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Moin Moin, Maräne!


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 30/2022 vom 11.02.2022

MARÄNEN

Artikelbild für den Artikel "Moin Moin, Maräne!" aus der Ausgabe 30/2022 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Eine dicke Maräne von etwa 60 Zentimeter aus einem norddeutschen Natursee ? hätten Sie damit gerechnet?

Hätten Sie mich noch vor kurzer Zeit nach meiner Meinung zu Maränen gefragt, dann wären die Fische nicht besonders gut weggekommen. Der größte Vorteil, den ich in Maränen sah: Sie sind eine wichtige Futterquelle für Hecht, Barsch und Zander in meinem Hausgewässer. Asche auf mein Haupt, denn heute weiß ich, dass ich den Maränen damit Unrecht getan habe.

Die tatsächliche Bedeutung der Maräne wurde mir erst auf den zweiten Blick klar: Sie ist in der Küche eine echte Delikatesse, welche ihresgleichen sucht. Nicht umsonst wird sie bei den Müritzfischern als „Brotfisch“ gehandhabt und ihr Bestand mit händischer Aufzucht unterstützt. Den bayerischen oder baden-württembergischen Lesern brauche ich das nicht zu erzählen, denn im Süden Deutschlands ist der Stellenwert der Maräne (bzw. Felchen, bzw. Renke; je nach Bundesland) seit jeher immens. Wohl wissend, dass es zig verschiedene Arten von Maränen ...

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... gibt, die unterschiedliche Endgrößen erreichen und unterschiedliche Verhaltensmuster an den Tag legen, beziehen sich meine Erfahrungen auf die großen Seen der Müritzfischer in Mecklenburg-Vorpommern. Hier finden wir die Kleine und die Große Maräne als einzelne Arten. Zusätzlich werden in unseren Seen Ostseeschnäpel besetzt, welche der großen Maräne sehr ähnlich sehen. Schlussendlich angele ich somit auf drei Coregonen-Arten, werde mich im Text aber auf den Begriff „Maräne“ festlegen.

FINDEN SIE BARSCHE, SIND MARÄNEN OFT NICHT WEIT

Der wichtigste Punkt für den Fang einer Maräne ist das Wissen über ihre aktuelle Nahrung. Die Große Maräne kann sich sehr gut auf eine einzige Nahrungsquelle spezialisieren, sofern sie leicht und in Mengen erreichbar ist. Wir haben schon alle Arten von Nymphen und Larven, Flohkrebse und Fischlaich, sowie Fischbrut im Magen von Maränen gefunden.

Ich beginne Ende Februar, die großen Maränen mit dem Echolot zu suchen und diese Spots dann gezielt zu befischen. Im kalten Wasser halten sich Barsche (vor ihrer Laichzeit) in den gleichen Tiefen auf wie die großen Maränen. Mit etwas Pech befischt man so den ganzen Tag Schwärme von Barschen, die sich auch reihenweise auf unsere Hegene stürzen. Die Großen Maränen halten sich in unseren Gewässern leider nicht als große Schwärme auf, sondern sind als Einzelfische kaum von einzeln stehenden Barschen zu unterscheiden. Der einzige Unterschied liegt in meinen Augen am Schwimmverhalten beider Fischarten. Die Barsche bleiben auch in der Tiefe relativ standorttreu, während die großen Maränen weite Flächen nach Nahrung absuchen.

RANDALE MIT DEM ANKER: ACHTEN SIE AUF IHRE FÜSSE!

Fahre ich morgens auf mein Hausgewässer, einen tiefen Natursee mit klarem Wasser und steilen Uferkanten, suche ich gezielt nach Fischanzeigen in 27 bis 32Metern Wassertiefe. Dabei ist mir in erster Linie egal, ob es sich dabei um Barsche oder um Maränen handelt. Fische, die ich in der Tiefe finde, dienen für mich als Indikator, dass es dort genug Futter gibt, und dass Sauerstoffgehalt und Temperatur passen.

