Lesezeit ca. 6 Min.
arrow_back

Nachhaltigkeit IST KEIN PROBLEM DER ANDEREN


Logo von aktiv Laufen
aktiv Laufen - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 13.10.2021

NACHHALTIGKEIT

Artikelbild für den Artikel "Nachhaltigkeit IST KEIN PROBLEM DER ANDEREN" aus der Ausgabe 6/2021 von aktiv Laufen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: aktiv Laufen, Ausgabe 6/2021

Läufer sind viel draußen unterwegs und sollten daher besonders auf die Umwelt achten.

Nachhaltigkeit und Laufen: Es sind zwei Wörter, die eigentlich in unzertrennlichem Zusammenhang stehen sollten. Schließlich stammt der Begriff „Nachhaltigkeit“ ursprünglich aus der Forstwirtschaft des 17. Jahrhunderts. Damals stand dahinter der Gedanke, nicht mehr Bäume zu fällen, als auch nachwachsen können. So wollte man Rücksicht auf die nachfolgenden Generationen nehmen, die in späteren Zeiten ebenfalls Holz benötigen würden. Vier Jahrhunderte später geht Deutschland das Holz so langsam aus.

Jedoch wird nicht nur der Rohstoff knapp. Das deutschlandweite Waldsterben bedroht auch die Spielwiese von uns Läufern: Der Forst war schon immer ein Zufluchtsort und Läuferparadies zugleich. Während naturbewusste Jogger die Stille und Kraft genießen, die ein Wald bietet, suchen actionorientierte Läufer die sportliche Herausforderung von verwurzelten und unentdeckten Trails. Das Laufen an sich ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von aktiv Laufen. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2021 von NACHHALTIGKEIT – DER WICHTIGSTE MEGATREND UNSERER ZEIT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NACHHALTIGKEIT – DER WICHTIGSTE MEGATREND UNSERER ZEIT
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von HALBMARATHON- WELTREKORD. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HALBMARATHON- WELTREKORD
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von RUNDUM-SORGLOS- PAKET FFÜR LÄUFER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
RUNDUM-SORGLOS- PAKET FFÜR LÄUFER
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von BUCHTIPPS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BUCHTIPPS
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
WENN LAUFEN ZU CHRONISCHER ERSCHÖPFUNG FÜHRT
Vorheriger Artikel
WENN LAUFEN ZU CHRONISCHER ERSCHÖPFUNG FÜHRT
UNTERWEGS MIT DER MÜLLTÜTE
Nächster Artikel
UNTERWEGS MIT DER MÜLLTÜTE
Mehr Lesetipps

... hat bereits positive Auswirkungen auf die körperliche und geistige Fitness – das Eintauchen in die Natur verstärkt diesen begünstigenden Effekt. Der klopfende Specht, das schimmernde Licht, die klare Luft, der würzige Duft. Wälder tun uns gut.

GEWISSENHAFT KONSUMIEREN

Doch wir treten unsere Laufstrecken mit Füßen. Nicht nur buchstäblich, sondern sprichwörtlich. Wir tragen stets Klamotten aus der neusten Bekleidungslinie: Der Style läuft nicht nur mit; er motiviert uns auch, die Laufschuhe regelmäßig zu schnüren. Unter der Betrachtung von zwei Aspekten ist unser Schuhwerk aber alles andere als nachhaltig: Es ist weder fair produziert, noch ist es umweltschonend. Im Jahr 2018 wurden mehr als 480 Millionen Laufschuhe verkauft – Tendenz steigend. Derartiger Schuhkonsum belastet unseren Planeten. Moderne Laufschuhe enthalten bis zu 20 verschiedene Einzelteile. Die Mehrheit dieser Elemente besteht aus biologisch nicht abbaubaren Kunst-und Schaumstoffen auf Basis von Mineralöl. Das bekannteste Kunststoffmaterial ist Ethylenvinylacetat – kurz EVA. Aufgrund seiner besonderen Dämpfungseigenschaften ist es ein beliebter Bestandteil von Zwischensohlen. Zudem ist das Material preiswert und für große Mengen skalierbar.

Wenig nachhaltig sieht es auch im Kleiderschrank der meisten Läufer aus. Hier gilt das Pareto-Prinzip. Demnach tragen wir gerade einmal 20 Prozent unserer Bekleidung für 80 Prozent der Zeit. Das Finisher-Shirt, das man ausschließlich am Tag nach einem erfolgreichen Wettkampf trägt, verschwindet mindestens genauso schnell in den Tiefen der Klamottenkiste wie die Shorts aus der Vorjahreskollektion jedes x-beliebigen Sportartikelherstellers.

FRÜHER WAR ALLES BESSER, HEUTE IST ALLES MEHR

Fragt man alteingesessene Jogger nach ihrer Kleidung, zeigen sie stolz ihre fünf Lieblingsteile, die sie bereits seit 30 Jahren tragen. Sie entsprechen zwar nicht mehr dem neusten Modetrend. Dafür ist das Material aber robust, beständig und hält Wind und Wetter noch immer zuverlässig stand.

