Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 9 Min.

MOTIVATION: VOLLE KRAFT VORAUS (AUCH AM FREITAGNACHMITTAG)


Harvard Businessmanager - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 19.03.2019

Sich selbst zu motivieren ist hart – erst recht wenn einem die Aufgabe weder sinnvoll erscheint noch Spaß macht. Diese vier Strategien helfen aus der Falle.


Artikelbild für den Artikel "MOTIVATION: VOLLE KRAFT VORAUS (AUCH AM FREITAGNACHMITTAG)" aus der Ausgabe 4/2019 von Harvard Businessmanager. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Harvard Businessmanager, Ausgabe 4/2019

ILLUSTRATION: JASON SCHEIDER

ILLUSTRATION: JASON SCHEIDER

Sich zu motivieren ist schwer. Ich vergleiche es gern mit einer der Heldentaten des Barons Münchhausen: Eine Aufgabe, ein Projekt oder sogar eine Karriere zu meistern ist manchmal, wie sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Es gibt einfach Aufgaben, die uns derart zuwider sind, dass weder Koffein noch inspirierende Poster helfen. Doch effektive Selbstmotivation ist eine der ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 14,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Harvard Businessmanager. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2019 von IN DIESEM HEFT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
IN DIESEM HEFT
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von DEM GELD HINTERHER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DEM GELD HINTERHER
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von GESCHÄFTSBERICHTE CEOS WÄHLEN AGGRESSIVE SPRACHE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GESCHÄFTSBERICHTE CEOS WÄHLEN AGGRESSIVE SPRACHE
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von RANKING WO FRAUEN KARRIERE MACHEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
RANKING WO FRAUEN KARRIERE MACHEN
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von PRICING RABATT AUF RABATT IST RISKANT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PRICING RABATT AUF RABATT IST RISKANT
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von LEADERSHIP WER GUT FOLGT, FÜHRT AUCH GUT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LEADERSHIP WER GUT FOLGT, FÜHRT AUCH GUT
Vorheriger Artikel
CHEFSACHE: SO RETTETE ICH MEIN LEBENSWERK
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel NETWORKING: NETZWERKEN MIT SYSTEM
aus dieser Ausgabe

... wichtigsten Fähigkeiten, die Leistungsträger von allen anderen unterscheiden. Wie macht man also weiter, wenn man keine Lust dazu hat?

Bis zu einem gewissen Grad ist Motivation etwas sehr Individuelles: Was den einen antreibt, lässt den anderen kalt. Und einige scheinen mehr Durchhaltevermögen zu haben als andere. Nach 20 Jahren Forschung zur menschlichen Motivation haben mein Team und ich jedoch mehrere Strategien identifiziert, die für die meisten zu funktionieren scheinen – egal ob sie versuchen, Gewicht zu verlieren, zu sparen oder ein Projekt bei der Arbeit umzusetzen. Die folgenden vier Taktiken können jedem helfen, sein Ziel zu erreichen.

ZIELE SETZEN, NICHT AUFGABEN

Umfangreiche Studien haben gezeigt, wie wichtig Zielsetzung ist. So schließen bei spielsweise Verkäufer mehr Geschäfte ab, wenn sie konkrete Zielvereinbarungen haben. Und Menschen erhöhen eher ihre Fitness, wenn sie sich verpflichten, täglich zu trainieren. Abstrakte Ziele, wie „mein Bestes geben“, sind in der Regel deutlich weniger effektiv als etwas Konkretes, wie beispielsweise zehn neue Kunden pro Monat zu gewinnen oder 10.000 Schritte pro Tag zu gehen. Als erste allgemeine Regel sollten daher alle Ziele, die Sie sich selbst setzen oder denen Sie zustimmen, spezifisch sein.

