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Natürlich gesunde Zähne


Happy Way - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 12.09.2019

Viele wünschen sich ein strahlendes Lächeln ganz ohne Chemie und Industrieprodukte. Leider führt so mancher Tipp aus dem Internet in die Irre. Denn nicht alles, was man selbst anrühren kann, ist deswegen harmlos. Zahnärztin Dr. Neda Rahimian klärt auf


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Bildquelle: Happy Way, Ausgabe 4/2019

Wer ungehemmt ins Leben lächelt, bekommt viel Positives zurück


Unsere Expertinnen

Zahnärztin Dr. Neda Rahimian Die Gründerin der FITDENTIST-Praxis in Hamburg hat zusammen mit Deborah Weinbuch ein Buch über Zahngesundheit geschrieben.

Medizinjournalistin Deborah Weinbuch ist HAPPY-WAY-Autorin und Spezialistin für gesunde Ernährung.

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... natürlichen Schönheits- und Gesundheitstipps surfen wir ja gerne durchs Internet. Bisweilen bleibt man dann an einem Video hängen, in dem eine Frau mit blitzweißen Zähnen strahlend erklärt, wie sie diese mithilfe von Obst, Gewürzen und sonstigem Kücheninventar viel besser pflegt als mit regulärer Zahnpasta. Und wer jemals die Liste der Inhaltsstoffe auf einer Zahnpastatube durchgelesen hat, hat sich wegen der vielen chemischen Begriff e ohnehin schon immer ein bisschen gegruselt. Also fix selbst etwas anrühren, denn das kann ja nicht schaden, oder? Leider manchmal doch! Nämlich dann, wenn der Schmelz Schicht für Schicht abgetragen wurde: weiß, weißer, gelb! Weil immer öfter Patientinnen mit kaputt „gepflegten“ Zähnen zu Dr. Neda Rahimian in die Hamburger Praxis kommen, hat sie einen Leitfaden entwickelt, der mit Mythen und Internet-Weisheiten aufräumt. Und der klarstellt, was wirklich sinnvoll ist. Frauen neigen beispielsweise dazu, sehr dynamisch zu schrubben, hat Dr. Rahimian beobachtet. Das kann allerdings zu sogenannten Putzdefekten im Schmelz führen: Rillen und Furchen, die mit der Zeit immer tiefer werden. Deshalb sollten wir lieber Zahnbürsten mit weichen Borsten und eine milde Zahnpasta verwenden. Wir haben hier gängige Zahnputz-„Weisheiten“ aufgelistet. Lies selbst, welche Quatsch sind. Und an welchen wirklich etwas dran ist.

Zucker geht, aber selten

Die Katastrophenkombi sind Zucker und Säure zusammen.
Das ist beispielsweise in Limonade, Cola, Energydrinks, Sekt, Apfelschorle, Salatdressing, Ketchup und Soßen der Fall. Auch Orangensaft kann im Übermaß zu Erosionen auf dem Schmelz führen, auf denen Kariesbakterien ein leichtes Spiel haben. Wenn Du Säfte trinkst, dann besser nur zu einer Mahlzeit pro Tag. Auch auf Süßes brauchst Du nicht völlig zu verzichten, aber iss es nicht zwischendurch, sondern einmal am Tag als Dessert. Mache es wie die Franzosen, und iss noch ein kleines Stück Käse hinterher. Das baut den Schmelz wieder auf. Warte dann 30 bis 60 Minuten lang, bis zu Dir die Zähne putzt – um nicht versehentlich den gelockerten Schmelz abzutragen.

