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NÄHRSTOFF-BOOSTER: Das spezielle Extra


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 17.06.2019

Die Basis jeder Pferdefütterung ist gutes Heu – das ist keine Frage. In bestimmten Situationen, wenn ein Pferd ein anstrengendes Turnier vor sich hat oder etwa bei Darmproblemen, greifen manche Pferdebesitzer zu sogenanntenBOOSTERN. Hilft das?


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Viele Booster werden wie eine Wurmkur als Paste ins Maul gegeben.


Foto: fotolia

Eine Portion Nudeln vor dem Marathon am nächsten Tag – für mehr Energie. Eine Scheibe Brot mit Butter und extra Salz, weil man so stark geschwitzt hat. In bestimmten Situationen greifen wir zu Lebensmitteln, von denen wir wissen, dass sie genau in diesen Momenten hilfreich sind. Es ist ...

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... schon lange kein Geheimnis mehr, dass Kohlenhydrate Energie liefern, dass Salz bei starkem Schwitzen verloren geht oder dass Proteine den Muskelaufbau unterstützen. Das nutzt auch die Industrie und bietet für bestimmte Situationen spezielleNährstoffe in einer schnell verfügbaren Form an, die sogenannten Booster – zu deutsch: die Verstärker.

UMSTRITTENER ZUSATZ

Für Pferde gibt es solche Booster als Pellets, als sogenannte Shots in einem kleinen Fläschchen und – wohl am häufigsten – in Form von Pasten, die bei Bedarf wie eine Wurmkur ins Maul gedrückt werden. Ob sie tatsächlich nötig sind oder sogar helfen, darüber wird viel diskutiert. Einige Tierärzte und Futterexperten gehen davon aus, dass Pferde durch optimale Fütterung, also ausreichend Raufutter ergänzt mit Mineralfutter, so gut abgedeckt sind, dass keine extra Pasten nötig sind. „Wenn Pferde richtig gefüttert werden, kommen sie bei unserer Witterung auch ohne Booster gut klar“, glaubt Tierärztin Dr. Henrike Lagershausen von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und hat dabei vor allem die Elektrolyt-Booster im Kopf. Ihre Kollegin hat zu Elektrolyten im Blut eine Untersuchung durchgeführt und gemessen, wie die Werte bei Vielseitigkeitspferden vor und nach dem Geländeritt aussehen: Zwar kommt es in einigen Fällen nach der Anstrengung bzw. dem Schwitzen zu leichten Dysbalancen, diese gleicht der Körper aber schnell wieder aus. „Anders zu bewerten ist es, wenn Pferde z.B. zu den Olympischen Spielen nach Tokio reisen, wo andere klimatische Bedingungen zu erwarten sind. Da kann eine solche Unterstützung sinnvoll sein. Ebenso bei Distanzpferden, die über einen langen Zeitraum Schweiß verlieren“, erklärt die FN-Tierärztin.
Andere Tierärzte und Futterexperten räumen ein, dass Boosterauch nicht schaden würden, wenn man sie wie angegeben dosiert. Frei nach dem Motto: Wer dran glaubt …Vor allem im Vielseitigkeitssport greifen einige Reiter gerne zu Energy-oder Elektrolyt-Boostern, um ihre Pferde während eines anstrengenden Turniers zu unterstützen. Auch Tierärztin Dr. Annette Wyrwoll hat in ihrer Zeit als aktive Vielseitigkeitsreiterin ihr Pferd nach einem anstrengenden Turniertag mit diesen extra Nährstoffen versorgt, damit es sich schneller erholt – und um ihr Gewissen zu beruhigen, wie sie zugibt. „Energy-Booster nutzen ganz viele Reiter. Aber ich muss offen sagen, dass ich nicht weiß, was ohne gewesen wäre“, resümiert die Tierärztin. Sie kennt solche Booster aber nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern bekommt auch Feedback von ihren Kunden, die Booster bei ihr kaufen. „Es gibt tatsächlich Pferde, die reagieren sehr gut darauf. Die Reiter berichten, dass ihre Pferde in der Prüfung viel frischer waren. Bei meinem eigenen Pferd habe ich diese Erfahrung jedoch nicht gemacht.“ Einige Reiter geben ihrem Pferd die Booster vor dem Start, damit sie leistungsbereiter sind, andere Pferde bekommen sie nach dem Turnier, um sich schneller wieder zu erholen.

