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MULTIMILLIONÄRE AUF RÄDERN


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 31/2022 vom 04.08.2022

TRAU KEINER STATISTIK, die du nicht selbst gefälscht hast. Wir kennen diesen scheinbar wissenschaftskritischen Spruch. Doch wir wissen auch, wie Statistiken zu lesen sind. Deshalb haben wir den Ladys und Gentlemen von Lease Fetcher, einer britischen Leasing-Plattform, die Hitliste der weltweit meistverkauften Autos einfach mal abgenommen.

!Manche Modelle wirken unsterblich – und werden doch eingestellt. Wie der Käfer

Und sie an einigen entscheidenden Stellen etwas korrigiert. Etwa beim Käfer. Den listen die Kollegen von der Insel unter Beetle und mit 23 Millionen Exemplaren. Liegt daran, dass sie den modernen Beetle auf Golf-Basis mitgezählt haben und der Bauzeitraum entsprechend nicht 2003, sondern erst 2019 endet. Wir beschränken uns auf die 21,5 Millionen echten Käfer.

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 31/2022

An der Platzierung ändert das übrigens nichts. Auch an der Auswahl nicht. Auf dem großen Bild oben sehen Sie die ...

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... wichtigsten Megaseller aller Zeiten. Dazu zählt, wer mehr als 20 Millionen Fahrzeuge absetzen konnte. Der Escort (fast 20 Mio. Verkäufe, bei Lease Fetcher sogar nur unerklärliche 18 Mio.) ist also knapp raus, fehlt aber trotzdem nicht. Ganz am Ende dieser Geschichte (Seite 16) präsentieren wir Ihnen in einer Schnellübersicht noch die Plätze 7 (Escort!) bis 20 (Astra). Einlasskriterium für diesen exklusiven Club: absolute Verkaufszahl über zehn Millionen Fahrzeuge. Nach dem englischen Original hätte dort auch der Chrysler Minivan stattfinden Millionen Autos sollen, doch den haben wir aussortiert – zu unspezifisch die Modellbezeichnung, darunter fällt vom Chrysler Voyager über den Dodge Ram Van bis zum VW Routan so einiges. Dann hätten wir dem Golf mindestens auch Skoda Octavia, Seat Leon und Audi A3 gutschreiben müssen.

Wo immer mehrere Modelle die gleiche Millionenmarke erreichten, haben wir anhand der Verkäufe pro Jahr sortiert. Nur einmal sind auch die gleich, weshalb VW Polo und BMW 3er gemeinsam auf Platz 17 liegen.

Viel Spaß beim Stöbern, Staunen – und Der-Statistik-Vertrauen.

1 SO BRAV UND DOCH BELIEBTER ALS JEDER ANDERE

Platz 1 Toyota Corolla 47,5 Mio. Mal verkauft

WAS IHN SO BELIEBT MACHT

Den Corolla kauft keiner, um aufzufallen. Sondern viel eher, weil er eben nicht auffällt.Zuverlässige Technik und zeitloses Design sind die wesentlichen Kaufargumente für den Japan-Golf.

HEIMLICH, STILL UND LEISE auf Erfolgskurs: Wie das geht, zeigt Toyota seit Jahrzehnten mit dem Corolla. Seit dem Debüt der ersten Baureihe 1966 setzten die Japaner weltweit in zehn Generationen und mit diversen Schwestermodellen annähernd sagenhafte 50 Millionen Einheiten ihres Bestsellers ab.

Nachdem er bei uns eine Zeit lang als Auris verkauft wurde, ist Toyota seit 2019 wieder zum alten Erfolgsnamen zurückgekehrt. Dass der Held der 1990er-Jahre in Deutschland mittlerweile nur noch ein Nischendasein fristet? Global gesehen nur eine Randerscheinung. Weil hierzulande die Sportfahrer daheim sind. Und die stören sich zum Beispiel am Gummibandeffekt des stufenlosen Getriebes. Beim kräftigen Tritt aufs Gas lässt es den Motor laut aufheulen und hält diese Drehzahl dann konstant. So klingen klassische Hubkolbenmaschinen bei höchster Anstrengung, aber das ist keinesfalls der Sound eines Sportlers. Auch die Begrenzung auf 180 km/h sowie die eher uninspirierte Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung dürfte kaum GTI-Kunden hinter dem Ofen hervorlocken.

