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Nadine Berneis: HAUSRUNDE: GANZ SCHÖN SCHNELL


Bike Bild - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 30.08.2019

MISS GERMANY NADINE BERNEIS FÄHRT RENNRAD – UND WIE! ÜBER 70 KILOMETER SCHEUCHT SIE UNSEREN AUTOR DURCH DEN THÜRINGER WALD. FÜR DIE 29-JÄHRIGE POLIZISTIN IST RADFAHREN JEDOCH NICHT NUR FITNESS-INSTRUMENT, SONDERN EINE LEBENSEINSTELLUNG


Artikelbild für den Artikel "Nadine Berneis: HAUSRUNDE: GANZ SCHÖN SCHNELL" aus der Ausgabe 4/2019 von Bike Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Nadine Berneis posiert auf dem Erfurter Domplatz mit Schärpe und Helm. Dass Miss Germany hier bereits 70 Kilometer in den Beinen hat, sieht man ihr nicht an


Plauderei am Berg: Nadine Berneis bleibt trotz des Acht-Prozent-Anstiegs immer noch ausreichend Luft, um viele Fragen zu beantworten


FOTOS: HENNING ANGERER (2)

Hinter Nadine liegt die Krämerbrücke. Das Wahrzeichen ...

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Nadine genießt die schnuckeligen Ortsdurchfahrten (o.) genauso wie die beruhigenden Waldpassagen (u.) im Thüringer Wald. Sie sagt über sich selbst: „Ich bin auch gern allein auf dem Rad, ich muss nicht immer viel quatschen“


Ohne Umwege steckt Nadine Berneis die Trinkflasche in den Flaschenhalter ihres Leihrads. Danach greift sie die Schnürsenkel ihrer schwarzen Mode-Radschuhe und bindet eine großzügige Schleife. Links. Rechts. Klick. Klack. Kein Stocken, kein Nachbessern, mühelos klickt sie ins Pedalsystem ein. Sie lässt das Rennrad im Kreis rollen, prüft die Scheibenbremsen, schaltet das Ritzelpaket zackig durch, dass es nur so knallt, klickt aber wieder aus. Noch hat ihr Radcomputer keine Satellitenverbindung hergestellt. Sie witzelt: If it’s not on Strava, it didn’t happen.

Wenn die amtierende Miss Germany ein Bonmot verwendet, das vielleicht nur eingefleischten Rennradfahrern geläufig ist, sollte man als Interviewer schnell in die Pedale kommen, damit es endlich losgehen kann. Zumal Nadine betont, wie wichtig ihr Pünktlichkeit ist.

Wir rollen langsam ein, werden erst mal warm, reden übers Radfahren. Seit rund drei Jahren steigt die in Dresden geborene 29-Jährige regelmäßig aufs Rennrad, nimmt auch an Jedermann-Rennen teil. Letztes Jahr absolvierte sie das 117-Kilometer-Rennen der Jedermann Tour in Stuttgart. Privat ist sie auf der italienischen Edelmarke Pinarello unterwegs – das Fahrrad war ein Geburtstagsgeschenk ihres Lebenspartners. Sicher nicht ganz uneigennützig, er fährt dieselbe Marke, ist auch begeisterter Rennradfahrer. Nadine erzählt, dass sie durch ihn zum Rennradfahren gekommen ist. Sie fahren viel zusammen, aber sie schnürt auch gern allein ihre Radschuhe. Sie schätzt am Radeln das Entspannte und sagt offen: Ich bin gern auch mal für mich allein. Auf dem Fahrrad gehört die gesamte Zeit mir.

Ein perfekter Sommerurlaub der beiden sieht so aus: Sie verfrachten, wie auch in diesem Jahr, die Rennräder ins Wohnmobil und fahren nach Frankreich. Dass das Peloton der Tour de France zu diesem Zeitpunkt durch die französischen Alpen klettert, ist kein Zufall. Beide fahren nicht nur gern – sie sind auch Radsportfans.

Gegen 10 000 Frauen durchgesetzt

Der erste kleine Anstieg begegnet uns in Holzhausen. Nadine geht aus dem Sattel, arbeitet harmonisch die erste Kuppe hoch, zeigt dabei keine Schwäche. Ist sie ein Wettkampfmensch? In diesem Moment sehr gut vorstellbar. Ohne Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen wird man schließlich nicht Miss Germany.

Drei Wochen lang kämpft Nadine im Februar dieses Jahres um die begehrte Schönheitskrone und setzt sich im Finale gegen 15 Konkurrentinnen durch, eine schöner als die andere. Sie relativiert die Rivalitäten: Wir hatten keinen Zickenkrieg, haben uns alle gut verstanden, hatten eine tolle Zeit. Sie legt kurz vor der Kuppe noch mal zu, die Hebel der 1,81 Meter großen Frau sind wie gemacht für solche steilen Anstiege. Oben lächelt sie. Kein Wettkampftyp? Schwer vorstellbar.

