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NATIONAL: DEUTSCHE PROFIS IM AUSLAND: FERNWEH


BoxSport - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 14.08.2019

Nach seiner klaren Niederlage in Las Vegas gegen Tyson Fury bekam SES-Schwergewichtler Tom Schwarz das Angebot, mit dem „Gypsy King“ in dessen Heimatstadt Manchester zu trainieren. Sollte Schwarz diesen Schritt wagen? BOXSPORT sprach mit deutschen Profis über ihre Auslandserfahrungen.


Artikelbild für den Artikel "NATIONAL: DEUTSCHE PROFIS IM AUSLAND: FERNWEH" aus der Ausgabe 9/2019 von BoxSport. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: BoxSport, Ausgabe 9/2019

Tyson Fury war in Las Vegas eindeutig eine Nummer zu groß für Tom Schwarz (r.)


Als Schwergewichtler Tom Schwarz am 15. Juni gegen Tyson Fury im MGM Grand von Las Vegas bereits in der zweiten Runde unterlag, wurden einige merkliche Schwachstellen des SES-Boxers von Fury schonungslos aufgedeckt. Ein kurzes Beispiel: Schwarz ...

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... feuert bei einem Versuch zu kontern seine besten Hände ab, Tyson Fury gelingt es aber allesamt auszupendeln und nicht getroffen zu werden. Anschließend brauchte der Gypsy King nur wenige Sekunden, um den 25-jährigen Deutschen selbst mit klaren Treffern in die Defensive zu drängen und kurz darauf auch zu stoppen.

Nach nicht einmal sechs Minuten Kampfzeit war das ungleiche Duell bereits beendet. Doch in gewisser Weise kehrte Schwarz dennoch als „Sieger“ aus den Vereinigten Staaten zurück in seine Heimatstadt Magdeburg. Denn Fury offerierte dem SES-Fighter bereits kurz nach dem Kampf, dass er ihn gerne zu sich nach Manchester holen werde, um dort gemeinsam mit ihm zu trainieren und ihn so aufs nächste Level zu hieven. In den folgenden Tagen wiederholte der Brite sein Angebot mehrfach. Schwarz zeigte bereits in den USA Interesse daran, diese Offerte anzunehmen und mittlerweile gilt dies sogar als bestätigt. Doch damit nicht genug: Schwarz konnte Fury in seiner Art ganz offensichtlich beeindrucken, denn schon kurz nachdem das Angebot publik wurde, versprach der „Lineal Champion“ Schwarz gar einen Einsatz im Vorprogramm einer seiner nächsten Veranstaltungen. Für den deutschen Youngster böte sich damit nach seinem Debüt in den USA die nächste große Möglichkeit, wertvolle internationale Erfahrung zu sammeln. Doch was raten andere deutsche Profis, die bereits im Ausland trainiert haben, dem gebürtigen Hallenser?

„DAS IST EIN GANZ ANDERES NIVEAU“

„Das ist eine gute Sache“, findet der Kölner Schwergewichtler Hussein David Muhamed, der selbst bereits mehrfach im Camp von Ex-Weltmeister Anthony Joshua mittrainiert hat. „Tom kann sich dort enorm weiterentwickeln. Ich kenne Tyson Fury und weiß daher, was ihn dort erwarten würde. Es wird mit Sicherheit nicht einfach, aber wenn Tom aus seiner Komfortzone herauskommt, hat er bei Fury beste Bedingungen und kann sich dort mit starken Jungs messen.“ Die Engländer und US-Amerikaner trainieren fast immer gemeinsam. So komme es viel häufiger zu Sparringseinheiten, verrät der 28-Jährige. „Dadurch trainiert man automatisch mehr die Komponenten des Boxens.“ In Deutschland sei dies zwar in gewissem Maße auch der Fall, „aber hier legt man den Fokus auch sehr stark auf die Konditionsebene. Das ist den den USA und im Vereinigten Königreich anders“, berichtet Muhamed.