Nein, Fahrspaß geht definitiv anders. Und weil der klassische Hybrid nicht förderfähig ist, zieht er im Vergleich mit Plug-ins an der Kasse regelmäßig den Kürzeren. Bei der äußeren Gestaltung offenbart sich schließlich das ganze Dilemma eines Weltautos. Um auf keinem Markt dieser Erde negativ aufzufallen, wird auf Experimente und zu viel Charakter verzichtet. Das Ergebnis ist dann eben ein Auto, dem man kaum etwas vorwerfen kann, das aber auch kaum aus Leidenschaft gekauft wird. Doch der Corolla lässt sich auch von einer anderen Seite betrachten. Seit Jahrzehnten zählt er zu den zuverlässigsten Fahrzeugen überhaupt, macht kaum Ärger. Den Hybridantrieb hat Toyota seit mittlerweile 25 Jahren perfektioniert.Das wird beim Fahren überdeutlich.Beim entspannten Cruisen summt der Corolla leise und leicht dahin, lässt sich problemlos mit unter fünf Litern bewegen. Alles eine Frage des Charakters. Dem des Autos und dem des Fahrers. Der Corolla ist der Typ, der nicht auffällt, der aber abliefert. Der seine Arbeit ruhig und klaglos erledigt. Ein stiller Star ohne Allüren. Okay, mit einem Startpreis von 27 550 Euro zählt er zwar nicht zu den Sonderangeboten am Markt, sicher aber zu einer der besten Offerten. Das vielleicht beste Auto für all die, die sich einfach auf ihren fahrbaren Untersatz verlassen möchten und keine Show wollen. Und auch gar nicht nötig haben. Bis heute waren das immerhin schon fast 50 Millionen Kunden.

DIE ZAHLEN DES ERFOLGS

Modell Toyota Corolla gebaut seit 1966 gebaut bis heute Produktionsjahre 56 Verkäufe pro Jahr (Mittelwert) 848 214

Verkäufe gesamt 47,5 Millionen

2 UNBEGRENZ TE MÖGLICHKEITEN AUF RÄDERN

THINK BIG! Fünf Liter Hubraum, 401 PS, 6,19 Meter Länge – unser F-150 beeindruckt mächtig. Und ist innerhalb der F-Serie doch der Baby-Pick-up. Die seit 1948 angebotene Truck-Familie umfasst nämlich auch Monster wie den F650, der über fünf Tonnen wiegt.Für alle gilt: Sie verkaufen sich hauptsächlich in den USA, wo der F-150 die Zulassungsstatistik seit Jahrzehnten anführt – etwa alle 30 Sekunden wird einer verkauft.

Bei uns wird der große Pick-up nur als Grauimport angeboten, wir finden ein 2017er Modell bei der Autogalerie Langenhagen. Mit der „SuperCrewCab“ bietet er zweimal drei Sitze und eine riesige Ladefläche. Unter der Haube sitzt ein extrem weich laufender V8, von dem man im Stand nicht merkt, dass er überhaupt läuft. Beim Tritt aufs Gas wird er zwar auch nicht zum Sportwagen, dafür ist er zu schwer, aber er bietet sattes Dreh- moment von unten raus, wie für einen Sauger typisch angenehm gleichmäßig verteilt. Extrem lässig, wie sämig und weich das Ungetüm ablegt. Wäre da nicht der ständige bange Blick auf die Tankanzeige.

Der Verbrauch ist einer der Hauptgründe für Ford, seinen Bestseller nicht auch in Europa anzubieten.

