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Modellbahn: Fahrzeuge: Verglichen & gemessen: H0-Säuretopfwagen von Brawa, Fleischmann, Märklin, Piko und Tillig im Test: Tongefäße unterwegs auf Schienen


eisenbahn magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 12.12.2019

Heute sind Säuretopfwagen nicht mehr im Eisenbahnverkehr zu finden. Aber noch vor drei Jahrzehnten gab es diese in Güterzügen eingereiht, um aggressive Flüssigchemikalien zu transportieren. Dementsprechend beliebt sind sie bei Modell - bahnern. Aktuell sind fünf H0-Wagentypen am Markt zu finden, doch welcher ist der beste?


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Bildquelle: eisenbahn magazin, Ausgabe 1/2020

Die fünf getesteten H0-Säuretopfwagen von Brawa, Fleischmann, Märklin, Piko und Tillig (v. l.) als Rangiereinheit hinter einer Kleinlokomotive von Lenz


Der Modellbahner kann Säuretopfwagen nicht nur zur Bereicherung von Güterzügen einreihen, sondern diese auch zu kleinen ...

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... Gleisanschlüssen versenden, wobei beim Vorbild mancherorts recht kuriose Fabriken damit angefahren wurden – beispielsweise der VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt. Es waren also nicht nur chemische Großbetriebe, wo man diese Wagen zuerst vermuten würde. Auch Galvanikbetriebe brauchen Säuren und noch viele andere kleinere Fabriken, die mit chemischen Substanzen arbeiten. Damit ergibt sich für den Modellbahner ein großes Anwendungsfeld hinsichtlich dieser optisch auffallenden Wagengattung.

Die Modellbahn-Hersteller haben dieses breite Einsatzspektrum schon früh erkannt und bereits vor vielen Jahren die ersten Modelle der Topfwagen auf den Markt gebracht (siehe Kasten). Bis auf das überarbeitete Piko-Modell sind die anderen alten Modelle jedoch nicht mehr lieferbar. Wir haben fünf aktuell erhältliche Modelle herausgesucht und vergleichen diese. Da die Vorbilder recht unterschiedlich sind und oft Einzelstücke waren, weicht unser Vergleichstest von sonst üblichen ein wenig ab und konzentriert sich darauf, wie die Modelle gegenüber den jeweiligen Originalen optisch abschneiden. Zur Beurteilung orientieren wir uns an den angeschriebenen Daten sowie an weiteren auch bei anderen Güterwagen üblichen Fakten.

TECHNISCHE WERTUNG

Konstruktiver Aufbau

Brawa – Dies ist das jüngste Modell im Testfeld und stammt aus dem Jahr 2019. Nachgebildet wurde der im Museum Bochum- Dahlhausen vorhandene Zweiachser, der einen recht typischen Topfwagen mit zwölf Behältern darstellt. Ähnliche Wagen gab es mit kleinen Abwandlungen oft. Nach welcher Vorbildbauart das Modell entstand, ist nicht exakt bekannt, aber sie soll aus den 1920er-Jahren stammen. Trotz des sehr filigranen Fahrwerks konnte eine vollwertige Kurzkupplungskulisse eingebaut werden, die sehr leicht arbeitet. Montiert sind Bügelkupplungen. Als einziger Wagen besitzt der Brawa- Wagen einige Zurüstteile wie Ablaufrohre, Bremsschläuche und Originalkupplungen. Obendrein liegt dem Modell sogar eine Explosionszeichnung mit Ersatzteilliste bei.

Fleischmann – Die ehemals Nürnberger Firma hatte 1995 erstmals dieses Modell ausgeliefert. Der Wagen hat einen eher kurzen Achsstand für einen Wagen mit zwölf Töpfen. Aber auch solche Wagen gab es durchaus. Das mit Gleitlagern und genietetem Aufbau versehene Fahrzeug passt ab den 1920er-Jahren. Auch hier ist eine vollwertige Kurzkupplungskulisse vorhanden, die leichtgängig ist. Montiert sind Fleischmann- Profikupplungen; andere Kupplungen zum Tausch liegen nicht bei.

