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NACHLESE ZUM SOMMER 2018: UNBEHOLFENER STARRSINN


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 110/2018 vom 19.10.2018

Der Sommer in diesem Jahr wird noch lange in Erinnerung bleiben. Denn er war ungewöhnlich warm und trocken. Die Medien überschlugen sich mit Superlativen und Horrorszenarien. Grund fürDr. Florian Asche ,den Sommer 2018 zu relativieren.


Artikelbild für den Artikel "NACHLESE ZUM SOMMER 2018: UNBEHOLFENER STARRSINN" aus der Ausgabe 110/2018 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Rotwild in vertrockneter Landschaft: im zurückliegenden Sommer bundesweit ein ganz normales Bild – vorausgesetzt natürlich nur, wenn man diese Schalenwildart im Revier stehen hat.


FOTO: SVEN-ERIK ARNDT

„Herr es ist Zeit, der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren und auf den Fluren laß‘ die Winde los.“


Ob Rilke diese Zeilen in Gedanken an eine noch ...

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Ob Rilke diese Zeilen in Gedanken an eine noch nie gekannte Dürre geschrieben hat, dürfen wir getrost bezweifeln. Mit der unwissend reinen Ästhetik des Lyrikers hat er wohl nur an laue Sommerabende gedacht, an gute Gespräche, großartige Sonnenuntergänge und einen leise harfenden Wind in den Kastanienbäumen. Der moderne Mensch ist von solcher Normalität weit entfernt. Wissenschaftler wie Hans-Joachim Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung sorgen dafür, dass uns die Freude am hochsommerlichen Grillabend längst abhandengekommen ist. Allein schon die Freisetzung von CO2 durch das Verwenden von Grillkohle und der Verzehr Methan-auspupsender Mastrinder ist eine bedenklich unbekümmerte Form des Konsumverhaltens. Und so herrschte am Ende des letzten Sommers allgemeine Katerstimmung über Dürre-Deutschland.

NAHENDE EISZEIT

Dabei haben die Klimaforscher einige Jahrzehnte vor Ausrufung der Hitzekatastrophe eine neue Eiszeit prognostiziert. So jedenfalls meldete es der Spiegel im Jahr 1974 und hatte reichlich Belege für das kommende Weltende in der globalen Tiefkühltruhe. So „wuchs auf der nördlichen Halbkugel die mit Gletschern und Packeis bedeckte Fläche um rund zwölf Prozent, am Polarkreis wurden die kältesten Wintertemperaturen seit 200 Jahren gemessen. In Großbritannien und Island wurden die Folgen des Kälte-Trends bereits spürbar. Auf Island ging die Heuernte um 25 Prozent zurück, auf der Britischen Insel schrumpfte die jährliche Wachstumsperiode der Pflanzen um etwa zwei Wochen.“ Für das Nachrichtenmagazin stand damit fest, was geschehen würde. Seitdem schwanken wir mit der typischen „German-Angst“ zwischen Vereisungsalpträumen, der Furcht vor einem stromlosen Golf, Monsunregen und Dürrefantasien in der Lüneburger Heide. Unsere Versicherungsgesellschaften melden mit schreckgeöffneten Augen immer hö-here Schäden weltweit, ohne zu berücksichtigen, dass so ein Phänomen durchaus auch an höheren Versicherungswerten, dichterer Bebauung und deshalb auch an einem erhöhten Risikopotential liegen kann. Würde der große Brand von Hamburg heute stattfinden, dann wäre der Versicherungsschaden um ein Mehrfaches höher als im Jahr 1842, und das bei einem weitestgehend gleichen Ereignis.

„BISLANG IST NOCH KEINE EINZIGE ART WELTWEIT DURCH DEN KLIMAWANDEL AUSGESTORBEN.“


Maiswüste: nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im Zuge der unvorbereiteten Energiewende staatlich gefördert.


FOTO: JENS KRÜGER

Eisbär: kommt heute trotz der Klimaerwärmung und dem schwindenden Packeis häufiger vor als vor 60 Jahren.


FOTO: INGO GERLACH

Blühendes Feld: könnte wie Mais zur Biogaserzeugung genutzt werden und würde gleichzeitig den Insekten helfen.


FOTO: FRANK ECKLER

FEHLENDE RATIONALITÄT

Doch Rationalität ist nicht unsere Sache, wenn sogar die Bundeskanzlerin nach einem schlechten Fukushima-Traum eine bemerkenswert unfähig vorbereitete Energiewende ausruft. Dass deren Kosten dann doch etwas höher geworden sind als die von Jürgen Trittin beschworene „Kugel Eis“, wen kümmert es? Schließlich gilt es ja, die Welt zu retten, und da ist mit den Mitteln des Notstands auch der größte Unsinn willkommen. Doch kommen wir zurück zum Sommer 2018. Wer hätte gedacht, dass in diesem Jahr die Temperatur der Nordhalbkugel nach den Feststellungen der Universität von Alabama genau 0,1 Grad Celsius über dem langjährigen Mittelwert lag? Wen interessiert es, dass der Rückgang des nördlichen Polareises in diesem Rekordsommer so niedrig war wie seit 2010 nicht mehr? Es scheint, als sei jegliche Form von Rationalität im Rahmen der staatlich verordneten Denkschemata abhandengekommen.

