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Nachhaltig fit für morgen – Auszeichnung für Blattwerk


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Taspo Garten-Design - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 17.01.2020

Am 22. November 2019 zeichnete die Stadt Stuttgart die Blattwerk Gartengestaltung als Avantgarde-Unternehmen aus. Als eines der ersten Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus hat die Blattwerk Gartengestaltung eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Wir fragten bei dem Geschäftsführer Stefan Böhm nach, was eine Gemeinwohl- Bilanz ist – und warum Blattwerk sich hier engagiert.


Artikelbild für den Artikel "Nachhaltig fit für morgen – Auszeichnung für Blattwerk" aus der Ausgabe 1/2020 von Taspo Garten-Design. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Taspo Garten-Design, Ausgabe 1/2020

Stefan Böhm ist neben Hartmut Bremer Geschäftsführer von Blattwerk


Wenn´s passt, werden Kleinaufträge ganz umweltschonend mit dem Lastenrad erledigt. Solche Veränderungen gab es aber schon vor der Gemeinwohl-Bilanz


Was war der Anlass, ...

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... eine Gemeinwohlbilanz zu erstellen?

Stefan Böhm: Das Förderprogramm der Stadt Stuttgart war der konkrete Anlass. Die Aussicht auf einen Coach, der uns durch die Erstellung der Bilanz begleitet, war der Ausschlag, dieses Projekt jetzt in Angriff zu nehmen. Wir haben schon seit einigen Jahren wahrgenommen, dass die Gemeinwohlökonomie weite Teile unserer Betriebsphilosophie beschreibt. Uns hat es zusätzlich motiviert, eine externe Einschätzung zu bekommen. Wir glauben, dass die Themen Transparenz, Menschenwürde und Gerechtigkeit in Zukunft noch viel wichtiger werden und wir wollen dadurch vor den Kunden, vor potenziellen Mitarbeitern und allgemein wirtschaftlich gut aufgestellt sein.

Was für Schritte umfasst solch eine Bilanz im Einzelnen?

Stefan Böhm: Die Erstellung der Bilanz wurde von einem Berater strukturiert und begleitet. Es werden vier Werte betrachtet in Bezug auf fünf Bezugsgruppen. Somit ergeben sich 20 Felder. Das lässt sich am besten über die Gemeinwohlmatrix erkennen.

Die „Gemeinwohlmatrix“: Liest sich erst mal sehr abstrakt – hat aber ganz konkrete Ergebnisse im Betrieb gebracht.


Entscheidend ist es, die Mitarbeiter einzubinden. Denn Veränderungen im Unternehmen brauchen eine breite Basis


Fotos: Jan Potente

Entscheidend ist es, die Mitarbeiter einzubinden. Denn Veränderungen im Unternehmen brauchen eine breite Basis

Danach schätzt man sich in jedem Feld anhand von Bewertungsstufen ein. Abschließend wurde diese Selbsteinschätzung durch eine externe Auditorin überprüft. Diese hat dann auch die endgültige Bewertung festgelegt. Die Veröffentlichung der Bilanz ist dann verpflichtend

Was hat sich im Betrieb – auch für die Mitarbeiter – dadurch verändert?

Stefan Böhm: Natürlich gab es in und durch die Erstellung Veränderungen im Betrieb. Wir haben zum Beispiel PETFlaschen abgeschafft und unsere Mitarbeiter* innen trinken nun aus Glasflaschen. Ein Lastenrad wurde angeschafft, um Kleinaufträge umweltschonend abwickeln zu können. Solche Veränderungen gab es allerdings schon vorher und wird es auch in Zukunft geben. Ein Unternehmen, das eine Gemeinwohlbilanz erstellt, hat sich auch im Vorfeld schon damit beschäftigt, wie es nachhaltiger agieren kann. Die Bilanz selber ist dann eine Momentaufnahme. Überrascht waren wir, wie viel Luft wir im Bereich Ökologie noch nach oben haben. Wir sind hier gut aufgestellt, aber die Gemeinwohlökonomie hat hier – vollkommen zurecht – einen höheren Anspruch an Unternehmen. In sozialen Bereichen wurden wir hingegen als sehr positiv bewertet. Die Mitarbeiter*innen waren im ganzen Prozess eingebunden. Für unsere Betriebskultur ist das entscheidend, denn Veränderungen im Unternehmen brauchen eine breite Basis.

Beobachten Sie bei Ihren Kunden, dass Themen der Nachhaltigkeit eine stärkere Wichtigkeit bekommen? Wird das inzwischen aktiv abgefragt?

Stefan Böhm: Tatsächlich begrüßen wir es, dass die Themen Ökologie, Solidarität und Menschenwürde immer wichtiger werden. Das spüren wir im Moment und wenn die Wissenschaft recht behält, werden diese Themen in Zukunft immer drängender. Noch sind aktive Abfragen die Ausnahme. Aber anders als früher wird ein Engagement in diesen Bereichen sehr wohlwollend aufgenommen. Diese Themen sind nun für eine breite Bevölkerungsgruppe wichtig und nicht nur für wenige. Man besetzt keine Nische, sondern ist am Puls der Zeit. Kund*innen sind in der Gemeinwohlbilanz nur eine Berührungsgruppe. Viel wichtiger ist es im Moment attraktiv für Mitarbeiter*innen zu sein. Hier haben wir es zurzeit mit einem Arbeitnehmermarkt zu tun. Werte wie Work-Life-Balance und Wertschätzung sind in aller Munde. Diese Themen waren schon immer Teil unserer Betriebskultur. So haben wir schon Teilzeit angeboten, als das für andere Gartenbau-Betriebe undenkbar schien. Die Gemeinwohl-Bilanz hat das nun nochmals verdeutlicht und sorgt auch hier dafür, dass wir offen für neue Wege bleiben und nicht zu sehr an Bestehendem festhalten.

Ist der Prozess der Gemeinwohl-Bilanz bei Blattwerk damit abgeschlossen?

Stefan Böhm: Der Prozess geht weiter. Die Themen der Gemeinwohlökonomie waren schon vorher wichtig für uns und werden es auch in Zukunft sein. Wir waren auch in der Vergangenheit offen für die Impulse der Belegschaft. Die Bilanz hat geholfen, Betriebsblindheit zu bekämpfen und Themen breit und fundiert zu diskutieren. Im Moment treffen sich interessierte Mitarbeiter*innen einmal im Monat und besprechen, welche Themen noch unter den Nägeln brennen. Konkrete Vorschläge werden erarbeitet. Die Umsetzung wird dann in den bestehenden Strukturen angegangen.