Öffnet man hingegen die Kleiderschränke der jüngeren Läufer-Generation, fällt einem die Sportkleidung bereits entgegen. Dank „Athleisure“ – ein Kofferwort, das sich aus den Begriffen „Athletic“ und „Leisure Wear“ zusammensetzt – ist Sportbekleidung mittlerweile als Alltagsoutfit angesagt. Deshalb ist auch das Angebot an schönen und bunten Klamotten vielfältig. Natürlich befeuern Social-Media-Influencer das Konsumverhalten der Zielgruppe.

Und sind wir mal ganz ehrlich: Der Kauf von Laufbekleidung im Internet geht schnell und einfach. Innerhalb weniger Klicks ist der Warenkorb mit neuen Klamotten gefüllt, obwohl man davon zu Hause schon genügend besitzt. Selbst wer an sieben Tagen der Woche laufen geht, kann die Fülle an Laufequipment gar nicht ausschöpfen – irgendwas bleibt immer im Schrank zurück. Die Kauflust nutzen Unternehmen schamlos aus: Statt auf nachhaltiges Equipment setzen die meisten Sportartikelhersteller lieber auf „Fast Fashion“: ein Geschäftsmodell, bei dem die Kollektionen laufend geändert werden und die Zeit von den neuesten Designs der Modeschöpfer zur Massenware in den Fachgeschäften stark verkürzt wird.

Dabei verursacht die gesamte Textilindustrie jährlich 1,2 Milliarden Tonnen CO 2 . Das ist mehr als internationale Flüge und Kreuzfahrten zusammen produzieren. Die Emissionen entstehen nicht nur bei der Gewinnung und Weiterverarbeitung von Plastikfasern, sondern auch durch die langen Transportwege. Sportartikelhersteller können sich von dieser Umweltbelastung natürlich nicht freisprechen. Kurzum: Die Laufbranche ist richtig dreckig.

LAUFBEKLEIDUNG SCHADET DER UMWELT

Leicht und funktional, diese Kriterien müssen die Laufklamotten erfüllen, damit der Körper beim Schwitzen nicht zu schnell auskühlt respektive warm bleibt. Für die Herstellung sind Kunststofffasern ideal geeignet. Die feine Zusammensetzung aus Polyester und Elastan ist für den Sport zwar sehr praktisch, aber alles andere als nachhaltig. Bei jedem Waschgang verliert die Funktionskleidung unzählige Mikrofasern, die weder von der Waschmaschine noch von der Kläranlage gefiltert werden können. Über Abwasserkanäle landet das Mikroplastik dann in Flüssen und Meeren. Die winzigen Partikel sind dabei so klein, dass Fische und andere Meerestiere sie mit der Atmung aufnehmen. Die Folgen sind nicht nur für die Tiere und für die Natur schwerwiegend. Auch der Mensch leidet: Mit jedem verspeisten Fisch landen auch Mikropartikel Plastik in unseren Mägen. Wissenschaftliche Studien sprechen von fünf Gramm Kunststoff, die sich dauerhaft in unserem Körper befinden.

Doch wie können wir die Verschmutzung der Gewässer vermeiden? Weniger Sport treiben, um auch weniger Funktionskleidung waschen zu müssen, kann keine Lösung sein. Die Antwort ist clever und simpel zugleich: Es gibt Wäschesäcke, welche die gelösten Mikrofasern auffangen. Zudem verhindert der Beutel den Abbruch der Kunststofffasern. Somit werden die Funktionalität der Kleidung und auch die Umwelt geschützt.

ZERO-WASTE-WETTKÄMPFE

Natürlich hört das Thema Nachhaltigkeit noch längst nicht bei unserer Kleidung auf. Im Gegenteil. Der größte Müll entsteht dort, wo sich Läufer am liebsten aufhalten: bei Laufevents. Unter normalen Umständen finden Wettkämpfen an jedem Wochenende auf der ganzen Welt statt. Leider ist es vielerorts noch selbstverständlich, die Teilnehmermassen auf der Strecke und im Ziel mit Plastikbechern zu versorgen – Becher, die zusammen mit Energy-Gel- und -Riegel-Verpackungen achtlos auf den Boden geworfen werden.

Selbst wenn städtische Reinigungskräfte die Straßen nach dem Laufevent wieder von dem Kunststoffmüll befreien, so müssen tonnenweise Plastikbecher recycelt werden. Das Problem: Recyceltes Plastik aus Deutschland möchte niemand kaufen. Aufgrund der westlichen Lohnstandards ist der Recyclingprozess teuer und somit auch das wiederverwertbare Plastik als Rohstoff für neue Kunststoffprodukte. Die Folge: Unser Plastikmüll wird zum Recycling entweder in fernostasiatische Länder verschifft oder hierzulande verbrannt. Bei jedem Verfahren ist der ökologische Fußabdruck recht hoch.

