Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

MYANMAR TAUCHSAFARI: WIEDERENTDECKT


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 10.08.2018

Unerwartet fischreich und farbenfroh, dazu fast immer alleine am Riff! Als derzeit einziges deutsches Tauchsafarischiff erobert die „Bavaria“ Neuland inMyanmar. TAUCHEN -Autor Wolfgang Pölzer ging auf Entdeckungsreise.


Artikelbild für den Artikel "MYANMAR TAUCHSAFARI: WIEDERENTDECKT" aus der Ausgabe 90/2018 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Leuchtende Pinktöne: Der Skorpionfisch und die Weichkoralle liefern sich ein Farbduell.


Die „Bavaria“ geht mit maximal 24 Tauchgästen auf Tour – und in Myanmar hat man die Spots dann für sich allein.


ALLE FOTOS: W. PÖLZER

Im Heißluftballon über Jahrhunderte alte Pagoden zu schweben – dafür ist Myanmar bekannt und heute selbst bei Pauschaltouristen beliebt. Vor über 20 Jahren galten auch die ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von TAUCHEN. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 90/2018 von FRIEDRICHSHAFEN: MESSE FÜR TAUCHER!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FRIEDRICHSHAFEN: MESSE FÜR TAUCHER!
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von HÖHLENRETTUNG IN THAILAND: DIE STUNDE DER TAUCHER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HÖHLENRETTUNG IN THAILAND: DIE STUNDE DER TAUCHER
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von DAS GROSSE: GEWINNSPIEL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAS GROSSE: GEWINNSPIEL
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von SPANIEN GRAN CANARIA: GROSSE TRÄUME IM KLEINEN FISCHERORT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SPANIEN GRAN CANARIA: GROSSE TRÄUME IM KLEINEN FISCHERORT
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von OMAN MUSANDAM: TAUCHEXPEDITION VOR MUSANDAM: UNBEKANNTE GEWÄSSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
OMAN MUSANDAM: TAUCHEXPEDITION VOR MUSANDAM: UNBEKANNTE GEWÄSSER
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von MALAWI SÜSSWASSER: DER MALAWISEE: AFRIKAS EXOT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MALAWI SÜSSWASSER: DER MALAWISEE: AFRIKAS EXOT
Vorheriger Artikel
SPANIEN GRAN CANARIA: GROSSE TRÄUME IM KLEINEN FISCHERORT
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel OMAN MUSANDAM: TAUCHEXPEDITION VOR MUSANDAM: UNBEKANNTE GEWÄ…
aus dieser Ausgabe

... Burma Banks, eine Gruppe von weit vorgelagerten Untiefen, mit ihren großen Haipopulationen als beliebtes Tauchziel und wurden oft im Rahmen von Thailandsafaris angesteuert. Doch nachdem Fischer für ein kurzzeitig lukratives Geschäft die Haie abgeschlachtet hatten, geriet das buddhistische Land als Tauchdestination in Vergessenheit. Doch das wird sich jetzt ändern.

Wenige Bootsstunden nordwestlich der thailändischen Grenze geht’s endlich ins Wasser. Die Sicht hält sich in Grenzen, doch der Fischreichtum ist verblüffend. Rund um die kleine Felsinsel tobt das Leben! Dichte Schwärme von golden leuchtenden Kardinalfischen drängen sich unter einen lang gezogenen Überhang, davor wuseln unzählige farbenfrohe Schnapper, Füsiliere, Riffbarsche und Kaiserfische herum. Auch auffallend viele, teils bildhübsche Zackenbarsche, kleine Muränen und stoisch dahockende Eidechsenfische entdecken wir. Und dazwischen jede Menge Anemonen mit vier verschiedenen Arten von Clownfischen, wovon besonders der Glühkohlen-Anemonenfisch ins Auge sticht. Ganz dem Namen getreu wird sein rabenschwarzer Fleck von knalligem Orange umrahmt. Der nur in der Andamanensee vorkommende Geselle ist nicht nur auffällig, sondern auch der einzige Anemonenfisch ohne weiße Streifen.

Am Black Rock bringt aufströmendes Tiefenwasser Plankton mit – für Mantarochen der reinste Festschmaus!


Mit perfekt schwarz umsäumten Volants: Prachtsternschnecke.