Lächelnd drückt Nadine jeden Huckel weg


Mit jedem weiteren Lächeln drängt sich die Frage nach ihrer Zahnlücke auf, ihr Markenzeichen. Als Jugendliche, erzählt Nadine unbeschwert, habe sie unter der Lücke gelitten, hat mit zugekniffenem Mund gelacht, heute trage sie diese mit Stolz. Nicht nur die Zahnlücke macht sie besonders. Mit 29 Jahren ist sie die älteste Miss Germany seit den Anfängen des Schönheitswettbewerbs 1927. Der Contest verändere sich, dieses Jahr sei auf die Bikini-Show verzichtet worden, weil viele meinen, nackte Haut wird weniger wichtig. Die von Nadine trägt an drei Stellen schwarze Tinte. Auf ihrem tätowierten Oberarm fliegen vier Falken Richtung Hand, am linken Fußknöchel liegt ein Anker, auf ihrem Nacken steht Carpe Diem (Nutze den Tag).

Unterwegs lädt der Ausblick dazu ein, einen Gang rauszunehmen


Snack-Stopp beim Bratwurstmuseum in Holzhausen


FOTOS: DEUTSCHLAND TOUR/HENNING ANGERER (6), HENNING ANGERER

ZUR PERSON

Nadine Berneis ist gebürtig aus Dresden. Seit rund sechs Jahren lebt sie in Stuttgart und bezeichnet Baden-Württemberg als ihre Heimat. In einem Polizeirevier in der Stuttgarter Innenstadt ermittelt die 29-Jährige gegen Internetkriminelle. Mit der Wahl zur Miss Germany am 24. Februar im Europa-Park in Rust ging für sie ein Traum in Erfüllung, sagt sie. Im vergangenen Oktober wurde die 1,81 Meter große Frau mit den blonden Haaren bereits zur Miss Baden-Württemberg gekürt. Fit hält sich Nadine nicht nur mit Radfahren. Wenn es ihre Zeit zulässt, geht sie joggen oder besucht das Fitnessstudio. Sie hat uns verraten: Für die Zukunft plant sie die Teilnahme an einem Triathlon.

Nadine Berneis trittkraftvoll den Berg hoch


Bei einer kühlen Cola werden die gestrampelten Höhenmeter ausgewertet


Krone gewonnen, QOM verloren

Aktuell ist ihr Alltag geprägt von Modeljobs, Presseterminen und repräsentativen Verpflichtungen. Dafür hat sich die Polizistin beurlauben lassen, zunächst für ein Jahr. Statt Internetverbrecher zu jagen, lächelt sie bis nächstes Jahr in unzählig viele Kameraobjektive. Später will sie in ihren Beruf zurückkehren, er mache ihr Spaß, sagt sie, dennoch würde sie nebenbei gern weitermodeln.

Unter der Terminfülle leidet das Training, aber immerhin acht QOMs weist ihre Strava-Palmères noch auf. QOM steht für Queen of Mountain: Radler, die auf einem bestimmten Strava-Segment die schnellste jemals erreichte Zeit aufstellen, erhalten diese digitalen Auszeichnungen. Nadine nimmt den Verlust sportlich, ihre verlorenen QOMs hole sie sich wieder, wenn sie die Krone abgeben müsse. Mehrfach betont sie: Herausforderungen reizen sie.

Nach zweieinhalb Stunden im Sattel biegen wir in den Thüringer Wald ein. Gleich haben wir es geschafft, nur noch ein knackiger Anstieg mit 500 Höhenmetern wartet auf uns. Nadine hat zuvor mit einem üppigen Stück Sahne-Mango-Kuchen die Glykogenspeicher gefüllt. Während sich der Asphalt im Kehltal erhebt, bleibt sie im Sattel, ihr Tritt ist weiter rund. Die Temperaturen klettern weit über 30 Grad, sodass Schweiß von ihrer Sommersprossen-Nase auf den Radcomputer perlt. Mit hochfrequenter Atmung arbeitet sie sich den Anstieg hoch. Ein Kraftakt. Und dennoch, oben lächelt sie wieder.

Geschafft. 70 Kilometer und 1000 Höhenmeter. Respekt! In Erfurt füllen wir die Kohlenhydratspeicher mittels Pizza auf. An ihren Armen zeichnet sich bereits Sonnenbrand ab. Tan Line? Für ein Model sicher so ergiebig wie ein Plattfuß bei einer Grand Tour. Das passiert halt mal, schmunzelt Nadine ihren Bräunungsstreifen weg. Sie greift das letzte Stück Pizza und will noch zur Eisdiele für eine Kugel Schokoladeneis. Ihre Radeinheit ist da schon längst auf Strava hochgeladen.

N. BERNEIS’ STRECKE

Mit Nadine Berneis, Botschafterin der Deutschland Tour, erkunden wir einen Teil der 113 Kilometer langen Strecke „Thüringen entdecken“ der Jedermann Tour in Erfurt. Wir starten südlich von Thüringen in Apfelstädt und folgen den Gleichenschlössern. Nach 20 Kilometern erreichen wir Holzhausen und besichtigen das 1. Deutsche Bratwurstmuseum. Über schmucke Städte wie Arnstadt und Arlesberg steuern wir Gräfenroda an, durchfahren im Thüringer Wald das Kehltal und arbeiten uns nach 50 Kilometern bis zum Wintersportzentrum in Oberhof auf 815 Meter Höhe vor.