Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Muss? Bullshit! Fang doch mal an zu wollen!


Erfolg Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 19.12.2018

Ranga Yogeshwar über Neugier und warum Wissenschaft mehr auf die Bühne gehört


INTERVIEW

Artikelbild für den Artikel "Muss? Bullshit! Fang doch mal an zu wollen!" aus der Ausgabe 1/2019 von Erfolg Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Erfolg Magazin, Ausgabe 1/2019

Wissenschaft kommt ja immer etwas nüchtern daher. Wäre es nicht für viele andere Bereiche, die recht emotionsaufgeladen und dadurch richtungslos diskutiert werde, gut, wenn man vieles im Leben etwas nüchterner zu betrachten versuchen würde?
Ja, und in den heutigen Zeiten haben wir sogar das Problem, dass viele einer gefühlten Wahrheit nachlaufen und sich nicht unbedingt an Fakten orientieren. Was große Debatten zum Thema Migration oder andere betrifft, wäre es sehr heilsam, wenn wir faktenorientiert wären. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Erfolg Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2019 von 5 Tipps. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
5 Tipps
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Make Royalty. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Make Royalty
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Die Geissens Unternehmertum im Blut. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Geissens Unternehmertum im Blut
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Mein Wille geschehe. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mein Wille geschehe
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Kenne die Interessen deines Verhandlungspartners. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kenne die Interessen deines Verhandlungspartners
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Erfolg. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Erfolg
Vorheriger Artikel
Erfolg
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Mit ADS zum Millionär Kollegah
aus dieser Ausgabe

Wissenschaft kommt ja immer etwas nüchtern daher. Wäre es nicht für viele andere Bereiche, die recht emotionsaufgeladen und dadurch richtungslos diskutiert werde, gut, wenn man vieles im Leben etwas nüchterner zu betrachten versuchen würde?
Ja, und in den heutigen Zeiten haben wir sogar das Problem, dass viele einer gefühlten Wahrheit nachlaufen und sich nicht unbedingt an Fakten orientieren. Was große Debatten zum Thema Migration oder andere betrifft, wäre es sehr heilsam, wenn wir faktenorientiert wären.

Menschen hinterfragen oft wenig. Ist das denn, aus Ihrer Lebenserfahrung gesehen, mit den Jahren schlimmer geworden?
Ich glaube nicht, dass Menschen wenig hinterfragen. Aber was viel wichtiger ist, ist die Vermittlung mitunter komplexer Zusammenhänge. Denn diese Welt ist komplex, deshalb ist sie übrigens auch schön. Das hat aber den Nachteil, dass man sie nicht in eineinhalb Sätzen erklären kann. Der Umgang mit Komplexität ist wohl eher das Hemmnis, aber dass Menschen Dinge hinterfragen, das sehe ich immer wieder.

Sie sind ja ein großer Bücherfreund. Meinen Sie, Bücher können die Menschen und damit die Welt verändern?
Manche Bücher können manche Menschen verändern. Wenn ich beispielsweise das neue Buch von Christoph Keese zum Thema Disruption endlich lesen darf, weiß ich, dass sein Ansinnen darin besteht, ein Land zu verändern, im Bezug auf die Veränderung neuer Dinge und den Umgang mit einem Fortschritt, der vielleicht auch manchmal die Kategorien des Alten verändert. Bücher können verändern, sind aber nur ein Mosaikstein in unserem Leben. Insofern muss man viele verschiedene Kanäle gleichzeitig nutzen.

Dann ist für Sie als altgedienten Fernsehmenschen wohl auch das Fernsehen ein solches Medium.
Auch das ist nur ein Mosaikstein. Wenn ich davon ausgehen würde, dass ich durchs Fernsehen wirklich was verändere, würde ich heute eine Depression bekommen, weil ich mich 30 Jahre für Dinge eingesetzt habe und jetzt feststelle, oh, es hat nichts genutzt. Nein, es gibt das Fernsehen, es gibt die Medien, es gibt Bücher, es gibt Freundeskreise und – was vielleicht noch wichtiger ist – die eigene persönliche Erfahrung. Es gibt einfach auch Menschen, die sagen, das habe ich probiert, das geht, und sie ändern was.

