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Mode.HIGHLIGHTS: Frühling!


Monopol - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 27.02.2020

Mit den Augen eines Künstlers: Das Beste aus den Modeentwürfen der Saison, ausgewählt von CLAUS RICHTER


Artikelbild für den Artikel "Mode.HIGHLIGHTS: Frühling!" aus der Ausgabe 3/2020 von Monopol. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Monopol, Ausgabe 3/2020

AMBUSH

Ambush ist cool. Und zwar auch auf eine coole Art. Die US-koreanische Designerin Yoon Ahn arbeitet in Tokio an ihren Kleidungsentwürfen, und man kann sich richtig vorstellen, wie sie in Hightech-Materialien durch die urbanen Neonschluchten hastet und äußerlich emotionslos alles um sich herum in großer Offenheit aufnimmt. Yoon Ahn begann mit Accessoires und erweiterte das Feld 2015 auf Kleidung. Natürlich hat jeder coole Rapper schon mal Ambush angehabt, es gab unzählige Kollaborationen: Es läuft. ...

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... Aber, und das ist das Glück, es wird dabei nicht langweilig, und zwar weil ich mir Yoon Ahn als einen neugierigen Menschen vorstelle. Ihre Begeisterung für Boston-Dynamics-Roboter, David Bowies „Mann, der vom Himmel fiel“ und die Suche nach Halt in einer gnadenlos rasenden Welt könnten dafür sorgen, dass man noch viele Outfits von ihr sehen wird, die wie gemacht sind für Futuristen mit weit offenen Augen, versteckt hinter vordergründig coolen Sonnenbrillen.

SIES MARJAN

Sies Marjan ist das New Yorker Label des Designers Sander Lak. Geboren in den Niederlanden und ultraglobal aufgewachsen in unzähligen Ländern, landete er in New York und bekam vor vier Jahren mit seiner ersten Kollektion sofort die Aufmerksamkeit aller möglichen Stars und Sternchen, dazu saß sofort Anna Wintour in der ersten Reihe. Also: Glück plus wahrscheinlich einige exklusive Steigbügelhalter. Solche Blitzkarrieren sind mir immer suspekt, was mich aber nicht davon abhalten wird, dieses Outfit zu lieben. Dieses besondere Twinset aus Hemd, Jacke und Mantelfutter ist so flirrend wie dezent, und meine Vorliebe für höfisch anmutende, superzeitgenössische Mode wird hier voll und ganz erfüllt. Man sollte in diesem Outfit auf einem elektrischen Pferd, natürlich speziell gefertigt von Boston Dynamics, durch eine brutalistische Kirche reiten. Man wird ja wohl noch ein bisschen träumen dürfen.

CRAIG GREEN

Manchmal liegt man nach einiger Zeit total falsch mit seiner ersten Begeisterung, und die neuen und jungen Designer werden plötzlich langweilig oder machen nur noch Quatsch. Nicht so Craig Green! Nach einer Phase von Versuchen in diese und jene Richtung, von denen einige irre gut und andere eher befremdlich erschienen, hat er jetzt zu einem geradezu klassischen Craig-Green-Stil gefunden. Abgesteppte Flächen, Taschen, Funktionselemente, Uniform als Schutz, japanisch-folkloristische Elemente, retrofuturistische Raumfahrtzitate, alles gut vermischt und mit einer nur ihm eigenen reduzierten Handschrift zwischen Drachenbau und Zeltkonstruktion durchzogen: Craig Green ist und bleibt ein richtig guter Modemacher. Jahr für Jahr.

HOLZWEILER

Auf nach Oslo zu Holzweiler! Die Geschwister Susanne und Andreas Holzweiler und dessen Frau Maria waren eine Zeit lang intensiv mit Schals beschäftigt. Sie bedruckten Schals digital oder verkauften Schals von der Rolle (sieben Meter Schal, bitte!). 2014 begannen sie, ihr Spektrum zu erweitern. Inzwischen gibt es von Holzweiler auch Kleidung, zum Beispiel dieses tolle Ensemble. Wollweiß, Strick, Zopfmuster, alles altbekannt, hier aber so schön in Lagen und Schichten arrangiert, dass es eben plötzlich ein Kleid, ein Mantel, eine Jacke und ein Pullover zugleich ist. Ich mag es, wenn sich mit einer kleinen Änderung, einem raffinierten rearrangement Gewohntes in Neues verwandelt. So funktioniert Kreativität, man nimmt einen Haufen bekannte Dinge und macht was Neues draus.

SID NEIGUM

Plissee ist ein soft spot bei mir, und Sid Neigums plissiertes Kleid ist in seinem Gegensatz aus Linie und Welle, aus Härte und Weichheit wirklich wundervoll. Neigum kommt aus Kanada, hat unzählige Preise und Auszeichnungen für seine oft mathematisch-geometrischen Entwürfe erhalten und zeigt, wie sinnlich Konzeptionalität sein kann. Seine Kleider sind am Goldenen Schnitt ausgerichtet und so konstruiert, dass sie ausgebreitet perfekte Ovale bilden, von Planetenbahnen inspiriert oder auf die eine oder andere clevere Art von Physik, Mathematik oder Geometrie beeinflusst. Ein bisschen wie der legendäre amerikanische Modemacher Roy Halston (wer die Dokumentation über sein Leben noch nicht gesehen hat: jetzt sofort schauen!), ist Sid Neigum ein brillanter Konstrukteur und Schnittkünstler. Abstraktion und Verführung sind hier Komponenten einer Gleichung, deren Ergebnis Schönheit ist.

