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MULTIROLLEN: MULTIS – 10 Antworten auf die wichtigsten Fragen


Kutter & Küste - epaper ⋅ Ausgabe 79/2019 vom 06.12.2019

Multirollen werden häufig eingesetzt – doch gerade Umsteigern von Stationärer fällt der Wechsel oft schwer. Wir liefern 10 Fakten zur Multi, die Sie wissen sollten.


Artikelbild für den Artikel "MULTIROLLEN: MULTIS – 10 Antworten auf die wichtigsten Fragen" aus der Ausgabe 79/2019 von Kutter & Küste. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kutter & Küste, Ausgabe 79/2019

Multirollen sind starke Partner beim Meeresangeln in allen Ozeanen.


Multiplikatorrollen, wie die Multi in voller Länge heißt, waren die ersten „richtigen“ Angelrollen – bereits 1760 soll die erste „echte“ Multi von einem Engländer erfunden worden sein. Die Chinesen hatten Multis angeblich sogar noch viel früher entwickelt. Stationärrollen folgten erst sehr viel später. Multiplikator deshalb, weil die Spulendrehzahl höher ist als eine Umdrehung ...

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... mit der Kurbel.

Bei größeren Multis zum schweren Fischen sind niedrigere Übersetzungen oder 2-Gang-Modelle üblich.


1 Was ist die Übersetzung?

Die Übersetzungszahl gibt an, wie viele Spulenumdrehungen bei einer Kurbelumdrehung stattfinden. Bei einer Übersetzung von 5 zu 1 (5.0:1) etwa dreht sich die Spule fünf Mal bei einer Kurbelumdrehung. Je größer die erste Zahl, desto „schneller“ ist die Rolle. Wurfmultis, Baitcaster (siehe 7), haben in der Regel hohe Übersetzungen sogar bis über 8 zu 1 (!), weil sie zum Spinnfischen eingesetzt werden und da oft hohe Einholgeschwindigkeiten nötig sind. Die kleine, nur 220 Gramm schwere Curado DC 151XG von Shimano übersetzt beispielsweise mit 8,5 zu 1 und schafft damit pro Kurbelumdrehung einen Schnureinzug von 91 Zentimetern! Eine hohe Übersetzung ist aber gerade bei Großfisch- Multis nicht unbedingt praktisch: Denn es bedeutet ja auch, dass ich bei starkem Gegendruck des Fisches kaum noch Schnur auf die Rolle bekommen kann, weil die hohe Übersetzung da nicht gegen an kommt. Dafür sind einige größere Multi-Modelle mit zwei Gängen ausgestattet (siehe 6).

Bei einer Linkshand- Multi wird die Rute mit rechts gehalten, gedreht wird mit der linken Hand.


Bei Rechtshand-Multis läuft es umgekehrt. Nahezu alle „Big Game“-Multis gibt’s nur in dieser Rechtshandausführung.


2 Links- oder Rechtshand?

Rechtshand-Multis sind Rollen, bei denen die Kurbel mit der rechten Hand betätigt wird. Linkshand-Modelle werden entsprechend mit der linken Hand gedreht. Welche sollen Sie jetzt kaufen? Viele langjährige Stationärrollen-Angler in Westeuropa sind es gewohnt, mit links zu kurbeln. Als die Norwegenangelei viele in den Bann schlug, kamen diese mit den Multis, die bis in die 90er Jahre hauptsächlich mit rechts gekurbelt wurden, nicht gut zurecht. Erst nach und nach erkannte die Industrie diese Lücke und bot verstärkt Linkshandmodelle an. Heute gibt es sehr viele Modelle mit beiden Möglichkeiten. Ich habe mit WFT sogar einmal eine Multi entwickelt, die durch Umstellen eines Hebels sowohl rechts- wie auch linkshändig gekurbelt werden konnte. Wer die größte Auswahl an Multirollen haben möchte, sollte sich an das Kurbeln mit rechts gewöhnen. „Big Game“-Multis werden übrigens fast ausnahmslos traditionell mit der rechten Hand gekurbelt. Baitcaster dagegen sehr viel standardmäßig mit links. Interessant: In Südafrika beispielsweise oder auch Neuseeland drehen die Angler fast alle Rollen, auch Stationäre, mit der rechten Hand!