Säurehaltiges Obst am besten nur einmal täglich essen, sonst greift es den Zahnschmelz an


MYTHOS

Aktivkohle ist ein sanfter Weißmacher?
Es mutet verführerisch alchemistisch an: Schwarze Paste auftragen, weiße Zähne erhalten. Im ersten Moment klappt das scheinbar sogar. Aber schonend ist Aktivkohle auf keinen Fall! Ähnlich wie eine sogenannte Weißzahnpasta schmirgelt die Aktivkohle Verfärbungen herunter. Wie Schleifpapier fährt sie dabei über die Zähne. Dabei erwischt sie auch hartnäckige Verfärbungen. Gleichzeitig kann sie aber den Zahnschmelz zerkratzen und ihn abtragen. Weil er dann so aufgeraut ist, setzen sich neue Verfärbungen leichter fest. Sind die Kratzer irgendwann zu groß geworden, splittert der Schmelz nach und nach ab und setzt das darunter liegende Dentin frei. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern tut auch sehr weh. Weil sich der Schmelz nicht mehr reparieren lässt, braucht man dann Kronen, um sie vor Schmerzen zu schützen. Eine sichere und schonende Art, Verfärbungen loszuwerden, ist die regelmäßige professionelle Zahnreinigung (PZR) zweimal im Jahr.

MYTHOS

Erdbeeren hellen die Zähne auf?
Auch Erdbeeren werden in einigen alternativen Foren als Hausmittel für weiße Zähne beworben. Bitte fall nicht darauf herein! Ja, im ersten Moment entfernen sie Verfärbungen. Aber: Erdbeeren enthalten Säuren, ihr pH-Wert liegt zwischen 3 und 3,9 – also gleichauf mit Cola. 200 Gramm Erdbeeren enthalten auch noch rund 10 g Zucker, den die Bakterien auf unseren Zähnen ebenfalls zu Säuren umwandeln. Das lockert den Zahnschmelz, der aus Kalzium und Phosphat besteht. Die Zähne demineralisieren. Wenn wir Erdbeeren ganz normal essen und danach eine längere Essenspause einlegen, können sie sich auch wieder vernünftig remineralisieren. Doch wer sich pürierte Erdbeeren auf die Zähne schmiert und diese minutenlang einwirken lässt, raut seine Zähne auf. Unter Umständen bilden sich sogar auf den Schneidezähnen bemerkenswerte Erosionen, wo dann Karies entstehen kann. Erdbeeren enthalten noch dazu viele kleine Kerne, die zusätzlich wie Schmirgelpapier wirken (siehe „Aktivkohle“) – zusammen mit den Säuren leider eine höchst effektive Methode, um den Zahnschmelz von den Zähnen zu entfernen. Leider kommt er nie mehr wieder, wenn man ihn einmal vollständig zerstört hat.

Angst vorm Zahnarzt

Es kostet Mut, einem anderen Menschen seinen Mund anzuvertrauen und etwas machen zu lassen, ohne zu sehen, was geschieht.
Doch oft warten ängstliche Patienten zu lange und gehen erst dann zum Zahnarzt, wenn sie schon starke Schmerzen haben. Leider kommt es dann oft ganz dicke, unter Umständen muss der Zahn komplett entfernt werden. Zu einem früheren Zeitpunkt wäre man glimpflicher davongekommen. Karies, Nerv- und Zahnfleischentzündungen sind die Folge des Aufschiebens. Rede offen über Deine Angst. Vielleicht hat die Praxis ein Betäubungsspray, sodass Du den Einstich der Spritze nicht spüren brauchst.

