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Musik atmen


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Audio Test - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 30.09.2022

Audionet SAM 20 SE

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Bildquelle: Audio Test, Ausgabe 7/2022

Ende 2017 brachte Audionet zum 20-jährigen Firmenjubiläum den SAM 20 SE heraus. „Was? Das sind ja 5 Jahre! Warum testet ihr den Verstärker denn erst jetzt?“, fragt sich bestimmt der ein oder andere Leser. Die Antwort ist simpel: Richtig Gutes kann nicht alt werden und erst recht nicht, wenn es um Verstärker von Audionet geht. Immerhin sind die Berliner eine der Branchengrößen, an der kein High-Ender im Laufe seiner Passion vorbeikommt. Zudem entwickelt Audionet seine Geräte – oder Maschinen, wie das Unternehmen selbst über seine Produkte spricht – nicht mal so im Vorbeigehen. Sondern es steckt enorm viel Zeit, Technik und Arbeit in jedem Exemplar und jeder Serie. Deshalb ist der Audionet SAM 20 SE auch 2022 immer noch einer der Verstärker, die man einfach getestet haben muss. Und wir konnten eine der heiß begehrten Maschinen dafür ergattern, denn immerhin gibt es davon nur 200 ...

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... Stück auf dem Markt! Quality over quantity – wieder einmal.

Sechs Eingänge inkl. Phono

Der Jubiläums-Verstärker ist ein echter Analoger. Das bedeutet, wir versorgen ihn mit analogen Signalen von CD-Player, Schallplattenspieler oder DAC. Dabei müssen wir uns nicht in irgendeiner App registrieren, Netzwerke einrichten oder ähnliche nervige Vorarbeit leisten, wie es bei vielen anderen HiFi-Produkten heutzutage der Fall ist. Dafür schon einmal Danke an Audionet! Den SAM 20 SE stellen wir auf und können loslegen. Dabei haben wir die Möglichkeit, an vier Eingängen klassische „Cinch-Geräte“ anzubinden, wie CD-Player oder Kassettendeck (sofern man dies noch besitzt) oder einen DAC.

Eine kleine Anmerkung an dieser Stelle: Der SAM 20 SE ist zwar ein analoger Verstärker, nutzt aber trotzdem einen Mikroprozessor mit eigenem Netzteil. Dieser überwacht und steuert sämtliche Funktionen und gibt alle relevanten Informationen über ein dimmbares Display aus.

Des Weiteren gibt es einen symmetrischen XLR-Eingang. Hieran lassen sich hochwertige Streamer oder Ähnliches anschließen. Der Phono-Anschluss führt zu der integrierten Phonokarte mit neuen OPs in höchster Qualität und extrem rauscharmen sowie schnellen FET-Eingängen.

An Ausgängen finden wir einen Rec Out, um den Audionet mit einem Aufnahmesystem zu verbinden. Zudem ist ein Pre Out vorhanden. Hieran schließen wir entweder eine zusätzliche Endstufe oder einen Subwoofer an. Alle Ein- und Ausgänge sind auf der Rückseite untergebracht, wozu auch der Kopfhörerausgang zählt. Sehr praktisch: Dieser ist ein- und ausschaltbar. Somit können wir den Kopfhörer am Verstärker stecken lassen und trotzdem über die Lautsprecher Musik hören. Nicht unerwähnt lassen wollen wir noch den Audionet Link-Ausgang. Dank diesem verbinden wir andere Audionet-Maschinen mit dem SAM 20 SE und stellen beispielsweise mit nur einem Knopfdruck die gesamte Anlage an oder aus.

Steuerung mit Gewicht

Unter Design-Aspekten ist der Audionet Vollverstärker wahrhaft extrem minimalistisch. Es gibt nicht einmal den für die meisten Verstärker so typischen Drehregler für die Lautstärke. Nein, es sind lediglich vier Buttons an der Front untergebracht, über die wir das Volume steuern, ihn aus dem Standby holen und andere Einstellungen vornehmen. Das blau leuchtende Display gibt uns dann Auskunft darüber, welche Lautstärke anliegt, welcher Input aktiv ist und ob der Kopfhörerausgang bzw. die Lautsprecher ein- oder ausgeschaltet sind. Im Menü können wir dabei den Namen des Eingangskanals ändern, so wird etwa aus „Line Input 2“ ein „Chromecast“ oder was wir auch immer am Input 2 angeschlossen haben. Das Display wird übrigens auch rot-leuchtend angeboten.

