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Modellbahn: Zubehör: Realistische Effekte für Alt- und Neubauten


eisenbahn magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 12.03.2020

Manche Anlagen wirken besonders realistisch, ohne dass man sofort erkennt, weshalb. Das Erzielen vorbildgerechter Licht- und Schatteneffekte ist ein Aspekt, der leider oft vernachlässigt wird. Wir zeigen, was dazu bei der Lackierung beachtet werden muss


Patinierte Gebäude mit ihren Licht- und Schattenseiten

Artikelbild für den Artikel "Modellbahn: Zubehör: Realistische Effekte für Alt- und Neubauten" aus der Ausgabe 4/2020 von eisenbahn magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: eisenbahn magazin, Ausgabe 4/2020

Die Unterschiede zwischen bearbeitetem (rechts) und unbehandeltem Modell fallen auf den ersten Blick kaum auf, sorgen aber auf der Anlage für einen vorbildgerechten Eindruck der Szene


Der graue Karton wird farblich einer Betonober - fläche angeglichen


Die beste Voraussetzung, um die Wirkungsweise einer ...

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... Veränderung bzw. Patinierung anschaulich darzustellen, bietet immer der unmittelbare Vergleich „mit und ohne“. Um solch eine Gegenüberstellung zu ermöglichen, entstand das Modell der Gewerbehalle von Busch (Artikelnummer 1548/47,99 €) - zum einen direkt aus der Schachtel, zum anderen farblich verfeinert. Beide Gebäude wurden dafür parallel gebaut, denn eine solche Vorgehensweise erlaubt gleichzeitig einen genaueren Schritt-für-Schritt-Vergleich der einzelnen Bauteilüberarbeitungen.

Das eigentliche Thema heißt Schattentiefe. Der Begriff benennt die Ausprägung der Schattenbereiche, die unter anderem in Innenräumen, durch Überhänge, Hinterschneidungen und Fugen entstehen. Diese Schattentiefe fällt beim Modell maßstabsbedingt erst einmal geringer aus als beim Vorbild. Vor Ort und im selben Licht mit dem Vorbild verglichen, wirkt ein frisch aus dem Karton gebautes Modell deshalb leicht spielzeughaft. Es gilt also, die Schattentiefe des Modells mit Hilfe geeigneter Farben optisch zu erhöhen.

Das Geheimnis dabei besteht in erster Linie darin, dass am fertiggestellten Modell nur der geübte Betrachter gleich feststellt, was geschehen ist. Für alle anderen sieht das Architekturmodell einfach richtig aus. Hierin unterscheidet sich ein gut gemachtes Herausarbeiten der Schattentiefe deutlich von Techniken, die dem Verwittern oder Patinieren/ Altern dienen. Das Modellgebäude stellt - zumindest erst einmal - ein neuwertiges Bauwerk dar.

Lichteinfall beachten

Der Bauanleitung folgend, beginnt der Aufbau des Modells mit der Bodenplatte. Diese Bodenplatte dient, bis auf zwei schmale Streifen vor den Rolltoren, als Fußboden für das Innere des Gebäudes. Sie soll das Aussehen eines groben Betonbodens in einem wenig ausgeleuchteten Innenraum bekommen. Beim Bausatz besteht sie aus einfarbig grauem Karton. Zum Nachbilden einer körnig unregelmäßigen Betonstruktur wird hier der Airbrush verwendet. Eine gegen den regulären Luftkopf des Airbrushs ausgetauschte Sprenkelkappe von 0,15 bis 0,6 Millimetern sorgt für das gewünschte Spritzbild. So lassen sich verschiedene Farben solange nacheinander auftragen, bis der erzeugte Farbauftrag stimmig wirkt. Helfen kann dabei das Verändern von Farbkonsistenz und Luftdruck, denn das verändert auch Korngröße und Intensität des Farbauftrags.

