Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

Nachts auf Hecht


Petri-Heil - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 26.08.2019

Nachts am Wasser zu stehen und zu fischen hat seine eigene Faszination: Man muss sich total auf seine Gewässerkenntnisse und auf das Gefühl verlassen. Wenn es klappt, ist es ein ganz besonderes Erlebnis!


Artikelbild für den Artikel "Nachts auf Hecht" aus der Ausgabe 9/2019 von Petri-Heil. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Petri-Heil, Ausgabe 9/2019

Der Hecht als ausgeprägter Lauerräuber ist besonders an vielfrequentierten Seen nachts aktiv.


In den meisten Gewässern darf nicht rund um die Uhr, sondern nur zu gewissen Zeiten gefischt werden. Es gibt aber auch Ausnahmen. Im Kanton Solothurn darf man nachts fischen, ebenso in der Aare ab dem Ausfluss aus dem Bielersee (siehe «Petri-Heil» 7-8|2019). Am besten erkundigt man sich direkt bei seinem ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 8,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Petri-Heil. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 9/2019 von September:Was läuft im #PetriSeptember. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
September:Was läuft im #PetriSeptember
Titelbild der Ausgabe 9/2019 von Oberwalliser Bergseen: Ein Eldorado für Petrijünger. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Oberwalliser Bergseen: Ein Eldorado für Petrijünger
Titelbild der Ausgabe 9/2019 von Tippfischen im Tessiner Bergbach. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Tippfischen im Tessiner Bergbach
Titelbild der Ausgabe 9/2019 von Fischen in zwei Bündner Seen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Fischen in zwei Bündner Seen
Titelbild der Ausgabe 9/2019 von Sommer am See. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Sommer am See
Titelbild der Ausgabe 9/2019 von Mit der «Zikade» auf Sommer-Egli. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mit der «Zikade» auf Sommer-Egli
Vorheriger Artikel
Sommer am See
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Mit der «Zikade» auf Sommer-Egli
aus dieser Ausgabe

... zuständigen Amt. Aber auch an Gewässern mit einer zeitlichen Beschränkung kann man bis zur erlaubten Zeit die Dämmerungs-und erste Nachtphase ausnützen.

Geduld und ruhige Stimmung

Die nächtliche Spinnfischerei erfordert viel Geduld und eine gewisse Anpassung an den Fisch. Wer sich nicht scheut, ein paar Nächte zu investieren, um den Dreh rauszubekommen, kann mit kapitalen Fischen belohnt werden. Beim aktiven Nachtfischen auf Hecht ist es von Vorteil, wenn man die Stellen bereits am Tag befischt hat und Hängergefahren und Anlandeplätze gut kennt. Ein guter Grund, es nachts zu versuchen, ist – von der ruhigen Stimmung ganz abgesehen – der Umstand, dass in der Nacht eher die grösseren Exemplare aktiv sind.
Künstliches Licht von Laternen kann übrigens gut sein, um Nachthechte zu fangen, aber es funktioniert ebenso gut an rabenschwarzen Plätzen. Ich benutze die Stirnlampe sehr sparsam und leuchte nicht zu viel ins Wasser. Einige andere Angler lassen sie andauernd brennen, um die Spitze und die Schnur zu beobachten. Ich fange aber durchgehend schlechter, wenn das Licht brennt. Ohne Licht kann ich mich besser auf den Köder konzentrieren, meistens lasse ich die Lampe nur beim Köderwechsel und beim Drill an.