Märklin – Das Original des zeitweise auch unter Trix lieferbaren Modells (z. B. 24358) ist nicht bestimmbar. Das Modell wurde im Jahr 2009 als Neuheit vorgestellt. Von der Bauart her sollte es schon ab der Epoche II einsetzbar sein, wobei der etwas längere Achsstand und die fehlenden Nietnachbildungen auf ein Baujahr ab Mitte der 1930er-Jahre hindeuten. Die vollwertige Kurzkupplungskulisse arbeitet sehr gut und leichtgängig. Montiert sind Bügelkupplungen.

Piko – Das alte DDR-Modell des VEB Piko aus dem Jahr 1964 wurde in den frühen 1990er-Jahren mit einem neuen Fahrwerk samt Kurzkupplungskulisse und NEMSchacht versehen, womit dieses vom Aufbau her noch immer akzeptable Modell weiterhin geliefert werden konnte. Das Vorbild stellt nur bedingt einen Vorkriegswagen dar, denn einige Merkmale des Modells mit zwölf Töpfen passen eher zur Nachbauserie aus den späten 1960er-Jahren. Hier ist noch eine Kurzkupplungskulisse zu finden, wie Piko sie in den frühen 1990er-Jahren konstruierte. Der NEM-Schacht bewegt sich zwar leichtgängig, aber durch Anlenkung sehr nah an der Pufferbohle, sodass das Auslenkverhalten nicht optimal ist. Die Höhenlage des NEM-Schachtes ist so labil wie die gesamte Kulisse, daher liegt der NEM-Schacht selten waagerecht. Montiert sind Bügelkupplungen.

Stirnansichten der fünf Zweiachser, die bis auf das Piko-Modell mit Bremserhaus über eine Bremserbühne und teilweise auch über Leiter samt Laufsteg verfügen


Armin Mühl (3)

Tillig – Die Sebnitzer hatten das Modell von der 1999 insolvent gewordenen Firma Sachsenmodelle übernommen. Der Achsstand ist recht kurz und es sind nur zehn Töpfe vorhanden, was aber durchaus vorbildgerecht ist. Welches Vorbild hier nachgebildet wurde, ist unbekannt. Gleitlager und genieteter Aufbau deuten auf ein Vorkriegsvorbild hin. Es ist zwar eine vollwertige Kurzkupplungskulisse vorhanden, die aber sehr labil ist. Bei längeren geschobenen Rangierabteilungen neigt der NEM-Schacht dazu, nach unten gedrückt zu werden. Eingesteckt sind Bügelkupplungen.

Laufeigenschaften

Alle Wagen laufen sehr leichtgängig und rollen auf den Schienen weit aus. Daher haben wir auf gesonderte Messungen der Auslaufwege verzichtet und uns bei diesem Testkriterium eher auf die Radsatzausführungen konzentriert.

Brawa – Das Radsatzinnenmaß der beidseitig sehr vorbildgetreu profilierten Radsätze beträgt bei Brawa 14,45 Millimeter, die Radbreite 2,6 Millimeter. Die Spurkranzhöhe von 0,8 Millimetern ist angenehm niedrig, ohne Probleme auf Weichen zu verursachen. Der Wagen wiegt 67 Gramm, ist damit der Schwerste im Testfeld und liegt recht stabil auf dem Gleis.

Fleischmann – Diese Firma beharrte bis zur kürzlichen Aufgabe des H0-Sortimentes auf dem falschen Radsatzinnenmaß von 14,2 Millimetern, was Probleme auf korrekt gebauten Weichen verursachen kann. Die Radbreite beträgt 2,8 Millimeter bei 1,1 Millimetern Spurkranzhöhe. Mit 41 Gramm ist der Wagen leicht, was beim Einreihen in langen Zügen zum Kippen führen kann.

Märklin – Bei diesem Wagen standen uns nur die Wechselstrom- Radsätze zur Verfügung, die naturgemäß andere Abmessungen haben, um auf den älteren Märklin- Gleisen zuverlässig zu rollen. Das Radsatzinnenmaß beträgt 14,3 Millimeter, die Radbreite drei und die Spurkranzhöhe 1,1 Millimeter. Die Wagenmasse beträgt 43 Gramm, was ebenfalls wenig Stabilität im Zugverband gewährleistet.

Piko – Die Sonneberger verwenden Radsätze mit 14,3 Millimetern Radsatzinnenmaß, 2,8 Millimetern Radbreite und 0,9 Millimetern Spurkranzhöhe. Mit seinen 51 Gramm und einem recht tiefen Schwerpunkt liegt der Wagen sicher im Gleis – auch bei längeren Zügen.

