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MÜLLFREI UND SPASS DABEI


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Laufzeit - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 13.04.2022

E ndlich, nach über zwei Jahren Ruhepause, sollen in diesem Jahr die großen Laufevents in voller Pracht zurückkehren. Große Laufevents wie der Berlin­Marathon im letzten Herbst fanden zwar statt, blieben aber die Ausnahme. Was blieb den wettkampforientierten Lauffans? Neben vereinzelten Stadtlauferlebnissen konnten sie sich auf vereinzelten Trailevents messen. Oder eben allein laufen. Dies soll in diesem Jahr wieder anders werden. Neben den Veranstaltern, die nach zwei Jahren Krise und Bangen um die Existenz nun wieder auf volle Auslastung der Stadtläufe hoffen können, freuen sich auch die Läufer*innen der Republik auf frische Lauferlebnisse. Und die Art der Laufevents wird in diesem Jahr wieder breit gefächert sein.

Laufevents müssen schon seit Längerem mehr bieten als einfach nur Laufen plus anschließender Finishermedaille. Das hat die Veranstaltungsbranche schon lange erkannt und bemüht sich ...

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... redlich, auch im Rahmenprogramm das gewisse Etwas zu bieten. Das Angebot ist vielseitig,

Schauen wir uns in diesem Zusammenhang eine Marathonveranstaltung genauer an. Hier kommen allein aufgrund der Größe viele Dinge zusammen, an denen aufgezeigt werden kann, welchen Einfluss bereits kleine Veränderungen am Verhalten bewirken können. Alles beginnt mit der Anreise. Dieser Faktor stellt im Rahmen einer solchen Riesenveranstaltung mit zehntausenden Menschen die größte Belastung für die Umwelt dar. Zusätzlich zu den Ortsansässigen reisen bei Großevents wie in Berlin, Köln oder Frankfurt zehntausende Laufbegeisterte aus allen Teilen der Republik, Europas und der Welt an. Die Größe des individuellen CO₂­Fußabdrucks ist mit der Wahl des Verkehrsmittels verknüpft. Wer mit dem Flieger kommt, steht schlechter da als bei einer Anreise mit dem Pkw, entscheidend besser wird’s mit dem Zug. Vor Ort lässt sich dann das zumeist im Marathonstartgeld inkludierte ÖPNV­ Ticket nutzen.

„Wir drucken seit Jahren kein Programmheft mehr, die Infos sind alle digital vorhanden. Auch die Flyeranzahl haben wir drastisch reduziert. Unsere Finishershirts haben einen hohen Recylinganteil. Der Startbeutel ist hochwertig gestaltet, um die Wiederverwendung im Alltag zu gewährleisten.“

JAN BRONIECKI, PRESSESPRECHER KÖLN-MARATHON

Ein Veranstalter wie der Frankfurt­ Marathon ist sich dieses besonderen Einflusses auf die Umwelt bewusst. „Die größte Umweltbelastung ist der An­ und Abreiseverkehr der Teilnehmer*innen. Hier verfolgen wir die Strategie, diese bei der Recherche zur Reise nach/von Frankfurt mit einem Online­Tool zu unterstützen, welches die CO₂­Belastung nach Wahl des Verkehrsmittels anzeigt“, erklärt Jo Schindler, Renndirektor des Frankfurt­Marathon, „Das Tool ist zugleich mit einem Portal verknüpft, mit dem es möglich ist, diese CO₂­Belastung durch eine entsprechende Zahlung auszugleichen.“