3 Schnurführung ja oder nein?

Kleine Multis wie Baitcaster – sowohl in der flachen Bauweise (Low Profile) als auch in der klassisch runden Form – sind eigentlich immer mit einer Schnurführung ausgestattet (engl.: Levelwind). Auch hier ist das bequeme Einholen mit größerer Geschwindigkeit der Grund dafür. Es wäre ziemlich umständlich, die Schnur bei diesem Tempo und den kleinen Rollen per Hand gleichmäßig verlegen zu wollen. Beim Werfen oder Ablassen bewegt sich bei vielen Baitcastern und auch bei größeren Multis die Schnurführung nicht mit. Beim Einholen dagegen schon. Bei kleinen Multis ist das nicht so tragisch, bei großen, breiten Multis dagegen kann das kritisch werden. Man spricht dann davon, dass die Schnurführung beim Schnurfreigeben nicht synchron arbeitet. Da kann es passieren, dass sich die freigegebende Schnur plötzlich gegenüber der Schnurführung auf der Spule befindet. Herrscht jetzt großer Druck – zum Beispiel bei einem Drill – wird die Schnur regelrecht abgeknickt und kann geschädigt werden – sogar das Schnurlaufröllchen kann kaputt gehen. Mein Tipp: Bei großen Multis entweder ein Modell ohne Schnurführung verwenden und die Schnur per Hand verlegen (gewöhnt man sich schnell dran) oder – wenn es denn eine Führung sein soll – ein Modell mit synchroner Führung wählen, welche auch beim Schnurablassen mitläuft. Bedenken Sie auch bei großen Multis, dass eine Schnurführung immer ein Detail ist, das sehr filigran ist und zu Fehlfunktionen neigt – besonders bei großem Druck oder hohen Geschwindigkeiten (Seelachs, Heilbutt, Big Game). Baitcaster sind prinzipiell mit Schnurführung ausgestattet (siehe oben).

Schnurführung bei einer großen Multirolle.


Tipp des Autors: Bei Multis für „starke“ Einsätze in Norwegen und anderswo besser auf die Schnurführung (Levelwind) verzichten!


4 Stern- oder Schiebebremse?

Multis mit Sternbremse und Schiebebremse.


Bei Rollen mit Sternbremse muss ein Knopf oder Hebel betätigt werden, um in den Freilauf gelangen und werfen zu können. Die Stellschraube für den Freilauf befindet sich bei diesem Modell hinter dem Sternrad.


Baitcaster sind fast immer mit Sternbremsen ausgestattet, weil diese sich feiner justieren lassen als eine Schiebebremse und es lässt sich besser werfen mit einem Freilauf, der unabhängig von der Bremse arbeitet. Größere Multis sind dagegen oft mit Schiebebremse ausgerüstet. Weil hier oft stärkere Kräfte wirken, ist es wichtig zu wissen, wie groß der aktuelle Bremsdruck aktuell eingestellt ist. In der Bremskraftkontrolle ist eine Schiebe- der Sternbremse deswegen deutlich überlegen. Dies ist auch der Grund, warum ich beim schweren Angeln etwa in Norwegen eine Schiebebremse bevorzuge. So weiß ich immer genau, wie stark sie eingestellt ist. Bei Sternbremsen wird die Bremse mit Hilfe des Sternrades durch Drehen eingestellt. Um Schnur freizugeben, muss ein separater Freilaufknopf oder -hebel gedrückt werden. Die Stärke des Freilaufs kann ich durch eine kleine Rändelschraube an der Seitenplatte der Multi bestimmen. Bei Schiebebremsen wird die Schnur dadurch freigegeben, dass ich den Bremshebel ganz nach unten ziehe – dort steht oft „free“ (Freilauf).

5 Wie wird die Schiebebremse voreingestellt?

Die Schiebebremse wird nur voreingestellt (preset), wenn der Bremshebel komplett auf Freilauf (free) steht. Die Rändelschraube für das Preset befindet sich auf dem Bremshebelansatz.


Schiebebremsen müssen vor dem Angeln voreingestellt werden (preset), um die Bremskraft für den Strike-Punkt zu bestimmen. Dieser „Anhieb-Punkt“ ist bei den meisten Modellen markiert. Beim Hochschieben des Bremshebels bleibt dieser an diesem Strike-Punkt hängen. In dieser Bremsstellung angeln wir und setzen den Anhieb. Während des Drills habe ich noch die Möglichkeit, den Hebel auf „Full“ zu stellen – also bis zum Anschlag nach oben oder vorn. Damit erhöhe ich die Bremswirkung bis zur Maximalleistung der Bremse beziehungsweise gemäß meiner Voreinstellung. Da wir in Norwegen meist mit Schnüren mit mehr als 20 Kilo Tragkraft auf größeren Multis fischen, stelle ich die Bremskraft am „Anhieb-Punkt“ so ein, dass ich gerade noch Schnur von der Rolle ziehen kann. Sie werden sich wundern, wie trotzdem noch die Schnur so von der Rolle fliegt, wenn da ein großer Seelachs flüchtet! Wichtig: Bei der Bremsvoreinstellung, die durch eine Rändelschraube am Ansatz des Bremshebels vorgenommen wird, muss der Bremshebel selbst komplett nach unten auf Freilauf gestellt werden! Sonst kann die Bremse nicht richtig justiert werden – sie kann sogar geschädigt werden! Um herauszufinden, ob ich den richtigen Bremsdruck gefunden habe, schiebe ich den Bremshebel so oft nach jedem Drehen der Rändelschraube bis zum Strike-Punkt, bis ich mit der Einstellung zufrieden bin.

6 Was sind 2-Gang-Multis?

Bei diesem Modell wird der niedrigere Gang durch Drücken eines schwarzen Knopfes am Kurbelgelenk eingestellt.


Um wieder in den höheren Gang (höhere Übersetzung) zu kommen, wird an der silbernen Schraube über dem Knopf kurz gedreht, dann springt der schwarze Knopf wieder raus und der höhere Gang ist „eingelegt“.