Tillig – Dieser Wagen hat ebenfalls 14,3 Millimeter Radsatzinnenmaß, 2,8 Millimeter Breite und 0,9 Millimeter Spurkranzhöhe. Mit 57 Gramm ist er der zweitschwerste Wagen des Testquintetts und bleibt in Zügen sicher im Gleis.

OPTISCHE WERTUNG

Fahrwerksausführung

Brawa – Die Remshaldener haben für ihren Topfwagen ein vorbildgerecht schmales Fahrwerk konstruiert, was auch recht filigrane, durchbrochene Kastenstützen besitzt. Die angeschriebene Länge über Puffer und der Achsstand passen zum Modell. Die Pufferhöhe liegt mit 10,8 Millimetern am unteren in der EBO zugelassenen Maß von umgerechnet 940 Millimetern, was auf einen beladenen Wagen hindeutet. Der Zweiachser besitzt als einziges der getesteten Modelle eine echte Dreipunktlagerung, während die anderen Modelle eher starre Fahrwerke besitzen, wo allenfalls das Spiel der Radsätze in den Lagern in Grenzen für eine Allradauflage sorgt. Die Achshalter bestehen aus Blech mit aufgesetzten Nachbildungen der Gleitachslager aus Kunststoff, während die Federpakete am Fahrgestell angegossen sind. Die Bremsen sind am Fahrwerk eingesetzt, ebenso die filigrane und weitgehend nachgebildete Bremsanlage.

Fleischmann – Das Fahrwerk ist bei diesem Modelle angenehm schmal, doch leider sind die Kastenstützen nicht durchbrochen. Die angeschriebene Länge über Puffer und der Achsstand passen zum Modell. Die Pufferhöhe liegt mit 12,3 Millimetern um 0,1 Millimeter über dem zulässigen Wert für die maximale Pufferhöhe von umgerechnet 1.065 Millimetern. Der Pufferabstand ist um 0,1 Millimeter geringer als das in der EBO vorgeschriebene Maß von umgerechnet 1.750 Millimetern. Die Nachbildungen der Gleitachslager sind am Wagenboden angegossen, aber gut nachgebildet. Markante Teile der Bremsanlage sind in der Seitenansicht sichtbar, doch sonst fehlen weitere Teile wie die Gestänge. Die angegossenen Bremsklötze liegen vorbildgerecht nahe an den Radlaufflächen an.

Märklin – Das Chassis ist sehr breit geraten, was in den Achshaltern begründet liegt. Die Kastenstützen wurden nicht nachgebildet. Die angeschriebene Länge über Puffer und der Achsstand passen zum Modell. Die Pufferhöhe beträgt zwölf Millimeter. Auch hier sind die Nachbildungen der Gleitachslager angegossen, aber nicht ganz so plastisch dargestellt. Die Bremsanlage ist lediglich rudimentär imitiert. Die angegossenen Bremsklötze liegen vorbildgerecht nah an den Radlaufflächen an.

Piko – Das ebenfalls recht breite Fahrwerk dieses Modells weist obendrein einen sehr hohen Langträger auf; Kastenstützen vermisst man außerdem. Die angeschriebene Länge über Puffer und der Achsstand passen zum Modell. Die Pufferhöhe von 12,3 Millimetern liegt wie bei Fleischmann knapp über dem zulässigen Vorbildmaß.

Piko hat Rollenlager nachgebildet, aber leider sehr flach. Die gesamte Einheit aus Achshalterblech und Bremsen ist als ein sehr grobes Stück gespritzt und für ein heutiges Modell kaum mehr zeitgemäß. Die Bremsklötze stehen weit ab von den Radlaufflächen. Das Fahrwerk vom alten Basismodell aus der DDR-Produktion war da in weiten Teilen filigraner.

Tillig – Die Sebnitzer haben das bekannte, relativ breite Kesselwagen-Fahrwerk verwendet, weshalb es in der Mitte am Langträger einen angegossenen Halter für die Leiter gibt, der hier nutzlos ist. Die angeschriebene Länge über Puffer und der Achsstand passen zum Modell. Die Pufferhöhe von 11,1 Millimetern liegt im zulässigen Bereich. Die Achshalter sind mit Nachbildungen der Gleitachslager versehen und recht plastisch, was aber nur durch das breite Fahrwerk möglich ist.

