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Moderne Therapien gegen Schuppenflechte


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 34/2022 vom 17.08.2022
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Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 34/2022

INNERE KRAFT Cara Delevingne lässt sich von ihrer Hautkrankheit nicht mehr verunsichern höher ist das Risiko für Raucherinnen, an Psoriasis zu erkranken

Cara Delevingne, 30 Kein Verstecken mehr

„Früher habe ich die Krankheit gehasst“

Die Britin gehört zu den gefragtesten Models. Doch auch sie ist nicht perfekt. Sie hat Psoriasis. „Früher habe ich meine Schuppenflechte gehasst, aber das hat sie nur schlimmer gemacht“, sagte sie mal. Doch mittlerweile zeigt sie die gerötete Haut sogar bei öffentlichen Auftritten. Der offene Umgang helfe ihr, die Krankheit zu akzeptieren.

Zahl der noch oftmals die Angst vor Ansteckung. Typische Symptome Woche 50 %

Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren, wenn ein Schuppenflechte-Schub kommt. Der Fachbegriff für die Erkrankung, Psoriasis, verrät, was die Betroffenen erdulden müssen: Psora stammt aus dem Griechischen und heißt Krätze, Räude oder sind Juckreiz, schuppige, entzündlich gerötete und verdickte Haut. Die Krankheit kann den ganzen Körper befallen, doch oft trifft es Knie, Ellbogen, Hautfalten, Kopfhaut und ...

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Ohren. „Bei etwa der Hälfte der Patienten greift die Erkrankung auch die Nägel an“, so Dr. Ralph von Kiedrowski. Der Dermatologe hat sich in seiner Praxis in Selters auf chronisch-entzündliche Hauterkrankungen spezialisiert.

Wie es dazu kommt: „75 Prozent der Fälle sind genetisch bedingt“, erklärt Dr. von Kiedrowski. „Dann tritt die Schuppenflechte in der Regel im Alter zwischen 15 und 25 Jahren das erste Mal auf.“ Bei den restlichen 25 Prozent liegt keine Veranlagung vor. Die Erkrankung bricht meist im Alter von 55 bis 65 Jahren aus und nimmt in der Regel einen schwächeren Verlauf.

Es braucht Auslöser: Doch selbst wenn Psoriasis in den Genen liegt, muss es nicht zwangsläufig zum Ausbruch kommen. „Es braucht immer einen Trigger“, betont Ralph von Kiedrowski. „Das sind sehr häufig Infektionen, die das Immunsystem hochregeln.“ Denn bei der Entwicklung einer Schuppenflechte sind überaktive Abwehrzellen beteiligt, die T-Zellen. Sie lösen Entzündungen aus, die den Körper zur Produktion immer neuer Hautzellen anregen. Dadurch wandern sie in nur drei bis vier Tagen an die Hautoberfläche. Normalerweise dauert dieser Prozess 26 bis 27 Tage. „Weil die Hautzellen dann noch nicht ausgereift sind, lösen sie sich nicht von der Oberfläche. Es entsteht eine starke Verdickung des betroffenen Hautareals. Die für Psoriasis typischen, erhabenen und geröteten, mit silbrig-weißen Schuppen bedeckten sogenannten Plaques entstehen“, erklärt der Dermatologe. Trigger für die autoimmun vermittelte Entzündungskrankheit können auch bestimmte Medikamente – etwa Betablocker und ACE-Hemmer –, Hormonschwankungen, Stoffwechselstörungen, Rauchen sowie Alkohol, Übergewicht und Stress sein.

Der Experte

DR. RALPH VON KIEDROWSKI Er hat eine hautärztliche Spezial- und Schwerpunktpraxis in Selters im Taunus

Die Psyche leidet: Obwohl Schuppenflechte ausdrücklich nicht ansteckend ist, werden die Erkrankten aufgrund ihres Aussehens auch heute noch oft stigmatisiert und ausgegrenzt. „Dieser Stress kann Psoriasis verstärken“, weiß Ralph von Kiedrowski. Zudem nimmt die Hautkrankheit manchmal einen direkten biochemischen Einfluss auf die Psyche. „Denn die T-Zellen produzieren entzündliche Proteine, sogenannte Zytokine, die auch im Gehirn wirken und so Depressionen oder Angststörungen auslösen können.“ Die Behandlung der Erkrankung hilft also nicht nur der Haut, sondern dem ganzen Körper. Zumal Psoriasis mit ihrer systemischen Entzündung auch das Risiko für Arteriosklerose und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall steigen lässt. Das l

