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NATUR: 700 Haie auf der Jagd


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 23/2018 vom 01.06.2018

Um kaum ein Tier ranken sich so viele Mythen. Nun lösen Biologen die letztenRätsel der Riffhaie


Artikelbild für den Artikel "NATUR: 700 Haie auf der Jagd" aus der Ausgabe 23/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 23/2018

FANGTECHNIK
In drei Schwärmen versammeln sich die Raubfische zur Jagd an einem Südseeatoll


FILMTECHNIK
Die Forscher nutzen modernste Strahler und Kameras für ihre Unterwasserbilder


Es ist die weltweit größte, dichteste Versammlung Grauer Riffhaie, die Wissenschaftler bis heute beobachten konnten: Rund 700 der Raubfische kommen jedes Jahr im Juni am Fakarava-Atoll in Französisch-Polynesien zusammen. Anlass für dieses „Festival der Haie“ sind die Gewohnheiten einer anderen Spezies: Rund 18.000 Zackenbarsche ...

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... treffen sich dort in einer lediglich 100 Meter breiten und 30 Meter tiefen Schlucht, um in nur einer Nacht während des Junivollmonds Eier abzulegen und zu befruchten. Die Haie nutzen diese Hochzeit, um sich gründlich satt zu fressen.

Blutrünstige Hochzeitsnacht

Der französische Forschungstaucher und Unterwasserfotograf Laurent Ballesta reiste fünf Jahre in Folge an diesen Ort, um das rätselhafte Spektakel zu ergründen. Bei seiner letzten Expedition im Sommer 2017 begleiteten ihn 20 Taucher und Biologen, hoch spezialisierte Wissenschaftler aus aller Welt. Die Forscher blieben 50 Tage lang und tauchten in jeder Nacht. Was sie dabei beobachteten, hielten sie in atemberaubenden Bildern fest. Das Ergebnis, die Filmdoku „700 Haie in der Nacht“, ist jetzt auf Arte zu sehen (siehe TV-Tipp Seite 18).

„Ich will mir einen Kindheitstraum erfüllen“, erklärt Laurent Ballesta zu Beginn seiner Dokumentation. „Als Kind spielte ich nicht Cowboy und Indianer, sondern Jacques Cousteau. Heute, mit über 40 Jahren, ist dieses Spiel zum Beruf geworden. Doch der Traum ist noch immer derselbe: Ich will versuchen, die Rätsel der Unterwasserwelt zu ergründen.“ Und tatsächlich gelingt es ihm und seinem Team, Antworten auf bislang ungeklärte Fragen über die Ozeane zu finden.

IM GRIFF
Haie mit Sendern versehen? Schafft Laurent Ballesta mit bloßer Hand!


ZAHN UM ZAHN
Ein Barsch ist einem Hai entwischt? Dann schnappt ein anderer zu! So weit die Jagdstrategie


50
Nächte tauchten Forscher mit den Haien, um ihre Jagd zu analysieren


Warum etwa versammeln sich die Fische ausgerechnet in dieser Schlucht? Weshalb wählen die Zackenbarsche sie für ihr jährliches Laichritual – und die Haie sie als Jagdrevier? Das Fakarava-Atoll ist ein Ring schmaler, langer Inselchen, getrennt durch Kanäle. Auch in der Umgebung gibt es ähnliche Formationen. Doch nur in diesem tiefen Kanal, der sogenannten Südpassage, sind die Bedingungen perfekt für Fische und andere Meerestiere. Die Forscher finden heraus: Während anderswo in der Region extreme Strömungen herrschen, ist die Bewegung des Wassers hier mäßig, aber dennoch stark genug, um Nährstoffe anzuspülen. Auch hilft sie den Haien, mühelos zu atmen. Und sie ermöglicht es ihnen, sich tagsüber auszuruhen, um fit zu sein für die Jagd in der Nacht.

Und wie organisieren sich die Haie? Gibt es in den Schwärmen eine Rangordnung? Verfolgen die Tiere womöglich gemeinsame Jagdstrategien? Ballesta vergleicht Haischwärme mit Wolfsrudeln – wobei das Verhalten der Raubtiere an Land bereits gründlich erforscht ist, während die Wissenschaft über Haie nur wenig weiß.

Der Mythos vom Killerhai

Dass Haie zu den am wenigsten erforschten Tieren gehören, liegt vor allem an der Annahme, sie seien brutale Killer – ein alter Mythos, den Steven Spielberg mit seinem Film „Der weiße Hai“ von 1975 bis heute wirksam festigte. Tatsächlich sind Haie für Menschen nicht gefährlicher als gut erzogene Hunde. Nur wenn sie sich stark bedroht fühlen, beißen sie. Ballesta und seine Kollegen wagten sich Nacht für Nacht mitten in die Schwärme. Die Bilder, die dabei entstanden, vermitteln Zuschauern den Eindruck, selbst zwischen Haien zu schwimmen. Der Franzose selbst beobachtete dabei Folgendes: „Uns wurde klar, dass wir für sie keine Zielscheiben waren, sondern Hindernisse.“ Schwamm ein Taucher durch die Jagdroute eines Hais, wurde er schon mal gerammt. Einen Biss aber erlitt keiner. Den Forschern gelang es, das Verhalten der Tiere eingehend zu studieren. Zudem wurden 40 Haie mit Sendern ausgestattet. Normalerweise nutzen Biologen dafür Harpunen und „schießen“ die Geräte in die Körper der Fische. Ballesta fing die Haie mit bloßen Händen, ein Kollege setzte ihnen behutsam die Sender ein.

Die Forscher sahen, wie Haie gemeinsam ihrer Beute nachstellten, sie umzingelten und austricksten. „Ein Haischwarm jagt effizienter als ein Wolfsrudel“, stellt Laurent Ballesta klar. Erstaunt und voller Bewunderung.


FOTOS: LAURENT BALLESTA/ARTE