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Multiresistente Keime an Salat und Rucola gefunden


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 47/2018 vom 24.11.2018

Eine wissenschaftliche Studie des Julius Kühn-Instituts (JKI) weist antibiotikaresistente Bakterien mit mehreren übertragbaren Resistenzgenen auf Frischeprodukten nach, die aus deutschen Supermärkten stammten. Das JKI warnt vor einer Panik, gibt aber Empfehlungen. VonTherese Backhaus-Cysyk


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Wachstum von Erregern auf mikrobiologischen Platten im Hamburger Asklepios-Großlabor. Ziel: Asklepios will die Verbreitung der multiresistenten gramnegativen Erreger (MRGN) frühzeitig erkennen und behandeln.


Foto: Asklepios

Das Julius Kühn-Institut (JKI) will keine Panik bei Verbrauchern mit gesundem Immunsystem ...

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... verbreiten oder gar Produzenten an den Pranger stellen, erklärt das JKI auf Anfrage der TASPO, gibt aber Empfehlungen besonders für bestimmte Personengruppen wie etwa Schwangere, die Salate in Folie verpackt meiden sollten.

Zur bequemen Zubereitung werden Salate oftmals bereits fertig geschnitten und in Folie verpackt im Handel angeboten. Von solchen Frischeprodukten ist bekannt, dass sie mit Hygiene-relevanten Keimen kontaminiert sein können. Auch, wenn sich die Produzenten an die deutschen Hygiene-Richtlinien halten würden, so das JKI. Dass darunter auch Keime sind, die Resistenzen gegen Antibiotika tragen, hat eine Arbeitsgruppe unter Federführung von Prof. Dr. Kornelia Smalla vom JKI kürzlich nachgewiesen. Die Ergebnisse sind unter dem Titel „The transferable resistome of produce” in der Fachzeitschrift mBio 10-2018 erschienen (https://doi.org/10.1128/mBio.01300 –18 ).

„Diesem Befund müssen wir auf den Grund gehen”, sagte JKI-Präsident Dr. Georg Backhaus in der Meldung des JKI mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Bekannt sei, dass antibiotikaresistente Bakterien in Gülle, Klärschlamm, Boden und Gewässern vorkommen. Dieser besorgniserregende Nachweis auf Pflanzen reihe sich in ähnliche Befunde bei anderen Lebensmitteln ein, ergänzte Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel, BfR-Präsident, und fordert eine Risiko-Bewertung.

Nach dem Einkauf: Rohkost sollte vor dem Essen gründlich gewaschen werden


Foto: Fotolia


„Wir nehmen das Thema sehr ernst, werden es in unseren Gremien behandeln und auch das BfR einbeziehen.”
Jochen Winkhoff, Geschäftsführer Fachgruppe Gemüsebau im ZVG


Studie mit Mix-Salaten

Überrascht zeigte sich die Fachgruppe Gemüsebau im ZVG über die Meldung des JKI. „Wir können deren Auswirkungen und eventuelle Handlungsempfehlungen noch nicht absehen”, erklärte Jochen Winkhoff, Geschäftsführer der Fachgruppe, auf Anfrage der TASPO Ende vergangener Woche und ergänzt: „Wir nehmen das sehr ernst, werden das Thema in unseren Gremien behandeln und auch das BfR einbeziehen.” Für die Untersuchungen kaufte die Arbeitsgruppe rund um Prof. Dr. Kornelia Smalla in deutschen Supermärkten – ohne Nennung der Standorte oder der Regionen – Mix-Salate, Rucola und Koriander.

Die Proben wurden anschließend untersucht, um die Gesamtheit der übertragbaren Antibiotika-Resistenzgene (die Forscher sprechen vom übertragbaren Resistom) inEscherichia coli , einem meist harmlosen Darmbakterium, auf diesen Lebensmitteln zu ermitteln. Die Experten konzentrierten sich bei den Untersuchungen auf den Teil derEscherichia coli -Bakterien, die gegen den Wirkstoff Tetrazyklin resistent sind, teilte das JKI mit. Tetrazyklin-Antibiotika werden in der Tierhaltung eingesetzt, wo sie etwa im Darm der Nutztiere die Entwicklung und Vermehrung resistenter Keime fördern können. Diese Keime, aber auch ein Teil der Antibiotika werden ausgeschieden und kommen dann über organische Dünger wie Gülle auf die Felder.

