metel-u-Pace sexy


Ist er nicht schön? Der Jaguar I-Pace ist ein Bilderbucl-urossover