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MONATSTHEMA: Strahlene Venus im Jahr 2020


Sterne und Weltraum - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 17.01.2020

In den kommenden Wochen steigt die brillante Venus immer höher am westlichen Abendhimmel auf. Bis Ende Mai können wir verfolgen, wie sich ihr scheinbarer Durchmesser deutlich vergrößert. Zudem begegnet die Venus im Lauf des Jahres 2020 anderen großen Planeten sowie mehreren hellen Sternhaufen – Ereignisse, die Sie keinesfalls verpassen sollten.


Artikelbild für den Artikel "MONATSTHEMA: Strahlene Venus im Jahr 2020" aus der Ausgabe 2/2020 von Sterne und Weltraum. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sterne und Weltraum, Ausgabe 2/2020

Der Höhepunkt der Begegnungen von Venus mit anderen Himmelsobjekten ist in diesem Jahr ihre Annäherung an die Plejaden: Am 3. April 2020 wird sie das Siebengestirn in noch geringerem Abstand passieren als vor acht Jahren. Wolfgang Vollmann nahm dieses Foto am 3. ...

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... April 2012 auf.


Wolfgang Vollmann

Es ist wieder einmal so weit: Venus, unser auf der nächstinneren Bahn umlaufender Schwesterplanet, ist wieder als hell strahlender Abendstern zu bewundern. Dabei setzt sie einmal mehr zu einem planetaren Überholmanöver an: Ihre Bahn um die Sonne liegt innerhalb der Erdbahn; somit umrundet die Venus unser Tagesgestirn gemäß dem dritten keplerschen Gesetz schneller als die Erde.

Dank ihrer im Sonnenlicht weiß glänzenden Wolkenhülle und ihrer Nähe zur Erde ist die Venus nach Sonne und Mond das Gestirn mit der größten scheinbaren Helligkeit an unserem Himmel: Bis zu – 4,7 mag kann sie erreichen, womit sie rund 15-fach heller ist als die hellsten Sterne.

Derzeit können wir sehr schön die Bewegung unseres Nachbarplaneten um die Sonne verfolgen (siehe Grafik S. 56, Mitte). Zunächst vergrößert Venus langsam ihren östlichen Abstand zum Tagesgestirn, bis sie am 24. März den maximalen Winkelabstand, die größte östliche Elongation von 46,1 Grad, erreicht. Anschließend strebt die Venus, nun schneller werdend, scheinbar wieder auf die Sonne zu, bis sie schließlich zwischen Erde und Sonne steht: Diese Stellung wird als untere Konjunktion bezeichnet. Hierbei überholt sie die Erde und wechselt damit auf die westliche Seite der Sonne. In den darauffolgenden Monaten erfreut uns die Venus als Morgenstern, der vor der Sonne am Osthimmel aufgeht.

In den kommenden vier Monaten wird der Wandel der Phasengestalt und der scheinbaren Größe unseres Nachbarplaneten Venus besonders deutlich.


Stellarium

Wegen der ständig wechselnden Position der Venus relativ zur Erde ändern sich auch ihr Winkeldurchmesser und ihre Beleuchtungsphasen (siehe Bilder oben). Anfang Februar zeigt sich der Planet nur 15 Bogensekunden groß, bis zum Monatsende vergrößert sich der Durchmesser nur langsam auf 19 Bogensekunden. Da die Phasengestalt unseres Abendsterns Ende Januar derjenigen eines dreiviertel vollen Mondes ähnelt, strahlt er in diesem Monat bereits sehr hell, mit – 3,8 mag.

Wer Ende Mai die hauchdünne Venussichel – mit entsprechenden Schutzmaßnahmen gegen das grelle Sonnenlicht – nachmittags am Tageshimmel auffindet, der sieht den Planeten in seiner maximalen scheinbaren Größe von rund einer Bogenminute (siehe Bild oben rechts).

Sehenswertes im Jahr 2020

Entlang der scheinbaren Bahn unseres Schwesterplaneten finden sich mehrere bekannte Sternhaufen und Planeten. Am 8. März passiert die Venus den mit 5,9 mag vergleichsweise lichtschwachen und nur 3,3 Bogensekunden großen Uranus. Die Venus steht an diesem Abend nur gut zwei Grad nördlich des fernen Gasplaneten. Ab etwa 19:30 Uhr MEZ bietet sich die Gelegenheit, die beiden so unterschiedlichen Planeten, die dann noch gut 25 Grad über dem Westhorizont stehen, innerhalb eines Gesichtsfelds zu beobachten. Eine geringe Vergrößerung von etwa 25-fach macht dies möglich, allerdings reicht sie nicht aus, um Uranus von einem Stern zu unterscheiden; dies gelingt erst ab etwa 50-fach.

www.sterne-und-weltraum.de

Am Abend des 3. April 2020, ab etwa 21 Uhr MESZ, steht die strahlende Venus unweit des Sterns Merope in den Plejaden – ein Leckerbissen für Beobachter mit Fernglas.


SuW-Grafik

Am 22. Mai 2020 gegen 22:30 Uhr MESZ finden wir die Venus bereits sehr tief am Abendhimmel, gut ein Grad westlich von Merkur.


uW-Grafik

Am 12. Juli 2020 hat die Venus, inzwischen zum Morgenstern gewandelt, den offenen Sternhaufen der Hyaden im Sternbild Stier durchquert und steht gegen 4 Uhr MESZ nur knapp ein Grad nördlich des hellen Sterns Aldebaran.


