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MONSTER mit BISS


HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 22.01.2021

Er war der größte Hai aller Zeiten. Aber warum starb der gewaltige MEGALODON aus? Forscher haben neue Erkenntnisse über den einstigen Herrscher der Meere


Artikelbild für den Artikel "MONSTER mit BISS" aus der Ausgabe 1/2021 von HÖRZU Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 1/2021

EIN ECHTES GROSSMAUL
Für den mächtigsten Jäger der Urzeit waren Wale kleine Fische


Groß, größer, mega! Gegen diesen Urahn wirkt der Weiße Hai, derzeit größter Raubfisch der Erde, wie ein Karpfen: Der Megalodon war der mächtigste Jäger, der jemals durch die Weltmeere schwamm. Seine Kiefer hatten genug Kraft, „um einen Wal in der Mitte durchzubeißen“. Diese Behauptung stammt zwar aus dem Film „Meg“, in dem Actionstar Jason Statham auf den Riesen trifft. ...

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... Aber sie kommt ungefähr hin.

Vor Millionen Jahren ausgestorben, beschäftigt der Monsterhai nach wie vor die Wissenschaft. Seine Ausmaße wurden bislang anhand der gewaltigen Zähne geschätzt – megalodon bedeutet auf Griechisch großer Zahn. Fossile Zähne wurden, neben vereinzelten Wirbelknochen, überall auf der Welt gefunden. Zudem sind Bissspuren an Walknochenfossilien indirekte Belege für die einstige Existenz des Giganten. Die gefundenen Zähne sind bis zu 18 Zentimeter groß. 58 Stück befanden sich in dem Maul, das aufgerissen 2,5 Meter Höhe und drei Meter Breite maß. Einen Menschen hätte das Ungeheuer mit einem Happs verschlungen. Biss der Megalodon zu, wirkten rund 18 Tonnen Kieferwucht.

AUFERSTANDEN IM COMPUTER

Zum Vergleich: Die Beißkraft eines Tyrannosaurus Rex, der über das kräftigste (Land-)Raubtiergebiss aller Zeiten verfügte, betrug drei Tonnen. Er wurde allerdings „nur“ maximal sechs Meter groß. Der Megalodon brachte es fast auf das Dreifache.

Zu diesem Schluss kommt das Team um Jack Cooper, Doktorand der Paläobiologie an der Universität Swansea in Wales. Die Forscher haben dem Ungeheuer auf den Zahn gefühlt und ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht. Dank Computer-Modellierungstechnik, die den Wachstumsverlauf mehrerer Haiarten vergleicht und ins Verhältnis setzt, ist es den Biologen gelungen, konkretere Maße des Megalodons festzulegen. Frühere Schätzungen von 20 Meter und mehr Länge müssen demnach revidiert werden. Tatsächlich ist er ein wenig geschrumpft, bleibt jedoch gewaltig: 15 bis 16 Meter Länge erreichte ein ausgewachsenes Exemplar. Schon Neugeborene brachten es auf stattliche drei Meter, Jungtiere auf acht. Auch hier ein Vergleich: Der Walhai, aktuell der größte Hai der Welt und ein friedlicher Planktonfresser, bringt es auf durchschnittlich zwölf Meter.

Allein der Kopf eines Megalodons maß 4,65 Meter – so groß wird ein heutiger Weißer Hai im Durchschnitt. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass der Megalodon nicht einfach aussah wie ein Weißer Hai, der es auf maximal sechs Meter bringt, sondern stämmiger war. Durch die ausgeprägte Kiefermuskulatur wirkt die Schnauze gestaucht.

Rekonstruktion des Megamauls im Smithsonian Museum, Washington, D. C.