Fahrwerke
H0-Wagenfahrwerke des Testquintetts, die alle über Kurzkupplungskinematiken
verfügen, doch nicht durchweg zuverlässig sind

Aufbau und Detaillierung

Brawa – Der Aufbau des Wagens ist absolut filigran. Die einzelnen Töpfe stehen auf dem Lattenrost und werden durch die nachgebildeten „Hölzer“ oben und unten fixiert. Ein Laufsteg ist zwar nicht vorhanden, trotzdem führt eine Leiter von der Bremserbühne auf den Aufbau. Die Töpfe haben sehr gut nachgebildete Verschlussstopfen. Die Trittstufen zur Bremserbühne sind filigran, aber durchaus stabil und flexibel. An beiden Stirnseiten sind Bretterwände mit angenehm feinen Bretterfugen vorhanden.

Fleischmann – Dieser Wagen hat etwas dickere Verstrebungen, und auch hier sind die Bretterwände an den Stirnseiten mit feinen Bretterfugen versehen. Leider sind die Anschriftentafeln an den Verstrebungen mit angegossen, was etwas merkwürdig aussieht und auch eine Verfeinerung des an sich nicht schlechten Modells kaum möglich macht. Der gesamte Aufbau ist extrem schmal, fast wie bei einem Fährbootwagen, was im Zugverband sofort auffällt. Die Töpfe stehen auf dem Lattenrost, und die nachgebildeten Hölzer fixieren die Töpfe. Oben bilden Töpfe und Fixierhölzer ein Teil. Zu sehr vereinfacht wurden die Verschlüsse der Töpfe nachgebildet. Eine Leiter zum Aufbau gibt es nicht, was aber nicht falsch sein muss, denn die Oberseite wäre bei diesem Wagen ohnehin nicht begehbar.

Märklin – Die Göppinger haben einen recht feinen Aufbau konstruiert, der an den Stirnseiten jedoch etwas grobe Bretterfugen aufweist. Auch hier sind die Tafeln angegossen und daher sehr dick. Der Lattenrost ist nur angedeutet. Die Fixierhölzer unten sind vorhanden, oben bilden diese mit den Töpfen zwar ein Spritzgussteil, doch insgesamt ist das gut nachgebildet. Der Laufsteg ist extra angesetzt, und die Leiter zum Erreichen des Laufsteges ist auch vorhanden.

Piko – Der Aufbau des Modells datiert von 1964 und ist mit recht massiven Verstrebungen versehen. Die dicken Beschriftungstafeln sind gesondert aufgesetzt. Lattenrost und Fixierhölzer sind nachgebildet. Die einzeln eingesetzten Töpfe werden oben von einem Teil gehalten, was Laufsteg und Fixierhölzer nachbildet. Leider sind deutlich sichtbare Abdrücke der Spritzgussform-Auswerfer vorhanden, die am alten VEBModell deutlich dezenter sind. Das Bremserhaus ist bei einem Wagen der Nachbauserie falsch, da es nach vorliegenden DR-Unterlagen keine Bremserhäuser gab. Die Bretterfugen der Stirnwände sind fein graviert. Eine Leiter zum Laufsteg ist vorhanden.

Tillig – Das Sebnitzer Modell zeigt recht filigrane Verstrebungen, und auch der Lattenrost mit den Fixierhölzern ist vorhanden. Allerdings scheinen die zehn Töpfe zu schweben, was in der Seitenansicht merkwürdig aussieht. Zudem ist der Aufbau auf der einen Seite leicht verdrückt, was auf einen Montagefehler hindeutet. Töpfe, Laufsteg und obere Fixierhölzer sind ein Spritzgussteil mit nur wenigen Gravuren. Die Beschriftungstafeln sind separat angesetzt. Die Bretterfugen der Stirnwände sind fein graviert, doch die Bretterbreite ist für Güterwagen zu gering. Möglicherweise hatte das uns unbekannte Original aber diese Bretterteilung?