SuW-Grafik

Am 14. September 2020 nehmen die Mondsichel und Venus, die nur vier Grad voneinander trennen, den offenen Sternhaufen Messier 44 in die Zange. Der hier dargestellte Anblick lässt sich gut vor Ende der Nacht, gegen 5 Uhr MESZ, beobachten. Die nicht sehr hellen Sterne der Praesepe sind dabei nur im Fernglas sichtbar.


SuW-Grafik

Die enge Begegnung der Venus mit Regulus am 3. Oktober 2020 wird nur mit einem Fernglas oder Teleskop gut zu beobachten sein: Zu groß ist der Helligkeitsunterschied für eine Sichtbarkeit mit bloßem Auge.


SuW-Grafik

Der absolute Knüller des Jahresprogramms findet am 3. April 2020 statt, wenn wir die Venus abends ab etwa 21 Uhr MESZ in den Plejaden sehen können. Das geht bereits sehr leicht mit dem bloßen Auge, aber wegen des überstrahlenden Glanzes der Venus gewährt ein Fernglas den besseren Blick. Von Merope, dem Südöstlichen der hellsten Plejadensterne, ist Venus anfangs nur zwölf Bogenminuten entfernt (siehe Grafik S. 69 unten). Kurz vor ihrem Untergang, gegen 24 Uhr MESZ, steht sie 16 Bogenminuten östlich von Merope.

Im darauffolgenden Monat steht eine weitere Begegnung an, diesmal mit Merkur. Scheinbar auf die Sonne zulaufend, passiert die Venus den innersten Planeten an den Abenden vom 20. bis zum 23. Mai. Rund eine Stunde nach Sonnenuntergang, gegen 22:30 Uhr MESZ, lässt sich das Planetenpaar gut mit dem bloßen Auge verfolgen. Am 22. Mai stehen beide Planeten gleich hoch über dem Westhorizont, die Venus nur 1,3 Grad westlich vom Merkur (siehe Bild oben links).

Auch als Morgenstern attraktiv

Im Sommer, wenn Venus als Morgenstern glänzt, können sich Frühaufsteher auf ein weiteres Rendezvous freuen. Vom 1. bis zum 12. Juli 2020 durchquert sie den offenen Sternhaufen der Hyaden im Stier. Gegen 4 Uhr MESZ, am noch fast völlig dunklen Himmel, lässt sich dieses Ereignis tief über dem Osthorizont beobachten. Für den Beobachter entsteht der Eindruck, dass die Hyaden, von Morgen zu Morgen betrachtet, sehr langsam von Osten nach Westen hinter der Venus vorbeiziehen, während beide Objekte an westlichem Abstand zur Sonne gewinnen. Am 12. Juli steht die Venus weniger als ein Grad nördlich des orangefarbenen Sterns Aldebaran (siehe Bild oben links). Vergleichen Sie an diesem Morgen einmal die beiden hellen Objekte in ein und demselben Gesichtsfeld Ihres Teleskops!

Rund einen Monat später, am 13. August, erreicht die Venus ihre größte westliche Elongation von 45,8 Grad, und schon am 13. und 14. September besucht sie den dritten offenen Sternhaufen am Nordhimmel: Messier 44 im Sternbild Krebs, auch Krippe oder Praesepe genannt. Venus passiert ihn in 2,5 Grad südlichem Abstand. Am 14. September gesellt sich noch die Mondsichel hinzu – nur 1,5 Grad nördlich des Sternhaufens und vier Grad nördlich der Venus (siehe Bild unten links). So von dieser hellen Paarung in die Zange genommen und überstrahlt, lässt sich die Praesepe nur in einem Fernglas gut erkennen.

Einen gewissen Abschluss der sehenswerten Konstellationen mit der Venus in diesem Jahr bildet die enge Begegnung mit Regulus, dem hellsten Stern im Löwen, am 3. Oktober (siehe Bild links unten). Gegen 4:30 Uhr MESZ erreicht der Morgenstern einen kleinsten Abstand von nur zehn Bogenminuten, und auf den ersten Blick erscheint der Fußstern des Löwen einfach nur in seiner Helligkeit kräftig verstärkt. Diese selten enge Passage ist ein absoluter Genuss im Teleskop, besonders bei höheren Vergrößerungen! Im Vergleich zur fast weißlich strahlenden Venus sollte man wegen des kleinen Abstands die leicht bläuliche Färbung von Regulus gut erkennen können.

Ihr Rendezvous mit der Venus

Wir hoffen, dass Ihnen das Wetterglück zumindest bei einigen dieser schönen Gelegenheiten zur Seite steht. Fotos der Ereignisse können Sie gerne unter www.sterneundweltraum.de/leserbilder hochladen.

Nutzen Sie auch die Angebote des deutschlandweiten Astronomietags am 28. März, der diesmal unter dem Motto »Venus, Mond und die sieben Schwestern« steht: Sternwarten und Vereine laden an diesem Tag dazu ein, das Weltall mit eigenen Augen zu sehen. Informationen über Veranstaltungen in Ihrer Nähe finden Sie unter www.astronomietag.de

KLAUS-PETER SCHRÖDER ist Professor für Astrophysik an der Universität Guanajuato in Zentralmexiko. Als Student beobachtete er über viele Jahre hinweg regelmäßig mit dem eigenen Teleskop; heute sind die stellare und solare Aktivität seine Forschungsschwerpunkte.

Literaturhinweise

Ackermann, G., Ackermann, J.: Jupiter und Venus im Infraroten. Sterne und Weltraum 5/2010, S. 80 – 85
Kowollik, S.: Venusbeobachtungen im UV-Licht enthüllen Wolkenstrukturen. Sterne und Weltraum 9/2007, S. 72 – 75