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MOI-PUTTER: STABIL ZUM ZIEL


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 110/2020 vom 23.10.2020

Putter mit großen Köpfen sind zwar nicht jedermanns Geschmack, können aber helfen, mehr Putts zu lochen – und darauf kommt’s ja an. Wir testeten vier Neuheiten und erklären die sogenannten HIGH-MOI-MODELLE.


Artikelbild für den Artikel "MOI-PUTTER: STABIL ZUM ZIEL" aus der Ausgabe 110/2020 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 110/2020

JUSTIN THOMAS: Der Amerikaner puttet mit High-MOI-Modellen von Scotty Cameron.


SPITZE: Dustin Johnson, Nummer eins der Welt, vertraut auf einen Spider-Putter von TaylorMade.


POLARISIERT: Das Modell Heppler Tomcat 14 von Ping sticht mit seiner markanten Optik selbst unter den MOIModellen heraus.


Was verbindet den Spanier Jon Rahm und die Amerikaner Dustin Johnson und Justin Thomas? Nun, mal abgesehen ...

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... davon, dass sie sich zuletzt im Wochentakt als Weltranglistenerste abwechselten und derzeit die Crème de la Crème im Profi-Golf repräsentieren, ist da auch noch die Tatsache, dass alle drei auf Putter mit einer außergewöhnlichen Kopfform vertrauen.

Thomas benutzt seit Kurzem einen Tour Prototype von Scotty Cameron. Rahm vertraut seit vielen Jahren fast durchgängig auf Modelle der Spider-Familie von TaylorMade. Und auch Johnson spielte sich mit einem Spider zurück an die Spitze. Die Markenbotschafter von unterschiedlichen Ausrüstern benutzen also unterschiedliche Modelle, okay – doch das »Geheimnis« dieser drei Flatsticks ist, dass sie über ein hohes Trägheitsmoment verfügen und damit zur Familie der High-MOI-Putter zählen.

UM WAS GEHT ES?

Was damit für die Besten der Welt gut ist, sollte dann doch auch dem gewöhnlichen Amateurgolfer helfen, oder? Ja, wären da nicht die Vorlieben der Spieler, die ganz besonders bei Puttern zum Tragen kommen. Hier spielen Komponenten wie Gefühl, Vertrauen und vor allem die Optik eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Und da ist klar: MOI-Putter haben einen ungewöhnlichen Look, der erst einmal gemocht werden muss. Bei diesen Schlägern steht die Funktion und nicht das Aussehen im Mittelpunkt. Doch weil ja speziell über den Look immer kräftig diskutiert werden kann, blicken wir nur auf das, was die dicken »Brummer« leisten sollen – und wir haben zudem vier aktuelle Modelle im Test unter die Lupe genommen.

Beim Moment of Inertia (MOI, auf Deutsch: Trägheitsmoment) handelt es sich um die Trägheit eines starren Körpers gegenüber seiner Winkelgeschwindigkeit bei Drehung um eine gegebene Achse. In der (Golf-)Praxis bedeutet dies, dass ein Objekt mit höherem Trägheits moment sich weniger um eine bestimmte Achse verdreht als ein Objekt mit einem geringen MOI. Beim Putter ist dabei die Drehung um die horizontale Achse zu vernachlässigen.

MOI-VORTEIL: Verwendet man einen Putter mit hohem MOI, rollen nicht mittig getroffene Putts weiter als mit einem Putter, der ein niedriges MOI hat. Da sich der Kopf eines Putters mit hohem MOI bei Ballkontakten in den Außenbereichen des Blatts (Ferse und Spitze) auch weniger verdreht, halten die Bälle zudem die Linie besser.


UND WAS BRINGT DAS?

Durch das hohe Trägheitsmoment soll erreicht werden, dass selbst ein Putt, bei dem der Ball nicht mittig getroffen wurde, noch zu guten Resultaten führt. Denn das Problem bei Off-Center-Hits ist, dass sich der Schlägerkopf verdreht und die Energieübertragung auf den Ball abnimmt. Ist das Trägheitsmoment hoch, verringert sich die Tendenz zum Verdrehen – somit hält der Ball zumindest die Spur besser.

BREITE PALETTE: Scotty Cameron bietet bei der Phantom-Reihe eine große Auswahl.


Aber, Vorsicht: Wer glaubt, eine mangelhafte Technik durch den Kauf eines solchen Modells kompensieren zu können, liegt eher falsch. Alle Experten sind sich sicher, dass ein MOI-Putter eine schlechte Technik keinesfalls ausgleichen kann. Im besten Fall kann er dank seiner erhöhten Stabilität helfen, den Ball auch bei einem Treffer an der Spitze oder an der Ferse näher an das Loch zu bekommen.

