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Moderne Lehrhilfen für effektive Ausbildung


segelfliegen - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 27.02.2020

Stress und Frustration während der Ausbildung überschatten das Wichtigste in unserem Freizeit-Sport: den Spaß an der Fliegerei!


Artikelbild für den Artikel "Moderne Lehrhilfen für effektive Ausbildung" aus der Ausgabe 2/2020 von segelfliegen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: segelfliegen, Ausgabe 2/2020

@Gemeinsam mit den Flugschülern den letzten Wellenflug im Schulungsraum nachbesprechen


@Übersicht über die „Moodle“ Trainingsplatform: Trainingsmodule (login, Bild oben) und Ausschnitt aus dem „Solo Pilot“-Trainingsabschnitt (Bild unten). Die Ausbildung in Neuseeland ist ähnlich gegliedert wie in Deutschland („Solo Pilot“ entspricht dem deutschen A-Ausbildungsabschnitt, „Soaring Pilot“ ähnelt dem B-Abschnitt und „Cross Country Pilot“ ist vergleichbar mit dem C-Abschnitt). Für ...

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... Scheininhaber stehen die weiteren Trainingsmodule wie beispielsweise „Alpine Pilot“ und „Task Pilot“ für die persönliche Weiterbildung zur Verfügung


Rund um die Welt scheint die Segelflugschulung eine zunehmende Herausforderung für einige Vereine zu bekommen. Das Problem: Flugschüler tun sich schwer, die nötige Zeit für die Segelfliegerei und die damit verbundenen kameradschaftlichen Pflichten aufzubringen. Fluglehrer sind überlastet und klagen über den Mangel an Unterstützung seitens des Vereins. Wie also kann Flugschülern und Fluglehrern geholfen werden, um Zeit und Geld zu sparen und dennoch eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu ermöglichen?

Theorie online lernen. Eine revolutionäre Idee kommt aus Neuseeland, wo Segelflugvereine oft nur sehr wenige Mitglieder haben und meist weit von einander entfernt sind. Während der Ausbildungsnachweis in Papierform weiterhin erhalten bleibt, wurde im Laufe dieses Jahres die gesamte Theorie online frei zur Verfügung gestellt. Die Trainingsplattform „Moodle“ (Bilder oben) beinhaltet derzeit vom ersten Schulungsflug bis hin zum Scheinerhalt das gesamte relevante theoretische Fachwissen. Die Unterlagen sind zum jeweiligen Ausbildungsschritt passend in kleine Segmente aufgeteilt. Zusätzlich zu den Texten und Diagrammen erleichtern Lehrvideos das Verständnis. Die Unterrichtsmaterialen stammen aus verschiedenen Quellen und sind auf die neuseeländische Ausbildung zugeschnitten. In Zukunft sollen ebenfalls Unterlagen zu Alpensegelflug, Wettbewerbsfliegerei und Fluglehrerausbildung zu „Moodle“ hinzugefügt werden.

Inzwischen wurde die Plattform über zwei Jahre von zwei großen Segelflugvereinen getestet. Die Vorteile übersteigen bei weitem die Kritikpunkte älterer Fluglehrer.
Der motivierte Schüler bereitet sich selbständig auf den nächsten Trainingsflug vor, indem er sich mit dem relevanten Unterrichtsstoff und dem Ablauf der Flugübungen vertraut macht. In Folge dessen weiß der Lernende nicht nur wo genau er in seiner Ausbildung ist, sondern bestimmt auch wie schnell er mit dem Training Fortschritte macht.
Zusätzlich ist es möglich, sich die Theorie auch außerhalb des Flugplatzes anzueignen, zum Beispiel beim Pendeln von oder zur Arbeit oder Schule.
Diese Umstellung stellt eine enorme Arbeitserleichterung dar. Die in der Vergangenheit „allwissenden“ Fluglehrer prüfen heutzutage lediglich das Verständnis und klären offene Fragen zum jeweiligen Thema. Sie verbringen nun mehr Zeit im Cockpit anstatt im Schulungsraum. Außerdem wird nun die Theorie in kleinen Häppchen in Zusammenhang mit der fliegerischen Ausbildung gelehrt, was für ein besseres Verständnis der Thematik sorgt.