ENERGIE AUS DER TUBE

Frischer durch die Prüfung – das wünscht sich so mancher Turnierreiter. Tatsächlich sind die meisten Energy-Booster dopingfrei. Zur Sicherheit sollte man aber seinen Tierarzt fragen, oder die Inhaltsstoffe des Boosters bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung auf ihre Doping-Relevanz prüfen: www.pferdaktuell.de, Fairer Sport.
Prof. Dr. Petra Wolf leitet die Professur Ernährungsphysiologie und Tierernährung der Universität Rostock. In erster Linie hat sie sich eingehend mit Boostern für Nutztiere wie Kälber oder Ferkel beschäftigt, dabei aber auch über den Tellerrand geblickt und sich Booster für Pferde angesehen. Sie weiß, was in den verschiedensten Boostern steckt bzw. warum bestimmte Booster in bestimmten Situationen helfen sollen.
In Energy-Boostern sind häufig Zuckerverbindungen enthalten. „Also leicht verdauliche Kohlenhydrate, so wie wir sie in Nudeln finden, die der Sportler vor dem Marathon isst“, erklärt die Ernährungsexpertin. Auf der Liste der Inhaltsstoffe steht dann oft Glucose, also Traubenzucker. Blickt man aufs Etikett verschiedener Booster, findet man außerdem noch Vitamine und Spurenelemente. So spielt L-Carnithin eine wichtige Rolle beim Muskelstoffwechsel, da es die Energie in die Kraftwerke der Zelle, also in die Mitochondrien bringt. Magnesium und Vitamin E helfen den Muskeln, sich schneller zu erholen. Ob Energy-Booster tatsächlich wirken, stellt Dr. Wolf in Frage: „Man muss sich die Relation ansehen: Ein 600 Kilogramm schweres Pferd bekommt einmal eine 100 oder 250 ml Paste … Vielleicht hilft auch der Glaube daran.“ Dennoch gibt sie zu bedenken, dass man Booster nicht pauschal abwerten sollte. Es käme vielmehr auf das Produkt und die Inhaltsstoffe an. „Man kann außerdem nichts verkehrt machen mit den Boostern, außer man dosiert sie eine lange Zeit zu hoch.“
Die Inhaltsstoffe der Elektrolyt-Booster decken auch den Mineralstoffverlust ab, der durch starkes Schwitzen bei starker Belastung entsteht. „Da Pferde mit dem Schweiß vor allem Kochsalz verlieren, sollte in solchen Boostern auf jeden Fall Natrium und Kalium enthalten sein“, rät Prof. Wolf. Ein Salzleckstein erfüllt ihrer Meinung nach diesen Zweck aber ebenso.

Nach Prüfungen, in denen Pferde viel Schweiß verlieren, greifen einige Reiter zu Eletrolyt-Boostern.


Foto: www.toffi-iamges.de

Um das noch nicht ausgereifte Immunsystem zu unterstützen, bieten Futterhersteller Booster mit Immunglobulinen an – diese stecken aber auch im Kolostrum.