Wer es gern bequem mag, der freut sich über die extrem hochwertige Fernbedienung. Sie besteht aus Metall und liegt schön wertig in der Hand. Ihre silbernen Buttons passen ideal in zum Auftritt des Amps und haben einen perfekten Druckpunkt. Wenn Sie so auf unserem Couchtisch liegt, könnte man meinen, jemand hätte ein Designobjekt dort liegen lassen. So gelungen ist sie. Mit der Fernbedienung können wir alle Funktionen des Verstärkers steuern und, sofern vorhanden, auch einen angeschlossenen Audionet CD-Player. Einziger kleiner Kritikpunkt: Um die Batterien einsetzen zu können, müssen wir sechs sehr kleine Schrauben an der Fernbedienung lösen. Ein einfach zu öffnendes Batteriefach wäre hier gewiss anwenderfreundlicher.

Die technische Seite

Nun steht Audionet seit jeher für hervorragende technische Innovation und bestmögliche Komponenten, wenn es um Audio-Geräte geht. Da ist es kein Wunder, dass die genutzten MOSFET-Leistungstransistoren einen extrem geringen Serienwiderstand aufweisen. Das sorgt für mehr und feinere Impulstreue. Der gekapselte und eingegossene 700 VA-Ringkerntrafo macht das Netzteil extrem potent und super schnell. Die neuen sehr niederohmigen und schnellen audio-grade Hauptsiebkondensatoren haben eine elektrische Kapazität von jeweils 15 000 μF. In Summe sind das 120 000 μF.

Zudem ist die Innenverkabelung des SAM 20 SE optimiert und alle Signalkabel bestehen aus Silber und Gold. Höchste Auflösung und Feinzeichnung sollte damit garantiert sein. Und es kommen ja auch noch hochwertige Glimmer-Kondensatoren an allen klangrelevanten Stellen zum Einsatz. Sie bestehen aus einem Naturmaterial, was für einzigartige Klangneutralität sorgt.

Doch nicht vergessen wollen wir die Leistung. Der Audionet kommt auf zweimal 110 Watt bei 8 Ohm. Bei 4 Ohm werden es zweimal 200 Watt. Das reicht wohl für die meisten Lautsprecher, die Mann oder Frau im Wohnzimmer stehen hat. Der Frequenzgang liegt zwischen Null und 500 000 Hertz bei –3 dB. Damit geht von Verstärkerseite aus jede HiRes-Musikwiedergabe mehr als nur klar.

Innereien

Beim Blick ins Innere offenbart sich die hervorragende Ingenieurskunst, die Audionet ja so legendär macht. Der erwähnte Ringkertrafo ruht absolut isoliert in seiner Ecke. Auch sonst sind wir begeistert, wie aufgeräumt und klar strukturiert es hier vonstatten geht. Diese Ordnung im Inneren wirkt sich dann auch auf die Ordnung im Klang aus. Wie genau, verraten wir gleich.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Phonokarte des SAM 20 SE. Sie beherrscht MM und MC-Tonabnehmer und wird mittels Jumper entsprechend eingestellt. Richtig gelesen, wir müssen den SAM 20 SE aufschrauben und direkt auf der Karte die Jumper in die korrekte Position stecken, damit das Signal des Plattenspielers bestmöglich aufgearbeitet wird. Jumper kennen sicher viele von uns aus den guten alten Tagen, als man PCs noch selbst zusammenschraubte und das Mainboard mittels Jumper anpassen musste. Wie die genaue Konfiguration der Jumper auf der Karte aussehen muss, entnehmen wir der ausführlichen und super verständlichen deutschen Anleitung.

Kopfhörerklang

Da wir in dieser Ausgabe der AUDIO TEST auch zwei Kopfhörer testen, schließen wir diese an den Audionet an. Sicherlich sind es keine typischen Kabelkopfhörer, doch wir können hier versichern, auch an jenem machen sie eine verdammt gute Figur. Aber das testen wir jetzt nicht, wir wollen wissen, wie der SAM 20 SE klingt. Zunächst müssen wir im Setup den Kopfhörerausgang aktivieren und dann laufen uns direkt Tränen in die Augen. Ja, es sind Freudentränen. Dieser Audionet macht aus der gerade laufenden ikonischen Komposition „Le Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky einen akustischen Leckerbissen der Oberliga. Wir hören die Instrumente atmen – wirklich – es ist ein äußerst faszinierendes Erlebnis, was der Kopfhörerverstärker des SAM 20 SE aus dem wohlbekannten Tonmaterial herauszuholen vermag. Da sind wir gleich gespannt, wie er sich an unseren Lautsprechern schlägt.