Unter 20 Litern tut sich so gut wie nichts, 25 sind im Schnitt realistisch. Der andere Grund sind die Abmessungen. Einmal durch Hamburgs Rushhour mit anschließender Parkplatzsuche, und du hasst das Biest. Der F-150 ist einfach überall zu groß. Parkhäuser? Keine Chance. Autobahnbaustellen? Ja, rechts zwischen den Lastern. Der F-150 passt nicht nach Deutschland, wirkt ständig wie ein Elefant im Porzellanladen. Blickt man dagegen in die Weite der ländlichen USA, leuchtet das Konzept schon eher ein. Als Erbe der Planwagen hält er die weitläufigen Provinzen mobil.

Ohne große Raffinesse, dafür verlässlich. Klaglos schultert er größte Lasten und kommt mit viel Bodenfreiheit und (optionalem) Allrad immer durch. Ein Hauptgrund für seinen Erfolg ist seine Flexibilität. In zig verschiedenen Kombinationen aus variierenden Aufbauten, Radständen, Motoren und Ausstattungen stellt er sich immer voll und ganz auf seinen Besitzer ein. Der stört sich nicht an der rustikalen Machart und der im Detail hemdsärmeligen Verarbeitung, sondern freut sich über faire Preise. In den USA startet der Basis-F-150 bei 30 870 Dollar. Mit 3,3-Liter-V6 und Hinterradantrieb. Das Gefühl der großen Freiheit gibt es serienmäßig dazu. Mittlerweile hat das amerikanische Urvieh sogar Start-Stopp an Bord, der komplett elektrische Lightning wärmt schon die Akkus vor. Soll der F-150 seine Erfolgsgeschichte fortsetzen, muss er wohl mit der Zeit gehen.

Platz 2 Ford F-Serie 40 Mio. Mal verkauft

WAS IHN SO BELIEBT MACHT

Als moderner Nachfolger des Planwagens gehört die F-Serie von Ford in die USA wie Eiswürfel in die Cola. Rustikal, riesig und bezahlbar – im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der endlosen Weite geht sein Konzept voll auf, außerhalb der Vereinigten Staaten kaum.

DIE ZAHLEN DES ERFOLGS

Modell Ford F-Serie gebaut seit 1948 gebaut bis heute Produktionsjahre 74

Verkäufe pro Jahr (Mittelwert) 540 541 Verkäufe gesamt 40 Millionen

3 DER HAT SO EINIGES IN BE WEGUNG GEBR ACHT

Platz 3 VW Golf 35 Mio. Mal verkauft

WAS IHN SO BELIEBT MACHT

Nur der Käfer verkörpert den Markennamen Volkswagen ähnlich perfekt wie der Golf. Über acht Generationen entwickelte sich der Wolfsburger Kompakte zu so etwas wie dem Sneaker unter den Pkw: Der Golf passt immer und überall, gefällt fast jedem. Und fast jeder kann ihn sich leisten. Den fährt das Volk.

ER IST IMMER DA. Ob in der Fahrschule, als erstes Auto, bei den Großeltern, als Dienstwagen – egal wo. Ein Golf ist hierzulande nie weit. Dabei ist sich der Wolfsburger seit seinem Debüt über acht Generationen treu geblieben. Anders als der Toyota Corolla behielt er immer seine Linie. Eine meist fünftürige Karosserie mit hinterem Dreiecksfenster und breiter C-Säule. Stellt man den aktuellen achten Golf neben den ersten, werden die Unterschiede allerdings überdeutlich. Der schlanke und elegante Urentwurf von Giugiaro mit klaren Kanten und schmalen Pfosten war gerade mal 3,70 Meter lang und wog im Basistrimm handliche 750 Kilogramm. Der Golf 8 ist mindestens 4,28 Meter lang und nicht unter 1,3 Tonnen schwer.

