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NACHT-ZANDER: VOLLMONDPARTY


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 60/2019 vom 10.05.2019

Das nächtliche Spinnfischen auf Zander ist für viele Angler eine Hochsommer-Angelegenheit. Doch die Räuber gehen bereits jetzt und sogar das ganze Jahr hindurch im Dunkeln auf Beutezug! Begleiten SieBruno de Vries undRoel Kaandoorp in einer fischreichen Vollmondnacht.


TITELTHEMA

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Vollmond und Kunstlicht sind für Zander zuviel des Guten. Jetzt heißt es, gezielt an den Schattenkanten von Brücken und Spundwänden zu fischen.


FOTOS: S. BOER

Bruno und Roel interessiert der Verkehrslärm um sie herum überhaupt nicht. Ihr Fokus liegt allein auf dem dunklen, wellenlos daliegenden Wasser unter ihnen. „Meiner ...

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... Erfahrung nach fängt man bei Vollmond eindeutig die größeren Fische. Außerdem lieben die Fische all die Straßenlaternen und Leuchtreklamen“, erklärt Roel die nächtliche Expedition ins hell erleuchtete Zentrum von Alkmaar. Es könnte aber auch jede andere Stadt an einem Fluss oder Kanal mit Zanderbestand sein. „Wirklich wenige Zanderangler nutzen das Kunstlicht unserer Städte für ihre Zwecke“, meint Bruno.

SCHNELL UND LANGSAM

Die beiden befischen die Kanäle in der Innenstadt. „Vermutlich sind noch recht viele Weißfische im Wasser. Die Räuber sind auf jeden Fall noch da – hier gibt es viele Laichmöglichkeiten“, erklärt Bruno. Um so effektiv wie möglich vorzugehen, machen sie pro Stelle jeder höchstens drei bis vier Würfe. „Wenn dort Raubfische in Beißlaune sind, muss das reichen. So kann man in relativ kurzer Zeit viel Wasser abangeln“, meint Bruno. Beide präsentieren ihre Köder sehr langsam und gemächlich. Dies ist in der Nacht noch wichtiger als am Tage: Die Fische brauchen etwas Zeit, um den Köder wahrzunehmen. Roel verwendet einen Gummifisch mit einem V-Schwanz an einer Dropshotmontage, sodass er noch etwas langsamer fischen kann. Dabei sind bei ihm Gummifisch und Blei sehr dicht beieinander, sodass der Köder nur knapp über Grund schwebt. Doch auch dieser subtile Ansatz bringt heute vorerst keinen Biss. Beim Einkurbeln spüren Roel und Bruno, dass ihre Köder immer wieder kleine Weißß -fische wegschieben. „Die liegen hier wirklich gestapelt“, sagt Roel, „Mit so viel Beutefisch können die Räuber nicht weit weg sein. Aber vielleicht ist es hier schon zu viel Beute und die Räuber sind satt.“

Nach kurzer Überlegung beschließen die zwei Angelfreunde, den Kanal-Abschnitt zu wechseln. „Da ist tieferes Wasser. Vielleicht haben sich die Zander wegen des hellen Mondes ein wenig dorthin verzogen“, bemerkt Roel. „Ganz grelles Mondlicht und klares, flaches Wasser mögen sie nicht so sehr.“ Bruno ist kurz darauf der erste mit Fisch in dieser Nacht. Nahe einer Brücke pflückt er einen kleinen Zander vom Grund. „Den Biss habe ich gar nicht gespürt, sie sind vielleicht nicht so aggressiv drauf heute.“

Im Schein der Laternen auf und rund um die Brücke fischt Roel jetzt einen anderen Teil der Strecke ab. „Stellen, an denen Kunstlicht ins Wasser scheint, bringen oft Fisch. Der Effekt ist ähnlich wie beim Vollmond.“ Er unterbricht seinen Vortrag mit einem Anhieb. „Der Biss war so vorsichtig, dass ich ihn fast nicht gespürt habe“, sagt er erstaunt. Die krumme Rute zeigt aber deutlich, dass trotz des vorsichtigen Bisses ein richtig ordentlicher Fisch hängt. Bruno ist schnell da, um zu assistieren und legt sich flach auf die Brücke, um den Kescher in Position zu bringen. Schließlich löffelt er den Zander ein.

Ein V-Tail am Dropshot-Rig lässt sich extrem lange im heißen Bereich präsentieren. Den tänzelnden Gummi schaut sich kein Zander lang an!


