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MOBILVETTA YACHT 68: ROLLENDE YACHT MIT STIL


Auto Bild reisemobil - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 08.03.2019

Nobles Ambiente gibt es im Alter auch für den kleineren Geldbeutel: Der vollintegrierte Mobilvetta Yacht 68 war vor 25 Jahren ein Luxus-Exot. Heute lockt er als Youngtimer mit aufwendigem Mobiliar, Hubbett, geräumigem Bad und kompletter Küche. Ein Luxuspaket ohne Reue?


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Sparfüchse mit einem Faible für aufwendige Details kommen bei älteren Vollintegrierten wie unserem gebrauchten Mobilvetta Yacht 68 auf ihre Kosten


FOTO: C. BÖRRIES

Mobilvetta Yacht 68

Länge: 7,02 m Sitzplätze: 4 Schlafplätze: 4 ab 11 490 Euro

www.trigano.de/mobilvetta-wohnmobile/


„Eleganter Möbelbau ist definitiv eine Stärke der Italiener.“

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Hereinspaziert! Der Aufenthalt an Bord ist eine Zeitreise in die frühen Neunziger, die (nachträglich neu bezogenen) Polster sind eine Geschmacksprobe


Im Heck beherbergt der Yacht 68 ein großzügig geschnittenes Bad mit separatem Duschabteil


Wenn Luxus, Stil und ein renommierter Name für moderates Geld zu haben sind, dann ist gerade auf dem boomenden Reisemobilmarkt eine gehörige Portion Misstrauen angebracht. Der vom Lenux Autohandel im schleswig-holsteinischen Appen offerierte Yacht 68 aus dem Hause Mobilvetta Design ist frisch aus den Niederlanden importiert und soll 25 Jahre nach seinem Stapellauf nur noch 11 490 Euro kosten. In Reisemobilkreisen ist das schon fast Dumping – und erst recht extrem moderat für einen Vollintegrierten, der optisch einst für pure italienische Avantgarde stand.
DAS IST ER: Ein ehemals hochpreisiges Designerstück, das heute als sichtbar patiniertes Luxus-Schnäppchen Käufer mit Schrauberkenntnissen lockt. Dank seiner gut sieben Meter Außenlänge und 3,10 Meter lichter Fahrzeughöhe bietet der Yacht 68 innen genügend Bewegungsfreiheit für eine vierköpfige Familie.

Vom Möbelhersteller zur Reisemobilmanufaktur

1961 wurde Mobilvetta Design gegründet. Damals konzentrierte man sich noch auf die Produktion hochwertiger Möbel, exklusiver Ausstattungsgegenstände und den Kunsttischler-Möbelbau. 1976 stieg das toskanische Unternehmen ins Reisemobilgeschäft ein. Durch aufwendig gearbeitete Details und luxuriöse Innenausstattungen wurde Mobilvetta, mittlerweile Premiumhersteller innerhalb des Trigano-Konzerns, zu einer Marke für betont design- und lifestyleorientierte Fahrzeuge.

Mobilvetta Yacht(1996)
Gegenüber unserem Testfahrzeug wirkt die zwei Jahre neuere Ausgabe deutlich jünger


FOTOS: C. BÖRRIES (10), PRIVAT (2), DIETH + SCHRÖDER/C. ALBRECHT

Mobilvetta Top Driver 52(1998)
Auch eine Variation des Alkoventhemas auf Ducato-II-Basis hatten die Italiener im Portfolio


Mobilvetta K-Yacht Tekno Line(2019)
Ein luxuriöser Vollintegrierter mit variablen Längsbänken auf Ducato-Basis


Das großzügige Hubdoppelbett war 1994 avantgardistisch, die gepuzzelte Liegefläche im hinteren Bereich wenig bequem


Kennern fallen die Iveco-Scheinwerfer ins Auge, die breite Frontscheibe bietet ganz großes Kino


Wertige und zugleich widerstandsfähige Oberflächen zeugen von gehobener konstruktiver Klasse


Ambitionierte Köche dürfen sich im Urlaub über einen fest eingebauten Gas-Backofen freuen