Nachdem ich die Aufenthaltstiefe bestimmt habe, fahre ich auf gleicher Tiefenlinie in ein Gebiet, wo die Fischmenge abnimmt und idealerweise nur noch drei oder vier Sicheln auf einer Fläche von rund 100 Quadratmetern vorkommen.

Wenn sich jetzt noch bei ruhigem Wetter gut erkennbar Insekten auf der Oberfläche abzeichnen, dann bin ich mir sicher, dass ich aus den Barschschwärmen heraus gefahren bin und im gedeckten Speisesaal der Maränen sitze. Danach lasse ich meinen Anker gaaaaanz vorsichtig zu Grund und … Spaß! Ich werfe ihn mit Anlauf ins Wasser, sodass er im weichen Grund versinkt. Wenn Sie das nachmachen, passen Sie auf Ihre Füße auf – fängt sie das Lasso, machen Sie einen Rückwärtssalto, auf den jeder Turmspringer neidisch wäre. Nachdem der Anker versunken ist, ziehe ich ihn mit einem Ruck aus dem Schlamm, sodass eine Sediment-Wolke aufsteigt, welche die Fische neugierig machen soll.

Zumindest in meiner Vorstellung. Nach zwei Stunden ohne Biss setze ich auch gern mal 30 Meter um, nur um den Anker wieder zum Grund zu schicken, denn beim Hochholen des Ankers entsteht eine Wolke, genau wie beim Herunterlassen.

Warum ich so lang an einer Stelle bleibe? Bekomme ich keine Aktion, heißt es nicht zwingend, dass sich kein Fisch in der Nähe aufhält. Es kann auch gut sein, dass ich außerhalb der Beißzeit angele.

MARÄNEN WECHSELN IHRE LIEB- LINGSNYMPHEN WIE FRAUEN IHRE SCHUHE …

In meinem Hausgewässer dürfen wir mit insgesamt drei Ruten fischen. Ich benutze meist zwei Posenruten und eine „Handrute“. Die ersten Ruten, die ich fertig mache, sind die beiden mit den Posen. Diese fische anfänglich mit zwei verschiedenen Hegenen mit unterschiedlichen, einzelnen Nymphen. Da wir insgesamt mit fünf Haken pro Hegene angeln dürfen, habe ich am Ende auch insgesamt zehn (!) Chancen, die passende Nymphe zu finden. Zum Start wähle ich folgende Farben: Rot, Hellrot, Dunkelrot und Weinrot an der ersten Rute, Violett, Schwarz, Braun, Dunkelgrün und Dunkelblau an der zweiten Rute.

Wenn ich eine Sache von unseren Maränen gelernt habe, dann sind es ihre täglich wechselnden Farbvorlieben. Auch wenn über Wasser alles identisch aussieht wie am Tag zuvor, die fängige Nymphe kann sich komplett geändert haben. Heute stürzen sie sich nur auf schwarze Nymphen mit goldener Rippung, morgen muss es eine violette Nymphe sein und übermorgen funktioniert nur die rote mit silberner Rippung. Diese Vorlieben finden wir nur heraus, wenn wir anfänglich unterschiedliche Nymphen ins Wasser schicken. Bekomme ich dann den ersten Biss, wechsele ich tatsächlich alle Ruten auf diese eine Hegene – wenn vorhanden, sogar auf eine Hegene mit fünf gleichen Nymphen. Ansonsten kommt es nicht selten vor, dass über den gesamten Tag nur eine Rute Bisse bringt. Schon ein wenig nervig, aber dieses Vorgehen wird Ihre Chancen um ein Vielfaches steigern.