ÖKOLOGISCHES HIROSHIMA

Die Situation erinnert fatal an die achtziger Jahre, als der Spiegel ebenfalls in die Kristallkugel blickte und über das Waldsterben in Deutschland verkündet: „Wir stehen vor einem ökologischen Hiroshima!“ Mit dem üblichen Trauerton der Bedenklichkeit heißt es dann: „Der Wald stirbt längst nicht mehr nur in den sogenannten Staulagen der Mittelgebirge, wo Luft-Schmutz sich mit Regen, Schnee und Nebel besonders massiv niederschlägt.
Auch auf dem flachen Land, etwa im Sachsenwald bei Hamburg, verringert sich die Lebensfähigkeit der Fichte neuerdings, in beunruhigender Weise’, wie Professor Eberhard Brünig, Leiter des Bergedorfer Instituts für Weltforstwirtschaft, feststellt. Hamburgs Junge Union plagt die Vision,,in zehn Jahren im Sachsenwald auf Baumleichen zu treffen’.“ Es mutet wie ein Wunder an, dass der Sachsenwald noch immer steht, getreu der Verszeile von Fontane: „Der Leib zerfällt, der Stein zerfällt, aber der Sachsenwald, der hält.“ Der deutschen Angstkultur hat das indessen keinen Abbruch getan.

DIE GRÜNEN KLIMARITTER

Ähnliches Zittern in der Stimme plagen nämlich die Klimaritter von Bündnis 90/ die Grünen, wenn beispielsweise ihr langjähriger Bremer Umweltsenator Fücks verkündet, bei anhaltender Erwärmung stehe die Erde vor einem Artensterben von apokalyptischen Ausmaßen. Da kümmert es nicht, wenn ausgewiesene Experten wie Josef Reichholf von der zoologischen Sammlung in München daran erinnern, dass gerade Warmzeiten die größte Artendichte mit sich bringen. Und tatsächlich muss der sogenannte Weltklimarat zugestehen, dass bislang noch keine einzige Art weltweit durch den Klimawandel ausgestorben ist. Im Gegenteil, der schon vom damaligen Bundesumweltminister Gabriel medienwirksam herausgestellte Eisbär kommt heute in einer Anzahl vor, die beispielsweise die Population der fünfziger Jahre um ein Mehrfaches übersteigt. Dennoch wird das baldige Ende dieser Spezies in jedem Medium, das auf sich hält, beschworen.

Buchenwald: würde bei Akzeptanz des Klimawandels an Bedeutung verlieren.


FOTO: KARL-HEINZ VOLKMAR

Kiefernwald: würde bei Akzeptanz des Klimawandels an Bedeutung gewinnen.


FOTO: MICHAEL BREUER


„JAGD UND FORST SIND BEREICHE DES PRAXISTESTS,KEINE SPIELFELDER FÜR IRRATIONALE FANTASTEN.“


FEHLENDER PLAN B

Wir haben uns längst von der ernsthaften Diskussion über den Klimawandel verabschiedet und befinden uns in einem schrillen Konzert der Angstschreie von Anklage und Verteidigung. Das ist besonders dort zu merken, wo die Diskussion so plötzlich versandet, nämlich bei der Frage nach Plan B. Man muss nämlich überhaupt kein Klimaskeptiker sein, um die mangelnde Rationalität des Diskurses zu bedauern. Im Gegenteil. Gerade wenn man den Klimawandel als Faktum setzt, müsste es die Ratio gebieten, über dieses Phänomen und seine Folgen auch für den Fall nachzudenken, dass es uns nicht gelingt, die 2,5 Prozent der weltweiten CO2 -Emissionen, auf die der Mensch überhaupt Einfluss hat, einzuschränken. Was geschieht tatsächlich, wenn wir uns immer mehr dem mittelalterlichen Klimaoptimum annähern? Die besten Weine dieser Zeit wuchsen damals an Themse und Weser, nicht an Rhein und Mosel. Es wäre die Hauptaufgabe von Wissenschaft und Politik über genau dieses Szenario nachzudenken und einen Plan B zu entwickeln. Doch gerade solche Vorarbeit ist nicht gewollt. Die Umweltpolitik befasst sich stattdessen geradezu starrsinnig damit, untaugliche Mittel zur Dekarbonisierung zu entwickeln, zum Beispiel Maismonokulturen für Biogas oder landschaftszerstörende Windparks, die nicht ein einziges Kilogramm CO2 einsparen.

Uns Jäger müsste eine solche Politik besonders verärgern, denn wir erleben, mehr als jeder Städter, die brutale Veränderung unserer Landschaft und der Wildbestände vor Ort, und zwar nicht durch den Klimawandel, sondern durch die unbeholfenen Maßnahmen, die ihn stoppen sollen. Ein Maisdschungel soll das Klima retten, doch ökologisch stellt er nichts anderes dar als eine Ackerwüste mit dem Mehrwert eines Parkplatzes. In Zeiten des Insektenschwunds wäre es ein Gebot der Stunde, die unselige Maissubvention durch blühende Energiepflanzen zu ersetzen und den Minderertrag als Unterstützung des Artenschutzes zu subventionieren.

KIEFER STATT BUCHE

Einen Plan B zu denken, müsste bedeuten, nicht mehr vom romantischen Buchenurwald zu träumen, auch an Standorten, für die er sich nicht eignet, um unser Augenmerk verstärkt auf die klassischen, bedürfnislosen Brotbäume wie die Kiefer zu richten, die mit solchen Klimaentwicklungen, insbesondere bei armen Böden, besser zurechtkommen. Jagd und Forst sind Bereiche des Praxistests, keine Spielfelder für irrationale Fantasten. Gerade daran sollten wir denken, wenn wir uns an den Sommer 2018 erinnern.