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Nachhaltigkeit – ein „relatives” Thema


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 06.03.2020

Der CO2-Fußabdruck könnte noch einmal ein Umdenken bringen. Auch wenn der Begriff „Nachhaltigkeitan sich in den vergangenen Jahren etwas abgegriffen war – zur Internationalen Pflanzenmesse (IPM) 2020 hatte jeder dazu wieder und zumeist sehr engagiert etwas zu sagen und zu bieten.


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Töpfe aus Kautschuk und Kokos (Cocoz).


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Nachhaltigkeit im Gartenbau: „Ohne chemische Pflanzenschutzmittel(PlusPlants).


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Öko-Konzept von Dataflor (B-Beselare).


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Thema Torfersatz und Substratzusatz mit Perlite und Kokos (Floragard).


Fotos: Klawitter

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Blumenpapier aus Gras (Christoph Görges).


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Trays aus Recycling-PCR-Material (Bachmann).


Töpfe aus Holzabfall & Papier

Manche Anbieter von Töpfen hatten ungewöhnliche, nachhaltige Alternativen aus neuen Materialien mitgebracht – wie beispielsweise Desch Plantpak (NL-Waalwijk). Der Hersteller präsentierte einen glänzend-schwarzen Topf, der ausschließlich aus Gartenabfällen hergestellt wird, die gemahlen und unter Wachsbeigabe gepresst werden. Er ist trocken sehr schön fest. Er eignet sich aber nur für wenige Wochen Kulturzeit. Er ist vor allem gut für den Hobbybereich und für Pflanzungen beispielsweise an Autobahnböschungen geeignet, da der Topf mit eingepflanzt werden kann und sich schnell zersetzt. Weitere Topfmaterialien von Desch Plantpak, die bisher vor allem im Kräuterbereich Einsatz finden, sind Töpfe aus Mais (Korn und Blättern) und aus Papier.

CO2-Footprint entscheidet künftig

Man sollte alternative Entwicklungen, in diesem Fall bei Töpfen, aber immer kritisch durchleuchten, warnt Marketingfachmann Kees Waqué. „In Zukunft wird der CO2-Fußabdruck das entscheidende Kriterium werden. Erst dann wird sich zeigen, welche Alternativen wirklich umweltfreundlicher sind, sagt er. Vielleicht sei die Plastiktüte dann doch wieder besser in der Bewertung als der Jutebeutel, der Kunststoff-Recyclingtopf besser als der kompostierbare Topf.

Bremsenergie zurückgewinnen

Ihre Pflanzen brachten Feldborg Growers (DK-Broby) in Kokostöpfen namens „Cocozmit zur IPM. Sie bestehen aus einer Mischung von Naturkautschuk und Kokosnussfasern, natürlichem Abfall aus der Kokosnussproduktion, und sind biologisch abbaubar. Als eine „nachhaltige Alternative zu Kunststoffbewirbt die dänische Gärtnergemeinschaft die Neuheit, in der sich auf der IPM Grünpflanzen (Marke „Easy Care) aller Art auch optisch gut machten. Die Etikettenstäbe der dazugehörigen Papieretiketten (Anbieter Greenhome) bestehen aus Holz.

Apropos Papier – am Beispiel des Blumenpapierherstellers Görges (Neustadt in Holstein) lässt sich gut festmachen, wie ganzheitlich nachhaltig Unternehmen mittlerweile denken. Bei Weitem ist es nicht nur das Produkt, sondern auch die eigene Unternehmensphilosophie, die nachhaltig ist. Bei Görges bedeutet das beispielsweise, im Betrieb Wärme zurückzugewinnen und sogar die Bremsenergie der Rollmaschine wieder aufzufangen. Aber auch nur FSC-zertifizierten Rohstoff aus deutscher Herstellung einzukaufen und mit Recyclingsowie neuerdings auch mit Graspapier zu arbeiten ist Teil der Philosophie.

60 Prozent der Papierproduktion von Görges geht an Floristen, davon wird aber nur rund 15 Prozent Reycyclingpapier verkauft. „Wir merken ein deutliches Umdenken bei unseren Abnehmern, aber derzeit entscheidet immer noch vor allem der Preis, sagt Christoph Görges.

Auch er sieht die Nachhaltigkeit als ein relatives Thema: „Betrachtet man den CO2-Fußabdruck, so kann das Papier aus der bayerischen Papierfabrik deutlich besser abschneiden als das von weiter entfernt gelieferte Recyclingpapier, wiegelt er ab.

Etiketten aus Steinmehl

Auch im Etikettenbereich tut sich derzeit einiges. So bietet Güse (Reinbek) beispielsweise in einer Testphase Etiketten aus Steinmehl an, die ohne Wassereinsatz hergestellt werden und damit in der Herstellung zu 50 Prozent weniger C02-Emission führen als normale PP-Etiketten, erläutert Mitarbeiterin Susanne Stoll. Güse hat die Etiketten jetzt erstmals in der Praxis getestet und bescheinigt ihnen eine ebenso lange Haltbarkeit wie herkömmlichen PP-Etiketten. Die Steinmehl-Etiketten sind über die Gelbe Tonne entsorgbar, allerdings nicht biologisch abbaubar. Ihr Material erlaubt einen genauso brillanten Druck der Bilder wie auf herkömmlichen Etiketten, sie werden für Betriebe allerdings deutlich teurer sein: Allein der Rohstoff dafür ist schon fünf Prozent teurer.