Bevor die Gewerbehalle auf dieser Bodenplatte montiert wird, muss noch festgelegt werden, ob und gegebenenfalls wie weit die beiden Rolltore später geöffnet sein sollen. Bleiben diese, wie in der Bauanleitung vorgesehen, geschlossen, kommt allenfalls noch ein Aufhellen der Bodenplatte vor den Toren in Betracht. Mit einem hochgezogenen Rolltor ist der Betonboden, je nach Standort des Betrachters, nicht nur durch die schmalen Fenster, sondern auch durch die große Toröffnung sichtbar. Zudem fällt mehr Licht in den Innenraum.

Taschenlampe als Hilfsmittel

Damit sind wir beim eigentlichen Thema Schattentiefe angelangt. Als erstes gilt es, für das geöff- netes Rolltor zu klären, wie der maßstabsgerechte Lichteinfall durch die Toröffnung hindurch aussehen könnte. Einen ersten Eindruck gewähren ein kleines Spotlight und die Hauswand für die Torseite. Die Hauswand wird dafür provisorisch in die Bodenplatte gesteckt. Als Spotlight dient eine Taschenlampe, die das von oben kommende Licht liefert. Mithilfe des ausgerichteten Lichtstrahls lassen sich Winkel und Verlauf eines zu betonenden Lichteinfalls auf dem Karton einschätzen und festlegen. Auf der Bodenplatte, über der die Halle noch fehlt, kann das im ersten Moment natürlich überzeichnet wirken. Doch gerade eine gezielte Übertreibung liefert schließlich die gewünschte Betonung der Raumtiefe.

Die Wandverkleidungen (oben) werden im Bereich der Dachüberstände mit Grau vorschattiert


Nicht zu lackierende Teile können am Spritzling mit Maskierband abgedeckt werden


Mathias Faber (11)

Um den geradlinigen Schatteneffekt an den Rolltoren zu erzielen,ist ein Lineal als gerade Führung hilfreich


Nach der Farbbehandlung und dem stellenweisen Abwischen der Farbe wirken die Dachziegel deutlich plastischer


Auf der Bodenplatte markiert man mit Bleistift die Position der Toröffnung. Die seitliche Begrenzung des Lichtverlaufs geht von diesen Punkten aus. Der Betonfußboden ist direkt an der Toröffnung am hellsten und verliert in den Raum hinein an Helligkeit. Da die Bodenplatte bereits für das Zwielicht des Innenraumes vorbereitet ist, erfolgt eine Aufhellung ausgehend von der Toröffnung. Für das Spritzen/Sprenkeln dieses Verlaufs mit dem Airbrush wird die vorgesehene Fläche seitlich - ausgehend von den Bleistiftmarkierungen - durch Pappen begrenzt. Soweit die Pappen zur Begrenzung des Spritzbildes nicht unmittelbar auf dem Untergrund aufliegen, entsteht auch ein kurzer, seitlicher Verlauf. Die Schnittgrafik verdeutlicht, wie der Sprühstrahl des senkrecht gehaltenen Airbrushs durch die Pappe begrenzt wird und statt einer scharfen Kante eine Unschärfe entsteht. In der richtigen Höhe liegen die Pappen über Abstandshalter (Geldmünzen oder Streichholzschachteln), die ausreichend Platz zur Seitenkante haben müssen, damit sie sich nicht im seitlichen Unschärfebereich abzeichnen. Benutzte Briefumschläge von ausreichender Stabilität leisten anstelle von Pappen ebenfalls gute Dienste. Je größer der Abstand zwischen Bodenplatte und Abstandsmaske ist, desto weicher wird der seitliche Verlauf.


