Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Moderne Väter: Wickeln ist richtig cool


Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 04.12.2019

Wickeln ist inzwischen auch Männersache: Jeder zweite Vater wechselt mehrmals pro Tag die Windeln. Was für Außenstehende nach harter (stinkiger) Arbeit klingt, birgt doch enormes Poten zial für Papa-Kind-Momente. Ein Erfahrungsbericht vom Wickeltisch


Artikelbild für den Artikel "Moderne Väter: Wickeln ist richtig cool" aus der Ausgabe 1/2020 von Leben & erziehen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 1/2020

DIE WINDEL, EIN WUNDERWERK DER TECHNIK

Eine Windel besteht aus knapp zwei Dutzend Teilen: Bündchen, Gummis, Vliese und Folien. Das wichtigste Bauteil ist der Saugkern. Der besteht aus Polymersalzen. Sie können ein Vielfaches ihres eigenen Gewichts an Flüssigkeit aufnehmen und binden. Moderne Windeln können so 300 bis 400 Milliliter Urin aufnehmen. Einmal ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Leben & erziehen. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2020 von 0-1 Jahr: Leben mit Kindern: Wenn der Storch fest zypackt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
0-1 Jahr: Leben mit Kindern: Wenn der Storch fest zypackt
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von 1–3 Jahre: Leben mit Kindern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
1–3 Jahre: Leben mit Kindern
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von 3-6 Jahre: Leben mit Kindern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
3-6 Jahre: Leben mit Kindern
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von Neues Jahr – viele Chancen…für das neue Jahr. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neues Jahr – viele Chancen…für das neue Jahr
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von ÜBERNACHTEN OHNE MAMA UND PAPA!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÜBERNACHTEN OHNE MAMA UND PAPA!
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von Bitte, Baby, komm doch endlich!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Bitte, Baby, komm doch endlich!
Vorheriger Artikel
Kälte? Kein Problem!
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Was leistet eigentlich Ihre Krankenkasse?
aus dieser Ausgabe

... pullern sind etwa 70 Milliliter. Das Kind kann also vier- bis fünfmal in die Windel pinkeln, bevor sie überläuft.

An meine erste Windel kann ich mich noch lebhaft erinnern. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt. Neben mir stand eine sichtlich amüsierte Krankenschwester. Mein Sohn war zu diesem Zeitpunkt erst ein paar Stunden alt. Sein kleiner Körper wirkte so zerbrechlich, viel zu winzig für meine großen Hände. Trotz gutem Zureden und hilfreichen Tipps brauchte ich wohl eine Viertelstunde für mein erstes Windelwechseln. Zum Glück stellte sich schon nach wenigen Tagen so etwas wie Routine ein.

Arbeitsteilung: Mama stillt, Papa wickelt

An den Wickelweltrekord von 26 Sekunden – aufgestellt bei der Weltmeisterschaft in Düsseldorf – komme ich bis heute nicht heran. Aber nach knapp drei Jahren sitzt jeder Handgriff, mein Sohn trägt nur noch nachts eine Windel. Grundstein für meine Routine war eine simple Arbeitsteilung in den ersten Lebensmonaten: Mama stillt, Papa wickelt. Das passte sehr gut, denn Säuglinge erledigen anfangs ihr Geschäft meistens kurz nach dem oder auch beim Stillen. Mindestens alle vier Stunden ist deshalb eine neue Windel fällig, so die Theorie. In der Praxis sind auch mal zehn Windeln pro Tag keine Seltenheit. Zum Glück nimmt die Befüllungsfrequenz schon nach ein paar Monaten ab.

Väter, die nicht wickeln wollen, kann ich nicht verstehen. Immerhin ist das Wickeln für Babys und ihre Eltern weit mehr als nur notwendige Hygiene. Gerade in den ersten Wochen gehört das Windelwechseln zu den schönsten Momenten. Das Baby liegt nackt und frei unter der Wärmelampe, kann mit seinen Füßen und Händen spielen und den Worten oder einem Lied seiner Eltern lauschen. Es spürt die Streicheleinheiten und die elterliche Zuwendung und reagiert darauf mit großer Freude – es strampelt und brabbelt nur so vor sich hin. Unsere Hebamme sagte einmal ganz treffend: „Wickeln ist eine gute Gelegenheit, sich kennenzulernen!“

Auch ein Baby hat mal schlechte Laune

Ein positiver Nebeneffekt: Frische Luft am Po tut der Haut gut und ist neben sorgsamer Hygiene und einer guten Po-Creme das beste Mittel gegen schmerzhafte Hautentzündungen wie die Windeldermatitis. Deshalb sollte man sich gerade anfangs viel Zeit zum Wickeln nehmen. Doch auch dann ist natürlich nicht jede Wickeleinheit ein Moment voller Harmonie. Bei uns wirkte eine Spieluhr und Vorsingen Wunder bei schlechter Baby-Laune. Auch ein bisschen Baby-Massage tut gut. Die Handgriffe dafür lernt man(n) bei der Hebamme und in Baby-Massagekursen. Die gibt es übrigens auch schon für Väter.