Energie aus Restholz

Auch ein Zeichen für Nachhaltigkeit: Zum ersten Mal auf der IPM war das Unternehmen Schmidmeier Naturenergie (Zeitlarn). Es entwickelt Energiekonzepte für Industrie und Gewerbe im Leistungsbereich bis 25.000 kW, auch als Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen inklusive Öko-Stromerzeugung, und arbeitet dafür mit holzbefeuerten Dampfkesseln. Verwendet wird nach Aussagen einer Firmenmitarbeiterin Restholz – ein Thema, das für viele Betriebe immer spannender werde. Allerdings, so schränkt sie ein, kann die Firma erst auf zwei Referenzobjekte im Gartenbau verweisen, da sich das Anschaffen einer solchen Anlage erst für Unternehmen mit einem Bedarf ab 10.000 kW eigne. Pflanzenstärkung gefragt Auch die Anbieter von Pflanzenstärkungsmittel registrieren einen Zulauf. Es sei ein Umdenken in der Branche zu bemerken, gab auf der IPM ein Mitarbeiter des Unternehmens Bioplant (Konstanz) an, das homöopathische

Pflanzenpflegemittel wie Biplantol verkauft.

„Da immer weniger Pflanzenschutzmittel verfügbar sind, wenden sich auch immer mehr große Produktionsbetriebe an uns, weiß er. „Selbst Skeptiker beginnen mit dem Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln – manche setzen sie auch schon länger ein, ebenso wie viele Lehr- und Versuchsanstalten.Wichtig sei, Stärkungsmittel schon vom Jungpflanzenstadium an zu geben. Wobei der Einsatz homöopathischer Mittel aufgrund der geringen notwendigen Mengen deutlich günstiger sei als die Anwendung anderer Pflanzenstärkungsmittel. Das Unternehmen nennt Kosten von 100 Euro pro Kanister, die Einsatzmenge liegt bei rund zwei Litern je Hektar.

Trays mit Blauem Engel

Schon Routine ist für den Schweizer Verpackungshersteller Bachmann (CHHochdorf) das Thema Nachhaltigkeit: Das Unternehmen bietet in seiner Sparte „Plantecbereits seit Jahren Trays und Paletten aus Post-Consumer-Recyclingkunststoff (100 Prozent PCR) an. Einige der Produkte haben einen Blauen Engel, hier werden zu den reinen Recyclingmaterialien keine zusätzlichen Farbstoffe zugesetzt, sodass deren Farbe ein helleres Grau bleibt. Neu und als nachhaltige Alternative angepriesen, brachte das Unternehmen auch feste, biegsame Netzmate- rialien aus Recyclingkunststoff mit zur Messe, aus denen unter anderem Verpackungsschalen gefertigt werden. Das leichte Netzmaterial führt zu einem um 50 Prozent geringeren Materialeinsatz.

Immer mehr „Zero”-Pflanzen

Die sowieso schon sehr umweltbewusst und nachhaltig produzierende Gruppe der „PlusPlants-Betriebe setzt seit Kurzem hier noch „einen draufund versucht nach und nach, immer mehr Kulturen komplett ohne chemische Pflanzenschutzmittel („Zero) zu kultivieren. Alle „Zero Produktewerden einem Rückstands-Monitoring unterzogen. Derzeit versucht jeder der Plus Plants-Betriebe für sich die „Zero-Kultur, schaut, welche Kulturen so schon funktionieren. Stefan Lüske (Hedera Lüske, Bawinkel) erzählt, dass er ein ganzes Gewächshaus versuchsweise chemiefrei hält. Das nachhaltige „Zero- Konzept kam auf der IPM auf jeden Fall gut an, sagen Lüske und Rupert Fey (Bargfeld-Stegen) als Geschäftsführer der Gruppe. Unter anderem habe sich auch der Lebensmitteleinzelhandel sehr interessiert gezeigt.Wie viel mehr eine „Zero-Pflanze kosten wird, lasse sich aber nicht pauschal sagen. Bei günstigen Kulturen schlage der Mehraufwand auf jeden Fall prozentual mehr zu Buche als bei höherpreisigen Kulturen.

Fazit

Alles, was unter dem Begriff „Nachhaltigkeitgefasst werden kann, ist derzeit ein Riesenthema in der Branche. Nahezu jedes Unternehmen versucht, die Bedürfnisse seiner Abnehmer in dieser Richtung zu befriedigen, passende Angebote zu machen. Allerdings, so war vielfach zu hören, fragt die Grüne Branche diese Angebote zwar nach, nimmt sie bisher aber nur bedingt an, immer noch spiele der Preis die entscheidende Rolle. (kla)

Die Autorin

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Katrin Klawitter, Fachredakteurin, Dipl.-Ing. Gartenbau, gelernte Zierpflanzengärtnerin erkundigte sich auf der IPM nach neuen Trends

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