Bei aller Kontinuität fuhr der Golf aber auch bei der Entwicklung immer vorn mit. Der erste GTI kam 1976 und schuf mit 110 PS sofort eine eigene Klasse. 1982 kam mit dem GTD der schnelle Turbodiesel dazu. 1990 wurde im Golf Economatic erstmals während der Fahrt der Motor abgeschaltet, um Sprit zu sparen – heute ganz normal. Mit Allradantrieb, dicken Bügeln und viel Bodenfreiheit griff der Golf Country der späteren SUV-Welle voraus. Damals ein Flop, heute heiß begehrt. Im Golf 3 kam erstmals der Direkteinspritzer-Diesel TDI zum Einsatz und löste eine neue Freude am Sparen aus, die erst ein Vierteljahrhundert später vom Abgasskandal eingebremst wurde. Doch auch Probleme gehören zur Geschichte des Golf. Der erste rostete so schnell, dass man zusehen konnte. Nach dem sehr soliden Zweier-Golf läutete die dritte Generation die Rotstift-Ära der 1990er-Jahre ein – im Rückblick gilt er als Krücke. Auf den soliden Vierer folgte der eher schlechte Fünfer, der sich wie auch der Sechser, der eigentlich nur ein Facelift ist, mit durchgerosteten Schwellern langsam aus dem Straßenbild verabschiedet. Auch der siebte Golf litt unter Konzernproblemen, der aktuelle Golf 8 kämpft mit nicht idealer Bedienung, und die Kunden zieht es mehr und mehr zu den höheren SUV. Dabei rollt der Golf längst auch elektrisch, ist als Kombi Variant das ideale Familienauto mit Maß – einfach einer für alle Fälle.

DIE ZAHLEN DES ERFOLGS

Modell VW Golf gebaut seit 1974 gebaut bis heute Produktionsjahre 48

Verkäufe pro Jahr (Mittelwert) 729 167 Verkäufe gesamt 35 Millionen

4 EIN HALBES JAHRHUNDERT IM DIENST DER FAMILIE

Platz 4 VW Passat 30 Mio.Mal verkauft

ER WAR DIE FAMILIENKUTSCHE der Achtziger- und Neunzigerjahre, das typische Lehrerauto, Inbegriff des Vertreter-Kombis. Trotzdem erstaunlich, dass die Mittelklasse aus Wolfsburg so weit vorn landet. Und doch ganz einfach zu erklären: China! Mit längerem Radstand hat der Passat dort in den letzten zehn Jahren verdammt viele Fans gefunden. Dabei war der Start noch holperig. Die Kunden mussten sich 1973 erst an die moderne, kantige Form gewöhnen. Das Bild des rundlichen, heckmotorigen Boxer-VW saß zu tief. Doch das praktische Fließheck und der nachgeschobene Kombi Variant überzeugten schnell. Und das mit einer Länge von anfangs 4,19 Metern, 55 PS und einem Basispreis von 9060 Mark. Größer und teurer wurde es mit dem Nachfolger, dem 32 B. Ihn gab es erstmals auch als Turbodiesel oder mit Fünfzylinder.

Auch ein Stufenheckableger wurde vorgestellt, der Santana – schon den liebten die Chinesen. Erstmals mit Sechszylinder kam der ab 1988 verfügbare 35i, aufgrund seines geschlossenen Kühlergrills auch Nasenbär genannt. Endgültig luxuriös wurde ab 1996 der B5. Neben engen Spaltmaßen und hoher Verarbeitungsgüte wehte mit dem Achtzylinder im W8 ein Hauch Oberklasse durch die ehemals so einfache Hütte. Eher glücklos wurde der auf der Plattform des Golf 5 entwickelte B6, der sich mit dem Kompakten zahlreiche Probleme teilte. Eigenständig präsentierte sich erst wieder die Baureihe B8, die nach einer Überarbeitung 2020 bis heute überlebt hat. 4,77 Meter lang, selbst mit dem kleinsten Diesel 122 PS stark und mindestens 34 725 Euro teuer. Auf Wunsch auch als sparsamer Hybrid.

