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Modellpflege


ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 07.01.2020

Im vergangenen Jahr entdeckte Peter Juzak seine neue fotografische Leidenschaft: mit US-Amischlitten. Hochpolierte Lacke, viel Chrom, Kühlerroste und Speichenräder ziehen den fc-Fotografen wie magisch in ihren Bann. Mit Argusaugen geht er seither auf die Pirsch, um die schönsten Ansichten der legendären US-Straßenkreuzer mit seiner Sony-Kamera dekorativ abzulichten.


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Bildquelle: ColorFoto, Ausgabe 2/2020

Der Buick war aufwendig restauriert, fast ein wenig over-styled, aber in seiner gesamten Erscheinung mit dem braunen Metalliclack, Chromelementen und Holzapplikationen edel. Im Cockpit spiegelte sich der blaue Himmel, und der Schriftzug ...

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... „Evita“ unterstrich die Schönheit vergangener Zeiten. (Hannover, Wheels US Car & Harley Show 26.05.2018, mit Sony A6500, 330mm, ISO200, Blende 8, 1/500s)

Eigentlich sind es die Mikrowelten, die fc-Fotograf Peter Juzak faszinieren. Seit Ende der 1970er-Jahre widmet er sich dem Fotografieren von Mikrokristallen in polarisiertem Licht. Die Idee, US-Cars in den Fokus zu nehmen, entstand erst im vergangenen Jahr, ganz spontan: Die beiden großen US-CarTreffen in Hannover – Wheels US Car & Harley Show und Street Mag Show – mit jeweils rund 2000 Fahrzeugen inspirierten Juzak zum Start seiner Serie. Die anfängliche Idee, Kühlerfiguren von Oldtimern aus den Baujahren 1940 bis 1960 zu fotografieren, ist schnell zur Leidenschaft geworden. „Die Designer dieser Zeit schufen Fahrzeuge mit sehr individuellem Charakter“, erklärt Juzak. „Zu dieser Zeit waren zum Beispiel cwWert oder Sicherheit beim Zusammenstoß mit Fußgängern noch nicht im Bewusstsein der Designer, sodass man an diesen Fahrzeugen Elemente findet, die fotografisch einfach anders und damit sehr interessant sind.“ Hübsche Applikationen, Schriftzüge, glänzende Kühlerroste und Speichenräder lassen sein Fotografenherz höherschlagen.

Vorbereitung und Shooting

Seine typischen Shootings vergleicht Juzak mit der Pirsch, da „ich das fotografische Opfer in der Masse erspähe und dann einkreise, bis ich die geeignete Perspektive für einen Schuss gefunden habe.“
Um möglichst flexibl zu bleiben, ist er daher mit einer eher kleinen Ausrüstung unterwegs. Sie besteht aus einer APS-C- oder Vollformatkamera, zwei Zoomobjektiven mit Brennweiten von 16-35mm und 70-400mm sowie seinem Stativ, vorzugsweise ein Dreibeinstativ: „Aus meiner Erfahrung heraus lässt es sich damit entspannter fotografieren, gerade bei langen Brennweiten.“ Nach dem Einrichten des Motivs und dem Setzen der Schärfe kann er dann in Ruhe warten, bis sich störende Personen aus dem Bild entfernt haben. Auch bei Motiven, die er weitwinklig, bodennah oder symmetrisch fotografieren will, ist das Stativ sehr hilfreich – so lässt sich auch die Nachbearbeitung möglichst gering halten.