Abfall reduzieren

Schindler und sein Team versuchen, dem Thema Nachhaltigkeit mit einem ganzheitlichen Ansatz gerecht zu werden. Die einzelnen Strategien dazu werden in der Mainmetropole bereits seit 2014 in jedem Jahr überarbeitet und angepasst. Einbezogen werden sämtliche Gewerke des Megaevents, von Verpflegung bis hin zu den Sponsoren. „Unser zweiter großer strategischer Ansatz ist die Energiegewinnung durch Fotovoltaik. Wir streben an, dass wir in naher Zukunft so viel Sonnenenergie während des Jahres gewinnen, wie wir am Marathonwochenende verbrauchen“, erklärt Schindler. „Wir verfolgen also zwei zentrale strategische Ansätze: Energieausgleich durch Gewinnung von Solarenergie und CO₂­Ausgleich durch Baumpflanzprojekte.“ Hinzu kommen weitere Einzelmaßnahmen. Ganzheitlich angehen will es auch Veranstalter Plan B, bekannt unter anderem für den Etappenlauf „Transalpine Run“. Das Thema ist aktuell noch in der Entwicklungsphase, wie uns Jürgen Kurapkat, verantwortlich für Marketing und Kommunikation, auf Nachfrage mitteilte: „Neben üblichen Methoden wie zum Beispiel den Verzicht auf Einwegbecher an Verpflegungsstationen haben wir uns Anfang des Jahres entschlossen, das Thema ganzheitlich anzugehen und sind deshalb eine Kooperation mit (dem Umweltberatungsunternehmen, Anm. d. Red.) ClimatePartner eingegangen“. Die Plan B­Mitarbeitenden werden zu dem Thema geschult, die Ergebnisse werden anschließend in die Events einfließen. Schon jetzt ein Standard bei Plan B und vielen anderen Traillaufevents: die Beschriftung von Riegel­ und Gelverpackungen mit der eigenen Startnummer. Dies wird vor dem Start so gut es geht kontrolliert. Sollte liegengebliebener Müll auf der Strecke entdeckt werden, der einer Person zugeordnet werden kann, droht die sofortige Disqualifikation.

Der Verantwortung bewusst sind sich die Veranstalter, auch weil mittlerweile Läufer*innen auf diese zukommen und darum bitten, Nachhaltigkeitskonzepte zu überdenken, wie Jan Broniecki, Pressesprecher des Köln­Marathon zu berichten weiß. Vor allem die Becher auf der Strecke und der Müll der gesamten Veranstaltung wurden thematisiert. Und es wurde reagiert. „Wir haben früher rund 400.000 Einwegbecher verwendet in 5 verschiedenen Ausprägungen. Jetzt haben wir 100.000 Mehrwegbecher und 100 Fangnetze sowie 300.000 Einwegbecher, allerdings nur ein Fabrikat“, so Broniecki. Die Mehrwegbecher werden vom örtlichen Energieversorger RheinEnergie zur Verfügung gestellt und nicht nur beim Marathon eingesetzt, sondern können auch für jedes Schulfest oder Sportfest umsonst geliehen werden“, erklärt Broniecki weiter. Die gesamte CO₂­ Belastung des Laufevents in Köln konnte dabei von 2018 zu 2019 (die letzten beiden vollwertig vergleichbaren Marathons in Köln) um geschätzte 25 Prozent reduziert werden.

BERLIN-MARATHON

KÖLN-MARATHON

FRANKFURT-MARATHON

MASSNAHMENPAKETE

Die Bemühungen der Veranstalter in puncto Nachhaltigkeit sind vielfältig. Der gesamte Maßnahmenkatalog unserer kleinen Auswahl an Marathonevents lässt sich über den QR­Code abrufen.

Der Abfall­ und Plastikbecher­Thematik nehmen sich viele der Veranstalter an, experimentieren mit verschiedensten Lösungswegen. Das beinhaltet auch den Umgang mit Essen, Starterbeuteln und Finishershirts. Wie wir auch aus anderen Bereichen (z. B. Textil oder Schuhherstellung) wissen, kommt es auf die Art des gewählten Materials an. Monomaterialien sind leichter zu recyceln als Mischvarianten. „Abfallbewirtschaftung ist eines der großen Themen für uns. Zunächst müssen wir versuchen, mehr Abfälle von Grund auf zu vermeiden. Dort, wo dies nicht möglich ist, muss eine saubere Trennung der Abfälle erfolgen, sodass die Abfälle vom Entsorgungsfachbetrieb im Nachgang im Sinne des Recyclings im Rohstoffkreislauf gehalten werden können“, beschreibt Michael Gerlach, Team Leader Operations bei SCC Events, Veranstalter des Berlin­ Marathons und anderer Großevents.

