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Mutprobe: GROSSWERDEN!


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familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 06.10.2022
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SEXUELLE BELÄSTIGUNG IN ONLINESPIELEN

Kinder- und Jugendliche verbringen viel Zeit vor Konsole, Laptop oder Smartphone. Dabei stehen Spiele, die online mit oder gegen andere Spieler und Spielerinnen gespielt werden können, hoch im Kurs.

Mittels Cybergrooming geben sich Kriminelle gezielt online als Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene aus und versuchen so, sich das Vertrauen von Kindern oder Jugendlichen zu erschleichen. Ihre Absicht dahinter ist meist eine sexuelle Belästigung, warnt Kriminaloberrat Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

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„Eltern können hier von technischer Seite her vorbeugen, indem sie Sicherheitseinstellungen aktivieren, die von ihrem Nachwuchs nicht mehr verändert werden können.“

Kriminaloberrat Harald Schmidt, Leiter der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Täter nehmen zudem Kontakt in den vielen Foren und bei Let´s Plays auf, die sich auch mit Fortnite beschäftigen. Ob auf YouTube, TikTok oder Twitch, Fortnite taucht überall auf. Das vermeintliche gemeinsame Interesse an Fortnite verbindet und bietet Gesprächsgrundlage für eine leichte Kontaktaufnahme.

Tipps, wie Kinder oder Jugendliche Cybergrooming selbst erkennen können:

Werdet misstrauisch, wenn eine Online-Bekanntschaft folgende Dinge tut:

viele Komplimente macht,

für alles Verständnis hat,

bemüht jugendliche Sprache nutzt,

anbietet, Fotos zu machen, oder auch

fragt, ob Du alleine chattest,

persönliche Daten und Bilder verlangt,

ein unglaubwürdiges Profil ohne Fotos hat,

Dich bittet, die Webcam einzuschalten und die eigene aus lässt,

verlangt, niemandem von den Gesprächen und dem Kontakt zu berichten,

von einer Plattform zu einem Messenger wechseln möchte oder sich sogar heimlich treffen möchte.

Mehr Tipps für Eltern und Kinder gibt es in den Broschüren „Onlinetipps für Groß und Klein“ und „Klicks-Momente für Internetnutzer“ oder auf unseren Internetseiten www.polizei-beratung.de und www.polizeifuerdich.de

„Neugierig und offen sein!“

Warum Naturerlebnisse für Kinder besonders wertvoll sind, erklärt die Biologin und„Naturvermittlerin“ Dr. Johanna Prinz. Lust darauf macht ihr gemeinsamer Blog mit der Autorin Karolin Küntzel: www.hallimasch-und-mollymauk.de

familie&co: Warum ist die Natur als Erlebnisraum so wichtig?

Dr. Johanna Prinz: Kinder haben einen großen Taten- und Erlebnisdrang, den sie dort wunderbar ausleben können. Beim Rennen, Klettern, Fühlen, Hören, Riechen können sie sich vielfältig ausprobieren und ihre Sinne schulen. Das kann ein Tag im Freizeitpark nicht ersetzen. Denn im Gegensatz zu künstlichen Welten gibt die Natur nichts vor, stattdessen ist die eigene Fantasie gefragt.

Welche Kompetenzen fördert das Spielen in der Natur?

Kinder lernen auf natürliche Weise, sich an Regeln zu halten, um der Natur mit Umsicht und Respekt zu begegnen. Sie lernen, dass sie sich vor giftigen Pflanzen in Acht nehmen müssen oder dass man sich an der rauen Rinde mancher Bäume wehtun kann. Und sie lernen, andere Lebewesen mit Vorsicht zu behandeln. Wenn ich einen Schmetterling anfasse, kann ihn das verletzen – das zu verstehen, schult die Empathie.

Ihre Tipps für Naturerlebnisse in der Familie?