Im See: Nachtaktiv im Sommer

Grundsätzlich konnte ich feststellen, dass die Fische nachts in Ufernähe und ins flachere Wasser kommen. Wo am Tag kaum Echos festzustellen sind, kann es am Abend und in der Nacht von Fischen nur so wimmeln. Das wissen auch die Berufsfischer, deshalb setzen sie die Netze gerne in flachere Bereichen, wo man am Tag kaum Fische vermuten würde. Die Netze holen sie dann am Morgen wieder ein. Im Stillgewässer ist der Hecht vor allem im Sommer aktiv in der Nacht.
Da das Wasser tagsüber warm ist, verziehen sich die grösseren Hechte ins tiefere Wasser Richtung Sprungschicht. Kühlt und beruhigt sich das Wasser mit dem Eindunkeln wieder, folgen sie den Kleinfischen in Ufernähe, wo sie ihnen im Flachen auflauern. Im See sind also Hotspots für Egli und Weissfische auch für Nachthechte sehr interessant. Umso besser noch, wenn sich in der Nähe zusätzlich eine Tiefenkante befindet. Am Bielersee konnte ich von der Hafenmole La Neuveville nachts schon einige Hechte überlisten.

Im Fliessgewässer

Hechte aus Fliessgewässern verhalten sich anders als ihre Artgenossen im Stillwasser. Ich konnte feststellen, dass sie in Fliessgewässern in der Nacht aktiver sind als in Stillgewässern. Ich vermute es rührt daher, dass sie sich in der Strömung mehr bewegen müssen und damit auch mehr Energie verbrennen, was wiederum einen gesteigerten Appetit zur Folge hat.
Strömungskanten sind immer interessant. Wenn es im Flusslauf tiefer wird, entstehen Bereiche, wo weniger Strömung herrscht. Für den Hecht ein perfekter Ort, um sich auf die Lauer zu legen. Auch Widerwasser in Kurven oder bei Flussmündungen sind interessant. Überall da, wo man etwas tieferes und ruhigeres Wasser findet, kann man mit Hechten rechnen.
Auch Bereiche hinter Brückenpfeilern sind attraktiv, da es dort ruhigere und tiefere Stellen gibt. Ich fische oft in Grenchen hinter den beiden Brücken sowie in Büren hinter der Holzbrücke auf Nachthechte. Auch Solothurn mit den vielen Brücken ist einen Abstecher wert.

Nächtliche Köderführung

Faulenzen ist die einfachste Variante, um seinen Köder zu animieren. Das ist kräfteschonend und man kann lan-ge dranbleiben. Ich mache immer so viele Kurbelumdrehungen, damit ich mindestens zwei Sekunden Absinkphase habe. Bei mir sind es meistens 3 bis 6 Umdrehungen. Je nach Strömung und Ködergewicht variiert die Absinkphase. Da muss man ein wenig ausprobieren, um das richtige Jigkopfgewicht zu finden. Beim Jiggen wird der Köder nur über die Rute angezupft, beim Absenken der Rute wird die Schnur schnell wieder aufgekurbelt. Diesen Führungsstil verwende ich gerne, wenn die Hechte aggressiv unterwegs sind, so kann man den Köder stark animieren. Das funktioniert am besten in den warmen Monaten.

Am ersten Mai 2019 biss dieser 105 cm Nachthecht.


Beim Nachtangeln ist eine Stirnlampe mit verstellbarem Fokus eine unverzichtbare Hilfe.


Manchmal fängt man gleich mehrere Exemplare; öfter geht man aber leer aus, das gehört zur Nachtfischerei dazu.


Meistens verwende ich aber eine Mischung der beiden Führungsstile. So läuft der Köder immer wieder anders. Mal kurble ich drei Mal und manchmal auch sechs Mal. So hat der Köder verschieden lange Absinkphasen. Die Bisse kommen wie auch tagsüber meistens in der Absinkphase. Da der Hecht, anders als der Zander, seine Beute weniger gerne vom Boden nimmt, habe ich mehr Erfolg mit mehr Umdrehungen und einem entsprechend höheren Aufsteigen des Köders.

