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Mopar Déjà-vu


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Chrom & Flammen - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 26.01.2022

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Bildquelle: Chrom & Flammen, Ausgabe 2/2022

Der Hang zu US-Cars ist bei Murat vermutlich bereits genetisch angelegt: “Schon in den 1950er und 1960er Jahren hat mein Vater in der Türkei amerikanische Fahrzeuge als Taxifahrer bewegt.” Eine solide frühkindliche Prägung tat dann ihr Übriges, indem der Vater seinen Spross an verregneten Tagen mit einem Oldsmobile Delta 88 Station Wagon zur Schule im Stuttgarter Umland kutschierte. Nebenbei bemerkt: Wie cool ist das denn?

Gegen Ende der 1980er begegnete Murat zum ersten Mal einem Dodge Coronet aus dem Modelljahr 1966: “Wir waren im Urlaub in der Türkei, als ein guter Freund meines Vaters bei einem Besuch mit dem Dodge bei uns aufkreuzte.” Obwohl er damals gerade 16 war, durfte Murat nicht nur in dem Coronet probesitzen, sondern der Bekannte drückte ihm gleich den Schlüssel in die Hand und fragte ihn, ob er nicht eine Runde drehen wolle. Na, und ob! Weil die Ausfahrt ohne Zwischenfälle klappte, ...

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... durfte Murat den Mopar noch öfter bewegen: “In den Achtzigerjahren war so etwas in der Türkei irgendwie möglich. Prinzipiell war das natürlich illegal. Aber: Wo kein Kläger, da kein Richter.”

Rund zehn Jahre nahm sich Murat für die Suche nach dem Coronet Coupe und landete einen Volltreffer: Bis auf Verschleißteile brauchte der Dodge bisher nichts.

Als Murat mit dem 18. Geburtstag den langersehnten Führerschein in der Tasche hatte, sollte gleich auch der erste eigene Ami her: “In der CHROM & FLAMMEN entdeckte ich einen ´48er Chevy Pickup, den ich schließlich kaufte, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in der Nähe von Bonn auflud und ins Schwabenland transportierte”, erinnert sich Murat schmunzelnd. “Als ich meinem Vater den Haufen Schrott stolz vorführte, herrschte tagelang Funkstille.” Mittels einer zwei Jahre dauernden Restaurierungsaktion bekamen Vater (der zum Glück von Beruf Karosseriebauer ist) und Sohn den Chevy aber doch noch hin.

Zwischenzeitlich bot der gute Bekannte aus der Türkei dem Vater den '66er Coronet 4-Door zum Kauf an, der wiederum nicht lange fackelte: Für 6.000 D-Mark wechselte der Dodge den Besitzer und wurde in den Sommermonaten während der Urlaubszeit bewegt. Daheim in Deutschland kaufte Murat in den kommenden Jahren ein Fahrzeug nach dem anderen, das anschließend restauriert, gefahren und wieder verkauft wurde: “Darunter waren ein '57er Chevy Pickup als Daily im Sommer, ein '55er Pro Street Ford Panel Truck, ein '78er Chevy Caprice Classic, der als Winterauto diente, ein '89er Firebird und noch einige mehr.”

Nachdem die “wilden 90er” um waren, zog sich der Schwabe ein wenig aus der örtlichen US-Car-Szene zurück, denn neben Hochzeit und Familiengründung hieß es “schaffa, schaffa, Häusle baua”: Murat widmete sich seinem Job im Automotive-Bereich und kümmerte sich um seine eigenen vier Wände. Nach einiger Zeit merkte er, dass im Alltagsleben etwas fehlte: ein US-Car! Weil die Kontakte in die Szene nach wie vor bestanden, besuchte Murat wieder öfter US-Car-Treffen und unterhielt sich mit alten Freunden und Bekannten: “Dabei hatte ich immer den Hintergedanken, auf dem einen oder anderen Treffen wieder ein passendes Auto zu finden.”

Ein Pickup kam jetzt nicht mehr in Frage, weil Murat und seine Frau inzwischen zwei Töchter hatten, die im Kindersitz überall dabei waren und auf der Sitzbank eines Trucks nicht genug Platz gehabt hätten. Was lag also näher, als sich wieder nach einem 1966er Dodge Coronet umzusehen, dem Modell, an das Murat seit seinen Teenager-Jahren beste Erinnerungen hat: “Dieses Mal sollte es ein Zweitürer werden. Gemeinsam mit meinem Kumpel Oli machte ich mich auf die Suche und besichtigte einige '66er Coronets, bevor wir 2014 endlich im Netz fündig wurden.”