Farbgebung und Beschriftung

Brawa – Hier sind Fahrwerk und Aufbau in seidenmatten, fast schon matten Farben gehalten, wobei der Aufbau lackiert ist. Beim Fahrwerk sieht man zwischen den Kunststoffteilen und den Blechachshaltern leichte Farbunterschiede bzw. diverse Glanzgrade. Die Töpfe sind unlackiert, aber der Farbton der seidenmatten Töpfe wirkt recht stimmig. Der grau lackierte Ballasteinsatz aus Metall stellt gleichzeitig die unteren Fixierhölzer dar. Die Bremsumstellhebel am Fahrwerk sind zweifarbig bedruckt, was sonst kein anderes Modell in diesem Test bietet. Die Bedruckung der dünnen, angesetzten Tafeln am Aufbau und am Fahrwerk ist sehr gut. An der rechten Anschriftentafel ist bei der DR-Epoche-IVVariante kein Mieter angegeben, was nicht falsch sein muss. Als Ladegut ist Schwefelsäure angeschrieben.

Blick zum Vorbild:Säuretopfwagen – exotisch wirkende Einzelgänger bei der Bahn

Datenblätter aus den Entstehungsakten der VES-W mit DR-Säuretopfwagen, aus Platzgründen halbiert ohne die technischen Daten


DR/Slg. Armin Mühl (4)

In der chemischen Industrie müssen oft aggressive Flüssigkeiten zwischen verschiedenen Werken transportiert werden. Die klassischen Kesselwagen aus Stahl und anderen Metallen werden davon angegriffen. Teilweise gab es innen mit Gummi ausgekleidete Kesselwagen, oder es wurden Werkstoffe wie Aluminium oder Edelstahl für den Bau der Kessel verwendet, die bei bestimmten Ladegütern resistent genug waren.

Geeignete Keramiktöpfe

Die einfachere Lösung in früheren Jahrzehnten waren Töpfe aus keramischen Materialien. Diese sind meist für 1.000 Liter Inhalt ausgelegt. Oft sind acht bis zwölf Töpfe, manchmal auch 14 auf einem Wagen montiert. Die stoßempfindlichen Behälter werden mittels Holzgestellen auf dem Wagen fixiert. Ein richtiger Wagenkasten ist nicht vorhanden. Seitlich gibt es nur Verstrebungen, aber vorn und hinten sind meistens hohe Wände vorhanden. Oben auf dem Gestell gibt es meist einen Laufsteg, damit die Verschlüsse der einzelnen Töpfe leicht zugänglich sind. Das erklärt auch die oft vorhandene Leiter an der fast immer vorhandenen Bremserbühne des Wagens. Unten stehen die mittels Kanthölzern fixierten Töpfe auf einem Lattenrost, der wiederum so auf dem Wagenboden befestigt ist, dass beim Befüllen übergelaufene Flüssigkeiten mittels Ablaufrohren abgeleitet werden. Diese Hölzer wurden oft mit Bitumen gestrichen oder Bleiauskleidungen verhinderten, dass die aggressiven Flüssigkeiten bis zum Fahrwerk durchdrangen und dort beispielsweise Lager und Bremsbauteile angriffen. Die Befüllung und Entleerung der Töpfe erfolgte von oben, wobei die Töpfe im Wagen verblieben.

Behandlung mit Vorsicht

Begonnen hatte der Bau der Wagen schon in der Länderbahnzeit. Viele Wagen stammten aus den 1920er- bis 1940er-Jahren. Diese haben teilweise sogar noch Computernummern erhalten – nicht nur bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR. Die zur Verfügung stehenden DR-Akten listen bei den Dokumentationsnummern oft unter einer Nummer viele nur ähnliche Wagen auf, die dort unter der Gattung Zik liefen, wobei „Z“ für Kessel- bzw. Behälterwagen steht, das „i“ für Kessel nicht aus Metall und das „k“ für eine Lademasse unter 20 Tonnen bei der Streckenklasse C. Topfwagen wurden als Vorsichtswagen behandelt, was bei den gefährlichen Ladegütern verständlich ist. Die Säuretopfwagen waren also im Regelfall Einzelstücke oder Kleinserien. Die DR hatte allerdings in den 1960er-Jahren noch einmal Topfwagen auf modernen Fahrgestellen aufgebaut, die bis 1990 im Einsatz waren, danach aber schnell ausgemustert wurden, weil inzwischen moderne Kesselwagen zur Verfügung standen. Einige wenige Topfwagen haben in Museen überlebt wie in Bochum-Dahlhausen, Aschersleben oder Staßfurt.AM