Positiv ist jedoch, dass diese Schläger bei einem anderen wichtigen Aspekt des Puttens Hilfe leisten können – der Ausrichtung, einer anderen häufigen Fehlerquelle misslungener Versuche. Wer also hier Probleme hat, dem können solche Putter Unterstützung bieten, da sie aufgrund ihrer großen Köpfe ausreichend Platz für entsprechende Hilfslinien auf der Oberseite haben.

SO SIEHT‘S AUS

Und welche Dinge beeinflussen nun das MOI eines Putters? Da ist zum einen das Gewicht des Kopfs, zum anderen die Entfernung der Masse vom Massenschwerpunkt des Kopfs. Wird der Schlägerkopf schwerer, erhöht sich sofort sein Trägheitsmoment – daher weisen etwa die Counter-balanced-Putter mit ihren sehr schweren Köpfen und einem Gegengewicht am oberen Griffende ein hohes MOI auf. Und: Verteilt man das Gewicht mehr in die Außenbereiche, erhöht sich das MOI ebenfalls.

Eine Kombination aus beidem sorgt dann logischerweise für einen noch besseren Effekt. Maximale Werte erhält man jedoch vor allem dann, wenn das Gewicht in die Ecken der Schläger und dann auch noch möglichst weit weg von der Schlagfläche verteilt wird. Womit wir auch schon bei der Erklärung sind, warum diese Flatsticks meist eine recht ungewöhnliche Form haben.

Es bleibt allerdings festzuhalten, dass keinesfalls jeder der »Großkopferten« auch automatisch ein hohes MOI hat. Wichtig sind neben der Form auch die verwendeten Materialien. Je nachdem, welche verbaut werden, lassen sich auch »kleine« Putter herstellen, die ein vergleichsweise hohes MOI haben. Das macht sich dann jedoch – bedingt durch die komplexe Struktur – beim Preis bemerkbar.

DER PRAXISTEST

Wie individuell das Putten ist, konnten wir beim Testen der vier Modelle von Ping, Odyssey, Scotty Cameron und TaylorMade mal wieder ausführlich feststellen. Denn es gab reichlich Stoff für Debatten. Das fing beim Look an und endete beim Gefühl.

Doch nach wirklich vielen, ja, sehr vielen Putts mit allen vier Schlägern konnten wir zu einem Ergebnis gelangen, das allen Tester-Meinungen gerecht wurde. Bei den kurzen Putts überzeugte das Quartett gleichermaßen, sodass wir uns auf die langen Entfernungen konzentrierten und darüber hinaus auch die Ausrichtung und das Gefühl im Treffmoment bewerteten.

Speziell hier ist ein Punkt besonders wichtig für die persönliche Auswahl: Wer auf einen Putter mit einem Insert setzt, präferiert in der Regel einen weichen Kontakt und kann sich kaum mit dem eher knackigen Gefühl eines Modells ohne Insert anfreunden (im Test spielten die Modelle von Ping und Scotty Cameron ohne Einsatz auf der Schlagfläche). Last but not least lassen wir auch die Optik nicht unkommentiert. Maximal waren zehn Punkte möglich.

So läuft ein Putter-Fitting

Die eine richtige Art, ein Putter-Fitting durchzuführen, gibt es nicht. Sowohl die Philosophien der Hersteller als auch die Ansätze der markenunabhängigen Fitter können sich unterscheiden; einige arbeiten beispielsweise strikt mechanisch, andere gefühlsbetonter. Doch es gibt ein paar Aspekte, die jeder gute Fitter überprüfen wird.

1. Selbsteinschätzung: Wie schätzt der Kunde seine Leistung ein? Liegen die Probleme typischerweise eher in der Längenkontrolle oder bei der Richtung? Gibt es bei geraden Putts eine Seite, an der das Loch öfter verfehlt wird?

2. Ist-Analyse: Beim Fitten geht es darum herauszufinden, was den Spieler besser macht. Dafür schaut sich der Fitter zunächst an, wie der Kunde mit dem eigenen Putter puttet. Dabei wird er darauf achten, wie der Spieler am Ball steht, wo sich die Augen befinden, wie er zielt, wie Rhythmus und Tempo des Strokes sind, auf welchem Pfad der Putter-Kopf bewegt wird (eher gerade oder kurvenförmig), wo der Spieler den Ball auf der Schlagfläche trifft und wie die Resultate sind. Einige Fitter ziehen bei dieser Analyse zudem Schwunganalyse-Systeme wie SAM Putt-Lab zu Hilfe (das ist ein Gerät, das per Ultraschall bis zu 50 Parameter aufzeichnet und diese grafisch aufbereitet auf einem Monitor anzeigt). Andere arbeiten mit dem bloßen Auge.

