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„Moschtler“ mit Leib und Seele


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Obst & Garten - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 01.11.2022
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C hristianSchmid ist ein sehr beschäftigter Mann. Im Hauptberuf arbeitet der gelernte Schreiner im öffentlichen Dienst, und zwar in Vollzeit. An den Wochenenden ist er meist persönlich an seinen Verkaufsständen am südlichen Schönbuchrand anzutreffen. Dort schenkt er durstigen Wanderern die flüssigen Produkte seiner Äpfel und Birnen aus: Vom frisch gekelterten Saft über Suser, Most und Perlwein bis hin zu Hochprozentigem stammt alles aus eigenem Anbau und ist garantiert naturbelassen. Der Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln kam für ihn noch nie in Frage und seit 2021 ist sein Betrieb bio-zertifiziert.

Die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen macht bekanntlich eine Menge Arbeit bei geringem Einkommen. Das kümmert Christian Schmid nicht, denn es hat ihm immer schon Spaß gemacht, mit und in der Natur zu arbeiten. Und auf die Frage, was ihn antreibt, seine gesamte Freizeit dem Thema Streuobst zu widmen, ...

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... antwortet der ruhige und bescheidene Mann: „I war halt scho emmer a Moschtler.“

ALTE FAMILIEN-TRADITIONEN

Geprägt haben Christian Schmid die Landwirtschaft des einen Großvaters und die Schreinerei des anderen. Und wie es in der Region um Tübingen so üblich war, gehörten zu einem Bauernhof auch Streuobstwiesen. Der andere Großvater betrieb eine Schreinerei, und so wurde Christian Schmid ebenso wie sein Vater im Hauptberuf Schreiner.

Beide Familien-Traditionen führt er nun fort, kombiniert beides mit viel Ideenreichtum und erfindet und probiert immer wieder Neues aus. So stellt er aus dem beim alljährlichen Baumschnitt anfallenden Obstbaumholz in liebevoller Handarbeit individuell geformt Kugelschreiber her. Kein Stift gleicht dem anderen, jeder ist ein Unikat. Die Mine ist selbstverständlich auswechselbar.

NATURNAHER STREUOBSTBAU

Christian Schmid bewirtschaftet in der Region um Tübingen rund 3 ha Streuobstwiesen, auf denen geschätzte 200 Bäume stehen. Einige Flächen sind geerbt, andere hat er zugekauft. Wer in der Gegend seine Baumwiese verkaufen will, wendet sich oft zuerst an ihn. So sind inzwischen einige verstreut liegende „Stückle“ in seinen Besitz gelangt, meist mit altem Bestand an Apfelund Birnenbäumen, aber auch Zwetschgen-, Kirsch- und Quittenbäume sind darunter. Wenn er nachpflanzt, dann hauptsächlich die alten Sorten. Für die Veredelung experimentiert er mit eigenen Sämlingen.

Hinsichtlich Naturschutz und Arterhaltung von Flora und Fauna auf seinen Wiesen kommt im Spätsommer der Balkenmäher zum Einsatz. Den Grasschnitt wendet er zum Trocknen schonend von Hand und lässt ihn danach von einem Landwirt zu Ballen pressen, die er verkauft. Für die nachhaltige und traditionsbewusste Nutzung seiner Streuobstwiesen hat Christian Schmid vom Schwäbischen Heimatbund den Kulturlandschaftspreis 2021 erhalten.

Im Herbst hat er mit dem Einbringen der Ernte alle Hände voll zu tun. Dann ist er auf seinen zahlreichen, verstreut liegenden Wiesen unterwegs, wo er jede Woche nach seinen Bäumen schaut und die mostreifen Äpfel und Birnen händisch vom Boden aufliest. „Andere gehen ins Fitness-Studio, das brauche ich nicht,“ sagt der 57-Jährige, während er jeden Apfel rundherum prüft und dann entscheidet, ob er gut genug fürs Fass ist.

Durch das mühevolle Handverlesen und das Liegenlassen des Fallobsts bis zu einer Woche ist sichergestellt, dass nur ganz reifes und gesundes Obst in die Verarbeitung gelangt, denn Christian Schmids Qualitätsansprüche sind hoch. Mit dem sonst üblichen Baumschütteln ginge die Ernte zwar wesentlich schneller, aber dabei gelangen auch unreife Früchte ins Fass, und das schadet der Qualität.