Die fest verbaute Gasheizung erwärmt sowohl den Wohn- als auch den Badbereich


Die technische Ausgangsbasis ist dabei deutlich konventioneller, als es das eigenwillig-durchgestylte Konzept vermuten lässt: Als Basis fungiert die von 1978 bis 1996 hunderttausendfach bewährte erste Iveco-Daily-Generation aus dem Fiat-Konzern. Einerseits ein zwillingsbereiftes Fahrzeug mit relativ hemdsärmeligen Transporter-Genen inklusive Leiterrahmen, vorne längs eingebautem Zweieinhalbliter-Turbodieselmotor und Hinterradantrieb, das erhöhte Bedienkräfte am Volant fordert. Andererseits bietet der Iveco aber auch optimale Erbanlagen für ein Reisemobil-Leben in Überlänge und damit eben eine interessante Perspektive als Oldtimer.
DAS HAT ER: Unter seiner gefälligen Außenhaut bietet der Vollintegrierte einen bewährten Grundriss mit cleveren Details: Über den Vordersitzen befindet sich ein großzügiges Doppelbett, welches sich bei Bedarf innerhalb von Sekunden ohne großen Aufwand von der Decke absenken lässt. Dahinter folgen auf der Fahrerseite eine L-förmige Sitzgruppe und ein Schlafsofa. Gegenüber befindet sich die äußerst geräumige Küchenzeile. Abschließendes Highlight ist das geräumige Bad im Heck mit separater Duschkabine. Stilistisch erinnert es nicht von ungefähr an den Bootsbau, zeigt sich bei dem von uns gecheckten Mobil aber leider stark pflegebedürftig. Ansonsten passt das (erkennbar betagte) Ambiente: Warme Holzfarbtöne, massive Möbelfronten und geschickt eingearbeitete Intarsienakzente schaffen eine gemütliche RetroAtmosphäre und würden theoretisch sogar in einem älteren toskanischen Ferienhaus eine bella figura machen. Weitere Sympathiepunkte sammelt der preiswerte Mobilvetta bei uns mit seiner Küche: Hochwertig emaillierte Oberflächen, ein großzügig dimensionierter Kühlschrank samt Tiefkühlfach und eine Deckenbelüftung sind selbst heute nicht selbstverständlich. Dank des bordeigenen Backofens wäre sogar ein geselliger Kochabend inklusive Pizza Mobilvetta drin.

1. VERBAUT Der Vierzylinder-Diesel versteckt sich serviceunfreundlich unter Luftführungen


4. VERKABELT Ist das Bordnetz unverbastelt, funktionieren alle Vebraucher zuverlässig


2. VERFEINERT Möbelausbau mit tollen Details, Ersatzteile sind leider kaum zu bekommen


5. VERBORGEN Ölende Differenziale oder Rost am massiven Rahmen zeigen sich auf der Bühne


3. VERWÄSSERT Dort wo Feuchtigkeit eingedrungen ist, bleiben oft verräterische Flecken


6. VERFORMT Missglückte Rangiermanöver verformten den Stoßfänger. Blieb der Aufbau okay?


SO FÄHRT ER: Sein HartplastikCockpit macht jeden Kilometer hinter der BreitbandWindschutzscheibe zu einer Zeitreise in die frühen Achtziger. Auch die Bedienkräfte von Lenkung, Bremse (kein ABS oder ESP!) und Schaltgetriebe fallen unerhört hoch aus, wenn man sonst an Fahrzeuge aus diesem Jahrtausend gewöhnt ist. Bis zu 4,2 Tonnen Gesamtgewicht machen den einst als kräftig geltenden 116PSTurbodiesel zu einem Bergmuffel: Als Rezept gegen endlose Elefantenrennen mit 500PSSattelzügen auf der Autobahn empfehlen wir für den Mobilvetta Yacht 68 dringend nervenschonende Routen über Nebenstraßen. Dann klappt es auch mit einer entspannten Anfahrt in den nächsten Urlaub – vielleicht mal wieder nach Italien?


„Nur wer hier selbst anpackt, kann glücklich werden“


Das flache Staufach reicht eben gerade für klappbare Campingmöbel


Lüftungs- und Wartungsklappen erleichtern Servicearbeiten


Grau-braune Plastiklandschaften der 80er ohne Komfortextras


FOTOS: C. BÖRRIES (11)

Nebenstraßen bevorzugt: Dieser Mobilvetta liebt die ruhige Gangart


Das Raumgefühl an Bord des Yacht 68 verdient das Prädikat luftig. Durch ein breites Fenster wird die Sitzgruppe mit viel Tageslicht ausgeleuchtet. Zum Schlafsofa weiter hinten ist eine deckenhohe Trennwand verbaut.


Als Vertreter der Sieben-Meter-Klasse bleibt der Mobilvetta auch im Alter eine imposante Erscheinung


Fazit

Konzept und Anmutung des Yacht 68 können auch nach einem Vierteljahrhundert noch begeistern. Realistisch sollte man jedoch nur als Selbstschrauber mit finanziellem Polster zuschlagen. Fahrverbote könnten zudem künftig den Aktionsradius einschränken.