15 bis 18 Zentimeter lang waren die scharfen Zähne des Urzeit-Hais


MEGALODON biss mit einer Kraft von 18 Tonnen zu. Zum Vergleich: T-Rex nur mit 3


ÜBERGRÖSSE
Der Vergleich mit dem Weißen Hai zeigt: Megalodon war riesig

16 METER Länge erreichte ein ausgewachsener Megalodon. Der heutige Weiße Hai bringt es nur auf maximal sechs Meter

Da die Zähne des Megalodons an den Weißen Hai erinnern, ging man lange davon aus, dass beide Arten eng verwandt seien. Diese Theorie wurde 2017 von dem Paläobiologen Kenshu Shimada aus Chicago revidiert und der „Meg“ einer anderen Familie zugeordnet. Der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) entwickelte sich vor sechs Millionen Jahren vermutlich aus einer Gattung ausgestorbener Makohaie, wie vergleichende Untersuchungen ergaben. Er ist heute die einzige Carcharodon-Art.

LAUERT ER IN DER TIEFSEE?

Der Megalodon, lange als Carcharodon megalodon geführt, zählt jedoch zur Familie Otodontidae. Sein lateinischer Name lautet daher Otodus megalodon. Trotzdem bleibt der Weiße Hai eine wichtige Referenz: Beide zählen zu den Makrelenhaiartigen – und Makrelenhaie gelten somit als nächste lebende Verwandte der ausgestorbenen Otodontidae. Für ihre Computervermessung zogen die Biologen aus Wales deshalb vier weitere lebende Vertreter dieser Familie heran, die sich in puncto Körperbau und Mobilität ähneln: den Kurz- sowie Langflossenmako, den Lachs- und den Heringshai, der am meisten Ähnlichkeit mit dem Weißen Hai hat. Auf dieser Basis konstruierten die Forscher zunächst das Aussehen eines Baby-Megalodons und ließen das 2-D-Modell dann proportional „wachsen“.

Laut neueren Forschungsergebnissen soll der Riese zudem bereits vor 3,6 Millionen Jahren ausgestorben sein und nicht, wie lange angenommen, „erst“ vor 2,6 Millionen. Warum, lässt sich nicht ganz eindeutig beantworten. Neben dem Klimawandel könnte ausgerechnet der Weiße Hai mit schuld daran sein.

Der Megalodon war weltweit verbreitet. Fossilien, die ihm zugeordnet werden, tauchten in Nord- und Südamerika auf, gehäuft in Kalifornien und Panama, in Asien, Australien und Europa. Nur nicht in der Antarktis, dem kältesten Kontinent. Offenbar bevorzugte er wärmere Gewässer, vor allem als „Kinderstube“: In Florida etwa fanden sich Knochen von Delfinen und kleinen Walen mit Bissspuren, die auf Jungtiere hindeuten. Im Pliozän (begann vor 5,3 und endete vor rund 2,6 Millionen Jahren) kühlte die Erde ab, was zum Aussterben mancher Beutetiere führte. Gleichzeitig entwickelten Wale stärkere Muskeln und Schwanzflossen – und wurden damit für den Megalodon zu schnell. Hinzu kam die rasante Konkurrenz – etwa Schwertwale und eben Weiße Haie, die dem schwerfälligen Megalodon das Futter wegschnappten.

Dass der Horror-Hai in den Tiefen der Meere überlebt haben könnte, ist ein Mythos. Bislang ist er nur in Hollywood wieder aufgetaucht – so wie im anfangs erwähnten Horrorspaß „Meg“. Sein Abtauchen hätte Anpassungen an die extremen Bedingungen in der eisigen Tiefsee erfordert, sowohl anatomisch als auch beim Jagdverhalten. Zwar schließen Forscher nicht aus, dass jederzeit neue Arten entdeckt werden könnten – so wie 1976 der bis dato unbekannte Riesen(maul)hai. Seither hat jedoch der industrielle Fischfang drastisch zugenommen. Wäre der Megalodon noch am Leben, hätte er sicher Spuren hinterlassen.

Der Tyrannosaurus Rex der Meere: Das Maul war circa 2,5 Meter hoch


FOTOS: S. 66 – 67: UCHYTEL/SCIENCE PHOTO LIBRARY; S. 68 – 69: O’LEARY/GETTY IMAGES, OTT/SHUTTERSTOCK, DARKIN/SCIENCE PHOTO LIBRARY; INFOGRAFIK: HÖRZU WISSEN (UNTER VERWENDUNG VON CLOR/WESTEND61)