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NASRIN HAT EINEN TRAUM


Bike Bild - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 22.02.2019

IM BADEN-WÜRTTEMBERGISCHEN AALENLERNEN MIGRANTINNEN IN EINEM SPEZIELLEN KURS RAD FAHREN UND GEWINNEN SO NEUE FREIHEITEN UND NEUE FREUNDE


Angefangen hat alles vor fünf Jahren im Kino am Kocher. Das kleine Programmkino in Aalen, einer 70000-Einwohner-Stadt im Osten Baden-Württembergs, wird ausschließlich von Ehrenamtlichen geführt, die sich auch für Migranten engagieren. Juliane Hoffmann, die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt, erinnert sich: „Wir haben bei unseren Vorstellungen viele ausländische Gäste. Als wir den Film, Das Mädchen Wadjda‘ zeigten, hat diese Geschichte mich und viele andere nicht mehr ...

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Bildquelle: Bike Bild, Ausgabe 1/2019

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... losgelassen.“ Im Film lernt ein elfjähriges Mädchen in Saudi-Arabien Rad fahren und lehnt sich dadurch erfolgreich gegen alle Konventionen des Landes auf.


FAHRRAD FAHREN BEDEUTET FÜR MICH FREIHEIT.
Nasrin aus Afghanistan


Auf dem Sportplatz der Bohlschule helfen Ehrenamtliche den Frauen beim Radfahren. Nasrin aus Afghanistan kann es kaum erwarten


Auf einem solchen Modell versucht Rena gerade, das Gleichgewicht zu halten. Die 32-Jährige stammt aus Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, und ist seit über zehn Jahren in Deutschland. „In Baku gibt es praktisch keine Radfahrer und schon gar keine Frauen, die radeln“, sagt sie, „das ist dort einfach nicht üblich und wegen des chaotischen Autoverkehrs auch sehr gefährlich.“ Hier in Deutschland möchte sie mit ihren beiden Kindern Rad fahren. „Vor einem Jahr habe ich den Kurs schon einmal besucht, bin aber gestürzt und musste daher abbrechen. Diesmal klappt es bestimmt“, sagt sie und kurvt um das auf dem Schulhof stehende kleine Fußballtor.

In Afghanistan undenkbar

Ähnliche Motive hat Justine, sie stammt aus Togo, ist 43 Jahre alt und seit 15 Jahren in Deutschland. „Meine Kinder wollen unbedingt, dass ich auch mal mit auf ihre Touren komme, außerdem möchte ich mit dem Fahrrad einkaufen gehen und Erledigungen machen, das würde meinen Alltag sehr erleichtern“, erklärt sie. Dass sie bis dahin noch ein bisschen üben muss, stört sie überhaupt nicht, jedes Mal, wenn sie einen Pylon umfährt oder vom Rad ab-steigen muss, weil sie eine Kurve zu eng genommen hat, lacht sie und probiert es sofort noch einmal.

Welche Bedeutung es für Nasrin aus Afghanistan hat, das Radfahren zu lernen, sieht man sofort. Hoch konzentriert versucht sie, immer wieder eine lange Gerade ohne Wackler zu fahren und genau an einem Pylon anzuhalten. Als es ihr endlich gelingt, strahlt sie über das ganze Gesicht.

Sie ist 25 und floh als Kind mit ihren Eltern vor den Taliban aus Afghanistan nach Iran. „Schon seit ich denken kann, wünsche ich mir nichts sehnlicher, als Rad fahren zu lernen“, sagt sie. „In Afghanistan war das damals unter den Taliban undenkbar, aber auch in Iran habe ich nur in manchen wohlhabenden Vierteln und abgeschirmt in Hinterhöfen einzelne Frauen beim Radfahren gesehen“, erinnert sie sich. „Als ich 2016 nach Deutschland kam, sah ich überall Fahrradfahrerinnen, ich konnte es gar nicht glauben!“, sagt sie. Von dem Radkurs erfuhr sie im Flüchtlingscafé an der Bohlschule und wusste sofort, dass sie dabei sein wollte.

Klappt schon ganz gut: Nasrin übt das Radfahren, eine Betreuerin des ADFC Aalen läuft nebenher – für den Fall der Fälle


Rena aus Aserbaidschan möchte endlich mit ihren beiden Kindern gemeinsam Radtouren unternehmen


Die Teilnehmerinnen lernen im Kurs nicht nur das Radfahren, auch die Verkehrsregeln werden ihnen nahegebracht. Einfache Reparaturen, wie zum Beispiel einen Platten flicken, lernen sie in der eigens dafür eingerichteten Fahrradwerkstatt. Dort können sie sich, falls sie noch kein eigenes Fahrrad besitzen, eines der meist reparaturbedürftigen Räder aussuchen und unter Anleitung herrichten. „Das macht den Frauen Spaß und gibt Selbstvertrauen, sie lernen, kleine Probleme an ihrem Rad selbst zu beheben, und müssen sich, wenn sie eine Panne haben, nicht helfen lassen oder in einem Fahrradladen viel Geld bezahlen“, so Werkstattchef Nester.

Nasrin lernt gerade, an einem eingespannten Laufrad die Speichen so festzuziehen, dass es nur noch einen ganz kleinen Achter hat. In Iran hat sie als Lehrerin gearbeitet, das würde sie irgendwann auch gern in Deutschland tun. Gerade absolviert sie denn C1Sprachkurs, ihr Deutsch ist hervorragend und fast akzentfrei. Auf die Frage, ob sie ein bestimmtes Ziel habe, etwa eine Radtour, wenn sie das Radfahren sicher beherrsche, sagt sie: „Nein, ich habe nur einen Traum: mit dem Rad unterwegs zu sein und den Fahrtwind in meinen Haaren zu spüren.“ Sie macht eine kurze Pause und fügt hinzu: „Das ist für mich Freiheit.“

In der auf dem Schulgelände untergebrachten Werkstatt lernen die Frauen einfache Reparaturen und wie sie die Gangschaltung einstellen oder einen Platten flicken. Die Verkehrsregeln und wichtige Kursinfos stehen in mehreren Sprachen auf der Tafel


Gruppenbild mit Rädern: Beim Fahrradkurs für Migrantinnen haben die Frauen und die ehrenamtlichen Helfer jede Menge Spaß


FOTOS: B. HANSELMANN (5)


FOTOS: B. HANSELMANN (2)