Wem das alles noch nicht reicht, der findet im Arteon eine edle und individuelle Alternative. Mittlerweile nur noch als Kombi angeboten, empfiehlt sich der vielseitige Passat vor allem für Langstrecken. Scharen von Vertretern haben ihn längst in ihr Vielfahrerherz geschlossen. Familien schauen sich dagegen immer öfter bei Tiguan, Kodiaq und Co um. Auch der nächste Passat wird also nur als Kombi vorfahren. Und langfristig dem elektrischen ID.7 weichen.

WAS IHN SO BELIEBT MACHT

Fast ein halbes Jahrhundert lang überzeugte der Passat als enorm vielseitiger und absolut berechenbarer Typ. Ob nun Mehrpersonenhaushalt oder Musterkoffer, dem Passat war selten etwas zu viel. Und er machte nie viel Tamtam um seine Talente. Als trotzdem alle zu den SUV liefen, feierte der Passat seine Erfolge vor allem auf den Straßen Chinas.

DIE ZAHLEN DES ERFOLGS

Modell VW Passat gebaut seit 1973 gebaut bis heute Produktionsjahre 49

Verkäufe pro Jahr (Mittelwert) 612 245 Verkäufe gesamt 30 Millionen 13

5 EIN DAUERBRENNER, DER SICH STÄNDIG NEU ERFINDET

Platz 5 Honda Civic 24 Mio. Mal verkauft

WAS IHN SO BELIEBT MACHT

Bis in die nun schon elfte Generation hat es der Civic immer wieder geschafft, neue Akzente zu setzen und nicht als einer von vielen in der Kompaktklasse unterzugehen. Der Mix aus solider Technik, mutigem Design und heißen Type-R-Ablegern macht’s.

GEBEN SIE ES ZU, auf den wären Sie nicht gekommen. Bei aller Masse hat es der Honda Civic immer geschafft, sich eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren. 1972, als Autos aus Japan bei uns noch ein Abenteuer an sich darstellten, umgarnte er die meist weibliche Kundschaft mit einem lebendigen 1,2-Liter-Motor und 54 PS, einem für ein 3,40 Meter kurzes Auto überraschend aufwendigen Fahrwerk und guter Ausstattung. Über die Generationen wurde er zu einem Vorboten der sportlich ausgerichteten Premiumkompakten. Die Coupéableger CRX aus den Achtzigern sind heute gesucht, die Drehfreude der VTEC-Motoren legendär. Der 1,6-Liter in der 1991 präsentierten fünften Generation lieferte seine 160 PS bei sagenhaften 7600 Umdrehungen. Äußerlich traute sich Honda wie auch Toyota beim Corolla, immer wieder völlig neue Wege einzuschlagen. Nach eher braven Modellen seit den späten Neunzigern sah die achte Auflage ab 2005 aus, als hätte man sie direkt aus dem Designstudio zum Händler gebracht. Die Kundschaft splittet sich weitgehend auf in die Älteren, die zu den einfachen Modellen greifen, und die jungen „Fast & Furious“-Fans, die die starken Type-R-Modelle kaufen – die mit ihren wilden Spoilerwelten aussehen, als wären sie direkt aus einem Videospiel gehüpft. Am Civic der gerade abgelösten zehnten Generation (Foto) spalteten sich die Gemüter. Die einen liebten die direkte Lenkung und das stramme Fahrwerk, die anderen fanden die Abstimmung in Verbindung mit der überschaubaren Leistung und dem nervtötenden CVT-Getriebe nur lästig, von der verworrenen Bedienung ganz zu schweigen. Beim neuen geht Honda abermals neue Wege.

