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MORITZ MÜLLER: Bei der Band ZU HAUSE


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 14.06.2019

Moritz Müller ist gerngesehener Gast bei Drumevents, doch seine Leidenschaft gilt seiner Band The Intersphere: Seit rund 15 Jahren investiert er dort den Großteil seiner Energie. Vor kurzem erschien das neue Album »The Grand Delusion«.


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Foto: Simon Stöckl

Moritz Müller (l.) mit seinen »Intersphere«-Kollegen (v.l.n.r.) Christoph Hessler (voc.), Daniel Weber (b), Thomas Zipner (g.)

Von Irrglauben, wie der Albumtitel nahelegen könnte, kann allerdings keine Rede sein: Das Quartett aus Mannheim wird immer erfolgreicher und zeigt, dass anspruchsvolle Rockmusik auf internationalem Niveau auch aus Deutschland ...

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... kommen kann. Wir haben uns mit Moritz Müller über sein Selbstverständnis als Banddrummer unterhalten.

Bei The Intersphere war’s bis zum neuen Album vergleichsweise ruhig. Untätig warst du deswegen aber nicht?

Nein, in den vergangenen vier Jahren war ich sehr intensiv mit Gianna Nannini, Namika, »Rock Meets Classic« und Glashaus unterwegs. Da dies alles sehr verschiedene Projekte sind, haben sie mich auch entsprechend gefordert – man spielt eben anders, wenn man nicht am Songwriting beteiligt ist. Da geht’s eher um das Bedienen, was mich ebenfalls reizt. Jedes Projekt hat seine Vorteile: In Italien zum Beispiel haben wir tolle Venues gespielt und viel Dolce Vita erlebt.

Du hast dich sehr früh auf deine eigene Band als kreativen Schwerpunkt und eben nicht auf die ›Bedienerschiene‹ festgelegt.

Wir machen als The Intersphere schon seit 14 Jahren Musik, und diese Basis ist so stark, dass ich dort einfach mein Zuhause habe. Über manche Dinge, zum Beispiel darüber mehr Geld zu verdienen, denke ich deswegen gar nicht so sehr nach – obwohl es natürlich immer mal wieder Existenzfragen gibt, die beantwortet werden müssen. Mein Herz schlug aber schon immer mehr für eigene Musik, und The Intersphere ist für uns alle eine Herzensangelegenheit, obwohl jeder natürlich auch seine eigenen Projekte hat.

Was interessiert dich neben dem Schlagzeugspielen an der Arbeit als Musiker besonders?

Ich komponiere ganz gerne, wenn auch eher für mich. Im Intersphere-Zusammenhang produzieren und komponieren wir gemeinsam, obwohl der Löwenanteil von Christoph [Hessler, Frontmann] kommt. Ich schreibe aber auch mal die Streicherarrangements. Im Moment bin ich auch dabei, mich zu Hause recordingtechnisch einzurichten. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit zum reinen Schlagzeugspielen, aber es kommt schon vieles auf einen zu, wenn man Teil einer solchen Band ist. Es geht dabei sehr intensiv um die Musik insgesamt, und das Schlagzeug ist manchmal fast Beiwerk. Was ich spiele, ist zwar komplex, muss aber vor allem in der Musik funktionieren. Das Schlagzeug soll ja nicht das Songwriting stören.

Das neue Album ist etwas ›rotziger‹ geworden. War das Kalkül?

Uns war es vor allem wichtig, uns nicht zu wiederholen – und das wird mit jedem neuen Album nicht einfacher. Wir haben also alles auf den Prüfstand gestellt und uns diesmal auch zu gemeinsamen Jams getroffen, was wir zuvor so nicht gemacht hatten. Bislang war vieles schon von zu Hause aus am Computer vorkomponiert, teils auch inklusive der Grooves. Aus den jetzigen Jams sind ein paar Bausteine entstanden, die manchmal schon fast den ganzen Song ausgemacht haben. Dieser Ansatz war sehr hilfreich, denn nach zehn Jahren auf Tour mussten wir auch einfach mal einen Gang zurückschalten. Der Druck, am Ende die Platte dann doch fertigbekommen zu müssen, hat uns gepusht. Wir wollten dieses Album machen, und alles Halbgare haben wir dabei außen vor gelassen.