Glücklicherweise denken Organisatoren von Laufveranstaltungen mittlerweile etwas nachhaltiger. Immer seltener werden Plastikbecher an den Verpflegungsstellen ausgehändigt. Es gibt sogar Konzepte, bei denen die Teilnehmer ihren eigenen Trinkbecher mitnehmen müssen.

Für den Köln Marathon ist das zwar noch keine Alternative zur klassischen Verpflegung, trotzdem gehört der City-Marathon der Domstadt zu den nachhaltigsten Veranstaltungen im Land. Ein nachhaltiges Konzept wurde erstmals 2019 ausgerollt – mit der Einführung einer Finisher-Medaille aus Holz wurde eine richtige Diskussion losgetreten. Während einige dem Veranstalter Profitgier durch Geldeinsparung vorwarfen, unterstützten viele die Pionierarbeit. Letztendlich sprechen die Fakten für sich: Sowohl der Herstellungs- als auch der Logistik-Prozess der Finisher-Medaillen aus Zink ist wesentlich aufwendiger. Zudem belastet es die Umwelt stärker.

DER WILLE IST DA

Die ersten Schritte, Lauf-Veranstaltungen nachhaltig zu gestalten, wurden gegangen. Die Konzepte haben aber noch Optimierungspotenzial. Die Versorgung der Läufer auf der Strecke ist vermutlich die größte Hürde. Der Hella Halbmarathon in Hamburg hatte wiederverwertbare Becher verteilt, beim Berlin Marathon gab es Soft Cups, die von Helfern gespült und wieder befüllt wurden. Und um seine CO 2 -Bilanz drastisch zu senken, wurden beim Marathon in London essbare Wasserbläschen ausgeteilt. Mit diesen essbaren Verpackungen aus Wasser, Alginat und Kalzium will London seinen Marathon als erste Zero-Waste-Laufveranstaltung umsetzen.

Hier entstand definitiv kein Müll. Doch im Großen und Ganzen überwiegt der Plastikverbrauch bei Veranstaltungen noch deutlich. Es wird sicherlich eine ganze Weile dauern, bis sich eines der genannten Konzepte als dauerhaft umsetzbar herausstellt. Zumal nicht ausschließlich die Veranstalter in die Pflicht genommen werden können. Das Umdenken muss auch bei den Läufern stattfinden. Wenn also eine Holz- statt einer Zink-Medaille um den Hals gehängt wird, darf man nicht sofort auf die Barrikaden gehen und das Event boykottieren. Die Absicht dahinter muss ehrlich und transparent kommuniziert werden, damit auch jeder Läufer nachvollziehen kann, welche Auswirkungen es hat, wenn nachhaltige Konzepte

bei einer Laufveranstaltung umgesetzt werden. Sicher, Wettkämpfe im Ausland haben ihren Reiz. Aber für ein einziges Wochenende um den halben Globus zu jetten, um beim „Rock ’n’ Roll“ Marathon in San Diego teilzunehmen? Das muss nicht sein. In der Regel lohnt sich ein Blick in den regionalen Laufkalender, um ein schönes Event zu finden. Auch kleine Veranstaltungen haben ihren Charme.

ERKENNTNIS DES ERKANNTEN

Ungeachtet der Tatsache von Umweltverschmutzung, Klimawandel und Ressourcenmangel wollen wir die Welt nicht schwärzer malen, als sie ist. Die Einsicht ist stets der erste Schritt zur Besserung. Deshalb ist das – wenngleich langsame – Umdenken innerhalb der Laufszene ein Lichtblick am Horizont. Ein Sportartikelhersteller aus der Schweiz wirkt dem „Fast Fashion“-Trend entgegen – die Bekleidungslinie des Unternehmens besteht lediglich aus fünf Einzelstücken, immer darauf bedacht, ein hochtechnisches Produkt mit besonderen Raffinessen zu kreieren.

Eine französische Sportmarke lancierte dieses Jahr einen Performance-Laufschuh, der so konzipiert wurde, dass er zu 92 Prozent recycelt werden kann. Gleichzeitig besteht der Schuh aus 100 Prozent bereits wiederverwerteten Materialien. Eine US-amerikanische Sportfirma unterzeichnete im Dezember des vergangenen Jahres den „Climate Pledge“ – ein Versprechen, sich öffentlich zur Klimaneutralität im Einklang mit dem Pariser Abkommen zu bekennen. Und Online-Portale für nachhaltige Laufklamotten schießen wie Pilze aus dem Boden. Sie befriedigen damit die Nachfrage der Running-Community. Denn nie waren Kunden so kritisch wie heute: Sie wollen über Ursprung und Herstellungsverfahren ihrer Kleidung im Bilde sein.