BLEIGEWICHT UND STOPPERLÄN- GE BEACHTEN, SONST WICKELN SIE SICH DAS ANKERSEIL FREI-WILLIG UMS BEIN

Noch viel, viel, viel nerviger waren meine anfänglichen Fischverluste. Überlegen Sie mal: Ich hatte endlich herausgefunden, wie ich Maränen auf dem Echolot von Barschen unterscheide. Dann hatte ich sogar die richtige Farbe ausgewählt, bekam den Biss, und der Fisch stieg aus. Man ist kurz davor, sich das Ankerseil freiwillig um’s Bein zu wickeln …

Heute habe ich diese Gedanken nicht mehr. Ich fische eine Art Posen-Dropshot. Zuerst ziehe ich auf die Hauptschnur einen Fadenstopper. Achtung: Die langen Enden sollten Sie nicht zu sehr einkürzen, sonst kann die Schnur beim Werfen dahinter hängenbleiben und reißen. Auch verschiebt sich der Stopper so leichter, was bei der punktgenauen Angelei fatal wäre. Eine Fadenlänge von einem Zentimeter stellte sich als ideal heraus. Versuche mit noch längeren Enden endeten in der Katastrophe. Beim Warten auf den Biss rotiert die Pose durch den Wellenschlag oftmals um sich selbst und lange Stopperenden verklemmen die Pose in der Schnur. Es ist frustrierend, eine fest verknotete Pose etwa 30 Meter über einem gehakten Fisch zu haben, der sich bei kleinsten Drillfehlern wieder vom Haken verabschiedet.

Nach dem Stopper folgt die Laufpose mit einer Tragkraft von 35 Gramm. Da- runter baumelt meine Hegene, am Ende der Hegene wird das Blei in einen Wirbel eingehängt. Wir haben also nicht das klassische Schema „Pose-Blei-Köder“, sondern „Pose-Köder-Blei“. Das müssen wir auch so machen, denn die Maräne nimmt die Nymphe auf und schwimmt ein Stück nach oben. Dabei nimmt sie das Blei mit und hakt sich (hoffentlich) selber. Wählen wir das Blei zu leicht, dringt der Haken nicht tief genug in das feine Maul ein. Die Maräne schüttelt dann im weiteren Verlauf den Haken einfach wieder aus dem Maul. Wählen wir das Blei zu schwer, wird der Druck so groß, dass das Hakenloch im Fischmaul immer größer wird und der Haken ausschlitzt. Ich persönlich bin mit einem 40 Gramm schweren Birnenblei erfolgreich und zufrieden.

Eine Pose exakt auszuloten, fällt schwer, wenn man es nicht oft macht. Und ich als bekennender Spinnangler bin darin kein Meister. Aber zum Glück haben wir beim Maränenangeln ein Boot zur Verfügung, was den Vorgang deutlich vereinfacht. Selbst bei einer Wassertiefe von 20 bis 30 Meter!

Im Frühjahr fressen die Maränen in meinem Hausgewässer vorzugsweise direkt am Grund, und genau da muss unsere Hegene hin. Ich lasse das Blei am Ende der Hegene bei jedem neuen Spot direkt an der Bordwand ins Wasser und verschiebe den Stopper so lange, bis das Blei auf dem Grund ankommt. Dort angekommen verschiebe ich den Stopper wieder zurück, bis das Birnenblei etwa 3-5 Zentimeter über dem Grund schwebt. Dieses Ausloten ist fangentscheidend und ich nehme mir auch gern die Zeit dafür.

WER PUMPT, VERLIERT

Wenn wir die Tiefe richtig ausgelotet und die richtige Hegene montiert haben, dann bekommen wir auch über kurz oder lang den ersten Biss. Die Maräne nimmt die Nymphe auf. Sie merkt, dass etwas nicht stimmt, und versucht, den Köder an Ort und Stelle wieder loszuwerden. Der Schwimmkörper der Pose fängt sichtbar an zu dippen. Im nächsten Schritt schwimmt die Maräne nach oben und zieht das Blei mit sich. Die Pose kippt an der Oberfläche einfach um. Dieser Biss ist typisch für eine Maräne. Eine abtauchende Pose ist eher ein Indiz für einen Beifang, also Barsch, Brasse oder Forelle.

