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Nah am Original


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 70/2020 vom 15.06.2020

SEHNENVERLETZUNGEN zählen zu den häufigsten Problemen am Bewegungsapparat. Ständig wird geforscht, welche Therapien das Gewebe möglichst gut wiederherstellen. Ein Überblick über Behandlungsmethoden und mit welchen Varianten renommierte Kliniken gute Erfolge erzielen


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Wenn die Sehne geschädigt ist, stehen viele verschiedene Therapien zur Auswahl.


Foto: www.galoppfoto.de

Veränderungen können etwas Gutes bedeuten. Wenn sie jedoch in einem Satz mit dem Wort „Sehne“ fallen, sind Pferdebesitzer zu Recht alarmiert. Nicht nur komplette Zerreißungen, auch Auflockerungen im Sehnengewebe sind Veränderungen, die eines ...

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... bedeuten: Die Sehne hat irreversibel Schaden genommen, heißt: Die geschädigten Sehnenstrukturen können nicht wieder zu 100 Prozent hergestellt werden. Während des Heilungsprozesses entsteht unelastisches Narbengewebe, das nicht an die Eigenschaften des ursprünglichen Sehnengewebes herankommt. Die neu gebildete Struktur kann sich nicht mehr so gut dehnen, andere Sehnenstrukturen werden vermehrt belastet. An vielen Pferdekliniken und Universitäten wird daran geforscht, dass sich möglichst wenig Narbengewebe bildet und die Sehne ihre Elastizität so gut wie möglich wiedererlangt.

KÖRPEREIGENE HILFE

Schon lange im Einsatz, und immer noch für viele Tierärzte das Mittel der Wahl, weil sie damit gute Erfolge erzielen, sind regenerative Therapien. Durch die gezielte Nutzung körpereigener Zellen und Wachstumsfaktoren aus dem Blut des Pferdes können Entzündungen sowie Schmerzen gelindert und geschädigtes Gewebe wiederaufgebaut werden. Das Blut wird dem Pferd entnommen und in einem Labor speziell aufbereitet. So wie etwa bei der ACP-Therapie (autologes conditioniertes Plasma). Bei dieser werden Blutzellen dazu angeregt, entzündungshemmende Zytokine zu produzieren, insbesondere Interleukin Rezeptor Antagonist Protein (IRAP).

Eine weitere Eigenbluttherapie ist die PRP-Therapie (Platelet Rich Plasma), also eine Injektion mit thrombozytenreichem Plasma. Blutplättchen (Thrombozyten) enthalten bestimmte Wachstumsfaktoren, die sich unter anderem positiv auf die Sehnenheilung auswirken. „Bei akuten Sehnenschäden, bei denen ein zentraler großer Defekt vorliegt, in den man eine Substanz injizieren kann, greifen wir gerne zu PRP“, berichtet Dr. Petra Ohnemus von der Pferdeklinik an der Rennbahn. Selbstverständlich muss vorher genau geklärt sein, wie der Defekt aussieht. Eine falsche Therapie kann nämlich auch kontraproduktiv sein. Injiziert man in eine kleine Läsion eine große Menge an Substanzen, läuft man Gefahr, den Schaden zu vergrößern.

Sehnen bestehen aus straffem, parallelfaserigem Bindegewebe mit Wellenstruktur. Dadurch sind sie elastisch. Narbengewebe besitzt keine Wellenstruktur.