WAHRHEIT

Chili desinfiziert den Mundraum?
Ja, in gewisser Weise. Chilischoten haben natürliche antibakterielle Eigenschaften, können Entzündungen lindern und das Immunsystem stimulieren. Außerdem regen Chilis den Speichelfluss an. So wird der Mundraum schnell von Nahrungsresten gereinigt.
Es gibt sogar Zahnpasta, der Chili beigemischt ist. Der Scharfstoff Capsaicin fördert die Durchblutung des Zahnfleischs und so auch dessen Stoffwechsel. Dadurch kann es an Festigkeit und Elastizität gewinnen.
Die gesteigerte Durchblutung führt zu einem Wärmegefühl. Das Empfinden von regelrechter Hitze bei Chili-Kontakt entsteht allerdings nur dadurch, dass das Capsaicin unsere Hitzerezeptoren anregt. Es wird also entgegen mancher Befürchtungen nichts weggeätzt. Zähne und Zahnfleisch werden durch Chili nicht angegriffen! Die Azteken trugen Chilipaste auf schmerzende Zähne auf, um sie zu betäuben. Capsaicin bindet sich an Schmerzrezeptoren, sodass sie überstimuliert werden. Dann hören sie irgendwann auf zu feuern und der Schmerz lässt nach. Zusätzlich schütten wir dann auch noch Endorphine aus, Glücksbotenstoffe, die wie körpereigene Opioide wirken. Deshalb, so munkelt man, kann scharfes Essen auch regelrecht süchtig machen.

MYTHOS

Fluorid ist ungesund?
Die meisten Zahnpastas werden mit Fluorid angereichert, weil das die Zähne widerstandsfähig gegen Karies machen soll. Zahnärzte tragen nach der professionellen Zahnreinigung sogar konzentriertes Fluoridgel auf. Allerdings gibt es auch Menschen, die sagen, dass Fluorid schädlich oder gar giftig ist. Was stimmt denn nun?
In gewisser Weise beides, denn bei Fluorid gilt wie bei so ziemlich allem anderen auch: Die Dosis macht das Gift. Grundsätzlich ist Fluorid ein natürlicher Stoff, der in geringen Konzentrationen auch im Trinkwasser und im Erdboden vorkommt. Einfach nur durch die Nahrung nehmen wir deshalb im Schnitt schon 0,5–0,8 mg Fluorid pro Tag zu uns. Grüner Tee und Seefisch liefern eine Extradosis Fluorid. Zu viel des Guten sollte es aber auch nicht sein. Zeigen sich weiße Flecken auf den Zähnen, so weist das auf eine Fluorose hin, also eine Überdosierung, möglicherweise auch durch Fluoridtabletten in der Kindheit. Über einen langen Zeitraum könnte das zum Beispiel dazu führen, dass die Bänder und Gelenke in unserem Körper verkalken. Allerdings gilt dies für mit der Nahrung aufgenommenes, also systemisch wirkendes Fluorid! Lokal wirkendes Fluorid, das beim Zähneputzen aufgetragen und dann wieder ausgespuckt wird, ist anders. Alle Dosierungen in Zahnpastas, beim Zahnarzt oder im wöchentlich aufzutragenden Gelee aus der Apotheke schaden nicht! Sind die Zähne ausreichend mit Fluorid gestärkt, löst sich der Zahnschmelz unter Einfluss von Säuren aus der Nahrung nicht so schnell auf. Das heißt, er wird weniger demineralisiert und besser remineralisiert. Und das schützt vor Karies.

WAHRHEIT

Grüner Tee härtet die Zähne?
Richtig, grüner Tee enthält natürliches Fluorid. Das härtet den Zahnschmelz – und auch die Knochen. 1–3,8 mg pro Tag gelten als optimal, so viel steckt in der Regel in ein bis vier Tassen. Der tatsächliche Gehalt schwankt abhängig von der Teesorte, aber auch vom Trinkwasser, das Du zur Zubereitung verwendest. Mehr solltest Du nicht trinken, weil sonst der positive Effekt kippt und Du beispielsweise Magen- oder Kreislaufbeschwerden bekommen könntest. Denke daran: Die Dosis macht’s! Grüntee hat unter anderem auch antibakterielle Eigenschaften. Seine besonderen Polyphenole, vor allem das Catechin EGCG, hemmen die Entstehung von Karies. Zum einen kann Grüntee Bakterien abtöten, es behindert aber auch deren Enzym Glycosyltransferase, mit dem sie Zucker in klebrige Plaque umwandeln. Gewohnheits-Teetrinker haben deshalb tendenziell weniger Probleme mit Plaque. Die Catechine im Tee wirken auch antioxidativ. So wirken sie Entzündungsreaktionen im Zahnfleisch entgegen. Die Effekte können dabei immer nur moderat bleiben. Wer eine handfeste Parodontitis hat, wird diese durch das sprichwörtliche Abwarten und Teetrinken nicht in den Griff bekommen. Da bedarf es immer der Hilfe einer Zahnärztin oder eines Zahnarztes.