Ziele sollten, wann immer möglich, eine intrinsische Motivation auslösen – und nicht nur eine extrinsische. Eine Aktivität ist intrinsisch motiviert, wenn die Aufgabe selbst einen motiviert und es Freude macht, sie zu erledigen; sie ist extrinsisch motiviert, wenn sie einem separaten Zweck dient – um eine Belohnung zu verdienen oder Strafen zu vermeiden. Meine Forschung zeigt, dass intrinsische Motive eher zu Leistung und Erfolg führen als extrinsische. Nehmen wir mal die Neujahrsvorsätze: Wir fragten im März nach, wer noch daran festhalte. Das Ergebnis: Menschen mit angenehmen Vorhaben – wie mehr Yoga zu machen oder samstags mal das Smartphone wegzulegen – waren eher noch dabei als Menschen, die wichtigere, aber weniger angenehme Ziele gewählt hatten. Und wir reden hier von Neujahrsvorsätzen, für die man sich in der Regel wirklich ernsthaft aufrafft.

Wenn die externe Belohnung groß genug ist, nehmen wir auch die unangenehmsten Aufgaben an. Sich einer Chemotherapie auszusetzen wäre ein extremes Beispiel. Auf die Arbeit bezogen, behalten viele Menschen ihren Job wegen des Geldes – und fühlen sich wie „Lohnsklaven“. Sie machen in der Regel Dienst nach Vorschrift, leisten das erforderliche Minimum, um ein Ziel zu erreichen. Extrinsische Motivation allein wird uns wahrscheinlich nicht helfen, über uns hinauszuwachsen. In einer perfekten Welt würden wir alle nach Jobs suchen, die uns Spaß machen und so unser Engagement hochhalten.

Leider gelingt das oft nicht. Zum Beispiel zeigt meine Forschung, dass die meisten Menschen zustimmen, wenn man sie fragt, ob Freude am Job und positive Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten für ihre aktuelle Position wichtig sind. Aber sie erinnern sich weder daran, dass die Stimmung im Büro der Schlüssel zum Erfolg in früheren Jobs war, noch glauben sie, dass das Arbeitsklima für sie in Zukunft wichtig sein wird. Sprich: Die bloße Erinnerung an die intrinsische Motivation kann bei der Auswahl von Arbeitsplätzen und der Übernahme von Projekten einen großen Beitrag zum nachhaltigen Erfolg leisten.

In Fällen, in denen das nicht geht – wir finden nicht alle einen Job und bekommen Aufgaben, die wir lieben –, ist der Trick, sich auf die Elemente der Arbeit zu konzentrieren, die einem Spaß machen. Den ken Sie darüber nach, wie Ihnen Ihre Aufgabe Befriedigung verschaffen könnte, und gewinnen Sie ihr etwas Positives ab. Vielleicht gibt sie Ihnen die Möglichkeit, Ihre Fähigkeiten vor den Führungskräften Ihres Unternehmens zu präsentieren, wichtige interne Beziehungen aufzubauen oder Werte für Kunden zu schaffen. Oder versuchen Sie, die Plackerei mit Aktivitäten zu kompensieren, die Sie lohnenswert finden – etwa indem Sie Musik hören, während Sie den E-Mail-Stau in Ihrem Posteingang bewältigen, oder langweilige Aufgaben gemeinsam mit Ihren Lieblingskollegen erledigen.


ARBEITEN MENSCHEN AUF EIN ZIEL HIN, HABEN SIE EINEN MOTIVATIONSSCHUB, BRECHEN ABER IN DER MITTE EIN. ZERLEGEN SIE IHR ZIEL IN KLEINERE ETAPPEN, BLEIBT WENIGER ZEIT, DIESER GEFAHR ZU ERLIEGEN.


