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MOLLONO.BASS


FAZE - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 01.10.2019
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Bildquelle: FAZE, Ausgabe 10/2019

Die elektronische Musik verband ich anfangs ganz klar mit dem Leben in einer Großstadt – und so geht es vermutlich nicht nur mir. Mit den Metropolen, in denen die großen Clubs regieren und Woche für Woche ein Headliner nach dem anderen zockt. Doch wenn man tiefer in die Materie eindringt, zeigt sich schnell, dass viele Musiker von wahrer Größe aus bescheidensten Verhältnissen und Orten stammen. Sie lassen sich nicht von der Masse leiten, sondern sind selbst die Herrscher über ihre Bedürfnisse und Wünsche. Auch für die eigene musikalische Entwicklung ist das Umfeld enorm wichtig – die Natur spielt eine ...

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... wesentliche Rolle. Wie viele Produktionen haben dir schon neue Dimensionen eröffnet, haben dich die ein oder anderen natürlichen Laute oder Töne heraushören lassen? Und welche Instrumente haben dir den Verstand weggeblasen und deine Füße nicht stillstehen lassen? Bei genauerem Hinhören verhilft uns die Musik zu völlig neuen Denkansätzen und spendet uns neue Lebensenergie, wenn wir nur mit dem Herzen dabei sind. Und das ist auch Ronny Mollenhauer aka Mollono.Bass – das spiegelt sich bereits seit 20 Jahren in seiner Musik wider. Der auf der Seenplatte aufgewachsene Künstler verbindet in seiner Musik verschiedenste Stilrichtungen wie World-Musik, Dub, House, Jazz oder Funk. Wie seine Liebe zur Musik wuchs und was bei ihm so ansteht, erfahrt ihr im Interview.

Im Bann der Leidenschaft

Hallo, Ronny! Erzähl uns doch erst mal was über deine Kindheit und darüber, wie du zur Musik gekommen bist.
Gebürtig bin ich aus Leipzig. Aber wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, kommt mir als Erstes das schöne Mecklenburg in den Sinn. Denn als ich sechs Jahre alt war, sind wir in den Norden gezogen. Meine Mutter leitete einen Campingplatz am See, dort wohnten wir von April bis Oktober. Das war Natur pur da draußen, eine sehr schöne Zeit. Wir hatten zwar nicht mal Strom, waren aber trotzdem glücklich. Na ja, irgendwann wurde das mit dem Strom dann aber doch wichtig, denn zum 14. Geburtstag wünschte ich mir ein Keyboard. Die ersten selbst komponierten Stücke habe ich dann im Musikunterricht in der Schule vorgespielt. Mit 16 kamen zwei Plattenspieler dazu und ich fing an, mich mit dem Auflegen zu beschäftigen. Es ist wohl kein Zufall, dass es zeitgleich immer mehr Ausflüge nach Berlin gab, in die Plattenläden, aber auch in Clubs wie das E-Werk oder den Tresor. Aus Berlin konnten wir außerdem Radiosender empfangen, die House und Techno spielten. Superspannende Sache. Ein Keyboard hatte ich zwar schon, aber um diese Art von Musik selbst zu produzieren, brauchte ich eine Drum Machine. Die habe ich mir dann mit dem ersten Geld gekauft, das ich in meiner Ausbildung zum Koch verdient habe. Seitdem ist meine Begeisterung fürs Produzieren und Auflegen ungebrochen stark.

Das klingt nach einer sehr schönen, kreativen Kindheit. Was bedeutet Musik heute für dich?
So ziemlich alles! Musik ist buchstäblich der Grund, warum ich morgens aufstehe: Ich gehe nämlich gerne schon sehr früh ins Studio und produziere ein paar Stunden. Danach ins Büro – und da dreht sich wieder alles um Musik. Am Wochenende packe ich meine Sachen und mache mich auf die Reise. Sollte ziemlich offensichtlich sein, worauf das hinausläuft. Ich bin sehr glücklich und auch stolz, sagen zu können, dass ich Vollblutmusiker bin. Mittlerweile seit mehr als 20 Jahren. Das bedeutet einerseits ganz nüchtern, dass ich meinen Lebensunterhalt mit Musik bestreite. Andererseits, und das ist für mich noch viel wichtiger, kann ich mich zu 100 Prozent in der Musik ausleben. Ich kann Emotionen und Gedanken umsetzen und etwas schaffen, womit ich mich voll und ganz identifiziere. Ach ja, und dann ist da noch ein anderer ganz wichtiger Aspekt: Musik bedeutet für mich Freundschaft. Über die Jahre habe ich durchs Produzieren und Auflegen so viele tolle Menschen getroffen, zu denen ich nun eine wirklich tiefe Verbindung habe.

Welche Platte ist die erste, die du dir gekauft hast?
„Get The Groove Goin“ von Ellen Allien auf Championsound, 1995.