Der elfte Civic (siehe auch Mitfahrt im Type R auf Seite 18) ist wieder ein klassisches Fließheck. Auf 4,55 Metern bietet er so viel Platz wie eine Mittelklasselimousine, Verarbeitung und Fahrkomfort machten einen großen Schritt nach vorn. Getreu Hondas Motto: Wer immer vorn mitfahren möchte, muss sich auch immer wieder neu erfinden. Der Bestseller wird also weiterlaufen – und uns weiter überraschen.

DIE ZAHLEN DES ERFOLGS

Modell Honda Civic gebaut seit 1972 gebaut bis heute Produktionsjahre 50

Verkäufe pro Jahr (Mittelwert) 480 000 Verkäufe gesamt 24 Millionen

6 DIESES KRABBELTIER WAR DER MOTOR DER NATION

ER IST DER AUTOMOBILE LIEBLING der Deutschen, der Käfer. Zwischen 1938 und 2003 unglaubliche 65 Jahre lang gebaut und mit 21,5 Millionen Exemplaren lange das meistgebaute Auto überhaupt, prägte er wie kein Zweiter die Geschichte der frühen Bundesrepublik. Dabei ist gerade die frühe Geschichte des ersten Volkswagens eine düstere. Auftraggeber des „KdF“-Wagens („Kraft durch Freude“) war nämlich Adolf Hitler. Richtig krabbeln lernte der Käfer dann aber erst im Nachkriegsdeutschland, wo er das Wirtschaftswunder befeuerte. Jeder hatte eine Beziehung zum Auto, alle wussten eine Geschichte zu ihm zu erzählen. Seine Dominanz im damaligen Straßenbild ist heute nicht mehr vorstellbar. Überboten wurde sie wohl nur vom Trabant in der DDR.

Richtig gut war der Käfer eigentlich nie. Die luftgekühlten Motoren im Heck litten unter Temperaturproblemen und waren oft nach weniger als 50 000 Kilometern hin. Die Heizung bekam von all der Wärme wenig ab und konservierte die Füße der Insassen im ewigen Eis.

Schon nach wenigen Wintern standen umfassende Karosseriearbeiten an, um den Krabbler noch mal über den TÜV zu retten. Der Werbespruch „Er läuft … und läuft … und läuft“ ist vielleicht eine der größten Marketinglügen der Nachkriegsgeschichte. Aber eine charmante. Die Menschen liebten ihren Käfer und tun es bis heute. Den unverwechselbaren Sound, die überragende Traktion, der Blick auf die runde Haube – jedes Detail ist unvergessen. Man fuhr ihn als einfachen Standard mit 30 PS, als Export mit 34 PS oder als 1302 mit längerem Vorderwagen und bis zu 50 PS. Wer sich wirklich etwas gönnen wollte, griff zum bei Karmann in Osnabrück gebauten Cabrio. Oder zum „GSR“, dem „Gelb-Schwarzen Renner“ von 1973 hier im Bild. Ein heiß begehrtes Sondermodell ist die Última Edición, mit der 2003 die Fertigung in Mexiko endgültig eingestellt wurde. Der letzte produzierte Käfer wanderte direkt ins Museum, der vorletzte steht noch heute in der AUTO BILD- Garage. Zwischen neuen Elektroautos und wuchernden SUV wird klar: Der Käfer mag nicht immer gut gewesen sein. Aber es ist gut, dass es ihn gibt.

WASIHN SO BELIEBT MACHT

Mit diesem kauzigen Knirps lernte eine ganze Nation das Autofahren. Der Käfer war für die junge Bundesrepublik viel mehr als ein Auto, er verkörperte das Lebensgefühl des Wiederaufbaus und war gleichzeitig das Versprechen für eine bessere Zukunft. Einmalig in der Automobil geschichte.

Platz 6 VW Käfer 21, 5 Mio. Mal verkauft

DIE ZAHLEN DES ERFOLGS

Modell VW Käfer gebaut seit 1938 gebaut bis 2003 Produktionsjahre 65

Verkäufe pro Jahr (Mittelwert) 330 769 Verkäufe gesamt 21,5 Millionen