Musik atmen

Wir positionieren also die Perlisten S5t, die wir in der letzten AUDIO TEST Ausgabe genießen durften in unserem Testraum und verbinden sie mit dem SAM 20 SE. Wir spielen über unseren Cambridge-Streamer die HighRes-Datei, des eben erwähnten „Frühlingsopfers“, wie es zu deutsch heißt. Das kleine Schaudern, das uns dabei über die Schultern läuft, ist einer Tatsache geschuldet: Es ist unglaublich, wie der Audionet das Klassikwerk Strawinskys in den Testraum stellt. Selbst uns erfahrenen Audio-Testern, die schon viele, viele Verstärker hören durften, bleibt kurz die Spucke weg. Der Konzertsaal erwacht im Hörraum zum Leben. Wir hören und spüren, wie sich die Bläser nach vorne beugen, um ins Fagott zu blasen. Wie die Streicher ausholen, um die Bögen zu schwingen und die Flötisten zwischen dem Spiel atmen. Wir sind wirklich mittendrin. Alles wirkt wunderbar weit und luftig und dabei wahnsinnig echt.

Anders können wir es nicht beschreiben. Uns offenbart sich ein eigener Klangkosmos, denn wir auf keinem Fall verlassen wollen. Deshalb tauchen wir ein in die Filmmusik von Cliff Martinez. Der Komponist ist für seine elektronischen Flächenklänge, begleitet von perkussiven Stilelementen bekannt. Oft tritt dabei seine Musik in den Vordergrund und verdrängt den eigentlichen Film, wie etwa beim Horror-Thriller „The Neon Demon“. Dessen Theme „Neon Demon“ hören wir nun. Der geniale Bass, zu dem sich dieser hell klingende Synthesizer-Sound in einem wirklich weit wirkenden Hallraum gesellt – all das durchdringt uns. Die elektronischen Instrumente wirken dank des Audionet SAM 20 SE lebendig und greifbar. Übrigens nutzten wir für unseren Test die Audionet Gauss Kabelfüße, um unsere Lautsprecherkabel entsprechend zu lagern. Dank der Gauss konnten wir noch ein wenig mehr Luftigkeit in die Wiedergabe bringen und wie titelte Kollege Johannes Strom einst über die paramagnetischen Klangverbesser: „Nie mehr ohne!“. Wer gern mehr über die Kabelträger erfahren möchte, dem empfehlen wir unseren Testbericht zu den Audionet Gauss auf www.likehifi. de. Aber weiter im Hörtest: „My Baby Just Cares for Me“ mit der genialen Nina Simone ist unser nächster Ohrenschmaus, den wir dank des Audionet-Vollverstärkers genießen dürfen. Den Jazzklassiker hören wir in der 2019-Remaster-Version. Die ersten Pianotöne erklingen, das Schlagzeug setzt ein und Nina Simone beginnt zu singen. Sofort ist dieses typische Feeling da, genau das, was sich einstellt, wenn Mann oder Frau vergisst, dass es „nur“ eine Aufnahme ist, die da läuft. Wir schließen die Augen und schwelgen in dem Song, nicken mit dem Kopf, tippen mit den Füßen. Dabei sind uns Testdaten, Messprotokolle und alles andere egal: Wir sind sprichwörtlich mitten in der Musik und dieses Erlebnis lässt sich nicht mit Zahlen und Werten ausdrücken. Dieses Hör-Erlebnis muss sich einstellen und dafür, dass es sich einstellt ist der Audionet SAM 20 SE der absolute Garant.

FAZIT

Der SAM 20 SE ist für Audionet-Verhältnisse richtig preiswert und überzeugt uns klanglich auf ganzer Linie. Im Bereich der Verstärker bis 10 000 Euro werden sie keinen besseren und wahrhafteren Klangerzeuger finden. Einzig, dass man die Phonokarte an Jumpern im Inneren des Gerätes umstellen muss, erscheint uns ein wenig umständlich. Aber dafür ermöglicht der SAM 20 SE dem Nutzer zu erleben, wie Musik atmet. Dieses Klangerlebnis ist mit Geld kaum aufzuwiegen – „scientific magic“ halt.