Säuretopfwagen mit zwölf (links) und 14 Behältern (rechts) im Einsatz bei der DR, wobei es letzteren als H0-Modell noch nicht gibt


Verglichen & gemessen

Fleischmann – Dieses Fahrwerk ist ebenfalls unlackiert, und der Kunststoff glänzt recht stark, ebenso die hellgrauen Töpfe, die dadurch unrealistisch wirken. Der Aufbau ist seidenmatt lackiert. Die Beschriftung als VTG-Privatwagen der Epoche III mit recht kleinen Anschriften ist sauber und lesbar aufgedruckt. Auch der Zettelhalter ist nur tamponiert. Die Ladegutangabe lautet auf „Säuren und Laugen“. Eine Bedruckung der Stirnseiten ist bei diesem Modell nicht zu finden. Auch sind die Bremsecken nur seitlich vorhanden, während die anderen Modelle dort vollständig bedruckt sind.

Märklin – Das Fahrwerk ist nicht lackiert, doch der Glanzgrad ist akzeptabel. Der Aufbau ist seidenmatt lackiert. Die Töpfe glänzen allerdings viel zu stark. Auch glasierte Keramik hat kaum einen derartigen Glanz. Die Tafeln sind für die Epoche III der DB sauber bedruckt, wobei das vorliegende Modell eine Insider-Sonderserie war, weswegen der Märklin-Schriftzug mit aufgedruckt ist. Der Zettelhalter ist nur gedruckt. Beladen ist der Wagen laut Anschrift mit Wasserstoffsuperoxid und unterwegs für die Degussa-Werke.

Piko – Für die Achslagerbrücken wurde ein anderer Kunststoff verwendet als für das restliche unlackierte Fahrwerk. Daher sind die Achslagerbrücken deutlich matter als der Rest der Aufbauten. Die Bauteile des Aufbaus und die Töpfe sind unlackiert. Der Glanzgrad ist akzeptabel, bei den Töpfen aber etwas zu glänzend. Da der Wagen einzelne Töpfe hat, kann man diese problemlos nachlackieren. Die Beschriftung als DRPrivatwagen des VEB Orbitaplast Osternienburg mit dem Ladegut Salzsäure ist plausibel und sauber aufgedruckt. Die erhaben vorhandenen Bremsecken sind nicht bedruckt, was für die späte Epoche IV korrekt ist. Im Gegensatz zu den anderen Modellen ist hier sogar eine Vorsichtstafel mit dem gelben Dreieck aufgebracht.

Modell-Umschau: Topfwagen von einst

H0-Kleinserien-Bausatz eines bayerischen Säuretopfwagens von Bavaria als montiertes Fertigmodell mit ungerader Topfanzahl


Nach einem österreichischen Wagentyp umgesetztes H0-Modell von Kleinbahn, das bei den ÖBB eingestellt ist


Wolfgang Bdinka

Schweizer Vorbild eines Topfwagens als Kleinserienfahrzeug des Modellbaustudio Born, eingestellt bei den SBB


Armin Mühl

Auch dieses Liliput-Modell wurde in Österreich gefertigt, gibt aber einen Wagentyp wieder, der bei der Bundesbahn lief


Säuretopfwagen gab es schon vor langer Zeit.Märklin hatte einst ein Modell, das später zumPRIMEX- Sortiment unter der Artikelnummer 4587 wechselte. Die teilweise in grellen Farben lackierten Töpfe waren recht markant. Als Basismodell für eigene Umbauten lohnt es nicht. Das gilt auch für das alteLiliput- Modell, das unter Bachmann nicht mehr produziert wurde, sowie jenes vonKleinbahn – beide aus Österreich. Das altePiko- Modell ist auf Börsen noch immer gebraucht zu finden. Wer keinen Wert auf eine Kupplungskulisse oder austauschbare Kupplungen legt, kann den Wagen als Alternative zum aktuellen Modell aus Sonneberg einsetzen. Das Fahrwerk ist deutlich niedriger und das Modell insgesamt bedingt durch das Konstruktionsjahr 1964 nicht mit heutigen Modellen vergleichbar.