Der Wagen stand zwar nicht gerade um die Ecke, sondern hoch oben in Ostfriesland, aber vom Gefühl her passte es: “Bei den Verhandlungen am Telefon hatte ich einen guten Eindruck von dem Verkäufer, und er schickte mir rund 70 Bilder von dem Dodge. An diesem Punkt war ich mir bereits ziemlich sicher, dass die rund zehnjährige Suche endlich abgeschlossen war.” Jetzt konnte nur noch eine Besichtigung vor Ort den Ausschlag geben. Also mietete Murat einen Transporter und machte sich auf die 800 Kilometer lange Anreise in den Landkreis Leer. “Nach der langen Strecke war ich eigentlich sogar zu müde für eine Probefahrt, aber der Vorbesitzer war so nett und hat mich praktisch zu einer Testrunde gedrängt”, berichtet Murat.

Anschließend folgte noch die Inspektion des Unterbodens auf der Hebebühne, welche ohne Befund blieb, sodass Murat den Dodge nach einem langen Tag schließlich aufladen konnte und im Hotel erst einmal zufrieden ins Bett fiel. Nachdem er den Coronet ins Schwabenland überführt hatte, machte er sich zunächst daran, die Motorhaube neu zu lackieren. Die Haube war mit einem schwarzen Streifen versehen, der Murat nicht zusagte. Kurze Zeit später stellte er seinen Neuerwerb auf schicke American-Racing-Räder, die er bei Ebay-Kleinanzeigen ergattern konnte.

“Nach ein paar weiteren Meilen wurden die völlig ausgelutschten Stoßdämpfer durch rote Konis ersetzt”, schildert der Mopar-Fan. “Hinzu kamen noch die Überarbeitung der Elektrik und der Einbau eines modernen Bluetooth-Radios im Handschuhfach sowie die Installation versteckter Lautsprecher. Als weiteres Highlight kam schließlich die doppelflutige Auspuffanlage mit Flowmaster-Töpfen unters Auto.”

Der Coronet ist das ganze Jahr über angemeldet und wird auch in der Winterzeit gefahren, sobald die Straßen trocken sind. Ob mit der Familie, die voll und ganz hinter dem Hobby vom Papa steht, oder auch mit seiner 2015 gegründeten US-Car-Interessengemeinschaft “NNC” werden Kilometer im schwäbischen Umland runtergespult, wobei sich der die Summe der zurückgelegten Kilometer in Richtung 30.000 Kilometer bewegt. Der Dodge gehört seit 2014 zur Familie, und schon in absehbarer Zeit wird die größere der beiden Töchter im Besitz der Fahrerlaubnis sein, was die Fortsetzung der Familientradition in dritter Generation zur Folge haben wird: “Sie schmiedet heute schon Pläne, auf welches Treffen sie dann mit Papa als Beifahrer cruisen möchte.”

Text & Fotos: Frank Mundus

1966er Dodge Coronet 500 2-Door Hardtop

Motor: Mopar-“LA”-OHV-V8, 318 ci, 5.210 ccm, 233 PS bei 4.400 U/min, 461 Nm bei 2.400 U/min; Bohrung × Hub in mm: 95,3 × 84,1; Verdichtung 9:1, 2-fach-Vergaser, doppelflutige Abgasanlage mit Flowmaster-Schalldämpfern

Kraftübertragung: Dreigang-Automatikgetriebe “TorqueFlite 727”, Hinterradantrieb, 8 3/4"-Differenzial

Vorderachse: Einzelradaufhängung an oberen und unteren Querlenkern, längsliegende Drehstabfedern, rote Koni-Öldruckstoßdämpfer, Querstabilisator

Hinterachse: Starrachse an Blattfedern, rote Koni-Öldruckstoßdämpfer

Bremsen: Scheibenbremsen vorn/ Trommelbremsen hinten:

Räder: American Racing “Torq Thrust” in 7x 15"

Reifen: Maxxis “Victra 510” in 225/60 R15

Karosserie: Neulack in Originalfarbe

Interieur: Bluetooth-Radio im Handschuhfach, versteckte Lautsprecher, Rücksitzbank durch Besitzer neu bezogen

Sonstiges: Fernscheinwerfer mit gelber Tönung

Instagram: the_coronet66