MOND-FAKTEN

„Wahnsinn, was für ein Klopper.“ Bruno ist beeindruckt, als der Fisch mit jedem Meter auf dem Weg nach oben größer wird. Vorsichtig zieht er den Kescher ein paar Meter hoch. Im Mondlicht kommt ein wirklich schöner Zander zum Vorschein. Roel ist ganz aus dem Häuschen über seinen Fang und grinst von einem Ohr zum anderen. „Für einen solchen Fisch am Abend hat sich das alles gelohnt. Für mich auf jeden Fall“, sagt er lachend, als der Fotograf schnell noch ein paar Bilder schießt. Nicht viele Fische, aber oft ziemlich große – so lässt sich das Angeln bei Vollmond zusammenfassen.

Trotz der Distanz von 384.400 Kilometern zwischen Erde und Mond hat er ziemlichen Einfluss auf die Natur. Die Anziehungskraft des Mondes sorgt für die Gezeiten, und die Strömung ist bei Vollund Neumond am stärksten – das Wasser kommt höher als normal. Je voller der Mond, desto höher steht er auch am Himmel und desto mehr Licht gibt er ab. Dabei ist es gut zu wissen, dass der Mond an den Tagen vor einem Vollmond das meiste Licht gibt und sich die Phase des stärksten Lichts jede Nacht etwas verschiebt.

Es ist schwierig, eindeutig zu sagen, welchen Effekt der Vollmond unter Wasser hat. „Im klaren Wasser ist der Einfluss des Mondes größer als im trüben. Darum scheue ich mich auch etwas davor, daran eine ganze Theorie festzumachen“, sagt Bruno ehrlich. „Man merkt manchmal deutlich, dass Wasservögel, wie Haubentaucher, Enten und Schwäne, in Vollmondnächten noch völlig aktiv sind. Ich bin fast sicher, dass es unter Wasser ähnlich aussieht.“


„NICHT VIELE FISCHE, ABER OFT SEHR GROSSE. SO LÄSST SICH DAS ANGELN BEI VOLLMOND ZUSAMMENFASSEN.“


Wo Weißfische in großen Mengen auftreten, sind die Zander nicht weit. Diese Stellen gilt es besonders akribisch zu beangeln.


FOTOS: S. BOER

Roel (rechts) und Bruno sind sich sicher – bei Vollmond fangen sie im Schnitt die größeren Zander.


„Tapetum lucidum“ – klingt kompliziert, ist aber nichts anderes als eine reflektierende Schicht im Zanderauge, sozusagen ein Restlichtverstärker.


SO VIEL LICHT MAG DER ZANDER

Zander haben besondere Augen. Sie funktionieren durch eine reflektierende Schicht („tapetum lucidum“) wie ein Restlichtverstärker. Diese Schicht spiegelt dabei das Licht immer wieder, und jedes Mal wird es von den Sinneszellen im Auge aufgenommen. Gleichzeitig macht diese Augenfunktion den Zander aber sehr lichtanfällig. Hinzu kommt die Tatsache, dass er, wie die meisten Fische, seine Pupillengröße nicht verändern kann.

Daraus abzuleiten ist eine Faustregel für die Angelei in der Nacht: Zander mögen es hell, aber nur bis zu einem bestimmten Maße. Ein klarer Vollmond mit zusätzlichem Kunstlicht kann ihnen zu viel des Guten sein, vor allem in Verbindung mit relativ klarem Wasser. Grundsätzlich passt den Fischen eine bedeckte Vollmondnacht oder ein wenig Kunstlicht besser. Ist es ihnen zu hell, suchen die Fische schattige Bereiche auf und schlagen aus der Dunkelheit zu.

FANTASTISCHE ZANDERANGELEI

Holland ist bekannt für seine guten Zanderreviere. Besonders beliebt sind die Kanäle der größeren Städte. Hier werden immer wieder große Zander und auch Barsche beim Gummifischangeln gefangen. Das Beste: Sie müssen nicht für jeden Kanalkilometer eine neue Tageskarte kaufen. Der Schlüssel zu den Nachtzandern ist der holländische VISpas, den Sie problemlos über das Internet unter www.vispas.nl anfordern können.

Der aktuelle VISpas ist Ihre Eintrittskarte in die fischreichen Gewässer Hollands.

An Brücken finden Sie Schatten – das liebt auch der Zander. Er steht unter der Brücke und schnappt sich die Beute im erleuchteten Bereich davor.


FOTO: S. BOER, J. RADTKE