Prof. Smallas Fazit: „Die Ergebnisse aus den umfangreichen Untersuchun gen zeigen eindeutig, dass eine beachtliche Vielfalt von übertragbaren Plasmiden, das sind außerhalb der Chromosomen vorkommende Erbträger in Bakterien, mit Resistenzgenen in denE. coli aus Frischeprodukten gefunden wurde. Diese tragen Resistenzen gegen jeweils mehrere Antibiotika-Klassen.E. coli- Bakterien mit diesen Eigenschaften waren auf allen drei geprüften Lebensmitteln zu finden.”

Kommen solche an sich harmlosen Bakterien auf pflanzlichen Lebensmitteln vor, können sie bei deren Rohverzehr in den menschlichen Darm gelangen, erklärt das JKI. Einmal aufgenommen, können die Bakterien ihre Plasmide im Darm an dort vielleicht vorkommende krankmachende Bakterien weitergeben. Man bezeichne das als horizontalen Gentransfer.

In der Natur versetzt der horizontale Gentransfer Bakterien in die Lage, sich schnell an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen. Wird ein Patient mit Antibiotika behandelt, haben Bakterien, die solche übertragbaren Resistenzgene in ihr Erbgut aufgenommen haben, einen Vorteil und vermehren sich stärker als ihre nicht so ausgestatteten Konkurrenten.

Wie häufig es angesichts der geringen Belastung mitE. coli auf Salat zu einer Übertragung von Resistenzen im menschlichen Darm kommt, sei bisher nicht bekannt. Wenig bekannt sei auch, ob und in welchem Umfang es zu Erkrankungen durch so entstandene resistente Bakterien kommt.

Empfehlungen ausgesprochen

Aufgrund der Studie empfiehlt das BfR generell Rohkost, Blattsalate und frische Kräuter vor dem Verzehr gründlich mit Trinkwasser zu waschen, um das Risiko der Aufnahme von Krankheitserregern oder antibiotikaresistenten Bakterien zu minimieren.

„Schwangere und Personen, deren Abwehrkräfte durch hohes Alter, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme geschwächt sind, sollten darüber hinaus zum Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen auf den Verzehr von vorgeschnittenen und verpackten Salaten vorsichtshalber verzichten und stattdessen frische, gründlich gewaschene Salate verwenden. Allerdings, so das JKI, lassen sich durch das Waschen möglicherweise vorhandene Krankheitserreger oder antibiotikaresistente Bakterien nicht sicher entfernen.

In seltenen Einzelfällen sei es notwendig, für besonders immungeschwächte Personen Gemüse und frische Kräuter vor dem Verzehr ausreichend (mindestens zwei Minuten auf 70 Grad im Inneren des Lebensmittels) zu erhitzen.

Mehr unter www.julius-kuehn.de

Die Autorin

Therese Backhaus-Cysyk , freie Fachjournalistin, Dipl.-Ing. Gartenbau, gelernte Zierpflanzengärtnerin


Was ist Multiresistenz?

Bakterien verfügen von Natur aus über die Fähigkeit, sich gegen andere Mikroorganismen zu schützen. Diese Widerstandskraft verdanken sie bestimmten Genen ihres Erbguts, die durch natürliche Mutationen entstehen.

Zusätzlich können Bakterien Gene aber auch an andere Bakterien weitergeben und von diesen aufnehmen. Wenn bei diesem Austausch mehrere Resistenz-Gene in ein Bakterium „einwandern”, können diese Erreger schließlich mehreren Antibiotika widerstehen – sie werden zu multiresistenten Erregern (MRE).(ipf)