Wäre The Intersphere eine Band aus bzw. in England oder Amerika, hätte sie es einfacher?

Man sagt uns so was öfter, und vielleicht ist auch was dran – vielleicht aber auch nicht. Man müsste es ausprobieren. Vielleicht wäre dort drüben das ›passendere‹ Publikum. Wer weiß?! Amerikanische Kollegen sagen mir allerdings, dass man höre, dass unsere Musik etwas Europäisches hat – was für uns ein Vorteil bzw. Alleinstellungsmerkmal sein könnte. Das ist ähnlich wie bei einer Band wie Kraftwerk, die im Ausland stärker abgefeiert wird als in Deutschland selbst. Für uns stellt sich eher die organisatorische Frage. Auftritte in England sind, im Moment, noch einfacher. In Deutschland selber haben wir, zumindest unter Musikern, eine hohe Anerkennung. Allein die Tatsache, dass wir unser Ding so konsequent durchziehen, schätzen viele, wie wir bei persönlichen Begegnungen am Merch-Stand immer wieder merken.

Organisiert ihre auch eure Gigs selber?

Nein, wir haben eine Booking-Agentur, die das meiste erledigt, bringen uns aber auch selber ein. Es geht auch gar nicht anders, denn du brauchst einfach jemanden im Rücken. Einfach bei einem größeren Festival anzuklopfen und nach einem Gig zu fragen, das funktioniert nicht wirklich.

Wie stehen deutsche Konzertveranstalter einer Band wie euch gegenüber?

Man hat’s auf jeden Fall schwerer, wenn man eigene Sachen macht. Das Schwierigste ist zunächst einmal, sich überhaupt eine Fanbase und damit die Berechtigung, irgendwo aufzutreten, zu erspielen. Am Anfang spielt man in Jugendzentren und so weiter, was wir auch gemacht haben; und wenn man hart arbeitet, dann spielt man irgendwann in größeren Locations vor mehr Leuten. Aber klar, ein ganzes Jahr könnten wir in Deutschland nicht mit Konzerten füllen, weil man irgendwann wieder im selben Club ankäme.

BIOGRAFIE

Moritz Müller wurde 1985 in Würzburg geboren und wuchs in einer musikalischen Familie auf. Während seines Studiums an der Popakademie in Mannheim gründete er mit seinen Kollegen die Band The Intersphere, mit der er bisher fünf Alben veröffentlicht hat. In den vergangenen Jahren hat er mit Künstlern wie Steve Lukather, Don Felder, Jasper van’t Hoff, John Wetton, Tarja Turunen, Hellmut Hattler, Haudegen, Ali Neander und Yvonne Catterfeld gearbeitet. Aktuell trommelt er für Gianna Nannini, Namika, Glashaus, »Rock meets Classic« und The Intersphere.

EQUIPMENT

Foto: Ingo Baron

Drums: Pearl »Reference Pure«
24˝ x 15˝ Bassdrum
10˝ x 8˝ und 12˝ x 9˝ Toms
14˝ x 14˝ und 16˝ x 16˝ Floortoms
14˝ x 6,5˝ »Masterworks Solid Ply Maple«-Snare
14˝ x 6,5˝ Tempest-Bell-Brass-Snare

Cymbals: Sabian
22˝ »Legacy Heavy«-Ride
16˝ Prototyp-Hihat
18˝, 21˝, 22˝ »Vanguard«
20˝ »Legacy O-Zone«-Ride/16˝ »Evolution
O-Zone«-Crash als Stack
9˝ »AAX Maxx«-Splash

Stöcke: Vic Firth (»5B American Classic«)

Felle: Remo »Powerstroke 3« (Bassdrum), »Controlled Sound«-Coated (Snares), »Vintage Ambassador «-Coated (Toms)

Electronics: Roland SPD-SX

Was tut man, um sich von so etwas nicht frustrieren zu lassen?

Bei uns ist es erfreulicherweise so, dass es stetig bergauf geht. Alles passiert häppchenweise, und auch in den vergangenen vier Jahren gab’s nie wirklich einen Einbruch. Wenn man die Verkaufszahlen beobachtet, geht’s schon immer ein bisschen mehr nach oben. Die Band wächst, und das motiviert. Stillstand wäre frustrierend. Wir haben ein tolles, ehrliches Publikum, und oft kennen die Leute in der ersten Reihe die Drumfills besser als ich [lacht].