@Trudeleinweisung am Simulator: Der Flugschüler übt das Ausleitungsverfahren als Vorbereitung auf den nächsten Schulungsflug


Aber wie können nun Flugschüler im deutschsprachigen Raum von der Idee der Neuseeländer profitieren? Es wäre mit Sicherheit erstrebenswert, das neuseeländische System auf Landesebene zu adaptieren. Bis aber hierzu sämtliche bürokratischen und finanziellen Hindernisse überwunden sind, werden wohl einige Jahre vergehen.
In der Zwischenzeit können jedoch interessierte Fluglehrer und Vereine gerne „Moodle“ nach brauchbarem Material durchstöbern und dieses in ihre Ausbildung integrieren (Link am Text-Ende). In Folge dessen hätten Flugschüler mit ausreichenden Englischkenntnissen zumindest die Möglichkeit, sich gewisse Theorieinhalte selbst beizubringen.
Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, dass sich Fluglehrer oder befreundete Vereine zusammenschließen und gemeinschaftlich Theoriematerialien und Lehrvideos, im „Kleinformat“ zu „Moodle“ zusam menstellen. Diese könnte dann ebenso auf freien Plattformen wie Dropbox oder Google Drive mit den Schülern geteilt werden.
Eine kleine Warnung am Rande für die Flugschüler, die jetzt am liebsten sofort los-„googlen“ wollen: Mit Google und Youtube lassen sich zwar viele Texte und Videos rund um die Segelfliegerei finden, jedoch sind ungeprüfte Unterlagen mit Vorsicht zu genießen. Denn nicht alles, was im Internet kursiert, deckt sich auch mit den hiesigen Segelflugausbildungsrichtlinien. Einige Komponenten werden in anderen Ländern oder in der Motorfliegerei unterschiedlich gelehrt, was wiederum für Verwirrung sorgen kann.

Segelflugsimulatoren gezielt nutzen. „Condor“ und „Silent Wings“ sind besonders im Winter oder bei Regenwetter beliebt, um sich die Zeit zu vertreiben. Die Integration von solchen Simulatoren in die Segelflugausbildung ist besonders dann nützlich, wenn mit gewissen Ausbildungsflügen hohe Kosten verbunden sind oder sich bestimmte Situationen mit dem Schulungsflugzeug in Realität kaum nachfliegen lassen. Voraussetzung ist allerdings, dass mit Pedalen und Knüppel geflogen wird und in den Einstellungen das „automatische Seitenruder“ deaktiviert ist.
Wer mit der Bedienung des Simulators halbwegs vertraut ist, wird die Vorteile schnell zu schätzen wissen. Beispielsweise kann der Fluglehrer lernen, ein Manöver am Simulator 100 % exakt zu fliegen und den Ausschnitt dann automatisch mit der Simulator-Software aufnehmen. Dieses perfekte Demonstrationsvideo wird später in der Schulung abgespielt und gemeinsam mit den Flugschülern analysiert.
Im echten Trainingsflug passiert in der Luft oft zu viel auf einmal, was den Schüler dann entweder überfordert oder abgelenkt. Der Simulator hingegen lässt sich mitten im Flug pausieren. Dies ermöglicht Schüler und Lehrer, über eine Situation in Ruhe zu diskutieren.

„Condor“ ist beispielsweise äußerst effektiv im Rahmen der Trudeleinweisung, inklusive Strömungsabriss, Spiralsturz und den damit verbundenen Ausleitungsverfahren. Im Simulator kann der Lehrer den Flug anhalten und dem Flugschüler die Symptome des Strömungsabrisses und anschließendem Trudelns erklären. Danach demonstriert der Lehrer das korrekte Ausleitungsverfahren. Im Schulungsraum hat der möglicherweise nervöse Schüler nun Zeit, sich mit dem Flugzustand vertraut zu machen und das Ausleitungsverfahren zu verinnerlichen. Beherrscht der Trainee das Flugzeug im Simulator, kann im echten Flugzeug mit Ausbilder geübt werden.
Mit dieser Vorgehensweise lassen sich oftmals die Anzahl an Trudelübungen reduzieren, da der Flugschüler bereits Grundwissen am Simulator erworben hat. Besonders an weniger guten Thermiktagen reduzieren sich die Kosten für den Flugschüler. Nichtsdestotrotz ist der Simulator kein Ersatz für die Ausbildung im echten Segelflugzeug.