MYTHOS

Kokosöl ist besser zum Zähneputzen?
Kokosöl wird im Internet als Mittel gegen Karies gepriesen. Tatsächlich gab die Society for General Microbiology 2012 eine Studie heraus, die einen antibakteriellen Effekt zeigt. Infolgedessen empfahl die Gesellschaft, Kokos nussöl als Zusatz in Zahnpasta in Erwägung zu ziehen. Allerdings testeten die Forscher dabei zwei Varianten: ein unbehandeltes Kokosöl, wie wir es aus dem Glas kennen, und eines, das mit fettspaltenden Enzymen behandelt worden war, was dem Prozess der Verdauung ähnelt. Dieses verdaute Kokosöl zeigte eine hohe Schlagkraft gegen den Streptococcus mutans, dem Haupterreger von Karies. Auch gegen Pilze der Candida-Gruppe zeigte das modifizierte Öl Wirkung.
Wichtig zu wissen: Der ganze Hype um Kokosöl für die Zähne beruht auf dieser einen Studie – und viele übersehen dabei, dass es zugunsten der Wirksamkeit modifiziert wurde. Zudem fehlen Studien, die belegen, dass der antibakterielle Effekt allein ausreichen könnte, um die Entstehung von Karies zu verhindern. Die reguläre Zahnpasta sollte reines Kokosöl deshalb nicht ersetzen.

WAHRHEIT

Zähne sind ein Spiegel der Seele?
Kennst Du den Spruch „Ich geh auf dem Zahnfleisch“? Der trifft den Nagel auf den Kopf. Stress kann schwere Zahnfleischentzündungen begünstigen, wie eine Studie der Universität Zürich zeigt. Denn Stress setzt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems herab, besonders wenn er über längere Zeit anhält. Deshalb gilt Stress neben Rauchen als wichtiger Risikofaktor für Parodontitis. Wie Rauchen verringert auch Stress die Durchblutung in den feinen Kapillaren. Hält er über einen längeren Zeitraum an, können die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin die Blutgefäße sogar schädigen.
Die vermehrte Freisetzung von sogenannten freien Radikalen greift die Zellwände an. Das führt dazu, dass das Gewebe weniger mit Immunzellen, Nährstoffen und SauerStoff versorgt wird. Bakterien haben dann ein leichtes Spiel. Selbst nach einer zunächst erfolgreichen Parodontitis-Behandlung kann diese leicht wieder auffammen, wenn der stressige Lebensstil nicht behoben wird. Im Extremfall kann Stress auf diese Weise sogar Zahnausfall begünstigen. Ist der seelische Ballast groß, verspannen wir zudem oftmals die Rücken- und Nackenmuskulatur – und dieser Druck rutscht in den Kiefer.
Dort kann er Kräfte entfalten, die einem Gewicht von 80 Kilogramm gleichen. Empfinden wir negative Emotionen, Nervosität oder Angst, werden oftmals die Zähne zusammengepresst, des Nachts wird geknirscht. Das sollte möglichst schnell behoben werden, denn durch das ständige Mahlen werden die Oberflächen der Zähne stärker abgenutzt, es können sogar ganze Stücke abbrechen! Eine Erste-Hilfe-Maßnahme ist dann eine Aufbissschiene vom Zahnarzt. Der durchsichtige KunstStoff überzug verteilt den Druck gleichmäßiger und verhindert die mechanische Abreibung des Zahnschmelzes. Auch die Kiefergelenke werden entlastet. Auf Dauer hilft allerdings nur, die Stress-Ursachen möglichst aufzulösen. Entspannungsübungen sind gut, aber ungünstige Verstrickungen im Berufs- oder Privatleben löst man möglicherweise durch ein Coaching besser als ausschließlich beim Yoga.