Viele Jahre als leidenschaftlicher Musiker liegen hinter dir. Wie hat sich das DJ-Business in den vergangenen Jahren verändert?
DJ-Business. Der Begriff beinhaltet die Antwort auf diese Frage. Denn zusammenfassend kann man wohl sagen, dass das DJ-Ding heute viel mehr Business im Sinne von Gewinn, Markenbekanntheit und Zielgruppengröße ist, als es das früher einmal war. Wenn ich 20 Jahre zurückdenke, ging es damals mehr um die lokalen Szenen und die Partys, die dort stattfanden. Ein DJ war gut, weil er eine spannende Musikauswahl und damals auch noch ein gewisses technisches Talent hatte – aber fast genauso wichtig war es eigentlich, dass jemand aktiv was für die Szene tat. Also zum Beispiel Partys veranstaltete oder einen Plattenladen betrieb. Solche Leute wurden dann von einer Stadt in die andere eingeladen und umgekehrt. Heute ist das ein ganz anderes Spiel. Über die schräge Welt der sozialen Medien wurde schon oft und viel gesprochen, aber es läuft halt immer wieder genau darauf hinaus: Bekannt ist, wer möglichst viele Likes und Follower hat, wer möglichst unbescheiden und wichtigtuerisch auftritt, wer das Business im Sinne von Marketing beherrscht. Ich treffe immer wieder ganz hervorragende Produzenten und DJs, die leider nie wirklich ins Rampenlicht kommen – schlicht und einfach weil sie dieses Spiel nicht beherrschen oder keinen Bock darauf haben. Gleichzeitig haben gewisse Nachmacher von Nachmachern großen Erfolg. Es wurde schon an anderer Stelle gesagt und ich sage es wieder: Es ist heute nicht mehr genug, wenn man „nur“ gute Musik macht.

1998 startete euer Projekt Kombinat100. Euer Quartett besteht aus dir, Commander Love, Mark Vogler und Jens Lembke. Bis heute seid ihr damit erfolgreich und habt regelmäßig Gigs. Wie habt ihr euch gefunden und wie hat euch die Zeit verändert?
Den Jens kenne ich schon aus der Schule. Damals war hier in der Region echt nicht viel los und man ging vor allem in Kneipen. Das Theatercafé oder das La Estrella, das waren damals so Namen. Da sind wir dann irgendwann Henry über den Weg gelaufen. Und da wir alle drei schon damals schwer begeistert waren vom Musikmachen und gleichzeitig alle eine gewisse Vorliebe für elektronische Musik hatten, beschlossen wir relativ schnell, gemeinsam ein Studio zu mieten. Und dann haben wir 1999 den Mark getroffen, auch im Theatercafé. Irgendwie hat es ziemlich schnell Klick gemacht, das gemeinsame Arbeiten im Studio war sehr produktiv und vor allem spaßig. Wir haben damals Jam-Sessions mit ziemlich viel Hardware betrieben, da standen die Roland MC-909, Synthies und Drum Machines von Quasimidi, ein analoger Bass-Synthie von Doepfer, eine MPC und dazu kamen verschiedene Instrumente, die Mark gespielt hat. Wir waren damals die Ersten, die in ihrem elektronischen Tanz-Sound mit einer Melodica und einem Akkordeon arbeiteten. Das kam überhaupt nicht gut an. Die Leute haben uns ausgelacht und die ersten Demos wurden ungefähr so abgewiesen: „Na ja, wenn ihr das Akkordeon und das Gefiepe weglasst, dann kann das vielleicht was werden.“ Aber wir hatten halt Bock drauf und haben die Sachen deshalb selbst veröffentlicht. Und es hat sich durchgesetzt. Ein paar Jahre später war genau das als der Kombinat100-Sound bekannt und zum Beispiel auf der Seebühne der Fusion ein echter Klassiker. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich denke, man kann sagen, dass wir schon sehr früh mit Einflüssen von Weltmusik gearbeitet haben – und das ist heute ja ein ganz großer Trend. Als Kombinat100 treten wir immer noch auf, wenngleich nicht mehr mit der ganzen Hardware von damals. Wir sind allerdings keine 20 mehr und nicht alle von uns sind Vollblutmusiker, einige haben auch andere Jobs. Deshalb suchen wir uns die Gigs schon sehr genau aus. Weniger ist mehr und so. Das Gleiche gilt für die Veröffentlichungen als Kombinat100.