3. Fitter zieht Schlüsse: Je nachdem, was der Fitter beobachtet hat, hat er verschiedene Ansatzpunkte zur Optimierung. Die wichtigsten Komponenten sind: Putter-Länge, Lie-Winkel, Offset, Loft, Kopfform, Putter-Balance, Gewicht, Schlagflächenmaterial und -textur sowie Form und Größe des Griffs. Jeder dieser Parameter kann dem Erfolg entgegenstehen oder ihn fördern. Richtig und falsch, besser und schlechter: Das gibt es nur außerhalb eines bestimmten Korridors. Innerhalb dessen gilt es, ein auf den individuellen Putt-Stil des Klienten bestmöglich abgestimmtes Modell zu finden.

In vielen Fällen wird der Fitter zur Veranschaulichung unterschiedliche Putter zum Testen reichen, damit ein Bewusstsein dafür entwickelt wird, wie der Schwung auf verschiedene Designs reagiert. Denn natürlich ist es auch wichtig, dass der Putter optisch gefällt. Die Auswahl der meisten Hersteller ist aber so groß, dass man auch nach Findung der passenden Parameter noch zwischen mehreren Modellen wählen und sich für das schönste entscheiden kann. MC

Odyssey Stroke Lab Bird of Prey

Das sagt der Hersteller: Beim Schaft aus unterschiedlichen Materialien wurden 40 Gramm Gewicht gespart, die auf den Schlägerkopf und das Griffende verteilt wurden. Dies verleiht dem Putter ein neues Gleichgewicht für ein verbessertes Tempo und mehr Konstanz. Für ein härteres Gefühl und einen verbesserten Klang im Treffmoment sorgt, unter Beibehaltung derselben Rollvorteile, das White-Hot-Microhinge-Insert. Erhältlich in Schaftlängen von 33, 34 und 35 Inches für Rechts- und Linkshänder. Preis: 279 Euro

Ping Heppler Tomcat 14

Das sagt der Hersteller: Der Putter, bestehend aus leichtem Aluminium in der Mitte und schwerem Stahl an den Außenseiten, erzielt ein extrem hohes Trägheitsmoment für Stabilität und Fehlerverzeihung. Die glatte Schlagfläche erzeugt ein etwas festeres Gefühl und ermöglicht damit eine konstante Längenkontrolle. Die Ausrichtungslinien sind Landebahnlichtern auf einem Flughafen nachempfunden, simulieren eine flüssige Bewegung und verhelfen zu einem leichteren Zielen. Für Rechts- und Linkshänder, der Schaft lässt sich individuell von 32 bis 36 Inches verstellen. Preis: 329 Euro

Scotty Cameron Phantom X 12

Das sagt der Hersteller: Mit großen, geschwungenen Flügeln aus Edelstahl für ein hohes Trägheitsmoment und einem in der Mitte einfach gebogenen Schaft bietet dieses Modell höchste Fehlerverzeihung, unterstützt durch neongelbe Ausrichtungshilfen von der Vorderkante bis in den hinteren Schlägerrücken des schwarz eloxierten Aluminium-Einsatzes. Das sorgt für enorm viel Stabilität und Fehlertoleranz. Bei diesem Modell wird der Pistolero-Plus-Griff verwendet, ein etwas stärkerer, sich zum Schaft hin nur wenig verjüngender Pistolero-Griff. Erhältlich in Schaftlängen von 33, 34 und 35 Inches für Rechtshänder. Preis: 469 Euro

TaylorMade Spider S

Das sagt der Hersteller: Der Schlägerkopf besteht aus einem Aluminium-Körper, an dem Wolfram an der Unterseite (jeweils 48 Gramm links und rechts) und im hinteren Teil platziert wurde. Das sorgt zum einen für ein tiefes Schwerpunktzentrum und zum anderen für ein sehr hohes Trägheitsmoment. Zusätzlich erhöht das Pure Roll-Insert mit den um 45 Grad angewinkelten Grooves den Topspin und ermöglicht damit ein treueres Rollverhalten des Balls auf der angepeilten Linie. Erhältlich in Blau oder Weiß, mit Schaftlängen von 33 (nur RH), 34 und 35 Inches für Rechts- und Linkshänder. Preis: 349 Euro


Fotos: golfsupport.nl (2); Matschiner (1)