»I war halt scho emmer a Moschtler.«

CHRISTIAN SCHMID

Nach dem Aufsammeln wird die Ernte unverzüglich in die Mosterei gefahren und zu Saft gepresst. Der lagert danach im häuslichen Keller, wo er in großen, modernen Metallfässern unter leisem Blubbern 4 bis 6 Wochen lang zu Most vergärt. Der jährliche Ertrag schwankt zwischen 5.000 und 15.000 Litern und verteilt sich je knapp hälftig auf Äpfel und Birnen. Die übrigen Obstarten bringen einen geringeren Ertrag, der in Liköre und Obstbrände geht.

Die Getränke kamen anfänglich vor allem per „Bag-in-Box“ in den Verkauf. Zur Erweiterung seines Kundenkreises füllt Christian Schmid nun zusätzlich in Flaschen ab und beliefert damit die Gastronomie. Über eine neue lokale Handelsplattform erreicht er auch Edeka-Märkte.

Christian Schmid ist seit seiner Kindheit begeistert von Streuobstwiesen. Heute bewirtschaftet er nahe Tübingen 3 ha Obstwiesen, bestehend aus rund 25 Einzelparzellen mit je 10 bis 15 Ar und ca. 200 Bäumen mit einem jährlichen Ertrag von bis zu 15.000 Litern Saft. Der Betrieb ist beteiligt am Landesprogramm PLENUM (Projekt des Landes zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt) im Landkreis Tübingen. Christian Schmid ist im Vorstand des Vereins der Streuobstpädagogen (), der Experten für Obstbau, Naturschutz und Naturpädagogik auf Streuobstwiesen ausbildet. Hier organisiert er diverse Fortbildungen.

Info:

JUTTA GARBER

BEGEISTERTER STREUOBSTPÄDAGOGE

Christian Schmid engagiert sich auch in der Jugendarbeit: Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bereits bei Kindern ist ihm ein Herzensanliegen. Auf seinen Wiesen kann er ihnen Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimawandel spielerisch und ganz praktisch vermitteln. Nun haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche UNESCO-Kommission das große Engagement von Christian Schmid für BNE mit der „Nationalen Auszeichnung – Bildung für nachhaltige Entwicklung 2022/2023“ gewürdigt.

Als ausgebildeter Streuobstpädagoge zeigt Christian Schmid seit Jahren Schulklassen aus der Region die Vielfalt auf den Streuobstwiesen und lehrt sie den ressourcenschonenden Umgang mit der Natur. So lernen die Schüler alles vom Pflanzen der Bäume über die Pflege von Bäumen und Wiesen bis hin zur Ernte und Verwertung des Obstes. Dabei legen sie begeistert Hand an und können so das Gelernte und die Wertschätzung für dieses alte Kulturgut in die Zukunft tragen. In der Region um Tübingen sind bereits an vielen Grundschulen Streuobstpädagogen wie Christian Schmid im Einsatz. Ginge es nach ihm, würden am Beispiel der Streuobstwiesen deutlich mehr Schulen die Möglichkeiten für eine zukunftsfähige Entwicklung aufzeigen.

DAS HASENMOBIL: KANINCHEN ALS WEIDETIERE

Das neueste Projekt von Christian Schmid ist der mobile Kaninchenstall. Die Idee dahinter: Kaninchen werden artgerecht in Gruppen ganzjährig im Freien in einem überdachten Gehege mit Wurfboxen gehalten. Damit ihnen stets Gras und Kräuter frisch zur Verfügung stehen, wird das Gehege täglich auf ein noch unbeweidetes Wiesenstück zwischen den Obstbäumen versetzt. Artgerechte Weidetierhaltung ist hier das Thema. In einem guten Jahr rechnet er mit acht bis neun Würfen mit circa acht Jungtieren. Derzeit bewohnen drei Häsinnen und zwei Rammler zweier Hybridrassen das 3 x3 mgroße Gehege. Es gibt zwei Wurfboxen, in die sich die Mütter zur Geburt zurückziehen können und auf deren Dach sie ihren Jungen zum Absetzen ausweichen können. Die Nachkommenschaft der Langohren ist dann mit jeweils 6 Monaten schlachtreif. Größe, Besatzdichte und Einrichtung des Prototyps entsprechen den aktuellen Richtlinien der EU-Verordnung zur Haltung von Kaninchen. Das Projekt wird von der Universität Hohenheim begleitet als eine Alternative zur Käfighaltung von Kaninchen.