DIE ANKUNFT DER MANTAROCHEN

Wir sind fast die ganze Nacht lang durchgefahren und steuern einen der absoluten Topspots der Tour an. Zumindest bringt alleine schon sein Name die Augen der Diveguides zum Leuchten: Black Rock. Inmitten der weitflächigen Anadamanensee erhebt sich hier ganz einsam und alleine ein schroffes Inselchen. Die lang gezogene Felsformation aus schwarzem Vulkangestein erinnert an die Ruinen einer überdimensionalen Ritterburg, deren Wände senkrecht im tiefblauen Meer verschwinden.

Im frühmorgendlichen Dämmerlicht wirkt die Szenerie im kristallklaren Wasser fast schon etwas surreal: Prächtige Weichkorallen in den verschiedensten Rottönen überwuchern die stufenförmig abfallenden Felswände. Davor jagt ein Trupp Stachelmakrelen ungestüm durch eine Schule metallisch glitzernder Füsiliere, und hungrige Rotfeuerfische bahnen sich einen Weg durch unglaublich dichte Wolken von fingerlangen Ährenfischen. Die nachtaktiven Planktonjäger versammeln sich nun wieder nahe am Riff, um im Schutz von gewaltigen Schwärmen den Tag zu verbringen. Dazwischen hocken auffallend viele riesige Drachenköpfe, die sich wie im Schlaraffenland fühlen müssen. Etwas abseits, an einer strömungsreichen Ecke, kreist ein stattlicher Barrakudaschwarm, doch das eigentliche Highlight lässt noch auf sich warten.

Immer wieder schweifen unsere Blicke weg vom Riff und Richtung Oberfläche und versuchen, das zunehmend heller werdende Blau zu durchdringen. Dann ist es endlich so weit. Zuerst sind nur große Schatten in der Ferne auszumachen, die sich jedoch Augenblicke später als Mantas bestätigen. Mit einer Eleganz, die man den riesigen Rochen kaum zutrauen würde, gleiten sie heran. Nur wenige Meter entfernt schweben zwei an uns vorüber, scheinen mehr wie Raubvögel im Aufwind zu segeln als aktiv zu schwimmen, ziehen eine Schleife und nehmen direkten Kurs auf uns. Erst im allerletzten Moment drehen sie ab und steuern schnurstracks mitten in unsere Luftblasen hinein, lassen unsere aufsteigende Ausatemluft über ihren Bauch strömen. Sie suhlen sich regelrecht darin, suchen jedoch nach wenigen Sekunden mit akrobatischen Kapriolen das Weite.

Abermals vergehen Minuten des Wartens. Obwohl das Riff so farbenprächtig und fischreich ist, traut sich keiner, das Freiwasser zu verlassen. „Eigentlich jammerschade“, klagt uns Markus Egginger später zurück auf der „Bavaria“ sein Leid. „Das Riff hier ist wesentlich schöner als die Similan-Inseln vor 20 Jahren – nur keiner will es ansehen, um ja keinen Manta zu verpassen.“ Der gebürtige Niederbayer betreibt seit 15 Jahren eine Tauchbasis in Thailand und bietet Tauchkreuzfahrten zu den Klassikern wie die Similans und Richelieu Rock an. Mit seinem eigenen Schiff hat er sich einen weiteren Traum erfüllt und kann nun abseits der Massen Neuland entdecken.

Das Tauchen steckt in Myanmar vor allem wegen bürokratischer Hürden noch in den Kinderschuhen. So muss beispielsweise auf jeder der Touren ein burmesischer Beamter mit an Bord sein und alle Aktivitäten genauestens dokumentieren. Nicht weiter verwunderlich, dass bislang lediglich eine Handvoll Tauchsafariboote operieren und die „Bavaria“ von Markus bislang das einzige deutsche Schiff hier ist.

IM GROSSFISCHFIEBER

Die drei weiteren Tauchgänge des Tages bescheren uns jedes Mal erneut tolle Manta-Begegnungen und bestätigen Black Rock als absoluten Topspot. Keine Putzerstationen, sondern aufströmendes Tiefenwasser, vollgepackt mit jeder Menge leckerem Plankton, lockt die großen Rochen beständig zu dieser Felsinsel. Da das trübe grüne Tiefenwasser jedoch nur gelegentlich bis in die obersten Wasserschichten hochwallt, bleibt die Sicht zu unserer Freude meist hervorragend. Auch die folgenden Tage auf dem Weg zurück Richtung Süden können wir über die Sichtweiten nicht klagen. Granitformationen in mittleren Wassertiefen mit riesigen Blöcken, Plateaus, Tunnel, Torbögen und Spalten, aber auch beeindruckenden Steilwänden prägen das Bild. An manchen Tauchplätzen drängt sich der Vergleich zu kunstvoll

Prachtvolle Korallenfächer wachsen an den Wänden.