Je weiter der Blick am Gebäude nach oben geht, desto heller erscheint die Fassade im Original


Der von der Toröffnung in den Innenraum führende Verlauf verliert seine Intensität recht gleichmäßig. Um sicher beurteilen zu können, ob und wie stark der zu betonende Lichteinfall bereits dargestellt ist, sollten die Abstandsmasken während des Arbeitens mit dem Airbrush schon frühzeitig einmal beiseite gelegt werden. Ist die Betonung des späteren Lichteinfalls fertiggestellt, darf der schmale, außen liegende Bodenstreifen vor dem zweiten, geschlossenen Rolltor nicht - wie hier geschehen - vergessen werden. Auch diesen Streifen gilt es in gleicher Stärke wie beim ersten Tor aufzuhellen.

Der Bausatz sieht einen sandfarbenen Karton als Rückwand für die Gewerbehalle vor. Soweit eines der beiden Rolltore geöffnet wird, zeigt auch diese gegenüberliegende Wand entsprechende Lichtpartien. Da jedoch lediglich ein Rolltor im unteren Bereich offen stehen soll, erhält die Wand nur einen für den Innenraum passenden grauen Anstrich.

Effekte an der Außenwand

Licht und Schatten gilt es auch auf der Verkleidung der Außenwände maßstabsgerecht zu betonen. Die Oberkanten der Wandverkleidungen werden dort, wo sie unter die Dachüberstände reichen, mit Grau vorschattiert. Das geschieht aber erst, wenn die Seitenwände nach oben hin leicht aufgehellt sind. Mit diesen Aufhellungen hat es folgende Bewandtnis: Aus der Perspektive eines maßstäblich verkleinerten Menschen geht der Blick nach oben, wenn er vor dem Gebäude steht und in Richtung Dach schaut. Je weiter sein Blick dabei nach oben geht, desto heller erscheint die Wand. Dieses Phänomen wird in der Regel nicht bewusst wahrgenommen, lässt die Welt im Kleinen aber durch ein gezieltes Umsetzen auf der Modellbahn-Architektur sehr real erscheinen. Für die farbliche Gestaltung wird natürlich auch hier der Airbrush genutzt. Nicht zu vergessen sind dabei die Dachüberstände selbst, die an ihrer Unterseite vorschattiert werden.

Nach der dezenten Schattierung (rechts) könnte noch eine Patinierung erfolgen, die Alterungsspuren am Gebäude hervorhebt


Für die farbliche Vorbereitung von Bauteilen kann es vorteilhaft sein, die vorgeschnittenen Teile erst einmal in ihrem Rahmen zu belassen. Sie können darin meist wesentlich besser festgehalten werden. Nun sind dort aber oft unterschiedliche Bauteile direkt nebeneinander angeordnet, wie etwa bei den hellen Holzteilen. Deshalb ist ein Überspritzen der Balken in diesem Rahmen erst nach dem Abdecken anderer Bauteile möglich. Ein gängiges Hilfsmittel zum Abdecken kann Maskierband (MaskingTape) aus dem Plastikmodellbau sein. Ob ein solches Maskierband im Einzelfall wirklich geeignet ist, müssen natürlich Vorversuche am Karton erweisen.

Auch die Rolltore erhalten an ihrer Oberkante eine Vorschattierung. Da sich die Segmente beim Öffnen der Modelltore materialbedingt nicht aufrollen lassen, wird das Tor vorher auf die gewünschte Länge gekürzt. Die Segmente des Rolltores treten durch das Ziehen feiner, grauer Linien entlang der horizontalen Segmentstöße deutlicher hervor. Für die gradlinigen Schattenverläufe sind Lineale hilfreich. Spezielle Linealführungen, die es als Zubehör gibt, erleichtern zudem das Arbeiten mit Linealen, wenn diese über eine Tuscheoder Schneidekante verfügen. Eine solche Linealführung, auch DistanceCap genannt, lässt den Airbrush an der Tusche- oder Schneidekante des Lineals entlanggleiten und stellt zugleich sicher, dass sich Sprühstrahl und Linealkante nicht zu nahe kommen. Für den notwendigen Abstand des Lineals und damit des Airbrushs vom Spritzgrund, hier also von den Rolltoren, sorgen Streichholzschachteln, die unter dem Alulineal liegen.