WAHRHEIT

Kranke Zähne sind Störfelder für den ganzen Körper?
Der Begriff „Störfeld“ bezieht sich hauptsächlich auf chronische Entzündungen, die auf Dauer sogar weit entfernten Strukturen und Organen im Körper schaden können. Hierzu gehören zum Beispiel tief kariöse Zähne, die nach und nach durch die Entzündung von selbst absterben, sowie Weisheitszähne, die nicht oder nur teilweise durchgebrochen sind. Außerdem Parodontitis, Kieferentzündungen, Wurzelreste nach einer nicht ganz gelungenen Zahnentfernung; Zähne, die nicht durchgebrochen sind oder Fremdkörper im Kiefer infolge eines Unfalls, manchmal auch unverträgliche Zahnersatz-, Füllungs- oder Klebematerialien. Nervtote Zähne, beispielsweise durch eine Wurzelkanalbehandlung, werden manchmal von schlechten Bakterien, sogenannten pathogenen Keimen, als eine Art Höhle genutzt, in der sie sich unbehelligt vermehren können. Dort bilden sie dann giftige Schwefelverbindungen, die zusätzlich zu den Verwesungsstoffen durch das absterbende Gewebe den Organismus belasten. Um das Problem in den Griff zu bekommen, kapselt der Körper die Entzündung möglicherweise in einer Zyste ein. Auch diese kann zum Störfeld werden.

Kalzium, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe nähren Zähne und Zahnfleisch


Superfoods für die Zähne

Eine zahngesunde Ernährung bedeutet weit mehr, als nur Zucker zu reduzieren.

Von anderen Stoffen sollten wir ruhig mehr zu uns nehmen: Kalzium zum Beispiel, denn das ist die Hauptsubstanz unserer Zähne. Es steckt in Milchprodukten, aber auch in Sesam, Brokkoli, Grünkohl und getrockneten Feigen. Veganer sollten ganz besonders darauf achten, dass sie ausreichend mit Vitamin D versorgt sind. Denn ohne dieses Sonnenvitamin kann das Kalzium nicht eingebaut werden. In tierischen Produkten ist immer etwas Vitamin D enthalten, umso mehr, wenn sie aus Weidehaltung stammen. Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen, genau wie die Vorstufe des Vitamin A, das Beta-Karotin. Letzteres brauchen wir für ein gesundes Zahnfleisch. Spare also nicht an gesunden pflanzlichen Fetten: Olivenoder Avocadoöl zum Kochen, Lein- oder Walnussöl zum Anrichten der Salate. Neben Karotinoiden brauchen wir auch Folsäure und Vitamin C, um unser Zahnfleisch zu stärken – wie sie in grünem Blattgemüse und beispielsweise in Feldsalat stecken. Diese VitalStoff e beugen Entzündungen und Zahnfleischbluten vor. Vitamin E aus den Pflanzenölen unterstützt die Heilung von kleinen Wunden im Zahnfleisch und in der Mundschleimhaut.
Anthocynane, also die rotblauen Farbstoffe aus Beeren, vermindern die Fähigkeit der Bakterien im Mund, Plaque zu produzieren. Besonders empfehlenswert: Cranberrys. Rege außerdem Deinen Speichelfluss mit allem an, was ordentlich gekaut werden muss (Gemüse, Rohkost) oder auch mit köstlichen Gewürzen wie Ingwer oder Chili. Die Zähne werden so leichter von Nahrungsresten befreit und die Durchblutung des Zahnfleischs wird angeregt, sodass es besser mit Nährstoffen versorgt wird.

Knackiges kauen

Rohkost stärkt den Kiefer.