Apropos Drumfills: Dein Schlagzeugspiel sieht immer nach Vollgas aus. Verausgabst du dich da bewusst?

Ja, im Intersphere-Zusammenhang schon, bei anderen Projekten muss man sich zurückhalten. Bei uns fordert die Musik einfach eine gewisse Energie, obwohl die neuen Songs sich streckenweise auch in einem mittleren Bereich abspielen.

Wie komponierst du deine Parts?

Die Schlagzeugstimme ist ein wesentlicher Teil der Komposition und macht somit unterm Strich auch den Song aus. Bei uns ist alles ein komplexes Konstrukt, weil jeder sehr filigran spielt und jede Figur ihre Wichtigkeit hat. Wenn ich bestimmte Sachen also durch ein nicht geplantes Fill unterbräche, fiele der Song an der Stelle zusammen. Es gibt deswegen bewusste Bereiche, in denen ich ausbrechen kann und das auch gerne tue. Das fällt dann unter Kunst [lacht].

Wie wichtig ist dir der Sound, zum Beispiel deiner auffällig fetten Snaredrum?

Sehr wichtig. Bei mir entsteht der Attack oft durch puren Hass, wie ich gerne sage [lacht]. Da braucht man gar nicht über große Technik zu reden. Ich versuche, die Snare so zu stimmen, dass sie an sich eher weich, tief und erdig klingt. Früher habe ich sie eher hoch gestimmt, was viele Dinge technisch einfacher gemacht hat. Heute ist der Rebound auf meiner Snare manchmal fast schon geringer als auf der Floortom. Ich habe jedoch gelernt, damit umzugehen. Vieles hat mit Kraft zu tun, aber manche Dinge, zum Beispiel in Halftime-Parts, kann ich wieder technisch lösen und lasse die Physik für mich arbeiten. Resultat ist ein besonders großer Sound.

Wie hältst du diese Energie dann auf Tour aufrecht?

Das hat viel mit Erfahrung zu tun: Ich habe einen gewissen Sound im Kopf, und mein Körpergefühl weiß genau, wie er umzusetzen ist. Beim Spielen selbst merke ich das alles gar nicht – erst wenn ich von der Bühne gehe. Ich versuche, meine Kondition ansonsten durch Laufen aufrecht zu halten. Außerdem verlangt ja auch das Ein- und Ausladen, obwohl wir mittlerweile Unterstützung haben, einiges an Kraft [lacht]. Echter Rock ’n’ Roll eben!

Woran übst du zurzeit?

Ich versuche, wenn möglich auch unterwegs zu üben – nur klappt’s eher selten. Besonders faszinieren mich afrikanische und kubanische Rhythmen. Diese Dinge beeinflussen mich auf eine ganz subtile Weise, ganz egal welche Musik ich spiele. Ich bin nach wie vor leidenschaftlicher Drummer – oft auch noch der Zehnjährige, der mit glänzenden Augen hinterm Set sitzt und sich freut, etwas Neues zu entdecken oder aus einem vermeintlichen Fehler zu entwickeln.

ICH WÜNSCHTE, ICH HÄTTE MEHR ZEIT ZUM REINEN SCHLAGZEUGSPIELEN

Foto: Ingo Baron

DISKOGRAFIE

(Auswahl)
The Intersphere: The Grand Delusion (2018), Relations in the Unseen (2014), Hold On, Liberty (2012), Interspheres >< Atmospheres (2010), SmallOnes Brainpain (2009)
Moses Pelham: Geteiltes Leid 3 (2012)
Gianna Nannini: Amore Gigante (2017)
Joris: Schrei es raus (2018)
Hattler: Velocity (2018)

TOURDATEN

20.06. – Düsseldorf, Vier Linden
22.06. – Valkenburg (NL), Midsummer Prog Festival
04.07. – Newark (UK), Tech Fest
26.07. – Viersen, Eier mit Speck Festival
27.07. – Schrobenhausen, Noisehausen Festival
08.08. – Eschwege, Open Flair
10.08. – Oberhausen, Olgas Rock
24.08. – Alfeld, Beach Bitch Rock

NETZ

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