EFFEKTIVE BELOHNUNGEN FINDEN

Einige Aufgaben oder Karriereschritte sind extrem belastend. In diesem Fall kann es hilfreich sein, kurz- bis mittelfristig für externe Motivatoren zu sorgen, insbesondere wenn sie die von Ihrem Unternehmen angebotenen Anreize ergänzen. Sie können sich selbst mit einem Urlaub belohnen, wenn Sie ein ungeliebtes Projekt endlich abgeschlossen haben, oder sich ein Geschenk machen, wenn Sie fünf Kilo abgenommen haben. Aber seien Sie vorsichtig bei der Wahl der Anreize: Es wäre falsch, sich für die Quantität der erledigten Aufgaben oder für die Geschwindigkeit zu belohnen, wenn es eigentlich um die Qualität einer Leistung geht. Die falsche Incentivierung kann zur Fehlerquelle werden: zum Beispiel wenn eine Buchhalterin sich belohnt, weil sie ihre Audits besonders schnell abschließt. Oder ein Verkäufer verärgert vielleicht seine Stammkunden, wenn er sich lediglich auf die Maximierung des Umsatzes konzentriert.

Eine weitere häufige Falle ist die Wahl von Anreizen, die das erreichte Ziel untergraben. Wer sich mit Pizza und Kuchen fürs Abnehmen belohnt, wird Teile seiner harten Arbeit zunichtemachen und in schlechte Gewohnheiten verfallen. Wenn die Belohnung für eine anstrengende Zeit bei der Arbeit darin besteht, jetzt erst mal wieder eine ruhige Kugel zu schieben, zerstören Sie gleich wieder den positiven Eindruck, den Sie hinterlassen haben. Psychologen nennen dieses Phänomen Balancing. Die Forschung zeigt, dass Menschen einer Versuchung nachgeben, um sich für ein erreichtes Ziel zu belohnen – auch wenn diese Belohnung sie dann wieder zurückwirft.

Darüber hinaus sind einige externe Anreize effektiver als andere. Zum Beispiel haben Forscher in Experimenten entdeckt, dass die meisten Menschen härter arbeiten (mehr Aufwand, Zeit und Geld investieren), um sich für eine ungewisse Belohnung zu qualifizieren (zum Beispiel eine 50-prozentige Chance, entweder 150 Euro oder 50 Euro zu bekommen), als für eine bestimmte Belohnung (eine 100-prozentige Chance, 100 Euro zu bekommen). Vielleicht empfinden sie Erstere als herausfordernder und aufregender. Ungewisse Belohnungen bei der Arbeit einzurichten ist schwieriger, aber nicht unmöglich. Sie können sich spielerisch motivieren, indem Sie zwei Umschläge in Ihrem Schreibtisch aufbewahren – mit zwei unterschiedlich großen Belohnungen – und nach getaner Arbeit zufällig einen auswählen.

Zu einem weiteren starken externen Motivator kann sich unsere Verlustabneigung entwickeln – also unser Ziel, eher Verluste zu vermeiden, anstatt gleichwertige Gewinne zu erzielen. In einer Studie aus dem Jahr 2016 baten Wissenschaftler der University of Pennsylvania die Teilnehmer, sechs Monate lang 7000 Schritte pro Tag zu gehen. Einige Teilnehmer erhielten 1,40 Dollar für jeden Tag, an dem sie ihr Ziel erreichten, während andere 1,40 Dollar verloren, wenn sie es nicht schafften. Die zweite Gruppe erreichte ihr Tagesziel um die Hälfte öfter. Onlinedienste wie StickK.com ermöglichen es den Nutzern, ein Ziel zu wählen, wie beispielsweise „Ich möchte mit dem Rauchen aufhören“. Dann legen sie einen Verlust fest, falls sie das Ziel nicht erreichen: Sie müssen zum Beispiel Geld an eine Organisation oder eine politische Partei spenden, die sie verachten.


AM BESTEN MOTIVIEREN UNS MENSCHEN, DIE EIN GROSSES ZIEL MIT UNS TEILEN: FREUNDE, FAMILIE, MENTOREN. DER WUNSCH, FÜR SIE ERFOLGREICH ZU SEIN, KANN STARKE INNERE ANREIZE SCHAFFEN.