Heutzutage kauen die meisten von uns viel weniger als unsere Vorfahren in der Steinzeit. Weich gekochte Nahrung, Breie, Smoothies und Säfte liefern reichlich Kalorien, ohne dass wir uns diese im Mund erst einmal erarbeiten müssten. Das hat Konsequenzen für den Zahnhalteapparat. Fehlstellungen treten häufiger auf, im Jugendalter prägt sich der Kiefer weniger aus, weil die notwendigen Wachstumsimpulse durch das intensive Kauen fehlen. Bei Erwachsenen erhält das Kauen die gesunde Knochendichte. Außerdem wird das Zahnfleisch beim Kauen von Rohkost massiert und dadurch besser durchblutet. So können die wertvollen Vitamine, die wir durch die gesunde Ernährung aufnehmen, ihr Ziel besser erreichen und das Zahnfleisch aufbauen und festigen. Also: Öfter mal Möhrensticks, Paprika- und Gurkenschnitze knabbern!

Entzündungen im Mundbereich können das Allgemeinbefinden massiv belasten. Symptome wie Kopfschmerzen, Haut- und Darmprobleme sowie chronische Müdigkeit (lies dazu auch den Artikel „Sooo müde“ auf Seite 72) können auftreten. Die Gelenke können schmerzen oder scheinbar ohne Grund an Beweglichkeit einbüßen. Herz und Nieren können leiden, ebenso die Nerven und die Psyche. Das Immunsystem verliert an Leistungsfähigkeit. Kommen Infekte oder starke psychische Belastungen hinzu, kann es regelrecht zusammenbrechen. Der Mensch wird, salopp gesagt, an allen Ecken und Enden krank und plagt sich mit immer mehr schweren Beschwerden. Von Störfeldern Betroffene sollen auch vermehrt zu Allergien, Heuschnupfen und Autoimmunerkrankungen neigen.
Mithilfe von Röntgenbildern lassen sich solche Entzündungsherde im Kieferknochen aufspüren. Falls eine Zahnentfernung schiefgelaufen ist oder sich Fremdkörper im Kiefer befinden, müssen diese chirurgisch entfernt werden. Unterstütze Deinen Körper durch eine vitalStoff reiche Ernährung. Achte insbesondere auch auf VitalStoff e zur Entgiftung: die Spurenelemente Zink und Selen, B-Vitamine, sowie die Aminosäuren Cystein, Glutein und Glutaminsäure. Du kannst Dich gut mit all diesen versorgen, wenn Du eine vollwertige Ernährung mit reichlich magerem Eiweiß sowie Kernen und Saaten isst. Werden Störfelder beseitigt, gewinnt der ganze Körper an Kraft und Widerstandsfähigkeit – das bedeutet mehr Energie! Grundsätzlich arbeitet jeder Zahnarzt den oben aufgeführten Entzündungen entgegen. Spezialisierte Zahnärzte für eine Störfeldtherapie findest Du beispielsweise über die Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin (GZM). Allerdings ist es wichtig, das große Ganze stets im Blick zu behalten. Nicht hinter jeder Migräne steckt ein Störfeld im Mund. Andere mögliche Ursachen sollten berücksichtigt und ebenfalls überprüft werden. Unser Körper ist ein komplexes Meisterwerk mit unzähligen Wechselwirkungen. Lasst uns gut für ihn sorgen.

Mehr erfahren über Zahnpflege-Irrtümer

Dr. Neda Rahimian mit Deborah Weinbuch: „Das große Lexikon der Zahnpflege Irrtümer: Halbwahrheiten und fragwürdige Behandlungen im Faktencheck“, Komplett-Media, 18 Euro.


FOTO ISTOCK (3), FOTOLIA (1), JASMIN WASSATSCH (1), GETTY IMAGES (4), DR. NEDA RAHIMIAN PORTRAIT VON DANEL DBA, DR. NEDA RAHIMIAN & DEBORAH WEINBUCH VON MARYANTO FISCHER (2)