Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

„Nach dem Abstieg standen Sicherheits-Leute vor meiner Haustür“


Logo von Sport Bild
Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 22/2022 vom 01.06.2022

FRANK BAUMANN

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel "„Nach dem Abstieg standen Sicherheits-Leute vor meiner Haustür“" aus der Ausgabe 22/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 22/2022

Baumann ist seit 2016 Werder-Manager. Sein Vertrag läuft bis 2024. Als Spieler war er für Bremen von 1999 bis 2009 aktiv, gewann 2004 das Double und 2009 den DFB-Pokal

SPORT BILD: Herr Baumann, wie groß ist die Erleichterung nach dem sofortigen Wiederaufstieg von Werder Bremen?

FRANK BAUMANN (46): Es hat einige Tage gedauert, bis ich realisiert habe, was alles von mir abgefallen ist. Am Ende geht es aber nicht um mich, sondern um Werder. Das Überleben des Vereins stand im Vordergrund. Darum war es nach dem Abstieg vor einem Jahr wichtig, dass wir nie die Nerven verloren haben, als wir zum Beispiel 30 Millionen Euro Transfererlöse erzielen mussten, um die Liquidität zu sichern. Mit dem Aufstieg wurden wir belohnt.

Sie sind der Hauptverantwortliche für die Bundesliga-Rückkehr, 2021 waren Sie der Hauptschuldige für den ersten Abstieg seit 41 Jahren. Fans und die Öffentlichkeit kritisierten Sie hart, in den sozialen Netzwerken wurden Sie beschimpft.

Das war natürlich nicht schön. In der Nacht nach dem Abstieg standen Sicherheitsleute vor meiner ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Sport Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 22/2022 von Unmöglich, was Lewandowski macht!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unmöglich, was Lewandowski macht!
Titelbild der Ausgabe 22/2022 von LESER-MEINUNG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESER-MEINUNG
Titelbild der Ausgabe 22/2022 von Mané soll Brazzos Befreiungs-Schlag werden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mané soll Brazzos Befreiungs-Schlag werden
Titelbild der Ausgabe 22/2022 von Lewys bester Kumpel: Darum will er nur noch weg!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lewys bester Kumpel: Darum will er nur noch weg!
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Schalke-Boom soll für Top-Spieler sorgen
Vorheriger Artikel
Schalke-Boom soll für Top-Spieler sorgen
Bobic wollte Schwarz schon 2018 holen
Nächster Artikel
Bobic wollte Schwarz schon 2018 holen
Mehr Lesetipps

... Haustür, weil man nicht wusste, was eventuell passieren könnte. Vieles hatte auch Auswirkungen auf meine Familie, die in Bremen lebt, die in sozialen Netzwerken unterwegs ist und vieles mitbekam. Doch sie hat mir Kraft gegeben, in der schweren Zeit alles durchzustehen.

Dachten Sie an Rücktritt?

Wenn Familie noch größere Ausmaße angenommen hätte und sie dadurch noch mehr belastet worden wäre, dann hätte ich wohl nicht weitergemacht. Wobei ich grundsätzlich vor schwierigen Situationen und Entscheidungen der Druck auf meine nicht weglaufe. Das war schon während meiner Zeit als Spieler so. Als wir mit dem 1. FC Nürnberg 1996 aus der 2. Liga abstiegen, hatte ich mehrere Angebote aus der Bundesliga. Doch ich blieb, weil ich das Gefühl hatte, mit der Mannschaft wieder aufzusteigen – was uns gelang.

„Das ließ mich natürlich nicht kalt und war alles andere als schön“

Nach dem 1:4 gegen Paderborn gab es am 3. Spieltag lautstarke „Baumann raus“-Rufe von den Werder-Fans im eigenen Stadion. Dabei sind Sie Ehrenspielführer, gewannen mit dem Klub unter anderem 2004 das Double. Wie weh tat das?

Das ließ mich natürlich nicht kalt und war alles andere als schön. Das braucht man nicht wegzudiskutieren. In solchen Situationen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder zieht man die Konsequenzen und geht. Oder man steht es durch, weil man davon überzeugt ist, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. Ich war davon überzeugt, dass unser Plan aufgehen kann, auch wenn unser Start nach dem Umbruch schwierig war. Hinzu kam die Rückendeckung vom Verein. Das waren die beiden entscheidenden Kriterien für mich, nicht hinzuschmeißen.

Ei-ne der wichtigsten Entscheidungen war die Verpflichtung von Trainer Ole Werner als Nachfolger von Markus Anfang Ende November. Wie kamen Sie auf ihn?