FORTSCHRITTE BEWUSST MACHEN

Wenn Menschen auf ein Ziel hinarbeiten, haben sie in der Regel zu Beginn einen Motivationsschub – und brechen dann in der Mitte ein. Eine Studie beobachtete beispielsweise Juden während der Chanukka, wo sie der religiösen Tradition zufolge an acht aufeinanderfolgenden Tagen Kerzen anzünden. Es zeigte sich jedoch, dass die meisten Juden in der ersten und letzten Nacht der Chanukka eine Kerze anzündeten. In einem weiteren Experiment arbeiteten die Teilnehmer, die bestimmte Formen aus Papier ausschneiden sollten, in der Mitte des Projekts wesentlich schlampiger als zu Beginn und am Ende.

Glücklicherweise zeigt die Forschung mehrere Möglichkeiten auf, dieses Muster zu bekämpfen. Ich bezeichne die erste als „kurze Mitten“: Wenn Sie Ihr Ziel in kleinere Teilziele zerlegen – sagen wir wöchentliche statt vierteljährliche Umsatzziele –, bleibt weniger Zeit, um diesem lästigen Einbruch zu erliegen.

Eine zweite Strategie ist, die Art und Weise zu ändern, wie man über die erzielten Fortschritte denkt. Wenn wir bereits Fortschritte gemacht haben, scheint das Ziel in Reichweite zu sein, und wir neigen dazu, unsere Anstrengungen zu verstärken. Beispielsweise geben Verbraucher in Treueprogrammen tendenziell mehr aus, wenn sie kurz vor einer Prämie stehen. Sie können diesen Effekt nutzen, indem Sie Ihren Ausgangspunkt im Vergleich zu jetzt weiter in die Vergangenheit zurückverlegen: Vielleicht hat Ihr Projekt nicht mit dem ersten Spatenstich begonnen, sondern schon zu dem Zeitpunkt, zu dem es erstmals angedacht wurde.

Ein weiterer mentaler Trick besteht darin, sich auf das zu konzentrieren, was man bereits zur Hälfte erledigt hat, und dann seine Aufmerksamkeit auf das zu richten, was noch zu tun ist. Meine Forschung hat ergeben, dass dieser Perspektivwechsel die Motivation erhöhen kann.

So hat beispielsweise bei einer Kundenaktion die Betonung abgeschlossener Schritte zu Beginn („Sie haben zwei von zehn Einkäufen getätigt“) die Kunden zum Shoppen motiviert. Als die Käufer dem Ziel näherkamen, war es hilfreich, auf die fehlenden Schritte einzugehen („Sie sind zwei Einkäufe von einer Gratisprämie entfernt“), um den Konsum anzukurbeln.

Diese Taktik kann sowohl für Routineaufgaben (wie das Versenden von 40 Dankesschreiben) gelten als auch für qualitativ hochwertigere Ziele (wie die Ausbildung zum Pianisten). Die Person mit den Dankeskarten sollte sich für die ersten 20 vor Augen halten, wie viele sie schon geschrieben hat. Hat sie die Hälfte geschafft, sollte sie für die noch offenen Karten einen Countdown starten. Auf die gleiche Weise sollte sich ein Anfänger beim Klavierspielen auf alle Fähigkeiten konzentrieren, die er bislang erworben hat; dann, wenn er sich verbessert, sollte er sich auf die verbleibenden Herausforderungen (wie Arpeggios, Triller oder Tremolos) konzentrieren, die er meistern muss.

DEN EINFLUSS ANDERER NUTZEN

Menschen sind soziale Wesen. Wir schauen uns ständig um, um zu sehen, was andere tun, und ihr Handeln beeinflusst unser eigenes. Sitzen Sie neben einem fleißigen Kollegen, kann das Ihre Leistung steigern. Aber wenn es um Motivation geht, ist diese Dynamik komplexer: Wenn wir erleben, wie ein Kollege mit leichter Hand eine Aufgabe erledigt, die uns frustriert, reagieren wir auf zwei Arten: Entweder sind wir inspiriert und versuchen, uns genauso zu verhalten. Oder wir verlieren die Motivation, weil wir denken, dass wir den Job unserem Kollegen überlassen könnten. Das ist nicht ganz irrational: Die Spezies Mensch hat sich durch individuelle Spezialisierung und durch die Nutzung komparativer Vorteile entwickelt.