OTEYZA

Oteyza kommen aus Spanien und haben dieses Jahr zum ersten Mal in Paris ihre Mode gezeigt, was an sich schon eine Auszeichnung ist. Oteyzas Entwürfe sind stark von spanischen, folkloristischen Elementen wie Capes und andalusischen Cordovan-Hüten inspiriert. Passenderweise fand die Oteyza-Show dann auch in der spanischen Botschaft in Paris statt. Mir ist schon klar, dass man so einen Ansatz total albern finden kann – Kostüm, Karneval, Zorro, fehlen noch Augenmaske und Säbel. Aber so einfach ist es dann doch nicht. In einer Zeit rasender Globalisierung und zunehmend generisch werdender Produktästhetik ist es geradezu kühn, lokale Folklore und Tradition ohne Kitsch in die Gegenwart zu bringen. Zugleich denke ich an die Londoner Blitz Kids der 1980er, Visage, Steve Strange, lauter gute Dinge. Wie Palomo ist auch Oteyza ein spanisches Label mit trotziger Eleganz, antizyklisch, bockig und fernab schneller Trends. Toll!

DICE KAYEK

Die Geschwister Ece und Ayşe Ege begannen 1993 in Paris mit ihrer Modelinie. Ihre Entwürfe sind streng und architektonisch, seltsam und ungewöhnlich geschnitten und zugleich wahnsinnig schmeichelhaft. Ich glaube, in Dice Kayek sieht man immer extrem gut aus, selbst wenn man einen schlechten Tag hat. Man fällt aus dem Bett, schluchzt in seinen Kaffee, schlüpft seufzend in sein Dice-Kayek-Outfit, und plötzlich ist alles besser. Man wird zu einer Figur, geschützt durch außergewöhnliche Abnäher und fantasievolle Faltenwürfe, hochwertige Stoffe und erzählerische Details, und geht so gestärkt durch die graue, böse Welt. Ich wünschte, es gäbe eine Männer-Kollektion, ich glaube wirklich, dass ich in Dice Kayek eine freudvolle symbolische Selbstergänzung vollziehen könnte.


„Man fällt aus dem Bett, schluchzt in seinen Kaffee, schlüpft seufzend in sein Dice-Kayek-Outfit, und plötzlich ist alles besser“


TELFAR

Telfar ist so eine Sache. Meine Umfrage im Freundeskreis ergab: Man liebt oder man hasst es. Eigentlich ein gutes Zeichen. Das von Telfar Clemens 2004 in New York gegründete Label wurde zu einer Art Erkennungszeichen für die Zugehörigkeit zu einer größtenteils queeren afroamerikanischen Community. Telfars Kleidungsstücke waren dabei nie besonders avantgardistisch oder experimentell. Sie waren zwar durchgehend unisex, bevor Unisex Mode wurde, sahen aber oft aus wie von GAP oder H&M, mit minimalen Änderungen oder Verdrehungen. Manchen reichte das nicht, um in diesen Entwürfen etwas Bemerkenswertes zu sehen, aber ich glaube, bei Telfar geht es um etwas anderes: um die Sehnsucht, ein Teil einer Gemeinschaft zu sein. So funktioniert beispielsweise die legendäre Tasche mit dem großen Telfar-Logo als Erkennungszeichen: Ach! Du auch! Yeah! Und schon wird (wie damals auch bei Hood By Air) eine Community, die trotzig und kraftvoll in einer repressiven Umgebung zu besonderer Schönheit erwachsen ist, zu einem vermarktbaren Markenzeichen. Da droht natürlich Gefahr, aber ich glaube, Telfar wird durchhalten. Die Erkennungszeichen-Tasche wird jedenfalls nächste Saison durch diese wirklich extrem guten Stiefel mit Telfar-Logo (das gleichzeitig als Einstiegsgriff dient) ergänzt. Selten sah „Dazugehören“ so gut aus!

CLAUS RICHTER, 1971 in Lippstadt geboren, lebt in Köln. Für Monopol kommentiert er regelmäßig Modeentwürfe. Bis 17. Mai ist „Thing 1 + Thing 2“ von Cosima von Bonin und Claus Richter in der Kunsthalle Nürnberg zu sehen


Fotos: Casper Wackerhausen-Sejersen, Courtesy Ambush. © CRAIG GREEN. Courtesy Sies Marjan

Fotos: Helle Moose, © Holzweiler. Brent Goldsmith, Sid Neigum PF20, Styling: Monika Tatalovic, Model: Anisha Sandhu. the storyalist, Makeup & Hair: Marcelo Costa, Model: Simon Muchardt/ SUCCESS MODELS, OTEYZA LUMIÉRES FW 20/21. Bojana Tatarska, Courtesy Dice Kayek. Courtesy Vanni Bassetti. © privat