Viele Menschen glauben ja, dass Wissenschaftler immer die Schlauesten im Raum sind. Ist es nicht auch so, dass Wissenschaftler meistens die Neugierigsten sind?
Zuersteinmal hängt es vom Raum ab, also, wer ist noch im Raum. Manchmal stimmt es, dann sind Wissenschaftler die Schlauesten im Raum. Was die Neugier betrifft: Das ist die Basis der Wissenschaft, aber wir werden alle geboren mit einem Gen der Neugier. Gucken Sie sich ein kleines Kind an, das will alles erproben. Also insofern hängt es wirklich von der Besetzung des Raumes ab, den Sie in Ihrer Vorstellung grade sehen.

Das Ziel der Wissenschaft sollte ja auch eine Nähe zum Menschen sein. Haben Sie da aktuelle Erfahrungen, wie das an den Unis aussieht? Wächst die Wissenschaft näher zum Menschen hin oder sind das eher zwei geteilte Lager?
Das hängt doch ganz von der Wissenschaft ab. Nur zum Beispiel: Wenn Sie vor 100 Jahren krank geworden wären, wäre die Geschichte vielleicht nicht so gut ausgegangen, wie heute. Und dass sie heute besser ausgeht, hat damit zu tun, dass die Medizin durchaus Dinge ändern kann. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man näher am Menschen sein kann. Heute überlebt man auch einen Herzinfarkt, an dem man vor 100 Jahren sicher gestorben wäre.


Wir haben das Problem, dass viele einer gefühlten Wahrheit nachlaufen und sich nicht unbedingt an Fakten orientieren.


Okay, in Sachen Medizin haben sie offensichtlich recht. Aber gehen wir mal eher von erklärender Wissenschaft aus, wenn ich das mal unprofessionell so nennen darf. Wenn zum Beispiel jemand erklärt, wie das Geldsystem auf der Welt funktioniert oder sonst etwas, was der normale Mensch eigentlich nicht weiß. Ist es da nicht auch die Aufgabe der Wissenschaft zu versuchen, das in einfacher Sprache noch näher an den normalen Menschen heranzubringen, so dass er das auch mal versteht?
In den Reihen der Wissenschaft ist das nicht der Fall, dort gibt es keine Punkte oder Credits dafür. Ein guter Wissenschaftler kann, wenn er sich für eine Professur bewirbt, nicht sagen, ich habe aber da einen allgemeinverständlichen Vortrag gehalten oder dieses Kinderbuch geschrieben. Da zählt tatsächlich die harte Währung des wissenschaftlichen Publizierens, des Zitierens und so weiter. Aber es gibt natürlich die Notwendigkeit, dass Wissenschaftler sich da besser artikulieren. Vor einigen Jahren haben wir den sogenannten „Kommunikator-Preis der Wissenschaft“ hier in Deutschland aus der Taufe gehoben. Ich habe die Idee mit vorangebracht. Die Grundidee dabei ist, dass gute Wissenschaftler auch dafür ins Rampenlicht gestellt werden und sehr viel Geld bekommen, wenn sie gut erklären können. Aber man muss ehrlich sein. Es gibt einige Naturtalente und es gibt andere, die sind großartige Wissenschaftler, aber sie können es nicht. Sie haben es auch nie gelernt. Ich selbst bin Teilchenphysiker. Es gab keine Vorlesung „Kommunikationskompetenz“ oder ähnliches.

Julien Backhhaus unterhielt sich mit Ranga Yogeshwar darüber, wie Wissenschaft in die heutige Gesellschaft einfließen kann.


Gibt es ein Erfolgsprinzip, das Sie über die Jahre getragen hat, bei dem Sie sagen, davon weiche ich nicht ab?
Ja, sei offen für das Neue; habe Spaß an dem was du tust und denke dabei in einem größeren Kontext. Oft begegnet mir eine Haltung der Angst oder des Zwangs: Im Rahmen der Innovationsdebatten fällt das Wort „muss“ zu häufig. Deutschland muss aufholen, wir müssen digitaler werden…. Sowohl in den Reihen der Wirtschaft aber auch bei der Politik höre ich zu viel „Muss“ und zu wenig“ Kann“ oder „Wollen. Das ist schade, denn Innovation hat viel mit der Lust auf Neues zu tun. Damit meine ich nicht eine naive Fortschrittsgläubigkeit, sondern den reflektierten Fortschritt. Wir haben die Möglichkeit unsere Welt zu gestalten und hierin offenbaren sich großartige Chancen!