Das Problem ist, dass wir gerade bei der Arbeit nicht immer delegieren können. Aber wir können immer noch sozialen Einfluss zu unserem Vorteil nutzen. Eine Regel lautet, niemals ehrgeizige, effiziente, erfolgreiche Mitarbeiter nur zu beobachten; das Risiko, dass sie uns total demotivieren, ist zu hoch. Stattdessen sollten wir mit diesen Kollegen darüber sprechen, was sie mit ihrer harten Arbeit erreichen wollen und warum sie uns empfehlen, es ihnen gleichzutun. Meine Forschung zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen ein Produkt kaufen, höher ist, wenn ein Freund es gut findet. Wenn sie jedoch lediglich erfahren, dass ein Freund das Produkt gekauft hat, reizt sie das nicht zum Kauf. Wenn Sie Ihren Vorbildern zuhören, was sie über ihre Ziele sagen, kann Sie das zusätzlich inspirieren und Ihren Blickwinkel weiten.

Noch effektiver überwindet man seine Motivationsdefizite interessanterweise, wenn man anderen Ratschläge gibt (anstatt selbst danach zu fragen). Andere zu unterstützen stärkt das Selbstvertrauen und spornt an. In einer aktuellen Studie habe ich festgestellt, dass Menschen, bei denen es nicht rundläuft, denken, sie bräuchten Tipps von Experten, um erfolgreich zu sein. Beispielsweise bei der Jobsuche: Hier zeigte sich, dass die Leute besser bedient waren, wenn sie ihr Wissen anderen Arbeitssuchenden zur Verfügung stellten. Dadurch strukturierten sie den Prozess und entwickelten konkrete Pläne, denen sie dann selbst folgten und die nachweislich den Antrieb und die Leistung steigern.

Ein letzter Gedanke, wie man positiven sozialen Einfluss nutzen kann: Die Menschen, die einen am besten motivieren, sind nicht unbedingt diejenigen, die selbst etwas unglaublich gut beherrschen. Vielmehr motivieren uns Leute, die ein großes Ziel mit uns teilen: enge Freunde und Familienmitglieder oder Mentoren. Der Gedanke an diese Menschen, unser Wunsch, in ihrem Namen erfolgreich zu sein, kann die starken inneren Anreize schaffen, um unsere Ziele zu erreichen. Eine Frau kann den Stress bei der Arbeit lohnenswert finden, wenn sie das Gefühl hat, dass sie ein Vorbild für ihre Tochter ist; einem Mann kann es leichterfallen, sich zum Sport aufzuraffen, wenn es ihm hilft, mit seinen Freunden zusammen zu sein.

FAZIT

In der positiven Psychologie wird Flow definiert als ein mentaler Zustand, in den jemand vollständig eingetaucht ist, wenn er eine Aktivität genießt und voll darauf fokussiert ist. Leider kann dieses Gefühl im Alltag flüchtig oder schwer fassbar sein. Meistens fühlen wir uns wie der kämpfende Baron Münchhausen im Sumpf, wenn wir mit unseren Zielen vorankommen wollen. In solchen Situationen kann es helfen, die Macht der intrinsischen und extrinsischen Motivatoren zu nutzen, uns bewusst und richtig zu belohnen, unseren Fokus – je nachdem wie nah wir am Ziel sind – entweder auf das Erreichte oder nach vorn zu richten und sozialen Einfluss zu nutzen. Selbstmotivation ist eine der am schwersten zu erlernenden Fähigkeiten – aber sie ist entscheidend für Ihren Erfolg.© HBP 2019 siehe Seite 110

AUTORIN

AYELET FISHBACH ist Professorin für Verhaltenswissenschaften und Marketing an der Booth School of Business der University of Chicago. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Motivation und Entscheidungsfindung.