2-Gang-Modelle kommen nur bei großen Multis vor. Bei Leerfahrten kann ich mit der hohen Übersetzung schnell große Mengen Schnur einholen. Drille ich dagegen einen schweren Fisch, kann ich in den kleineren Gang, eine niedrigere Übersetzung, schalten, um überhaupt noch per Drehen Schnur auf die Rolle zu bekommen. Die „Gangschaltungen“ bei 2-Gang-Multis funktionieren je nach Modell unterschiedlich in ihrer Bedienung. Meist lässt sich das Umschalten mit der Hand bewerkstelligen, mit der auch die Kurbel gedreht wird, ohne die Finger von dieser nehmen zu müssen.

Große „Big Game“-Multis sind fast immer 2-Gang-Modelle.


7 Knarre rein, Knarre raus?

Multis zum Schleppen sollten mit einem Klicker ausgestattet sein.


Die Knarre oder der Klicker ist eine Funktion, die man oft bei größeren Multis mit und ohne Schnurführung findet – bei Baitcastern sind sie selten. Meist sorgt ein Plättchen aus Metall für das laute Klickergeräusch, wenn die Spule sich dreht. Dieses Plättchen oder ein Stift klackert auf einem der Antriebsritzel der Rolle und erzeugt einen „Alarmton“. Der ist zum Beispiel beim Schleppen wichtig, damit der Angler mitbekommt, wenn ein Fisch beißt. Oder beim Naturköderfischen oder Angeln mit der toten Rute, wenn die Rute in einem Rutenhalter an Bord steckt und nicht immer beobachtet wird. Die Knarre kann ein- und ausgestellt werden. Beim Einkurbeln mit oder ohne Fisch sollte sie ausgeschaltet werden, weil sie sich bei ständigem Gebrauch schneller abnutzen kann (je nach Bauweise). Filmer benutzen gern die Knarre beim Dreh, damit die Szene action-geladener wirkt.

8 Wofür eine Baitcaster?

Besonders zum feinfühligen Angeln auf Pollack sind Baitcaster top.


Die kleinen Multis gibt’s als Round und als Low Profile Rollen (rundes und flaches Profil). Baitcaster werden vornehmlich zum leichten bis mittleren Spinnfischen, im Süßwasser auch zum Werfen schwerer Köder wie Jerkbaits oder XXL-Gummifische eingesetzt. Beim Meeresangeln greifen Pollack- und Seelachsangler gern zu Baitcastern, weil sie einen sehr direkten Kontakt zu Köder und Fisch gewährleisten.

9 Wie werfen mit der Baitcaster?

Das Werfen mit Baitcastern erfordert einige Übung.


Das Werfen mit Baitcastern erfordert mehr Übung als das mit Stationärrollen. Denn die Spule dreht sich beim Werfen mit – dabei entstehen dann gern mal heftige Verwicklungen der Schnur. Es gibt zwei Systeme, um das zu verhindern: einmal eine magnetische Spulenbremse, deren Stärke mittels eines kleines Rädchens eingestellt wird. Sie bremst die Spule beim Wurf stärker oder schwächer ab, damit die Spule nicht überschlägt und eine Perücke produziert. Die Einstellung orientiert sich am Ködergewicht sowie am Wurfvermögen des Anglers. Bei der Fliehkraftbremse befinden sich mehrere kleine kleine Pins hinter einem Seitendeckel der Baitcaster. Je nachdem, wie hoch oder runter man sie schiebt, dreht sich die Spule leichter oder schwerer im Freilauf. Anfänger sollten den Freilauf so einstellen, dass die Spule träger wird – das kostet zwar Wurfweite, verhindert aber die nervigen Perücken. Je vertrauter der Angler mit der Baitcaster wird, desto freier darf die Spule drehen.

10 Was taugen E-Multis?

E-Multis erfreuen sich besonders bei der Tiefseeangel-Fraktion großer Beliebtheit.


Multis mit Schnurzähler verraten dem Angler jederzeit, in welchem Abstand von der Rute sich sein Köder/Fisch befindet – top zum Angeln im Mittelwasser oder beim Schleppen.


Elektrische Multirollen machen besonders dann Sinn, wenn in großen Tiefen ab 100 Metern mit schweren Gewichten ab 500 Gramm geangelt werden soll. Markenrollen von Daiwa und Shimano sind äußerst robust und halten bei ein bisschen Pflege jahrelang. Besonders bei Leerfahrten aus großen Tiefen ohne Fisch freut sich der Angler, dass die anstrengende Kurbelei elektrisch erledigt wird. Doch selbst der „elektrische“ Drill eines Fisches ist nicht unbedingt unsportlich. Beim langsamen Einkurbeln spürt man jede Bewegung des Fisches und stärkere Fische nehmen auch Schnur. Es ist also eher eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man elektrisch oder manuell kurbelt/kurbeln lässt. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ermöglicht eine E-Multi oft noch ein tolles Angeln, was manuell nicht möglich wäre. Desweiteren gibt es noch Multis mit elektrischen oder mechanischen Schnurzählern.


FOTOS: R. KORN

FOTO: MILAN BOCK