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NATUR: Auge in Auge mit den GRIZZLYS


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 42/2020 vom 09.10.2020

Wie gefährlich ist es, den wilden Räubern Alaskas zu nahe zu kommen? Zum Start des Kinofilms „Der Bär in mir“ spricht ein Schweizer Abenteurer über sein Experiment


Artikelbild für den Artikel "NATUR: Auge in Auge mit den GRIZZLYS" aus der Ausgabe 42/2020 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 42/2020

Grizzly Balu und Biologe David Bittner begegnen sich seit 2006 immer wieder


Ein stattliches Bärenweibchen im nährstoffreichen Sauergras des Katmai-Nationalparks


450 KILO kann ein Grizzly schwer werden, bei einer maximalen Körperlänge von drei Metern. Auf der Flucht kann er die Geschwindigkeit eines Pferdes erreichen

Ein junges, neugieriges Bärenmännchen spielt mit einer der von Roman Droux platzierten Kameras


Drei Monate verbrachten die Schweizer ...

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... Roman Droux und David Bittner bei den Grizzlys in Alaska


Eine Bärenmutter säugt eines ihrer drei Jungen, das etwa drei Monate alt ist


Bärin Berta in der Bucht. Die flachere Hügellandschaft dient den Grizzlys als Winterquartier


Ein imposanter männlicher Bär bei der Lachsjagd im Fluss. Die Grizzlys nutzen dabei raffinierte Strategien


Die junge Bärin Luna bringt einen frisch gefangenen Lachs in Sicherheit


Es heißt, in dieser Gegend leben die größten Braunbären der Welt: Der Katmai-Nationalpark im Süden Alaskas bietet reichlich Futter mit saftigen Sauergraswiesen und Bächen, in denen die Lachse im Sommer stromaufwärts zu ihrem Geburtsort schwimmen. Hier, nahe der Küste und umgeben von imposanten Bergen, ziehen Bärenmütter ihre Jungen auf. Männchen liefern sich erbitterte Revierkämpfe oder schubbern sich wie im „Dschungelbuch“ an Bäumen, Bärenpärchen finden sich zum Liebesspiel. Der Abenteurer und Biologe David Bittner hat dies alles schon miterlebt. Seit 2002 bereist er die Wildnis Alaskas, mitunter für drei Monate am Stück. Er dokumentiert das Leben der Grizzlys auf Fotos und setzt sich mit Vorträgen und Buchveröffentlichungen für den Schutz der Tiere ein. Zu einer Handvoll Braunbären hat er sogar eine verblüffend enge Beziehung aufgebaut: Bis auf zwei Meter nähern sich die Tiere, denen er Namen gegeben hat. Balu beispielsweise. Oder Luna.

Eindringlinge im Bärenland

Jahr für Jahr trifft er diese Tiere wieder. „Ich war fasziniert von den Begegnungen. Viele, viele andere Bären verhalten sich anders: nicht so neugierig, nicht so tolerant gegenüber etwas Neuem, etwas Fremdem“, sagt der 43-jährige Schweizer. „Es handelt sich um sehr standorttreue Tiere mit einem sehr kleinen Streifgebiet. Der Faktor Zeit spielte ebenfalls eine wichtige Rolle: Mit den Wochen kamen sie praktisch jeden Tag einen Schritt näher zu mir heran, und das Vertrauen wuchs.“

Regisseur und Kameramann Roman Droux, der Bittner seit Jahren kennt, wollte sich selbst von diesem ungewöhnlichen Mensch-Tier-Verhältnis überzeugen. Für seinen Kinofilm „Der Bär in mir“ begleitete er Bittner einen Sommer lang, lebte in dessen Camp, das von einem schützenden Elektrozaun umgeben ist. „Allmählich lernte ich die Bären als Individuen kennen: als scheue, vorwitzige, aufmerksame Wesen“, sagt der 44-jährige Droux. „Die Weibchen sind easygoing, auch Berta, die wirklich die stärkste Alphamutter ist. Vor ihr hat selbst Bruno, der Big Boss der Lagune, das Weite gesucht.“

Erwähnt wird im Film auch der Aussteiger Timothy Treadwell, der über Jahre in demselben Gebiet lebte, bis er von einem Bären tödlich verletzt wurde. Mit Werner Herzogs Film „Grizzly Man“ (2005) wurde sein Fall weltweit berühmt. Dass Bären automatisch eine Gefahr darstellten, sei jedoch ein Vorurteil: „Nach Tausenden Begegnungen mit Bären verstärkt sich einfach der Eindruck, dass sie uns Menschen überhaupt nicht als potenzielle Nahrung wahrnehmen“, so Bittner. Treadwell habe gefährliche Fehler gemacht: Er verzichtete auf Sicherheitsmaßnahmen und zögerte nicht, Grizzlys zu streicheln, mit ihnen zu baden. Bittner sei dagegen immer mit Pfefferspray ausgestattet, nähere sich selbst nie den Bären und bewahre eine symbolische Distanz von zwei Metern.

Bittner träumt von einem internationalen Forschungsprojekt, um mehr über die Grizzlys zu erfahren. Droux möchte dagegen nicht in den Katmai-Nationalpark zurückkehren: „Ich bin überzeugt, dass es einem Bären dort besser geht ohne den Menschen. Es ist natürlich ambivalent, als Dokumentarist einen unberührten Ort zu zeigen – aber der Film sollte nicht dazu verleiten, dorthin zu reisen. Wir sind eigentlich in Bärenland eingedrungen.“


FOTOS: DAVID BITTNER/MEMOX