Um dem Thema auch zukünftig mehr Nachdruck zu verleihen, hat SCC mit Gerlach als Umweltmanagementbeauftragten ein eigenes Umweltteam installiert. Dieses Team soll in Zukunft ein zuverlässiges Umweltreporting aufbauen, auch um den Gesamteinfluss zu ermitteln. Eigenen Berechnungen zufolge konnte für den Berliner Marathon 2021 eine Emission von 8,5 Tonnen CO₂ ausgemacht werden. „Für die Teilnehmenden ergaben unsere Berechnungen rund 15.000 Tonnen CO₂“, so Gerlach über den Einfluss der Läufer*innen. Dabei kann das letzte Jahr jedoch pandemiebedingt nicht als Maßstab herangezogen werden. „Maßnahmen für die umweltfreundlichere Anreise sind aktuell in der Planung, sollen schrittweise im Jahr 2022 eingeführt werden“, so Gerlach weiter.

Angesprochen auf die verwendeten Werbemittel, setzen die Veranstalter in puncto Starterbeutel auf eine hohe Materialqualität, um eine langfristige Benutzung der Beutel über den Eventtag hinaus möglich zu machen. Auch digitale Formate spielen eine immer größere Bedeutung. „Werbemittel sind für Partner wie auch für Teilnehmer wichtig. Aber auch hier zielen wir auf alternative Wege ab. So stellen wir beispielsweise immer mehr Druckerzeugnisse auf digitale Produkte um oder setzen im Druck recyceltes Papier ein. Werbebeutel, oder Teilnehmerbeutel, wie wir sagen, können nicht von einem auf das andere Jahr weggedacht werden. Aber auch hier gibt es Bestrebungen, auf digitale Eventbags umzusteigen“, weiß Michael Gerlach von SCC zu berichten. „Die Kölner lassen aus Umweltgründen seit Jahren erst gar kein Programmheft drucken. Auch die Flyeranzahl habe man drastisch reduziert“, erklärt Jan Broniecki. Bei den Finishershirts setzt man in Köln ebenso wie in Frankfurt auf einen hohen Recylingwert.

Fazit

Beim Blick auf die Maßnahmenpakete einzelner Marathonevents wird deutlich: Es ist einiges in Bewegung, die Problemstellung wird umfassend angegangen. Es ist auch klar, dass ein solches Event immer die Umwelt belasten wird. Es kann in diesem Fall nur darum gehen, die Emissionen so weit wie möglich zu minimieren und die dafür benötigten Maßnahmen regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Das, was wir Läufer*innen leisten können, haben wir im Artikel angestoßen. An ein paar Stellen setze ich an dieser Stelle dennoch ein Fragezeichen. Denn auch wenn Finishershirts aus recycelten Materialien hergestellt werden – lässt sich nicht gänzlich auf diese verzichten? Und auch dem in vielen Industriebereichen beliebten CO₂­Ausgleich durch Pflanzen von Bäumen sollte man kritisch gegenüberstehen. Die jüngsten Untersuchungen zu dieser Art des Ausgleichs besagen, dass der Nutzen Richtung null tendiert. NGOs wie atmosfair bieten von daher eine Kompensation von Treibhausgasen durch erneuerbare Energien an.

„Die größte Herausforderung stellt die Suche nach Alternativen zu Einwegprodukten für absolut notwendige Versorgungen der Teilnehmenden dar. Dies betrifft beispielsweise die Trinkbecher wie auch unsere Wärmefolien. Beide Produkte bestehen zwar schon aus immerhin 80 Prozent recyceltem PET. Ein Ersatz durch Mehrwegprodukte gilt bei uns allerdings mindestens für die Becher als erstrebenswertes Ziel.“

MICHAEL GERLACH, SCC EVENTS, UMWELTBEAUFTRAGTER U. A. BERLIN MARATHON

RALF KERKELING ist freier Journalist und Autor, vornehmlich für Fachmagazine aus dem Sport-und Outdoorbereich. www.ralf-kerkeling.de