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MUSTANG MACH-E: FORD setzt auf das elektrische Pferd


arrive - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 31.01.2020

Ende 2020 bringt Ford den Mustang Mach-E nach Deutschland, mit tollem Cockpit, hoher Reichweite und zu einem konkurrenzlos niedrigen Preis.


Artikelbild für den Artikel "MUSTANG MACH-E: FORD setzt auf das elektrische Pferd" aus der Ausgabe 2/2020 von arrive. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: arrive, Ausgabe 2/2020

Charakteristische Rückleuchten, „wie immer mit drei Zähnen“.


Gänzlich ungewohnt für einen Ami-Klassiker: Die Ladeklappe.


Dass Ford seinen Mustang Mach-E in einem Hangar auf dem Flughafen von Hawthorne hunderten von Journalisten präsentiert, wo unmittelbar nebenan gerade der Firmenjet von Tesla-Chef Elon Musk parkte, weil dessen Raumfahrtunternehmen hier angesiedelt ist, dürfte vermutlich Zufall gewesen sein. Ebenso, dass Musk ausgerechnet während besagter ...

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... Ford-Veranstaltung mit seinem Firmen-Jet das Gelände verlassen haben soll.

Ob in schlechter Laune, ist nicht überliefert. Gründe dafür hätte er genug. Fords Elektroauto zielt direkt auf das Model Y von Tesla. Beide sollen Ende nächsten Jahres auf den Markt kommen. Und: Das Mustang-Cockpit mit seinem riesigen Bildschirm und dem puristischen wie coolen Layout ähnelt dem Model 3 so sehr, es hätte auch von den Tesla-Designern im Silicon Valley und nicht von den Kollegen in Dearborn gezeichnet sein können.

Der Mustang Mach-E ist das erste BEV (Battery Electric Vehicle) von Ford, das ausschließlich als solches entworfen wurde. Und ist Fords bislang größter Aufschlag in Sachen Elektromobilität. Der Mach-E, mit 4,71 Meter so lang wie ein Jaguar I-Pace, steht auf einer eigens konstruierten Plattform und soll weltweit vermarktet werden, in den USA genauso wie in China, Japan und Europa. Daher ging man beim Design auch keine Experimente ein, entschied sich für ein sportlich proportioniertes SUV im Mainstream-Look. „Mit dem Konzept eines Crossovers versucht Ford, eine möglichst große Kundengruppe anzusprechen“, sagt E-Mobilitäts-Experte Peter Fintl vom Beratungsunternehmen Altrans, „allerdings ist es fraglich, ob es mit dieser Karosserieform gelingt, aus der Masse herauszustechen und einen, auch im Vergleich zu den Modellen von Tesla oder Audi, deutlichen ‚Will-haben-Reflex‘ auszulösen.“

Den nötigen Schub an Emotionalität soll daher der Name Mustang bringen. So sind am Mach-E weder die blaue Ford-Pflaume noch der Schriftzug zu entdecken. Im Grill galoppiert das Pferd, und am Heck findet sich der wohl markanteste Bezug zum Original der 60er-Jahre: die dreigeteilten Rückleuchten.

Dass es zum Namen Mustang überhaupt kam, war ursprünglich nicht beabsichtigt. Ford plante, einfach nur ein Elektroauto zu bauen, um zukünftigen Gesetzesregelungen genügen zu können. Doch mit zunehmendem Entwicklungsprozess begannen auch die Diskussionen um eine geeignete Bezeichnung. „Wir wollten dem Fahrzeug eine Seele geben und es emotional aufladen“, sagt Bill Ford, Aufsichtsratsvorsitzender der Ford Motor Company. Der Urenkel des Autobauer-Pioniers löste damit sicher keine Begeisterungsstürme der eingefleischten Mustang-Fraktion aus, deren Welt sich um mächtige V8-Motoren in Muscle-Cars dreht. Doch weit gefehlt. „Wir haben sogar die volle Unterstützung des größten amerikanischen Mustang-Clubs“, sagt Ron Heiser, Chefingenieur des Mach-E.

Der Mach-E sieht dem „alten“ Mustang so ähnlich, dass sogar der größte amerikanische Mustang-Fan-Club seinen – wichtigen – Segen erteilt hat.


Klassiker mit Ansage: Kein Plattformauto, sondern ein „Einzelpferd“. Der Preis ist auch heiß: Ab 47.000 Euro soll es 2021 losgehen.


Doch würde heute ein Filmproduzent über ein Remake des Kinostreifens „Bullitt“ nachdenken, der Mustang Mach-E bekäme hier wohl eher nicht die Hauptrolle. Schwer vorstellbar, dass ein Elektroauto die legendäre Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco, die sich Steve McQueen als Lieutenant Frank Bullitt damals in einem Mustang Fastback GT V8 mit den Gangstern lieferte, überstanden hätte. Vermutlich wäre schon nach den ersten Sprung-Szenen das schwere Batteriepaket durchgeschlagen.