Foto: Sorge

BOOSTER FÜR FOHLEN

Nicht nur für den Hochleistungssport gibt es Booster, auch für den Lebensstart. Hier sind auf dem Markt unterschiedlichste Produkte für Fohlen erhältlich. Manche Hersteller bieten Booster an, die das Neugeborene mit Vitaminen und Spurenelementen abdecken sollen, um so Schwankungen der Stutenmilch auszugleichen. Vitamin D und Kalzium sollen die Knochen stärken, ebenso Vitamin A, das auch bei der Sehnenentwicklung beteiligt ist und die Immunabwehr stärkt. Auf letzteres, die Immunabwehr, konzentrieren sich Fohlen-Booster, die neben Energieträgern vor allem Immunglobuline enthalten. Diese gehören zur Immunabwehr, die sich in zwei Teile untergliedert: Die unspezifische Immunabwehr verhindert zunächst das Eindringen von Krankheitserregern in den Körper. Die spezifische Abwehr wird aktiviert, wenn Erreger in den Körper eingedrungen sind. Bestimmte Zellen (die weißen Blutkörperchen) produzieren Abwehrstoffe, die Immunglobuline. Sie werden speziell für den eingedrungenen Erreger gebildet, das heißt sie passen wie ein Schlüssel in das Schloss des Erregers und zerstören diesen. In der ersten Muttermilch nach der Geburt, dem Kolostrum, stecken in hohem Maße Immunglobuline. Da in den ersten Stunden nach der Geburt die Darm-Blutschranke noch offen ist, können diese Abwehrstoffe direkt vom Darm ins Blut gelangen und schützen so das Fohlen vor Infektionskrankheiten. Aus diesem Grund kann man in den ersten Lebensstunden auch das Fohlenblut auf Immunglobuline untersuchen. „Weist der Test eine schlechte Versorgung des Fohlens mit Immunglobulinen nach oder hat die Mutter zu wenig Kolostralmilch, sollte das Fohlen eine Serumspende erhalten“, rät Dr. Lagershausen. Ein Booster genüge dann nicht. Hat die Mutter aber nur etwas wenig Milch oder ist das Fohlen sehr zart, greift Dr. Annette Wyrwoll auch mal zu einem Booster. „Wir hatten erst neulich ein Fohlen, dessen Mutter anfangs zu wenig Milch hatte, also bekam es von uns eine Immunogen-Paste“, erzählt die Tierärztin, die einen solchen Immunglobulin-Booster gerade bei jungen, mickrigen Fohlen anwendet. „Und tatsächlich hatten wir den Eindruck, dass das Fohlen vitaler wurde und häufiger getrunken hat – was wiederum die Milchproduktion der Stute angeregt hat. Zusätzlich sind auch noch andere Energieträger in der Paste enthalten.“ Wichtig ist, dass die Immunglobuline kurz nach der Geburt gegeben werden, denn nach sechs bis acht Stunden schließt sich die Darm-Blutschranke, das heißt, die Immunglobuline gelangen nicht mehr ins Blut! Werden sie später gegeben, unterstützen sie nicht mehr 100-prozentig, können aber eine Hilfe für die unspezifische Immunantwort sein, weiß Prof. Petra Wolf.

BEI KRANKHEITEN

„Es gibt Menschen, die nehmen bei einer Erkältung gar nichts, andere versuchen homöopathisch oder mit Heilkräutern etc. schneller wieder gesund zu werden. Und so ist es auch bei Pferdebesitzern: Manche möchten ihre Pferde so gut wie möglich unterstützen“, erklärt Dr. Wyrwoll. Bei älteren Pferden oder bei harmloseren Infekten, wenn noch kein Antibiotikum nötig ist, greift die Tierärztin daher auch mal zu einem unterstützenden Booster. Je nach Problem oder Krankheit gibt es auch hier unterschiedliche Mittel mit verschiedenen Inhaltsstoffen.
Um das Immunsystem zu unterstützen und die Folgen von Stress zu reduzieren, wird gerne auf Radikalfänger zurückgegriffen, verrät Prof. Petra Wolf. „Freie Radikale schaden dem Körper und werden zum Beispiel von Vitamin E oder Selen abgefangen“, erklärt die Ernährungsexpertin. „Aber Pferdebesitzer müssen bei solchen Zusatzpräparaten wirklich aufpassen, was in der üblichen Ration schon drin ist, um diese Substanzen nicht zu hoch zu dosieren! Auf jeden Fall sollte man sich auch den Booster genau ansehen, denn in der Regel ist darauf vermerkt, ob man mit dem Produkt einen Nährstoff überdosieren kann.“ Ist der Booster für stressige Situationen oder nervige Pferde gedacht, ist meistens auch noch Magnesium enthalten. „Denn Magnesium hat allgemein eine dämpfende Wirkung und beruhigt“, erklärt Prof. Petra Wolf.