@Im Schulugsflugzeug mit Handy oder GoPro Teile des Trainingsfluges dokumentieren


Weitere Einsatzmöglichkeiten des Simulators sind unter anderem in der F-Schlepp-Ausbildung, wenn der Flugschüler tendenziell überkontrolliert oder um das Einschätzen des Anflugwinkels bei der Landung zu demonstrieren. Auch um sich auf Überlandflüge vorzubereiten, können Flugschüler die Strecke zuvor im Simulator abfliegen. Werden sie dann endlich allein losgeschickt, kennen sie bereits die Gegend.
In der Zukunft wird Visual Reality den Anwendungsbereich von Flugsimulatoren noch deutlich erweitern. Für die oben genannten Übungen reichen aber ein Knüppel, Pedale und eine alte Simulator-Software völlig aus.

@Aufnahmen vom Überlandflug: Interessante Wolkenformationen, in diesem Fall eine Konvergenz-Wolkenstraße, können nach dem Flug deutlich besser anhand von Bildern erklärt werden


Kameras in Schulungsflugzeugen. Wer kennt das Problem nicht: Der Fluglehrer redet wie ein Papagei. Er versucht es mit sämtlichen unterschiedlichen Erklärungen, aber der Flugschüler kann einfach nicht nachvollziehen, was der Lehrer von ihm will. In dieser Situation ist möglicherweise eine Kamera im Schulungsflieger eine Lösung, um interessante Abschnitte des Fluges entweder zu filmen oder zu fotografieren. Nach dem Flug werden die Dateien mit dem Schüler gemeinsam angesehen und besprochen.
GoPro- und Handy-Aufnahmen sind völlig ausreichend, wenn man dem Flugschüler das „falsche Rausschauen“ oder das „nicht saubere Fliegen“ veranschaulichen will. In der Nachbesprechung sieht der Trainee im Video, wann genau er was falsch gemacht hat und lernt somit, worauf er im nächsten Flug achten muss. Lange Reden bleiben einem dadurch oft im Cockpit erspart.
Hochwertigere Kameras sind bei der Streckenflugausbildung äußerst nützlich, um Aufnahmen von Wolken und Geländeformationen zu schießen (Bilder oben). Im Schulungsraum lässt sich dann anhand der Bilder einfach erklären, warum genau dort das beste Steigen zu erwarten war, woran sich die Windrichtung am Boden erkennen lässt oder welche Felder für eine Außenlandung geeignet sind.

In großer Höhe kann der Fluglehrer ohne Probleme seine Kamera in der Hand halten. In der Platzrunde oder nahe an Bergen hingegen ist es ratsam, das Handy oder GoPro fest im Flugzeug zu montieren. Denn in diesen Situationen muss der Ausbilder sofort seine Hände frei haben, um das Flugzeug wenn nötig zu übernehmen.
RAM Mounts für Handys und Klebehalterung für die GoPro halten ausreichend gut. Die meisten Saugnäpfe hingegen haben sich als weniger geeignet erwiesen. Die Platzierung der Kamerahalterung hängt davon ab, was gefilmt werden soll. Vorsicht ist geboten, wenn die Halterung außen an Tragflächen oder am Höhenleitwerk befestigt wird, da dies eventuell die Ruderwirkung reduziert. Gegen eine Befestigung an der Flügelwurzel, am Rumpf vor oder hinter dem Cockpit, spricht jedoch nichts.

Moderne Trainingshilfen haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Warum also nicht die Wintersaison nutzen, um mit Simulatoren, Kameras oder neuen Unterlagen für den Theorieunterricht zu experimentieren?

@Welche Wolke meint der Fluglehrer nun?! Anhand von Bildern lassen sich Fragen wie „Wo ist hier das beste Steigen zu erwarten?“ deutlich einfacher beantworten als während des Fluges


Weiterführende Links: Moodle – Neuseeland´s online Trainingsplattform: http://moodle.gliding.co.nz/course/index.php?categoryid=3 Kostenlose Nutzung nach Erstellen eines Benutzerkontos