Wir kannten ihn aufgrund seiner Tätigkeit bei Kiel natürlich schon länger, auch aus seiner Zeit im Nachwuchsbereich. Empfohlen wurde er mir dann aber zudem von Tim Borowski (gewann mit Baumann u. a. 2004 das Double, arbeitete bis 2021 als Co-Trainer für Werder; d. Red.). Beide absolvierten 2020 erfolgreich ihren Fußball-Lehrer. Als wir über die anderen Kurs-Teilnehmer sprachen, meinte Tim zu mir: Ole Werner sei ein spannender Kandidat. Er habe ein gutes Fußball-Verständnis, eine gute Vermittlungs-Kompetenz und sei als Typ sehr angenehm. Seitdem haben wir uns mit ihm beschäftigt.

Sein Vertrag läuft bis 2023. Wann wird dieser verlängert?

Als wir Ole verpflichteten, einigten wir uns auf einen Vertrag über eineinhalb Jahre plus Option. Wenn wir übernächste Saison in der 1. Liga spielen, dann verlängert sich der Kontrakt automatisch bis 2024. Für beide Seiten ist das eine sinnvolle Geschichte.

Niclas Füllkrugs Arbeitspapier läuft nächstes Jahr aus. Er erzielte vergangene Saison 19 Tore und möchte gerne bei Werder bleiben. Verlängern Sie?

Niclas Füllkrug kommt aus dem Werder-Internat, wurde hier Profi, identifiziert sich absolut mit dem Verein. Es ist wichtig, solche Spieler zu haben. Deswegen ist es gut vorstellbar, dass wir in absehbarer Zeit mit ihm und seinem Berater sprechen.

Haben Sie Bammel, Top-Torjäger Marvin Ducksch zu verlieren, der für Bremen 20 Treffer erzielte?

Er hat mit Werder sein Ziel erreicht: künftig in der 1. Liga zu spielen. Marvin fühlt sich bei uns sehr wohl, ich mache mir keine Sorgen, dass er uns jetzt verlässt.

Mit der Verpflichtung des ablösefreien Ex-Nationalspielers Niklas Stark von Hertha BSC hat Werder ein Ausrufezeichen gesetzt. Wie haben Sie ihn von Werder überzeugt?

Ich bin froh, dass wir Niklas von unserem Weg bei Werder überzeugen konnten und ihm in den Gesprächen aufzeigen konnten, was wir sportlich mit der Mannschaft und mit ihm vorhaben. Zudem sehen die Spieler, was sich im letzten Jahr bei Werder entwickelt hat. Die Bilder vom Aufstieg haben zudem gezeigt, wie eng die Bindung zwischen Stadt, Fans und Verein ist.

Was versprechen Sie sich von ihm?

Sportlich betrachtet hat Niklas bereits 200 Spiele in der Bundesliga absolviert und bringt somit viel Erfahrung mit. Er ist ein robuster, technisch guter Abwehrspieler, der in seiner Karriere schon einiges erlebt hat. Er war bei Hertha zeitweise Kapitän, war also dort Führungsspieler. Er kann auch bei uns eine wichtige Rolle einnehmen und uns sofort weiterhelfen.

Was erwartet Werder in der Bundesliga – und was erwarten Sie von Werder?

Auch wenn Schalke und Werder vom Namen keine typischen Aufsteiger sind, werden sie erst mal die Kleinen in der Liga sein – zumindest was unseren Etat betrifft. Wir werden ein Gehalts-Budget haben, mit dem wir auf einem Abstiegsplatz stehen.

Der Etat soll nach SPORT BILD-Info zwischen 27 und 30 Millionen Euro betragen. Bei Schalke sind es 36 bis 38 Millionen ...

Summen kommentiere ich nicht. Dazu wollen wir einen Transfer-Überschuss von einem mittleren einstelligen Millionen-Betrag erzielen, um die Konsolidierung weiter voranzutreiben. Deshalb geht es für uns in der neuen Saison darum, in der 1. Liga zu bleiben – ohne die Art und Weise unseres offensiven Fußballs zu verlieren.

Kann Werder jemals wieder an die großen Zeiten aus den 90er- oder frühen 2000er-Jahren anknüpfen?

Marco Bode (Ehrenspielführer und Ex-Aufsichtsrats-Chef bei Werder; d. Red.) hat ein Buch geschrieben, das letztens erschien mit der These: Werder kann nie mehr Deutscher Meister werden. Ich glaube auch, dass es zumindest auf absehbare Zeit nicht mehr möglich sein wird. Dafür haben andere Klubs viel bessere wirtschaftliche Voraussetzungen im Vergleich zu uns. Aber es bringt nichts, in die Ferne zu blicken.

Worauf blicken Sie?

Wir wollen den Verein im Verdrängungswettbewerb Bundesliga so weiterentwickeln, dass er sich wieder etabliert. Ich möchte mit spätestens 50 Jahren bei Werder aufhören und werde eine Auszeit nehmen. Der Entschluss steht auch nach dem Aufstieg. Bis dahin ist es mein Anspruch, den Klub sportlich und wirtschaftlich so gut aufzustellen, dass ich meinen Posten mit einem guten Gewissen an meinen Nachfolger übergeben kann.