Zumindest aber bliebe der Mach-E nicht ohne Strom liegen. Die Entwickler spendierten ihrem elektrischen Wildpferd im Maximum eine Kapazität von 99 kWh. Sie soll 600 Kilometer Reichweite ermöglichen, sogar nach WLTP. Die Einstiegsversion wird 75 kWh bekommen, was für rund 450 Kilometer ausreichen dürfte.

Fahrten in Prototypen des Mach-E konnten wir bereits auf dem Beifahrersitz erleben. Doch auch dieses Erlebnis fördert nicht wirklich Neues zu Tage. Wie alle Elektroautos beschleunigt der unter Strom gesetzte Ford druckvoll, linear und geschmeidig. Wer die volle Power im Allrad-Topmodell GT, immerhin 342 KW und 830 Newtonmeter stark, abruft, ist in unter fünf Sekunden auf Tempo 100. „Im Porsche 911 GTS geht das nicht zügiger“, sagt Ted Cannis, Global Director Electrified Vehicles. Bei 160 km / h allerdings bremst die Elektronik den Mach-E ein. Der Stromverbrauch wäre unverhältnismäßig hoch. Nur heckangetrieben verfügt der Mach-E über 190 oder 210 kW, bei Allrad kommt ein vorderer E-Motor mit 50 kW hinzu. Die Systemleistung beträgt dann 248 kW und 581 Newtonmeter – immer noch eindrucksvolle Werte.

Auch ohne das Lenkrad selbst in den Händen zu halten, spürt man die recht straffe Fahrwerksabstimmung. Straßenfugen und andere Unebenheiten, wie sie besonders in Los Angeles, wo die Testfahrt stattfand, zum Alltag gehören, schlagen mitunter unkomfortabel durch. Einen Slalom-Parcours nimmt der Mach-E dafür umso souveräner. Und wer den Fahrmodus-Schalter auf „Unbridled“ (ungezügelt) stellt, bekommt sogar ein wenig was auf die Ohren. Das künstliche Geräusch täuscht tatsächlich einen sonoren aber dezenten Achtzylinder-Sound vor – authentisch komponiert, wie Ford betont.

Alte Zeiten, neue Zeiten. Letztere läuten nicht nur der E-Antrieb und das moderne Cockpit ein, sondern auch die ungewöhnlichen Türöffner. Klassische Griffe im Blech gibt es keine mehr. Ein leichter Tipp mit dem Zeigefinger auf einen runden Sensor an der Tür genügt und sie springt zirka zehn Zentimeter auf. Vorne ist zum weiteren Öffnen ein kleiner Haken am Fensterrahmen angebracht, hinten muss hinter den Blechfalz gegriffen werden. Ford meint, sogar Kinder kämen damit prima zurecht.

Auf Intuition setzt Ford auch im Innenraum. Wie bereits erwähnt, gleicht das Cockpit sehr dem im Tesla Model 3. Alles dreht sich um den riesigen Bildschirm. Darstellung und Rechnergeschwindigkeit sind top. Wer mit einem Smartphone vertraut ist, muss auch im Mach-E keine Probleme mit der Bedienung haben. Einzigartig aber ist das physische Rändelrad zur Lautstärkenregelung. Es sitzt unmittelbar auf dem Glas des Displays. „Unsere Kundenbefragungen ergaben, dass man keine Touch-Bedienung mit Plus- oder Minus-Symbol und auch keine Slider-Funktion haben wollte“, verriet uns Darren Palmer, Programm-Chef Produktentwicklung.

Der Mustang Mach-E ist noch nicht auf dem Markt, doch schon tauchen Fragen auf, wie es weitergeht bei Ford in Sachen Elektromobilität? Tatsache ist, das Modell wird ein einsames Pferd bleiben. Derivate auf dieser Plattform sind nicht vorgesehen. Als in Dearborn 2015 mit dem Mach-E-Konzept begonnen wurde, hatte dort niemand eine Vorstellung, dass man einmal eine Elektro-Kooperation mit Volkswagen eingehen würde. Von den Wolfsburgern kaufen die Amis die Technik des Modularen Elektrik-Baukastens MEB und richten hierfür ihre Produktionsanlagen aus. Das ist deutlich günstiger, als abermals für Milliarden von Dollar eine eigene Plattform zu entwickeln. Die ersten MEB-Modelle von Ford sind für 2023 avisiert – den Namen Mustang werden diese Modelle nicht tragen.

Tesla-Werte für die Reichweite: Der Mustang Mach-E soll schon in der Einstiegsversion deutlich über 450 Kilometer weit fahren können.


Fotos: Ford

Fotos: Ford