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Nachbessern mit System


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Umbauen + Modernisieren - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 23.02.2022

Außendämmung erneuern

Artikelbild für den Artikel "Nachbessern mit System" aus der Ausgabe 4/2022 von Umbauen   Modernisieren. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Umbauen Modernisieren, Ausgabe 4/2022

Dämmplatten aus EPS, expandiertem Polystyrol: Sie enthalten Graphit, das die Dämmeigenschaften verbessert. Brillux

Wenn es grundsätzlich wird, das weiß man, wird das Bundesverfassungsgericht bemüht, selbst wenn der Anlass nur ein Streit unter Nachbarn ist. Ein Kölner Hauseigentümer war nicht damit einverstanden, dass die neue Außendämmung seiner Nachbarin ein paar Zentimeter in sein Grundstück ragen sollte. Das Land Nordrhein-Westfalen hätte es erlaubt, er sah dadurch seine Rechte und das Grundgesetz verletzt. Das sei hier nicht der Fall, meinten die Karlsruher Richter, er müsse den geringfügigen „Überbau“ dulden. Wärmeschutz gemäß Vorschrift habe Vorrang.

Gegen Kälte und Hitze

Allgemein ist der Gebäudebestand in Deutschland energetisch immer noch mangelhaft. Im Winter entkommt viel Wärme durch die Außenwände nach draußen, in Form von Wärmeleitung (Transmission) und von warmer Luft (Konvektion), durch undichte Stellen. Im Sommer gelangt sie auf dieselbe Weise ins Haus. Ein Effekt, der mit ...

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... zunehmender Klimaerhitzung vor allem in den Städten zum Problem werden wird. Spätestens seit den 1920er-Jahren aber ist das Gegenmittel bekannt: eine umfassende Außendämmung samt Abdichtung.

Wärmedämm-Verbundsystem

Zahlreiche Verfahren und Materialien zum Nachbessern sind vorhanden. Der am häufigsten eingesetzte synthetische Hartschaum, expandiertes Polystyrol oder EPS, oft mit dem Markennamen „Styropor“ bezeichnet, ist allerdings nur eingeschränkt druckfest und feuchtebeständig. Er wird daher vor allem an der Fassade verwendet, als Teil eines Wärmedämm-Verbundsystems (WDVS), geschützt hinter einem Armierungsvlies und zwei Putzschichten. Etwas robuster, druck- und feuchtebeständiger ist XPS, extrudiertes Polystyrol, geeignet auch für die Kellerdämmung. Genauso der Polyurethan-Hartschaum, der sich durch besseres Isoliervermögen auszeichnet: man braucht für den selben Dämmwert geringere Dicken. Neben EPS am beliebtesten ist Mineralwolle, aus Basalt, Diabas und anderen Materialien hergestellt (Steinwolle) oder Altglas, Sand und Kalkstein (Glaswolle), aber mit etwas geringerem Dämmvermögen. Holzfaser-Dämmstoffe gelten als die ökologischen Alternativen zu den Hartschaumplatten und zu Mineralwolle, ebenso wie Hanf- und Flachsdämmungen oder die aus Zelluloseflocken, aus Altpapier gewonnen.

Förderung & Planung

Förderung: gemäß „Bundesförderung für effiziente Gebäude – Wohngebäude“ (BEG WG) sowie „Bundesförderung für effiziente Gebäude –Einzelmaßnahmen“ (BEG EM); Zuschüsse für Einzelmaßnamen vom BAFA (www.bafa.de, Tel: 0 61 96/9 08 – 1625, Fax: 0 61 96/9 08 - 1800), Kredite für Einzelmaßnamen sowie Kredite und Zuschüsse für umfassende energetische Modernisierungen von der KfW (www.kfw.de, E-Mail: info@kfw.de, kostenloses Infotelefon: 08 00/5 39 90 02, Mo - Fr v. 8 - 18 Uhr)

Nachrüstpflichten: Die Nachrüstpflichten gemäß dem GEG, dem Gebäudeenergiegesetz, betreffen lediglich die oberste Geschossdecke bzw. das Dach und damit die schlimmsten Wärmelecks.

Planung: Mindestvorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG): U-Wert der Außenwände nicht über 0,24 W/(m 2 K), Förderung erst bei Unterschreitung, ab 0,20 W/(m K)); U-Wert: gibt an, wieviel Watt ein Quadratmeter des betr.