Julius Brink, 40 Kann viel selbst beeinflussen

„Will anderen Mut machen“

Der Olympiasieger will anderen Betroffenen Mut machen, gut mit Schuppenflechte zu leben. Sie habe ihn gelehrt, besser auf sich zu achten, sagte er, denn: „Mit Stress, Schlaf, Ernährung und UV-Licht gibt es viele Bereiche, die ich selbst beeinflussen kann.“ Er hat die Erkrankung im Griff und kaum noch Symptome. l metabolische Syndrom ist ebenfalls eine häufige Begleiterkrankung. Es geht mit Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Bluthochdruck einher.

Gut behandelbar: „Etwa 20 Prozent der Psoriasis-Patienten sind dennoch nicht in der ärztlichen Versorgung“, bedauert Dr. von Kiedrowski. „Dabei ist diese Erkrankung heute sehr gut behandelbar und kontrollierbar. Bei neun von zehn Patienten können wir Plaque-Freiheit erreichen.“ Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto besser. Bei leichten Symptomen kann eine äußerliche Therapie mit Cremes und Salben helfen. Wirkstoffe sind hier etwa Kortison und Vitamin-D3-Abkömmlinge. Auch

Lichttherapie und Salzwasser-Bäder bringen bei vielen Betroffenen Besserung. In schwereren Fällen helfen immunmodulierende Arzneien wie Methotrexat (MTX) oder Fumarate. Auch Biologika oder ein Phosphodiesterase-Hemmstoff sind moderne Therapieoptionen. Diese Medikamente greifen sehr gezielt in die fehlgeleitete Abwehrreaktion ein.

Günstiger Einfluss: „Ein gesunder Lebensstil allein kann Schuppenflechte nicht im Zaum halten“, sagt Dr. von Kiedrowski. „Wohl aber die Schubhäufigkeit und die Schwere der Symptome reduzieren.“ So zeigte eine Studie vom Krankenhaus Papa Giovanni XXIII in Bergamo, dass Rauchen das Risiko fast ums Doppelte erhöht, Psoriasis zu entwickeln. Das Qualmen aufzugeben ist also hilfreich. Wenig Alkohol zu trinken und Normalgewicht zu halten wirken sich ebenfalls positiv aus. Dagegen steigt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken mit zunehmendem Übergewicht sogar um bis zu 81 Prozent an, so eine Studie der Universität Kopenhagen. Zudem will die Haut eines Psoriasis-Kranken auch in der schubfreien Zeit gut gepflegt werden. Dazu gehören eine milde Reinigung und rückfettende Cremes sowie Lotionen. Am besten lässt man sich vom Hautarzt beraten, welche Präparate individuell infrage kommen. ◼ ELLEN WARSTAT

Maren Gilzer, 62 Nur selten Symptome

„Eine Kortisonsalbe hilft“

Zum ersten Mal trat die Schuppenflechte im Alter von fünf Jahren bei ihr auf. Später machte sie Maren Gilzer den Job als Buchstabenfee beim „Glücksrad“ öfter mal schwer: „Ich musste mich vor der Kamera sehr darauf konzentrieren, nicht daran zu kratzen“, berichtete sie. Heute hat die Moderatorin ihre Beschwerden dank einer Kortisonsalbe aber gut unter Kontrolle. Nur selten tauche die Flechte im Ohr auf und entzünde sich.

AUCH DIE GELENKE LEIDEN

. Psoriasis ist tückisch: Sie greift bei etwa 40 Prozent der Betroffenen die Gelenke an. Oft zeigt sich die sogenannte Psoriasis-Arthritis erst viele Jahre nach dem ersten Auftreten der Schuppenflechte. Dann schwellen die Gelenke an und werden steif. Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis zeigen sich die Beschwerden meist nicht symmetrisch, sondern einseitig. Wieso es dazu kommt, ist noch ungeklärt. . Therapieoptionen: Es werden die gleichen Medikamente wie bei Schuppenflechte eingesetzt. Zudem helfen gezielte Bewegung und eine ausgewogene, antientzündliche Ernährung. Sind diese Faktoren gut aufeinander abgestimmt, führen Betroffene oft auch mit der Psoriasis-Arthritis ein beschwerdefreies Leben.