Früher Piko-Säuretopfwagen aus den 1960er-Jahren mit unterschiedlichen Verpackungen


Armin Mühl

Auch die Modellbahn-Kleinserien-Szene bot H0- Modelle von Säuretopfwagen an: Nach bayerischem Vorbild der Epoche I gab es einst vonRaiMo einen Weißmetall-Bausatz. Deutlich besser in der Qualität war der Bausatz vonBavaria , der aus Ätzund Gussteilen bestand. Als Werkwagen könnte man solche Modelle durchaus auch noch in der Epoche III oder IV einsetzen. Aus dem öffentlichen Verkehr verschwanden diese sicherlich schon in den 1930er-Jahren. Der Wagen hat kurioserweise nur elf Töpfe, da das Bremserhaus auf dem Platz des zwölften Topfes angebracht ist. Der Schweizer KleinserienherstellerBorn hatte vor einigen Jahren ein filigranes Modell eines SBB-Topfwagens in sehr geringer Auflage angeboten.AM/PW

Das seinerzeit recht schlichte Märklin-Modell aus früher Fertigung wurde später auch noch ins PRIMEX-Sortiment verschoben


Thomas Becker (4)

Auch RaiMo bot H0-Bahnern einen Bausatz an, hier als Fertigmodell mit Fehlteilen


Tillig – Der Zweiachser hat ein eher plastikglänzendes Fahrwerk, wobei die eingesetzten Achshalterbrücken matter sind. Der Aufbau ist dagegen deutlich matter lackiert. Die Einheit aus Töpfen und Fixierhölzern ist seidenmatt bis matt und für die Töpfe realistisch. Die Beschriftungen als DB-Privatwagen der Epoche III an Fahrwerk und Aufbau sind sauber gedruckt, auch hier mitsamt dem Zettelhalter. Allerdings gibt es einen Schreibfehler beim Einsteller: Er heißt nicht Rudolf Koepp, sondern Rudolph. Das Ladegut ist Ameisen- bzw. Salzsäure.

Draufsicht
Die Draufsicht zeigt gut, wie filigran die einzelnen Säuretopfgestelle ausgeführt sind, lässt aber auch gut die Farbgebung der einzelnen Baugruppen beurteilen. Nur drei Wagen haben Laufstege

FAZIT DES TESTERS

Eine klare Kaufempfehlung gilt dem Testsieger Brawa, gefolgt vom Märklin-Modell. Einen guten Durchschnitt bieten die Wagen von Fleischmann und Piko, während der Tillig- Wagen abgeschlagen aus diesem Vergleichstest herausrollt.

Brawa (1,0) – Der feinst detaillierte und trotzdem betriebssicherste Wagen ist jener aus Remshalden, wobei die rund 50 Euro auch recht happig sind. Trotzdem erachten wir den Preis bei der gebotenen hohen Qualität für durchaus gerechtfertigt.

Fleischmann (2,4) – Dieses Modell ist erstaunlich schmal und erinnert fast an einen Fährbootwagen. Die Waggonfabrik Uerdingen hatte allerdings Wagen mit diesem Profil hergestellt. Indiskutabel sind die angegossenen Anschriftentafeln. Der Preis der letzten zur Ende 2018 erfolgten H0-Produktionseinstellung lieferbaren Modellversionen lag bei rund 30 Euro. Zu wünschen wäre es, wenn Roco diesen Wagen in sein Sortiment übernehmen würde.

Märklin (2,2) – Dieser Zweiachser ist mit den angegossenen Tafeln nicht zeitgemäß – und das bei einer nur wenige Jahre alten Konstruktion. Bei fast 40 Euro Verkaufspreis kann man mehr erwarten. Ansonsten ist das Modell durchaus gelungen und schon in zahlreichen Varianten erschienen.

Piko (2,4) – Der Wagen datiert beim Aufbau aus dem Jahr 1964 und ist aus diesem Grund nicht so filigran wie das Brawa- Modell, doch gab es hier von Anfang an angesetzte Tafeln. Leider ist das Fahrwerk bei der Überarbeitung in den 1990er-Jahren nicht besser geworden. Die rund 30 Euro sind ein fairer Preis für die gelieferte Ausführungsqualität.

Tillig (2,6) – Der ursprünglich von Sachsenmodelle konstruierte Zweiachser bietet mit kurzem Achsstand und zehn Töpfen eine Abwechselung zu den zwölftöpfigen Typen der anderen Marken. Allerdings zeigte sich die Qualität des vorliegenden Testmodells nicht optimal. Der Preis von rund 30 Euro ist für das Gebotene eher grenzwertig.Armin Mühl