Foto: Adobe

Im Fokus vieler Forschungsarbeiten steht der Einsatz von Stammzellen – diese haben die besondere Fähigkeit, sich zu spezialisieren, können also zu knochen-, knorpel- oder sehnengewebebildenden Zellen werden. In vielen Pferdekliniken wird die Behandlung von Sehnenschäden mit Stammzellen angeboten. Wie gut eine Therapie anschlägt, hängt aber immer vom Einzelfall ab. Im schleswig-holsteinischen Bargteheide haben die Tierärzte gute Erfahrungen mit der Stammzellen-Therapie gemacht. Im eigenen Labor können die entnommenen Stammzellen sofort aufbereitet und noch am selben Tag injiziert werden, so dass keine lange Zeit zwischen Entstehen des Schadens und Therapiebeginn liegt. „Bei einem massiven Schaden ist es sinnvoll, nach der ersten Akutphase, also wenn die Entzündung reduziert wurde durch Kühlen, Wasserstrahl oder Angussverband, eine Therapie durchzuführen“, erklärt Dr. Volker Sill von der Pferdeklinik Bargteheide. Die Tierärzte dort verwenden entweder Stammzellen aus dem Knochenmark oder aber aus dem Fettgewebe neben der Schweifrübe.

„Das Verfahren mit Fettstammzellen wenden wir erst seit etwa einem halben Jahr an. Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber erst über einen längeren Zeitraum zeigt sich, wie gut eine Therapie ist. Denn entscheidend ist, ob die Sehne hält und belastbar ist, und das zeigt sich meist erst nach einem Jahr.“ Eine Stammzellen-Therapie kostet dort zwischen 1200 und 1500 Euro.

In der Tierklinik Lüsche wie auch in der Pferdeklinik an der Rennbahn wird die Stammzellen-Therapie angeboten, kommt aber eher selten zum Einsatz, da die dort gemachten Ergebnisse mit dieser Therapie „nicht so überwältigend“ seien.

LASERTHERAPIE – EINE REVOLUTION

In Lüsche greifen die Tierärztesehr oft zum therapeutischen Laser, einem FP5-Multifrequenz-Laser. In der Regel werden die Pferde dort 14 Tage lang damit behandelt. „Es gibt immer wieder viele Neuheiten bei der Sehnentherapie, aber die Nutzung des Lasers ist für uns eine Revolution. Für uns ist er nicht mehr wegzudenken“, berichtet Dr. Jan-Hein Swagemakers, der mit fünf Kollegen die Tierklinik Lüsche leitet. Dort kennt man sich bestens mit Sportpferden aus: Dr. Swagemakers betreut die Pferde der deutschen Springreiterequipe, sein Kollege Dr. Marc Koene ist Mannschaftstierarzt der deutschen Dressurreiter.

Ein FP5-Laser arbeitet mit verschiedenen Frequenzen, die in der Kombination Schmerzen lindern, Entzündungen hemmen und das Gewebe anregen, zu heilen. „Der FP5-Laser ist noch moderner als ein FP4-Laser, bei dem wissenschaftlich bewiesen wurde, dass die Sehne schneller heilt – je nach Schaden dauert die Heilung zwischen drei und neun Monate“, erklärt Dr. Swagemakers. Kleinere Sehnenschäden werden von außen mit dem FP5-Laser behandelt, bei größeren Schäden wird ein „Intraläsionaler Laser“ direkt in die Läsion geführt.

Auch in Bargteheide ist ein Laser oft im Einsatz, etwa die Hälfte der Sehnenschäden wird dort mit HILT (High-Intensity-Lasertherapie) bzw. RLT (Regenerative Laser Therapie) behandelt. „Solche Behandlungsmethoden bieten potente Möglichkeiten, eignen sich aber vor allem für Sportpferde an, da die Behandlung nicht günstig ist“, erklärt Dr. Volker Sill. Ein Aspekt, der für viele aufwändigere Sehnentherapien gilt und daher auch mitentscheidend bei der Therapiewahl ist. „Die Pferde müssen für die Laserbehandlung in der Klinik aufgestallt und täglich etwa 45 Minuten lang therapiert werden. Pro Monat belaufen sich die Kosten auf etwa 2000 Euro“, erklärt der Tierarzt aus Bargteheide. „Stammzellen- und Lasertherapie stehen bei uns ganz vorne. Aber man darf keine Wunderwaffe erwarten. Es gibt immer wieder Rückschläge.“