Pro- oder Präbiotika stecken in Boostern gegen Bauchschmerzen.


Foto: www.galoppfoto.de

Booster bei Atemwegsproblemen enthalten oft Kräuter, die gegen Husten helfen.


Foto: Slawik

Das Immunsystem des Pferdes und sein Darm stehen in enger Verbindung – schließlich ist ein Großteil der Immunzellen im Darm beheimatet. Booster, die den Darm unterstützen sollen, sollten auf jeden Fall Pro- oder Präbiotika enthalten, rät Prof. Wolf. Unter Probiotika werden nützliche Bakterien zusammengefasst, die sich im Darm ansiedeln und diesen bei der Verdauung unterstützen sollen. Präbiotika sind Substanzen, die diese nützlichen Bakterien ernähren – also bestimmte Verbindungen, die es unverdaut bis in den Dickdarm schaffen, wo sie dann als Futter für die nützlichen Bakterien dienen.
Auch für spezielle Probleme, wie etwa Atemwegskrankheiten, werden Booster für Pferde angeboten. Sie enthalten das, was bei solchen Krankheiten unterstützend hilft, in konzentrierter und schnell verfügbarer Menge. „Fenchel, Minze, Eukalyptus, also das, was auch im Humanbereich wirkt, findet man in Boostern für Atemwegsprobleme“, weiß Prof. Wolf. Auch andere Heilkräuter sind auf den Listen der Inhaltsstoffe zu finden wie Rosmarin, Süßholz oder Ingwer. Aber Achtung: Manche Kräuter gelten in einer bestimmen Dosierung als Doping. Informieren Sie sich deshalb auch hier bei Ihrem Tierarzt oder bei der FN.

NICHT DAUERHAFT GEBEN!

Wie bei allen Zusatzfuttern ist auch bei Boostern wichtig, dass diese nicht dauerhaft gegeben werden. „Das würde das Nährstoff-Gleichgewicht durcheinanderbringen“, erklärt Dr. Annette Wyrwoll. Einige Stoffe dürfen auch nicht überdosiert werden, wie etwa Eisen, Zink oder Selen, für die es Höchstmengen gibt – auf jeden Fall die Fütterungsempfehlung des Herstellers einhalten und eventuell untersuchen, wie viele der einzelnen Vitamine und Spurenelemente bereits in der Grundration enthalten sind!
KW

Dr. Henrike Lagershausen
Die Tierärztin leitet die Abteilung Veterinärmedizin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Dort widmet man sich unter anderem der Leistungsdiagnostik des Pferdes, hierzu gehört zum Beispiel die Messung von Laktatwerten, Herzfrequenzen und Geschwindigkeiten. www.pferd-aktuell.de


Prof. Dr. Petra Wolf
Leitet die Professur Ernährungsphysiologie und Tierernährung der Universität Rostock. Die Tierärztin hat Booster für Nutztiere sehr genau unter die Lupe genommen und dabei auch einen Blick auf Booster für Pferde und deren Inhaltsstoffe geworfen. Außerdem bietet sie tierärztliche Ernährungsberatung an. www.auf.uni-rostock.de


Dr. Annette Wyrwoll
Die Tierärztin kennt Booster nicht nur aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit. Als Vielseitigkeitsreiterin und Teilnehmerin an den Olympischen Spielen in Sydney weiß sie, dass viele Reiter Booster nutzen und hat sie selbst auch für ihr Pferd verwendet. www.pferdepraxis-neuhof.de


FOTOS: XXXX