Dort sei man als Boxer viel stärker selbst für seine Kondition verantwortlich. „Die Trainer kümmern sich auch in den anderen Bereichen intensiver um die Boxer“, sagt der Kölner Schwergewichtler. Eine weitere Möglichkeit biete sich für Schwarz zudem in der Tatsache, dass die Engländer viel öfter gemeinsam trainieren. Diesen Aspekt unterstreicht auch Muhamed nochmal deutlich: „Es ist in England ganz normal, dass dort auch vermeintliche Newcomer mit den Großen des Sports zusammenkommen, um zu trainieren. Nur so kann man Wissen, Techniken und Erfahrungen austauschen. Das ist dann natürlich ein ganz anderes Niveau und auch ein Grund, warum man dort im Moment diese Erfolge feiert.“ Abschließend rät der langjährige Joshua-Sparringspartner Schwarz, die Chance wahrzunehmen. „Wenn er wirklich bereit ist, den Worten auch Taten folgen zu lassen, dann hat er jetzt die besten Chancen dazu. Tom muss aber klar sein, dass das auch ein Stück weit bedeutet, in das kalte Wasser geworfen zu werden und das bedeutet auch, sich in dieser Zeit komplett aufzureiben. Aber wenn er das durchsteht ist er auf jeden Fall zu einem besseren Boxer geworden.“

Mit zwölf Siegen (elf K.o.) in zwölf Fights hat Hussein David Muhamed bislang einen blütenweißen Kampfrekord vorzuweisen


Deniz Ilbay reist regelmäßig zum Trainieren in die USA


Noel Mikaelian absolvierte drei seiner letzten vier Kämpfe im Ausland


„TOM HAT NICHTS ZU VERLIEREN“

Auch der Hamburger Cruisergewichtler Noel Mikaelian trainierte bereits etliche Male im Ausland, vor allem aber in den USA. Der 28-Jährige, der Poundfor- Pound aktuell zu den besten deutschen Boxern gezählt wird und sich vergangenes Jahr ein sehr enges Duell mit dem Ali-Trophy-Finalisten Mairis Briedis lieferte, trainierte in den Staaten unter anderem mit Toptrainern wie Freddie Roach und Pedro Diaz. „Das ist eine großartige Chance, die Tom auf jeden Fall annehmen sollte“, sagt Mikaelian im Gespräch mit BOXSPORT. Es gehe dabei vor allem um die Erfahrung, die man dort sammeln könne. „Das ganze Drumherum, das viel größere Medieninteresse in den USA und in England boomt das Boxen sowieso. Die Trainer haben einen eindeutig höheren Box-IQ und man reift in diesen Situationen als Mensch“, berichtet der Hamburger. „Ich kann Tom nur empfehlen, diese Chance bei Tyson Fury zu nutzen. Ich habe persönlich viel aus den USA mitgenommen und weiß, dass ich einiges nur erreicht habe, weil ich diese Möglichkeiten hatte. Daher werde ich das auch in Zukunft beibehalten und kann jedem nur dazu raten, wenn sich eine solche Gelegenheit ergibt.“

Auch der Kölner Weltergewichtler Deniz Ilbay kann an den Abschnitt „Training im Ausland“ bereits einen Haken setzen. Bereits vier Mal war „El Pistolero“ in den Vereinigten Staaten, um dort bei Freddie Roach im legendären „Wild Card“-Gym in Los Angeles zu trainieren oder um mit dem WBCund WBO-Weltmeister im Halbweltergewicht, Jose Carlos Ramirez zu sparren. Ebenso konnte Ilbay schon auf den Erfahrungsschatz von UFCTrainerlegende Jason Parillo zurückgreifen. Auch der 24-Jährige kommt daher nur zu einem Schluss: „Auf jeden Fall sollte Tom das machen. Das ist eine riesige Chance, die nicht oft kommt und Tom hat nichts zu verlieren. Es gibt keine negativen Seiten bei solch einer Gelegenheit.“ Zudem glaubt Ilbay, dass Schwarz‘ Box-Stil nicht unbedingt nach Deutschland passe. „Auch das ist beispielsweise in den USA oder in England ganz anders. Die Trainer in England oder in den USA haben andere Herangehensweisen. Sie wollen eher den Stil des Boxers weiterentwickeln. Bei uns wird vielleicht zu häufig versucht, den Boxer zu verändern. Das raubt dann natürlich den Spaß und Tom hatte diese Wechsel ja schon. Ich kann aus meiner Erfahrung nur Positives berichten und würde Tom und jedem, der diese Möglichkeit hat, auch dazu raten.“


„Es ist in England normal, dass dort auch vermeintliche Newcomer mit den GroSSen des Sports gemeinsam trainieren.“ (Hussein David Muhamed)


Fotos: Andreas Kerschgens (1), Getty Images (1), imago images/ opokupix (1)/ UPI Photo (1)