Andersherum gibt es aber auch immer wieder Meldungen, die hoffen lassen. In England konnte ein Laser bei einem bisher kaum zu heilenden Sehnenproblem helfen. Tierärzte des Centre for Equine Studies in Newmarket behandelten ein Dressur- und ein Vielseitigkeitspferd mit einer Karpalkolateralbandverletzung an der Vorhand, die in der Regel das Aus für den Sport bedeutet. Beide Pferde wurden mit HILT behandelt und bekamen Boxenruhe mit kontrollierter Bewegung verordnet. Sie konnten beide zu ihrer früheren Form zurückkehren: Das eine in die Dressur auf Grand-Prix-Niveau, das andere in die Vielseitigkeit.

Mit dem Laser erzielen viele Tierärzte gute Erfolge. Er ist einfach und ohne Sedierung anzuwenden.


Foto: Caremans

THERAPEUTISCHER ULTRASCHALL

In einigen Kliniken gibt es nicht nur für die Diagnose ein Ultraschallgerät. Bestimmte Ultraschallgeräte können auch die Heilung unterstützen, wie jüngst eine Studie aus Italien belegt. 23 Pferde mit einer Fesselträgerverletzung wurden an der Pferdeklinik in San Biagio etwa drei Wochen lang mit einem Niederfrequenz-Therapiegerät (38 kHz) behandelt. 20 der 23 Pferde profitierten von der Behandlung und konnten nach einem Routine-Rehabilitationsprogramm wieder in den Wettkampfstatus zurückkehren. Die Tierärzte ziehen das Fazit, dass die Ultraschall-Therapie eine vielversprechende und wirksame Form der Behandlung von Pferden mit einer Fesselträgerverletzung ist.

STOSSWELLEN-THERAPIE

Wenn ein Sehnenproblem am Ansatz eines Knochens liegt, wie zum Beispiel bei einem Schaden am Fesselträgerursprung, erzielen die Tierärzte der Pferdeklinik an der Rennbahn gute Erfolge mit einer Stoßwellen-Therapie. „Diese Behandlungsmethode ist eigentlich besser geeignet für knöcherne Strukturen. Wenn es sich bei dem Sehnenschaden aber um ein Ansatz- oder Ursprungsproblem handelt, so haben wir auch hier gute Erfahrungen damit gemacht“, berichtet Dr. Petra Ohnemus.

Ob eine PRP-Therapie oder Stoßwellen erfolgreicher bei der Behandlung von Schäden am Fesselträgerursprung sind, haben aktuell Wissenschaftler in den USA untersucht (Blue Ridge Equine Clinic, La Mesa Equine Lameness Center, Colorado State University/ Equine Orthopaedic Research Center). Von den 100 Pferden, die für die Studie zur Verfügung standen, erzielte man besonders bei den jungen, einjährigen Pferden mit geringgradigen Veränderungen der Sehne gute Ergebnisse mit der Stoßwellen-Therapie. Die Pferde, die einen schlimmeren Sehnenschaden hatten, profitierten hingegen mehr von der PRP-Therapie.

BEI ÄLTEREN ODER CHRONISCHEN SEHNENSCHÄDEN

„Chronische Schäden zeichnen sich dadurch aus, dass immer wieder kleine Faserrisse entstanden sind. Oftmals betreffen diese den Fesselträger“, erklärt Dr. Petra Ohnemus und betont, wie entscheidend es bei solchen Schäden ist, die Ursache für das Problem zu finden. „Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, das Pferd als Ganzes zu sehen und herauszufinden, warum die Überlastung der Sehne entstanden ist.“ Läuft das Pferd schlecht über den Rücken? Bewegt es eine Gliedmaße anders, so dass die anderen Beine vermehrt belastet werden? Wie sehen die Böden aus, auf denen das Pferd trainiert wird und wie läuft es unter seinem Reiter? „Oft wird zu wenig nach diesen Grundursachen geschaut“, weiß die Tierärztin und zieht bei solchen Problemen auch immer einen Hufschmied zu Rate, um eventuelle Fehlstellungen zu beurteilen und zu korrigieren.