Vor allem sollte man sich Zeit nehmen und nicht zu viel planen. Seien Sie gemeinsam neugierig auf das, was kommt. Es ist nicht so wichtig, den gesamten Erlebnispfad zu schaffen, ein schillernder Käfer am Wegesrand ist Wunder genug! Um die Aufmerksamkeit der Kinder zu schärfen, kann man z. B. Pflanzen sammeln oder Tiere fotografieren und zeichnen und zu Hause bestimmen.

Hast du auch eine Tüte für die nassen Sachen?“, fragt Bens Mutter und späht unwillkürlich in die gepackte Badetasche ihres Sohnes. Ben, 10 Jahre alt, verdreht in gespielter Genervtheit die Augen: „Jaaa Mama! Und die 3,50 für den Eintritt und die Sonnencreme auch. Ich bin doch kein Baby!“ Ben darf heute zum ersten Mal ohne einen Erwachsenen ins Freibad, nur sein Freund Luis kommt mit. Seine Mutter war einverstanden, weil er den Weg genau kennt und den Freischwimmer hat. Jetzt, wo der Moment gekommen ist, wird ihr aber doch ein wenig mulmig zumute und durch ihren Kopf rauschen Fantasien, was alles schiefgehen könnte. Und auch Ben fühlt sich nicht ganz so mutig, wie er behauptet. Als die Haustür hinter ihm zugeht, muss es erst mal tief durchatmen – und ist ganz froh, als gleich darauf Luis auftaucht.

Immer neue Abenteuer

Es sind Momente wie diese, die Eltern und ihre Kinder während des Großwerdens immer wieder bewältigen müssen. Denn mit seinen kognitiven und motorischen Fähigkeiten wachsen mit zunehmendem Alter auch die Aufgaben, die ein Kind bewältigen muss – und will: Irgendwann ist es einfach Zeit für die ersten eigenen Schritte, fürs alleine Rutschen, den selbstständigen Gang zum Bäcker. Die Sozialpädagogin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Gunda Frey macht Vätern und Müttern Mut, ihre Kinder voller Vertrauen in solche Situationen zu schicken: „Alle Eltern wollen ihr Kind beschützen. Aber wer sich von seiner Angst leiten lässt und sein Kind vor allen Risiken bewahrt, verwehrt ihm wichtige Lernerfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten.“ Das diene am Ende der eigenen Bedürfnisbefriedigung. „Zudem riskieren ängstliche Eltern, dass sich ihre Angst auf ihr Kind überträgt – oder dass es sich seine Herausforderungen heimlich sucht, etwa in Form von Mutproben“, so die TV-Expertin und Fachautorin (Gunda Frey: Kindern geben, was sie brauchen. Kösel, 20 Euro).

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Unersetzbar: eigene Erfahrungen

Mehr Gelassenheit wäre also häufig angeraten, doch wie findet man dahin? „Ich rate allen Eltern, kurz innezuhalten, bevor sie etwas verbieten oder in einer Situation des kindlichen Sich-Ausprobierens einschreiten. Fragen Sie sich, wie groß die Gefahr ist, die Sie gerade verhindern wollen. Was könnte im schlimmsten Fall eigentlich passieren? Ein Kind stochert mit einem Stöckchen im Lagerfeuer, was wäre so katastrophal daran, wenn es sich dabei die Finger verbrennt?“, so Gunda Frey. Doch was ist, wenn der Nachwuchs etwas ausprobieren will, das zum Scheitern verurteilt ist, vielleicht sogar negative Konsequenzen hat? Müssen wir nicht einschreiten, wenn der Ast, auf dem unser Kind balanciert, zu dünn ist? „So lange es nicht lebensgefährlich ist: machen lassen! Im Grunde weiß doch jeder, dass wir aus der eigenen Erfahrung am meisten lernen“, so der Appell von Gunda Frey. Wer einmal so richtig gefroren habe, weil er partout keine Jacke anziehen wollte, lerne daraus schließlich mehr, als aus tausend Worten. Wichtig sei, das Kind mit den Konsequenzen seines Handelns zu konfrontieren und nicht immer den Daumen dazwischen zu halten. Stattdessen rät die Expertin zur gemeinsamen Fehleranalyse: „Ist ein Kind mit einem Experiment gescheitert, sollten wir es ohne große Aufregung beiseite nehmen und mit ihm besprechen, was da schiefgelaufen ist und warum.“