Der Ford Thunderbird war ein Traum in Blau-Weiß: Mich faszinierte die Linienführung des Wagens, darum setzte ich ihn diagonal ins Bild. Das Teleobjektiv konnte die störende Schotterstruktur des Platzes gut auflösen. Ein auf das Emblem gesetzter Spot hebt dieses gezielt hervor, sodass es zum Ankerpunkt der Bildkomposition wurde. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, mit Sony A6500, 200mm, ISO100, Blende 6,3, 1/640s)

Aufnahmeeinstellungen

Sonnenschein lässt bunte Karosserien leuchten, das Chrom glänzt, und auch Wolken können sehr dekorativ sein, weiß der fc-Fotograf. „Da die Lackund Chromflächen die Umgebung reflektieren, spiegeln sich darin natürlich auch andere Besucher – oft in sehr farbenfrohen Outfits. Darum ist es generell ratsam, früh bei einer Veranstaltung einzutreffen, solange es noch ruhiger zugeht.“

Nachbearbeitung

Die Belichtungskorrektur der Kamera stellt er auf -2/3 bis -1/3 Blenden ein, um das Ausfressen der Lichter zu minimieren. Wenn nötig, nimmt er später weitere Anpassungen in der RAWEntwicklung vor. Um bestmögliche Voraussetzungen für die Weiterverarbeitung zu erhalten, fotografiert Juzak generell im RAW-Format und entwickelt die Aufnahmen in Adobe RGB (16-Bit), die er vor der Ausgabe in den passenden Farbraum umwandelt. Zudem führt er in Lightroom CC Objektivkorrekturen durch, nimmt Schärfung und Rauschreduzierung vor und passt die Tonwerte sowie die Präsenz an. In PhotoshopCC erfolgen Anpassen von Tiefen und Lichter, eine Tonwertkorrektur und wenn nötig eine Retusche.

Der Ford Thunderbird war ein Traum in Blau-Weiß: Mich faszinierte die Linienführung des Wagens, darum setzte ich ihn diagonal ins Bild. Das Teleobjektiv konnte die störende Schotterstruktur des Platzes gut auflösen. Ein auf das Emblem gesetzter Spot hebt dieses gezielt hervor, sodass es zum Ankerpunkt der Bildkomposition wurde. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, mit Sony A6500, 200mm, ISO100, Blende 6,3, 1/640s)

Die Kühlerfigur eines Chrysler Windsor erinnerte mich an einen Engel. Wolken spiegelten sich in den verchromten Flächen und ließen sie dadurch wie Flügel erscheinen. Der Schärfepunkt auf den Kopf mit offener Blende und der Verlauf der Unschärfe in den Hintergrund gibt der Kühlerfigur den Anschein, sie rase auf den Betrachter zu. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, mit Sony A6500, 35mm, ISO 100, Blende 4,5, 1/1250s)

An den Fahrzeugtyp des Wagens kann ich mich nicht mehr erinnern, aber die verchromten Speichen erregten gleich meine Aufmerksamkeit. Ich wählte eine dezentrale Perspektive, um dem Wirrwarr der Speichen Raum zu geben und den Blick auf die dekorative Radnabe zu lenken. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, Sony A6500, 27mm, ISO100, Blende 8, 1/80s)

Eine der Kühlerfiguren, die rechts und links auf den Kotflügeln eines Buick Super Riviera thronen. Ein Stilelement, das dazu einlädt, mit dem Verlauf der Perspektive und der Schärfe zu spielen. Bei günstigem Licht gesellt sich ein schönes Schattenspiel. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, Sony A6500, 29mm, ISO100, Blende 8, 1/640s)

Ein fotogenes Element des Buick Super Riviera ist die Heckpartie des Wagens. Das dominante Rot der Rückleuchten zieht einen sogleich in den Bann, der Blick gibt aber unweigerlich den herausführenden Linien nach. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, Sony A6500, 35mm, ISO100, Blende 9, 1/160s)

Die Front des Buick Super Riviera ist bei einer nächtlichen Begegnung mit Sicherheit eine Herausforderung in Sachen Spiegelung und Reflexion. Die zahlreichen Elemente an Stoßstange und Kühlergrill zeigen facettenreiche Seiten, die sich wechselseitig beeinflussen und dadurch den Eindruck hervorrufen, dass alle Elemente verschmelzen. Auf jeden Fall eine Spielwiese zum Experimentieren. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, Sony A6500, 85mm, ISO200, Blende 8, 1/250s)