Zusätzlich injiziert Dr. Ohnemus bei chronischen Sehnenschäden das Hyaluronmedikament TendoPlus. Durch eine fächerartige Spritztechnik wird das Hyaluron nicht in die Sehne, sondern um das verletzte Sehnengewebe gespritzt. Der Gelkomplex legt sich wie ein Stützverband um die Sehne. Das Medikament regt zusätzlich die Bildung körpereigener Hyaluronsäure an, neue Gefäße werden schneller gebildet. Da die Substanz zudem die Zellzwischenräume erweitert, können sich linear ausgerichtete Zellstrukturen neu bilden, die eine qualitativ hochwertigere Struktur aufweisen.

Bei älteren Sehnenschäden kann unter Umständen eine Operation dazu beitragen, die Sehne wieder elastischer und damit auch belastbarer zu bekommen. In Bargteheide wird bei solchen Problemen das Sehnen-splitting angewandt. Kleine Ritze werden in die Sehne geschlitzt, um so kleine Verletzungen zu erzeugen, die die Sehne zum Heilen anregen. In Kombination mit speziellen Injektionen soll das Gewebe, das nun neu entsteht, weniger vernarben und damit elastischer sein.

Gute Resultate bei älteren Pferden, die an einem alten Schaden an der oberflächlichen Beugesehne leiden, haben Dr. Sill und Dr. Swagemakers mit einer Entlastungs-OP gemacht. Dabei wird das Unterstützungsband der oberflächlichen Beugesehne durchtrennt. Letztere bekommt dadurch wieder mehr Elastizität, wiederkehrende Einrisse der Sehne können so vermieden werden.

DAS ALLERWICHTIGSTE: EIN REHA-PROGRAMM!

Die wohl am wenigsten spektakuläre, aber wichtigste Neuerung in der Sehnentherapie in den letzten Jahren: ein gezieltes Antrainieren der Sehne. „Man weiß heute viel besser, wie wichtig Bewegungsimpulse für die Zellen sind, damit sich die Fasern richtig ausrichten und das Narbengewebe eingegrenzt wird. So kann die Sehne an Elastizität gewinnen und erkrankt nicht wieder so leicht“, erklärt Dr. Ohnemus. Viel kontrollierte Bewegung ist nötig. „Rekonvaleszenz-Kliniken sind toll dafür, da sie ein spezielles Aufbauprogramm bieten.“ Die Tierärztin denkt dabei nicht nur an spezielle Geräte wie den Aquatrainer. Je nach Sehnenschaden kann es ab einem bestimmten Grad der Heilung hilfreich sein, das Pferd bergab- oder bergauf zu führen oder es auf verschiedenen Untergründen zu bewegen. Das ist Training für die Sehne. „Früher haben wir die Tiere viel länger stehen bzw. Schritt gehen lassen. Da sind wir heute viel aggressiver“, stimmt Dr. Swagemakers zu. „Sobald der Heilungsprozess eingesetzt hat, bewegen wir die Pferde mehr. Diese aktive Unterstützung und das Stimulieren der Heilung durch Belastung wird bei Tieren teilweise noch zu wenig angewandt. Aktuell gibt es noch nicht so viele Reha-Kliniken für Pferde, aber ich denke, dass das in Zukunft mehr wird, weil es den Therapieerfolg entscheidend mitbestimmt.“

Dr. Petra Ohnemus
Fachtierärztin für Pferde, Turnier- und Rennbahntierärztin, leitet seit elf Jahren die Pferdeklinik an der Rennbahn in Iffezheim. www.pferdeklinik-rennbahn.de


Dr. Volker Sill
Führt mit Dr. Werner Jahn, Dr. Jan Brunk und Dr. Ina Lorenz die Pferdeklinik Bargteheide. Hauptarbeitsgebiete u.a. Orthopädie. www.pferdeklinik-bargteheide.de