Liegt die Pose, nehme ich die Rute auf und kurbele, bis ich den Fisch in der Rute spüre. Hat eine kleine Maräne gebissen, drehe ich sie einfach ein. Zwischendurch merke ich manchmal gar nicht mehr, ob sie überhaupt noch hängt. Bei einer ausgewachsenen Maräne sieht die Welt ganz anders aus – die will nämlich da unten bleiben und tut alles in ihrer Macht stehende dafür. Anfänglich versuchte ich, schwere Maränen nach oben zu pumpen, aber das resultierte im Fischverlust. Nach einigen Versuchen entdeckte ich, dass ein kontrolliertes Einkurbeln bei offener Bremse die wenigsten Aussteiger produziert. Wenn die Maräne auf Tiefe bleiben möchte, dann halte ich sie dort. Erst wenn das Schütteln aufhört, kurbele ich den Fisch einfach weiter ein. Ist die Maräne an der Oberfläche, darf sie keinesfalls auf der Stelle liegen, sonst schüttelt sie sich und fällt ab. Ich ziehe sie von rechts nach links (oder umgedreht), bis ich den Kescher im Wasser habe. Dann führe ich sie hinein.

EIN BISS AN DER AKTIVEN RUTE IST AUFREGENDER ALS EIN ZANDER-„TOCK“!

Das Angeln mit der Posenrute ist die einfachste und effektivste Methode, um eine Maräne zu fangen. Aber für mich als Spinnangler ist es zu langweilig, den ganzen Tag nur auf zwei Posen zu starren; deshalb benutze ich immer eine Handangel. Schnell merkte ich: Das gezielte Heben und Senken der Hegene ist eine eigene Kunst. Wer es aber schafft, die Angelei perfekt mit den richtigen Nymphen auszuüben, kann noch effektiver sein.

Das Bleigewicht an der aktiven Rute unterscheidet sich gravierend zur Posenrute. Ich benutze meist 5 bis 7 Gramm, um die Hegene zwar auf Tiefe zu bringen, aber die feinen Bisse spüren zu können.

Ich lasse die Hegene kontrolliert an straffer Schnur bis zum Grund. Auf dem Echolot sehe ich mein Blei als dicke Linie und meine Nymphen als feine Linien darüber. Fische, die sich für meine Nymphen interessieren, verraten sich auch auf dem Bildschirm des Echolotes. Während das Blei auf dem Grund ruht, nehme ich die Rute wie eine Pistole in die Hand, nehme die Rolle etwa auf Kopfhöhe und senke die bunte Rutenspitze direkt bis zur Wasseroberfläche. Nun hebe ich die Rute langsam und gleichmäßig bis etwa einen Meter über die Wasseroberfläche an. Kein Zupfen, kein Rucken, denn ich imitiere den gleichmäßigen Aufstieg einer Insektenlarve. Ich verharre kurz und senke die Hegene wiederum ab bis auf den Grund.

Das war ein Durchgang. Ich denke, die meisten Bisse kommen in der Aufstiegsphase und etwa 50 Prozent der Bisse spürt ein ungeübter Maränen-Angler nicht einmal. Wenn ein Fisch hängt, ist man aber voller Adrenalin. Schlimmer als bei einem Zander-„Tock“! Bis Sie diese Erfahrung machen, müssen Sie viel üben. Aber man hat ja noch immer seine zwei Posenruten im Wasser. Und spätestens, wenn sich eine der Posen hinlegt, fliegt die Handrute zur Seite und ein spannender Drill mit offenem Ausgang beginnt.

Damit fangen Sie Maränen

Posenrute: 3 Meter, 20 Gramm WG 3000er Rolle mit feiner (!) Bremse Hauptschnur: 0,22er Mono Hegene: 5 Haken mit div. Nymphen an 0,16er Fluorocarbon Beschwerung: Birnenblei 30 bis 50 Gramm

Aktive Rute: 2 Meter, 1 bis 5 Gramm 1000er Rolle 0,06er Geflecht, 1 Meter 0,20er Fluorocarbon vorgeschaltet Hegene wie bei der Posenrute Beschwerung: 3 bis 10 Gramm

„Beißt eine kapitale Maräne, erleben Sie einen Drill, mit dem Sie nicht gerechnet haben.“