Der Sound von Kombinat100 ist wahrlich speziell. Aber auch als Molle bist du ziemlich tolerant und innovativ unterwegs. Wie ist denn der „Sound of Molle“? In welche Projekte warst du schon involviert und was steht aktuell so an?
Was meinen eigenen Sound angeht, habe ich über die Jahre zwei Vorlieben identifiziert. Vielleicht auch drei. Einerseits habe ich schon immer versucht, Einflüsse aus anderen Genres in elektronische Tanzmusik einfließen zu lassen. Ich denke, das ist mit meinem Statement bezüglich Kombinat100 schon ganz gut erklärt. Andererseits kommen in meiner Musik zwei Aspekte meiner Persönlichkeit zum Ausdruck, die auf den ersten Blick geradezu widersprüchlich wirken: Ich liebe Ruhe und Natur, aber ich mag es auch, wenn es zur Sache geht. Meine Musik ist ganz klar auf Tanzbarkeit getrimmt, aber gleichzeitig versuche ich durch die Flächen und Melodien so einen Moment der Entspanntheit und Ruhe einfließen zu lassen. Deshalb mag ich auch so gerne dubbige Geschichten. Als Drittes fällt mir noch ein, dass ich sehr gerne Remixe mache und auch sehr gerne mit anderen Musikern zusammenarbeite. Im Laufe der Jahre hatte ich neben Kombinat100 das eher housige Projekt Rundfunk3000 mit Mark Vogler, Mollono.Bass & Ava Asante sowie das DJ-Team Eule:nhaupt & Molle:nhauer. Ganz aktuell bin ich eine Hälfte von Green Lake Project, wir haben gerade im Frühling ein Album veröffentlicht, und dann sind da natürlich noch meine Solo-Sachen als Mollono.Bass – sowohl live als auch DJ.

Wie steht es um den Sound eurer Labels Acker Records, Acker Dub und 3000Grad?
Acker steht für unseren von Weltmusik beeinflussten Sound, den wir schon sehr lange lieben. Das Sublabel Acker Dub ist noch etwas untergründiger, ein echtes Liebhaber-Ding. Hier präsentieren wir besondere Entdeckungen, gerne auch immer noch auf Vinyl. Klar, der Faktor Dub ist dabei auch wichtig. Und 3000Grad hat sich zu unserem vielleicht bekanntesten Label entwickelt. Über die Jahre ist es deshalb auch relativ funktional geworden, will heißen: sehr stark auf die Tanzfläche fokussiert. Deshalb haben wir auch gerade jetzt zum Ende des Sommers 3000Grad Spezial gestartet: ein Sublabel, mit dem wir eine Ebene für speziellere Sachen öffnen. Das kann in Richtung Electronica und Ambient gehen oder auch richtig band-bzw.songartige Musik sein. Natürlich auch immer mit einem gewissen Moment der Tanzbarkeit. Es soll Sound sein, den man sich auch gerne mal zu Hause anhören möchte.

Welche Philosophie steckt dahinter? Warum habt ihr die Labels gegründet?
Acker Records gründeten wir, um Musik ohne Kompromisse veröffentlichen zu können. Wir hatten schon immer ein Faible dafür, verschiedenste Einflüsse Teil unserer Musik werden zu lassen. Dub, Weltmusik und auch Polka oder Punk. Viele Labels, bei denen wir unsere Musik vorstellten, lehnten das ab und meinten, wenn wir die Solo-Instrumente weglassen würden, könnten sie den Track releasen. Aber das wollten wir nicht!

Und welche Künstler haben bei euch eine Chance?
Tag für Tag bekommen wir eine Flut von Promos rein. Für 3000Grad und Acker Records arbeiten wir zu dritt und hören uns auch alles an. Ich selbst muss allerdings sagen, dass mich anonyme Massen-Promos eher kalt lassen. Wenn ich so eine Mail bekomme, die überhaupt nicht persönlich ist, finde ich das eher uninteressant. Dagegen ist es schon viel spannender, wenn sich jemand offensichtlich mit dem Label beschäftigt hat und deshalb ganz gezielt auf uns zukommt. Bei unseren Veröffentlichungen stehen weniger Namen oder der Bekanntheitsgrad im Vordergrund als vielmehr die Musik.

Auf welche Releases von dir dürfen wir uns künftig freuen?
Aktuell kommt die Nummer 001 auf dem neuen Sublabel 3000Grad Spezial, darauf sind zwei Remixe von mir. Einer für die große Anlage und einer für den Hausgebrauch, auch wenn beide den typischen Mollono. Bass-Beat haben. Dann kommt etwa Mitte November der fünfte Teil meiner Remix-Collection. Und ich arbeite aktuell am neuen Mollono.Bass-Album, das fürs Frühjahr 2020 geplant ist.

Und welche Projekte stehen im nächsten Jahr an?
Dadurch, dass ich gerade an einem neuen Album arbeite, ist das Stichwort Live-Act wieder sehr aktuell. Dazu muss ich sagen, dass ich in den letzten Jahren fast nur noch DJ-Sets gespielt habe. Wenn man jedes Wochenende seinen eigenen Sound spielt, dann braucht man irgendwann einfach ein bisschen Abwechslung. Jetzt habe ich viel Inspiration und viele Ideen für den neuen Live-Act. Ich würde sehr gerne mit anderen Live-Musikern zusammenarbeiten, also mit Instrumenten, Percussion und vielleicht auch Gesang. Das ist gerade ein spannendes Projekt.