Dr. Jan-Hein Swagemakers
Mannschaftstierarzt der deutschen Springreiter, u.a. spezialisiert auf Orthopädie und Sportpferdemedizin. Leitet mit fünf weiteren Tierärzten die Tierklinik Lüsche. www.tierklinik-luesche.de

BLICK IN DIE ZUKUNFT: STAMMZELLEN TO GO

Seit vielen Jahren setzt man in der Veterinärmedizin bei der Behandlung von Sehnenschäden auf Stammzellen – ein teilweise aufwändiges und teures Verfahren. Das könnte sich in Zukunft ändern. Noch nicht für Sehnenschäden, aber für Pferde, die an einer mäßigen bis moderaten wiederkehrenden Lahmheit leiden, die mit einer nicht-septischen Gelenkentzündung einhergeht, gibt es nun eine einfachere Lösung: Ein Medikament mit Stammzellen für den Knorpelaufbau, ArtiCell Forte. Es ist das weltweit erste zugelassene Stammzell-Präparat in der Tiermedizin. Die Stammzellen müssen dem Pferd nicht erst entnommen und aufbereitet werden, sondern stecken in ultra-tiefgefrorener gebrauchsfertiger Form in dem Medikament. Sie wurden aus dem Blut ausgesuchter gesunder Spenderpferde gewonnen und haben eine hohe Fähigkeit zur Knorpelregeneration.

In der Pferdeklinik Bargteheide hat man bereits erste vielversprechende Erfahrungen mit dem Produkt gemacht und auch Fachtierarzt Dr. Bernhard Rademacher aus Todesfelde, Spezialist für Sportpferdemedizin und Orthopädie, zieht ein positives Fazit: „Wir haben mit der Stammzelltherapie ein langfristiges Ergebnis erzielen können. Die Behandlung mit ArtiCell Forte hat mich überzeugt.“

So war zum Beispiel einer seiner Patienten, ein neunjähriger Springhengst auf S***-Niveau, nach erfolglosen Therapieversuchen endlich lahmfrei, nachdem er das Medikament bekommen hatte. Der Tierarzt hatte ihn zunächst mit einem Cortison-Präparat und mit Hyaluronsäure, dann mit IRAP behandelt. Nachdem diese Behandlungen nicht angeschlagen hatten, wurde der Hengst mit den Stammzellen therapiert. Drei Wochen später war er lahmfrei und das Training wurde wieder aufgenommen. Auch fünf Monate nach der Injektion läuft das Pferd weiterhin lahmfrei. Vielleicht gibt es in Zukunft auch ein gebrauchsfertiges Stammzellen-Medikament für die Behandlung von Sehnenschäden.

Ein gezieltes Bewegungsprogramm ist entscheidend, damit die Sehne nicht wieder geschädigt wird.


Foto: Caremans

INDIVIDUELLE ENTSCHEIDUNG: WELCHE THERAPIE FÜR MEIN PFERD?

Bei einem akuten Sehnenschaden muss das Gewebe zunächst gekühlt und entzündungshemmend behandelt werden, damit es abschwillt. Erst dann kann per Ultraschall eine eindeutige Diagnose gestellt werden. Welche Therapie man wählt, hängt aus Sicht von Tierarzt Dr. Jan-Hein Swagemakers von folgenden Faktoren ab:

• Wo liegt der Schaden?
• Wie groß ist die Läsion?
• Wie lange ist der Schaden vorhanden?
• Gibt es Vorbehandlungen oder weitere Voruntersuchungen, die eine bestimmte Therapieform nahelegen?
• Wie viel Geld kann oder möchte der Pferdebesitzer ausgeben?

„Egal für welche Therapie man sich entscheidet, das allerwichtigste ist die Rekonvaleszenz!“, betont Dr. Jan-Hein Swagemakers und auch Dr. Volker Sill warnt: „Man muss Geduld haben! Wichtig ist es, einen Sehnenschaden frühzeitig zu behandeln und das Pferd lange genug pausieren zu lassen.“