Sich früh beim Wickeln einzubringen hatte für mich auch noch einen anderen Vorteil: Es half mir, meine Rolle als Vater zu finden. Das mag vielleicht komisch klingen, aber ich konnte mich einbringen, meine Frau entlasten und hatte innige Moment mit dem Kind. Außerdem ist das Wickeln am Anfang noch wirklich angenehm. Der strampelige Protest ist gering, und der Windelinhalt riecht noch erträglich. Richtig stinkig wird es erst beim Beikoststart und der ersten Fleischmahlzeit. Dann ändert sich übrigens auch die Häufigkeit. Zwischen drei- bis zehnmal Aa pro Tag ist möglich.

Eltern wickeln drei Wochen lang – am Stück

Doch auch hier kann ich nach drei Jahren Erfahrung beruhigen: Man wächst mit seinen Aufgaben. Schon bald kann einen nichts mehr schocken, und der Windelinhalt, seine Konsistenz und der Geruch werden selbstverständlicher Teil des täglichen Elterntalks. An solchen „Stuhl“-Gesprächen können sich übrigens immer mehr Väter beteiligen. Laut einer Umfrage von Windelhersteller Pampers wechselt jeder zweite Papa mehrmals pro Tag die Windeln. Für 83 Prozent gehört es neben Spielen und Ins-Bett-bringen zu den regelmäßigen Aufgaben.

Das ist auch gut so – immerhin müssen bis zum Trockenwerden rund 6000 Windeln gewechselt werden. Braucht man dafür im Durchschnitt fünf Minuten, verbringen wir so in den ersten Lebensjahren unserer Kinder gut drei Wochen am Wickeltisch. Eine Arbeit, die getrost auf vier Schultern verteilt werden sollte.


„HABT ALLES, WAS MAN ZUM WICKELN BRAUCHT, GRIFFBEREIT – FEUCHTTÜCHER, WINDELN, WECHSELSACHEN FÜR PIPI-UNFÄLLE, POPO-CREME. AUCH BABYS KÖNNEN SICH SCHNELL DREHEN UND VOM WICKELTISCH FALLEN“


FOTOS/ILLUSTRATIONEN: GETTY IMAGES

Wer Meister werden will, muss machen

Eine Wickelanleitung erspare ich mir an dieser Stelle. Am besten lernt man die Handgriffe und die nötige Pflege von der Hebamme und den Schwestern im Krankenhaus. Die Übungen mit einer Puppe im Geburtsvorbereitungskurs sind nur bedingt hilfreich. Sie mag schwer wie ein Baby sein, aber weder strampelt sie, noch pinkelt sie einen in hohem Bogen an.

Ausprobieren gilt übrigens auch für die Suche nach der richtigen Marke für Windeln, Po-Creme oder Feuchttücher. Hier sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen und nicht zu schnell auf andere Eltern oder Mamablogs hören. Wir haben uns vor der Geburt drei Windelpakete von drei unterschiedlichen Marken gekauft und einfach mal ausprobiert. Unserer Lieblingsmarke sind wir bis heute treu geblieben – genau wie den Feuchttüchern und der Windelcreme.

Einen weiteren, sehr wertvollen Tipp bekamen wir von einem der Handwerker, die die Möbel fürs Kinderzimmer aufbauten. „Habt alles, was man zum Wickeln braucht, griffbereit – Feuchttücher, Windeln, Wechselsachen für Pipi-Unfälle, Popo-Creme. Auch Babys können sich schnell drehen und vom Wickeltisch fallen.“ Tatsächlich ist das einer der häufigsten Unfälle im Säuglingsalter. Und was soll ich sagen: Rat befolgt, unser Kind fiel bis heute nicht einmal vom Wickeltisch. Mein kleiner Triumph als Vater.

FÜNF DINGE ÜBER DAS WICKELN

1 Bis zu 6000 Windeln verbraucht ein Kleinkind, bis es trocken ist. Damit ist es übrigens im Durchschnitt mit 30 Monaten so weit – bei Mädchen etwas früher als bei Jungs.

2 In Deutschland werden täglich rund 8,4 Millionen Windeln verbraucht. In kinderreichen Städten machen Windeln zehn Prozent des Müllaufkommens aus.

3 Durchschnittlich kosten uns die Windeln laut „Öko-Test“ bis zum Trockenwerden 800 Euro, mit Markenwindeln knapp 1200 Euro, mit Discount-Produkten etwa 550 Euro. Andere Schätzungen sprechen sogar von 1500 bis 2000 Euro.

4 Die Einmal-Windel gibt es seit 1973 in Deutschland zu kaufen. Inzwischen nutzen sie 90 Prozent aller Eltern. Der Vorgänger, die Stoffwindel, wurde zum Nischenprodukt.

5 Über 70 Prozent der Kinder weltweit wachsen ohne Windel auf – gerade in Asien und Afrika sind Windeln bis heute eher die Ausnahme.


FOTOS/ILLUSTRATIONEN: GETTY IMAGES

FOTOS/ILLUSTRATIONEN: GETTY IMAGES