So etwa auch wie bei Twin Cheeks, einer stufenförmig abfallenden Untiefe zwischen 12 und 30 Meter. Der meist gut umströmte Unterwasserhügel strotzt nur so von Weichkorallen, die im Lampenlicht in den verschiedensten Rottönen erstrahlen. Dabei stehen die buschigen Nesseltiere so dicht an dicht, dass man die massenhaft vorkommenden, oft unterarmlangen Drachenköpfe fast übersieht. Eine riesige Wolke aus Ährenfischen ist ein weiteres eindrucksvolles Schauspiel. Wer die an Glasfische erinnernden Schwärme liebt, ist hier genau richtig! Unser fotografisches Highlight sind jedoch drei Riesensepien die sich aus nächster Nähe ablichten lassen.

Farbenfrohe Nacktschnecken, bizarre Garnelen, bunt irisierende Kalmare, Porzellan- und Fangschreckenkrebse, ja sogar Geisterpfeifenfische und das ein oder andere auffallend große Seepferdchen begegnen uns die nächsten Tage noch. Das wirklich Schöne neben dem großen Fischreichtum ist jedoch, dass die meisten Spots unberührt wirken. Kein Wunder: Andere Taucher sucht man hier vergeblich.

Flottes Krebschen: Harlekin-Garnelen haben ein unverkennbares Fleckenmuster.


Unser Fazit: Die sehenswerten, sehr fischreichen Tauchspots in einem Land, das erst langsam beginnt, seine Pforten für den (Tauch-) Tourismus zu öffnen, begeistern. Vor allem für Thailandkenner ist Myanmar eine tolle Alternative!

Gänzlich ins Liebesspiel vertieft: Die drei Sepien ließen sich von den Tauchern nicht aus der Ruhe bringen.


REISE-FACTS

Gut gelaunt: die Crew auf der „Bavaria“ (links). Die Heckansicht beweist: Auf dem Schiff ist reichlich Platz.


DAS SCHIFF

Baujahr: 2016 Länge: 28 Meter
Kabinen: 12 Doppelkabinen mit Klimaanlage in drei verschiedenen Kategorien. Die beiden Standardkabinen besitzen kein eigenes Bad und teilen sich die beiden Duschen/ WCs auf dem Tauchdeck.

TAUCHEN

Getaucht wird vom Hauptschiff aus (bis zu 4 Mal täglich).
Maximaltiefe: 30 Meter, keine Dekotauchgänge
Anzug: 3-bis 5-mm-Nassanzug, die Wassertemperaturen schwanken von 26 Grad im Januar bis zu 30 Grad im Mai.
Reisezeit: Saison ist von Mitte Oktober bis Mitte Mai. Von Januar bis Mitte Mai sind die Sichtweiten am besten.
Tauchgenehmigung: die Extrakosten für Visum und Tauchgebühren betragen 187 Euro.
Nitrox: 77 Euro pro Tour
Touren: Die 7-tägigen Myanmartouren erfolgen ab/bis Ranong, einer thailändischen Grenzstadt drei Autostunden nördlich von Khao Lak und führen ins Mergui-Archipel. Zusätzlich werden auch 7-Tage-Touren in Thailand ab/ bis Khao Lak angeboten. Info: Loma Diving, www.lomadiving.com

PREISBEISPIEL

Eine Tauchsafari mit 6 Nächten an Bord kostet inkl. Flug, Vollpension, Trinkwasser, Tee, Kaffee, bis zu 4 Tauchgängen/ Tag (inkl. Flasche & Blei), Transfers sowie zwei Hotelnächten in Khao Lak ab 1883 Euro. Info: Action Sport, www. action-sport.de

ALLGEMEINE INFOS

Einreise: Für die Einreise nach Thailand ist ein Reisepass nötig (mindestens noch 6 Monate gültig). Um die Einreiseformalitäten nach Myanmar kümmert sich die Tauchbasis.
Geld: Nebenkosten an Bord können nur bar in Thailändischen Baht, US-Dollar oder Euro bezahlt werden.