Kinder (kalkulierten) Risiken aussetzen, sie Fehler machen und damit auch mal ordentlich gegen die Wand laufen lassen – und das möglichst ohne viel Gezeter und Tamtam: was für manche Eltern gewöhnungsbedürftig klingen mag, erweist sich bei näherem Hinsehen als beste Prophylaxe vor weit größere Gefahren. Schon deshalb, weil Kinder, die viel ausprobieren dürfen, auch mehr Routine in Situationen des Alltags entwickeln. Ein Kind, das sich z. B. regelmäßig selbstständig in der Stadt bewegt, lernt dabei, sich zurechtzufinden, den Verkehr richtig einzuschätzen und sichere Wege zu wählen. So hat es ein niedrigeres Risiko, sich zu verlaufen oder in einen Unfall verwickelt zu werden, als eines, das meist im „Taxi Mama“ unterwegs ist.

Vertrauen ist der beste Schutz

Ein weiterer Punkt: Gelassen reagierende Eltern haben bessere Chancen, dass ihr Kind zu ihnen kommt, wenn es verunsichert ist oder Schwieriges zu besprechen hat. Schließlich ist es gar nicht so einfach, zu Hause davon zu erzählen, dass auf dem Pausenhof Horrorvideos auf dem Smartphone geschaut werden oder andere Kinder gefährliche Mutproben verlangen. Erst recht nicht, wenn jedes Mal maximale Aufregung droht. Besser ist, in solchen Momenten tief Luft zu holen, dem Kind zu danken, dass es zu einem gekommen ist – und dann genau nachzufragen: „Ihr steigt also immer über einen Zaun, um an einem Teich zu spielen? Weißt du, warum man da nicht hindarf? Was spielt ihr da…? So muss das Kind nicht allein entscheiden, was noch im Rahmen und was einfach zu gefährlich ist.

Doch was ist, wenn der Nachwuchs mit „dummem Zeug“ mal nicht zu uns kommt? Wenn eine Gruppe Gleichaltriger Druck ausübt – und ihn so dazu bringen könnte, etwas Unvernünftiges zu tun, das er im Grunde gar nicht will? „Der beste Schutz ist, Kinder gestärkt in die Welt zu schicken. Wenn sie spüren, dass ihre Eltern ihnen viel Zutrauen entgegenbringen, dass sie ernst genommen und gehört werden, gehen sie selbstbewusst in Situationen, in denen sie dem Druck einer Gruppe ausgeliefert sind. Sie haben gelernt, dass ihre Meinung etwas zählt und finden deshalb den Mut, auch mal Nein zu sagen“, so Gunda Frey. Und auf jeden Fall wissen sie, dass – auch wenn der Ärger mit anderen noch so groß ist – zu Hause eine Familie wartet, die zu ihnen hält.

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www.abenteuerspielplatz.de ?

Kinder halten das Internet oft für einen riesigen Abenteuerspielplatz. Doch beim belanglosen Anklicken von Videos stoßen sie möglcherweise auch auf Verstörendes. Soziale Medien wie WhatsApp oder Instagram wirken harmloser, erzeugen aber oft großen Druck. Fast alle Mitschüler sind hier in Gruppen organisiert – wer nicht ständig am Ball bleibt, wird zum Außenseiter. Ohnehin befördert das virtuelle Miteinander die Ausgrenzung einzelner, praktisch alle Heranwachsenden werden irgendwann mit dem Phänomen „Cybermobbing“ konfrontiert. Sprechen Sie deshalb frühzeitig mit Ihrem Kind über Mobbing und Risiken des Surfens, vor allem, wenn Sie negative Verhaltensänderungen wie Schulunlust oder psychosomatische Probleme bemerken. Fundierte Infos und Tipps: www.schau-hin.info/cybermobbing

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