Farbwahl für die Dunkelheit

Ich verwende meistens dieselben Farben wie tagsüber, momentan am liebsten Dunkelgrün wegen des hohen Kontrasts. In der Nacht habe ich ausserdem gute Erfahrungen mit Weiss, Schwarz, Orange, Gelb und Pink gemacht. Das sind alles Farben, welche einen guten Kontrast zum Hintergrund bieten, sei es der Himmel oder der Grund. In der Nacht geht es aber viel mehr um die Druckwellen des Köders. Die Farbe sollte einfach nicht zu transparent sein und sich vom Hintergrund abheben. Ein paar glänzende Flakes sind auch nicht verkehrt. UV-aktive Farben funktionieren, ich konnte damit aber nicht mehr fangen als mit nicht-UV-aktiven Ködern. Was bei mir aber schlechter abgeschnitten hat, waren selbstleuchtende Köder.

Je grösser desto besser?

Viele Hechtfischer verwenden Köder um die 20 cm und grösser, dies in der Hoffnung, dass der massive Köder auch möglichst massive Fische zum Biss verleitet. Das funktioniert so auch, nur ist diese Fischerei halt auch verschleissfördernd, sowohl bei Rute wie Rolle. Zudem muss man wegen der Schnellkraft beim Auswerfen dickere Schnüre sowie dickere Vorfächer verwenden. Ganz abgesehen von den eigenen Gelenken und Sehnen. Ich habe jahrelang die grossen Köder von 20 bis 30 cm rumgeworfen und meine Erfahrung ist, dass man so eher weniger Fische als mit kleineren Exemplaren fängt. Ich kann auch nicht unterschreiben, dass grosse Köder grosse Hechte gezielter ansprechen. Ich habe schon zu viele Hechte über 80 cm beim Eglifischen gefangen, um diese Aussage zu stützen.

In der sommerlichen Dämmerung sind die Raubfische am aktivsten.


Mittlerweile bin ich bei einer durchschnittlichen Köderlänge von 13 bis 16 cm angekommen. Damit werfe ich weiter, kann dünnere Schnüre und leichteres Gerät verwenden und habe eine schönere Absinkphase. Ausserdem habe ich weniger Fehlbisse bei kleineren Ködern, da die Hechte sie besser ins Maul bekommen. Hingegen verwende ich oft schwerere Jiggewichte als die meisten anderen Fischer von bis zu 30 Gramm. Damit kann ich das tiefere Freiwasser besser befischen und die Strömung in den Flüssen besser ausnutzen. Ausserdem streckt das höhere Jiggewicht die Schnur während des Absinkens des Köders mehr und man hat dadurch weniger Fehlbisse. Im Gegenzug muss man so mehr Kurbelumdrehungen machen, um eine gute Absinkphase zu erhalten. Der Führungsstil wird dadurch aggressiver, was den Hechten aber durchaus gefällt, vor allem nachts, wenn sie sich primär auf Druckwellen bei der Jagd verlassen.

Kapitale Exemplare

Grosse Hechte sind nicht umsonst so gross geworden. Ich bin überzeugt, dass es Hechte gibt, welche fast ausschliesslich nachts fressen und sich darauf spezialisiert haben. Es ist allgemein bekannt, dass man früh morgens und spät abends am besten fängt. Das liegt daran, dass die Räuber den geringeren Lichteinfall ausnutzen, um ihre Beute zu jagen. Wenn man sich die grossen Augen eines Hechts ansieht, gepaart mit dem langen Seitenlinienorgan, kann man verstehen, dass sich einige Exemplare auf die nächtliche Jagd spezialisiert haben.
Was noch wichtig zu erwähnen ist: Hechte können wochenlang keine Nahrung zu sich nehmen. Das sollte man im Gedächtnis behalten, wenn man mehrmals keinen Erfolg verbuchen konnte. Da ist Abwarten bis zum richtigen (Biss-)Zeitfenster angesagt. Mit einem grossen Exemplar werden meist nur diejenigen belohnt, welche Ausdauer und Geduld an den Tag legen. Manchmal auch gleich mit mehreren Bissen in kurzer Zeit. Nur der Köder im Wasser fängt den Fisch. In diesem Sinne Petri Heil!

Auch bei der Nachtfischerei auf Hecht setzt Ivan auf nicht allzu schweres Gerät und Köder in moderaten Grössen.