Das für die Rolltore verwendete Material ist nicht vollständig lichtdicht. Soll hinter einem der Tore eine Lichtquelle installiert werden, bekommt das Rolltor noch eine zusätzliche, deckende Farbschicht. Dabei darf nicht vergessen werden: Dieser Farbauftrag sollte ebenfalls als „unmerklicher Verlauf“ angelegt werden.

Dach mit reichlich Patina

Den Dachziegeln des Bausatzes fehlt ebenfalls die gewünschte Plastizität. Um das Ziegeldach immer noch neuwertig, aber plastischer erscheinen zu lassen, wird die gesamte Ziegelplatte mit einem leicht dunkleren Ziegelton fein überspritzt. Dieser dünne Farbauftrag lässt sich gleich im Anschluss an das Spritzen von den obenliegenden Ziegelpartien wieder abreiben, wenn mit geeigneten Acrylfarben gearbeitet wird. Soll ein sehr heller Ziegelton erhalten bleiben, werden die Dachziegel erst vollständig aufgehellt und dann mit dem Originalton überspritzt.

Die Dachrinnen sind auch bei neuen Gebäuden schnell verschmutzt, was erkennbar sein sollte


Die Dachrinnen werden zum Schluss zusammengesetzt. Aus jeweils drei Teilen eines Universalspritzlings entstehen die Dachrinnen in der benötigten Länge. Da die Wandstärke der Rinne nach außen hin etwas kräftig erscheint, wird sie für das überarbeitete Modell mithilfe eines geeigneten Fräsers verringert. Das Innere der Rinne lässt sich anschließend mit einem Grafitton abdunkeln; auch die rückwärtige Unterseite der Rinne wird mit diesem Ton schattiert. Die Rinneisen betont ein schnelles Washing mit Ölfarbe. Das Montieren der Fallrohre erfolgt nach dem Ansetzen der Rinne, damit sich die Rohre nach dem Verkleben präzise ablängen lassen. An der Unterseite des schräg zum Gebäude geführten Rohrteils betont eine leichte, frei gespritzte Schattierung die Plastizität des Fallrohres.

Im direkten Vergleich der Bausätze lässt sich gut betrachten, wie viel Akzentuierung der Schattentiefe an welchen Stellen maßstabsgerecht wirkt. Auf den meisten Modellbahnen herrscht ein recht diffuses Licht aus mehreren Lichtquellen, und darauf sollte das farbliche Herausarbeiten der Schattentiefen abgestimmt sein. Ist das geschehen, wird der Betrachter das Modell selbst bei hartem Schlaglicht, wie es etwa Spotlights hervorrufen, als stimmig empfinden. Das mag im ersten Moment überraschen, zeigt sich jedoch schnell in der Praxis. Darüber hinaus kann das Modell dann später - aufbauend auf das erfolgreiche Herausarbeiten der Schattentiefen - auch glaubhafte Alters- und Verwitterungsspuren erhalten, wenn ein in die Jahre gekommener Zweckbau dargestellt werden soll.

Intermodellbau Dortmund

Vom 23. bis 26. April gibt der Autor dieses Beitrags auf der Intermodellbau in Dortmund am Stand von Harder & Steenbeck weitere Tipps rund um die Nutzung des Airbrushs. Zudem ist vor Ort sein neues Buch „Airbrush im Modellbau“ (ISBN 978-3-96453- 065-3/22,99 Euro) aus dem GeraMond-Verlag erhältlich. Anhand zahlreicher Beispiele wird das Lackieren und Patinieren erklärt.

Schatten mit Licht und Farbe

Mit einer Taschenlampe lassen sich Winkel und Verlauf eines zu betonenden Lichteinfalls durch das Rolltor einschätzen


Die Grafik zeigt, wie Airbrush und Masken gehalten werden müssen, um Schatteneffekte ohne scharfe Übergänge zu erreichen