Bauteils hindurchlässt, beträgt die Temperaturdifferenz zwischen beiden Seiten genau 1 Grad – je kleiner, desto besser der Wärmeschutz); Luftdichtheitsschicht beachten; Fenster ggf. in die Dämmebene rücken; Einsparung berechnen: Heizenergieverbrauch vor der Maßnahme dokumentieren, Zahl der Bewohner vorher/nachher berücksichtigen

Info-Adressen: Dämmstoff.Navi der Energieagentur Nordrhein-Westfalen – www.energieagentur.nrw/tool/daemmstoff Energieberatung der Verbraucherzentrale – www.verbraucherzentrale-energieberatung.de Energieinstitut Hessen, Infos rund um die Wärmedämmung – www.energieinstitut-hessen.de FNR – Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) – https://baustoffe.fnr.de Passivhaus Institut Darmstadt, Infos zum Dämmen auf Passivhausniveau – www.passiv.de

Dämmen in Hohlräumen

An Fassaden bringt man in der Regel starre Platten an, unterm Dach kann man flexible Dämmmatten zwischen die Sparren klemmen. Reicht jedoch die Zwischensparrendämmung nicht aus, wird die Eindeckung vorübergehend abgenommen und es werden von außen auf den Sparren starre Platten verlegt. Man kann ebenso die Hohlräume zwischen den Sparren mit Bauplatten schließen und dann mit Dämmungen in Flocken- oder Granulatform ausblasen. Fast jeden Dämmstoff bekommt man auch als Einblasdämmung, praktisch, wenn das Gebäude eine zweischalige Wand hat, wie die Ziegelbauten im Norden mit ihren Klinker-Vormauern.

Erst die Hausdiagnose

Der Maßnahme muss die Begutachtung des Hauses durch einen unabhängigen Energieberater vorausgehen. Er macht sich ein genaues Bild vom energetischen Zustand der Gebäudehülle. Anschließend kann er meistens bereits abschätzen, welche Dämmdicken erforderlich sind, um die Vorgaben des GEG, des Gebäudeenergiegesetzes hinsichtlich der U-Werte einzuhalten. Der U-Wert gibt Auskunft über die Wärmeverluste eines Bauteils, je kleiner er ist, desto besser. Auch über die Kosten kann der Experte Aussagen machen, rechnet dabei die Fördergelder gleich mit ein. Auf Wunsch entwirft er für den Hausbesitzer einen „individuellen Sanierungsfahrplan“, den iSFP, der aufschlüsselt, welche Arbeiten in welcher Reihenfolge im konkreten Fall erfolgen sollten und welche Einsparerfolge damit zu erzielen sind. Weil ein solcher iSFP Fehlsanierungen vermeidet, wird er mit einem Bonus belohnt: Bei jeder Maßnahme erhält man einen Zuschlag von fünf Prozent zur üblichen Förderung.

Bald amortisiert

Immer wieder hört und liest man in den Medien, Wärmedämmung lohne sich nicht. Fachleute widersprechen: Bereits nach zehn Jahren könne sie sich amortisieren, manchmal sehr viel früher, durch eingesparte Heizkosten, immer abhängig natürlich von den Energiepreisen. Ab sofort allerdings steigt innen die Behaglichkeit an, weil die Wände jetzt deutlich wärmer sind. Als weiterer Effekt ergibt sich ein wirksamer Schimmelschutz. Auf den warmen Oberflächen kondensiert die Luftfeuchte nicht mehr, sie werden unattraktiv für die Sporen. Noch eines der Argumente gegen den Wärmeschutz lautet, dass in den Dämmstoffen zu viel fossile Energie stecke, „Graue Energie“, ihre Produktion also mehr Emissionen verursache, als sie einsparen könnten. Experten, die sich die Sache genauer angesehen haben, wie Dr. Martin Pehnt vom ifeu, dem Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg, kamen zu einem anderen Ergebnis. Ob Mineralwolle, Holzfaser oder synthetischer Hartschaum, nach zwei Jahren haben sie alle ihre „Produktionskosten“ hereingeholt, ab da wird gespart. Wer dämmt, muss folglich kein schlechtes Gewissen haben. Und hält er sich an die Vorschriften, hat er sogar das Bundesverfassungsgericht auf seiner Seite.

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Die wichtigsten Dämmstoffe

Je nach Verwendungszweck, nach der Art der Belastungen, denen das Material im verbauten Zustand ausgesetzt ist, sucht man sich das passende aus. Verpackung bzw. Lieferschein nennen die „Wärmeleitstufe“ (WLS), der der betreffende Dämmstoff zugeordnet wird. Sie besteht aus den ersten drei Nachkommastellen des Wärmeleitwerts des Materials (auch: Lambda-Wert). Der Wärmeleitwert gibt an, wieviel Watt durch einen Kubikmeter des Stoffes strömen, herrscht zwischen den gegenüberliegenden Seiten ein Temperaturgefälle von genau einem Grad Kelvin; Einheit ist W/(mK). Über das Brandverhalten gibt die „Baustoffklasse“ gemäß DIN 4102-1 Auskunft:

A1 = nicht brennbar; A2 = wie A1, mit geringem Anteil brennbarer Bestandteile; B1 = schwer entflammbar (Mindestanforderung für Häuser mit mehr als zwei Vollgeschossen); B2 = normal entflammbar (Mindestanforderung für Häuser mit bis zu zwei Vollgeschossen).

Wärmeleitwerte und Baustoffklassen nach: Technologien und Techniken zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden durch Wärmedämmstoffe (Metastudie Wärmedämmstoffe – Produkte – Anwendungen – Innovationen), Dipl.-Ing. Christoph Sprengard, Dr.-Ing. Sebastian Treml, Prof.-Dr. Ing. Andreas H. Holm, Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München, 2013