FUTURLAB OBST

Das Kompetenznetzwerk Obst und Beeren unter der Trägerschaft vom Schweizer Obstverband und Agroscope lädt zum zweiten FuturLab ein. Es bietet die Möglichkeit, sich an der Erarbeitung von neuen Erkenntnissen im Obstund Beerenanbau zu beteiligen. TERMIN: 2.11., 9.30 – 15.00 Uhr ORT: Eidgenössisches Personalamt EPA INFO: Schweizer Obstverband, Beatrice Rüttimann, Tel. +41/417286868, Baarerstrasse 88, CH-6300 Zug, beatrice.ruettimann@swissfruit.ch,

EXPOSE & EXPODIREKT

Erwartet werden rund 400 Aussteller aus zwölf Nationen vom 23. bis 24. November 2022 auf der 26. expoSE – Europas Leitmesse für die Spargel- und Beerenproduktion – und 11. expo-Direkt – Deutschlands größte Fachmesse für die landwirtschaftliche Direktvermarktung – in der Messe Karlsruhe. Auf rund 25.000 Quadratmetern zeigen die Unternehmen Innovationen rund um den Spargel- und Beerenanbau sowie die landwirtschaftliche Direktvermarktung. Veranstalter der Fachmessen ist der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e. V. (VSSE). TERMIN: 23.11.–24.11., 9.00–17.00 Uhr ORT: Messe Karlsruhe, Messeallee 1, 76287 Rheinstetten INFO: Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e. V., Werner-von-Siemens-Straße 2–6, 76646 Bruchsal, Tel. 07251/30320-80, info@vsse.de,

FRUCHTWELT BODENSEE

Eine informative Plattform für Europas Obstanbau- und Landwirtschaftsbranche sowie dem Brennereiwesen. Die Internationale Fachmesse für Erwerbsobstbau, Destillation und Agrartechnik informiert über die neuesten Entwicklungen und Produkte aus den Bereichen Obstanbau, Brennereiwesen, Erntemaschinen, Pflanzenschutz, Baumschulen sowie Agrartechnik. Internationalität, steigende Energiekosten, Klimawandel, Nachhaltigkeit und Pflanzenschutz: Das sind die Themenbereiche, die bei den Bodensee-Obstbautagen in den Fokus gerückt werden. Auch der Brennertag mit Vorträgen und Seminaren steht auf dem Programm. Als eines der Schwerpunktthemen wird das Konzept der Agri-Photovoltaik aus unterschiedlichen Gesichtspunkten wie Baurecht und Wirtschaftlichkeit beleuchtet und erste Ergebnisse aus der Praxis vorgestellt. Hochrangige Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis eröffnen die Bodensee-Obstbautage am Freitag, 13. Januar 2023 und stehen für einen Meinungsaustausch zur Verfügung. Coronabedingt war die Messe in 2022 ausgefallen. Im kommenden Jahr öffnet die Fruchtwelt Bodensee wieder turnusgerecht vom 23. bis 25. Februar 2024 ihre Tore. Weitere Infos finden Sie online.

TERMIN: 13.01.–15.01.2023 ORT: Friedrichshafen INFO: Messe Friedrichshafen GmbH, Neue Messe 1, 88046 Friedrichshafen, Tel. 07541/708-0, info@ , www.fruchtwelt-bodensee.de

WINZER-SERVICE MESSE

Mit klarem Fokus auf die Branchenschwerpunkte Weinbau, Kellerwirtschaft, Obstbau und Brennerei ist die Winzer-Service Messe die einzige auf diese Themen spezialisierte Messe in Deutschland. Schon seit der 2. Winzer-Service Messe 2017 übertraf sie zudem mit der größten Ausstellerschaft ähnliche Messeveranstaltungen in Deutschland. Zuletzt stellten über 500 Firmen auf der Winzer-Service Messe aus, damit bietet sich den Fachbesucherinnen und Fachbesuchern in drei Messehallen auf über 25.000 m2Ausstellungsfläche eine unvergleichbare Produkt- und Leistungsvielfalt.

TERMIN: 8.2.–10.2.2023, 9.00–17.00 Uhr ORT: Karlsruhe INFO: Winzer-Service, Thomas Zeeh, Tel. 07133/961433, thomas.zeeh@winzer-service.de,

Obstbaumschnitt

Hessische Gartenakademie

Einführung in den Obstbaumschnitt mit theoretischen Grundlagen und umfangreichem Übungsteil in einer Hochstammanlage zum Schnitt und zur Beurteilung von Bäumen (Erkennen von Blatt- und Blütenknospen, Beurteilung früherer Schnittmaßnahmen etc.).

TERMIN: 21.11. ORT: Geisenheim INFO: Hessische Gartenakademie, Brentanostraße 9, 65366 Geisenheim,

SELBSTEINPFLEGER

Ihre Veranstaltung können Sie jederzeit online eintragen unter www.obst-und-garten.de/ termine