Die Heckflosse des 1959 Cadillac Sedan DeVille ist ein schönes Beispiel für die Verspieltheit der Fahrzeuge jener Epoche. Man kann sagen, die Designer schufen tatsächlich zeitlose Kunstwerke, indem sie nicht die reine Funktionalität in den Vordergrund stellten. Die beiden Flossen mit den Rücklichtern erinnern an die Triebwerke eines Raumschiffs, wie sie zu jener Zeit in Illustrationen dargestellt wurden. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, Sony A6500, 29mm, ISO 100, Blende 11, 1/160s)

Frontansicht eines Auburn Supercharged. Die Kühlerfigur erinnerte mich zuerst an die Gallionsfigur eines alten Segelschiffs. Bei näherem Hinsehen erkannte ich, dass sich der Lack an der Unterseite der Figur in einer Weise spiegelte, als wäre es der Anzug eines ComicSuperhelden, der zu seiner Mission startet. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, Sony A6500, 27mm, ISO 100, Blende 11m 1/200s)

Dieses Cockpit verschlug mir einfach die Sprache und ich konnte nicht entscheiden: Ist es eine Art Popkunst oder schaurig schön, oder stand der Eigentümer des Wagens bei der Umsetzung der Idee einfach nur unter LSD. Jedenfalls ein gelungenes Beispiel dafür, dass der Besuch eines US-Car-Treffens voller Überraschungen steckt. Obwohl es wegen der unruhigen Umgebung nicht immer von Vorteil ist, ein komplettes Fahrzeug zu fotografieren, so sind die Detailaufnahmen in jedem Fall ein Foto wert. (Hannover, Wheels US Car & Harley Show am 26.05.2018, Sony A6500, 25mm, ISO100, Blende 9, 1/20s)

Die Frontpartie eines aufwendig restaurierten Buick. Der reflektierende Metalliclack machte es nahezu unmöglich, die Umgebung auszuschließen. So versuchte ich, die Frontpartie des Wagens wie ein bedrohliches, auf den Angriff vorbereitetes Raubtier aussehen zu lassen, um damit von den Reflexionen im Lack abzulenken. (Hannover, Street Mag Show am 22.07.2018, Sony A6500, 19mm, ISO100, Blende 8, 1/80s)

Peter Juzak (fc-Fotograf: YesZappa), geboren 1960 in Hohenbostel am Deister, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist seit Mitte der 1970er-Jahre von der Fotografie fasziniert und hat lange mit dem OM-System von Olympus foto grafiert. Seit rund zehn Jahren fotografiert er digital. Sein Schwerpunkt liegt auf Mikrokris tallen in polarisiertem Licht. Mit dieser speziellen Art der Fotogra fie erzielte er bereits Platzierungen und Nominierungen bei interna tionalen Wettbewerben und wur de mehrfach in Print- und Online Medien publiziert.
Seit 2013 ist er in der fc angemel det: „Einige der Bilder fesseln mich wegen ihrer Schönheit, an dere wecken meine Neugierde und inspirieren mich zu eigenen Projekten.“

fc-Fotografenlink:
fc-user.de/1971590
Website: mikrokristalle.org/

Ausrüstung

Kameras:
Sony Alpha 6500 und A7III

Objektive:
Sony SAL-4-5,6/70-400mm mit Sony-Adapter La-ea3, Sony SEL- 90M28G, Tessar T* FE 4/16-35 mm ZA OSS

Zubehör:
Blitz, diverse Filter, Taschen/Rucksack, unterschiedliche Stative (vom günstigen K&F Concept TM2515T bis zum Sachtler System Ace L TT 75/2 CF), Mikroskop (Jenalb-Pol mit Planachromaten und Planapochromaten der 250CF HochleistungsGroßfeldobjektive-Serie von Carl Zeiss Jena, wird für die Mikrokristallfotografie und das Stacken von anderen Motiven benutzt.