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NATUR: Der starkste Nussknacker der Welt


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 43/2018 vom 19.10.2018

Gegenstände von bis zu28 Kilogramm kann der Riesenkrebshochheben


Vorsicht, Palmendieb! Auf den Inseln im Westpazifik und Indischen Ozean lebt ein wahrer Monsterkrebs

Der glatte Stamm bietet nur wenig Halt. Doch ein gigantischer Krebs erklimmt die Palme trotzdem. Zentimeter für Zentimeter schiebt er sich in die Höhe, die kräftigen Beine und Scheren machen’s möglich. Mit seinem feinen Geruchssinn hat es der größte Landkrebs der Erde auf die leckeren Früchte von Feigenbäumen, Arenga- und Kokospalmen abgesehen. Kein Wunder, dass er unter einem spektakulären Namen bekannt ist: Palmendieb! Die Naturfilmer ...

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... Moritz Katz und Braydon Moloney drehten zwei Jahre lang auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean, um das unglaubliche Leben dieses Palmendiebs zu dokumentieren (siehe TV-Tipp Seite 16).

Bis zu vier Kilo schwer und 40 Zentimeter lang wird so ein Krebs. Und doch beginnt sein Leben als winzige Larve. Die Doku zeigt, wie sich ein Weibchen mühsam über zahlreiche Hindernisse an den Strand kämpft. Dort übergibt es die befruchteten Eier den Wellen des Ozeans. Unter Lebensgefahr. Denn Palmendiebe können weder schwimmen noch unter Wasser atmen. Diese Fähigkeit haben nur ihre Larven. Zwei Monate lang bleiben die Winzlinge im Meer, wachsen heran, nutzen wie alle Einsiedlerkrebse leere Schneckenhäuser als Schutz. Trotzdem fallen die meisten den vielfältigen Gefahren zum Opfer: tödlichen Korallententakeln, starken Strömungen, schroffen Klippen.

AUFSTIEG
Der Riesenkrebs erklimmt die Palme dank seiner starken Beinpaare


GIGANT
Der Abstand zwischen den Beinen kann bis zu einem Meter betragen


MERKMAL
Die linke Schere ist deutlich größer und kräftiger als die rechte


WARNUNG
Autofahrer, bitte achtet auf Krebse auf der Fahrbahn


LEBENSRAUM
Inseln im Westpazifik und Indischen Ozean


Erst an Land entwickelt sich der Palmendieb später zum furchterregenden Nussknacker. Doch das dauert Jahre. Den beiden Naturfilmern glückten spannende Aufnahmen, in denen ein junger Riesenkrebs gegen seine älteren Artgenossen den Kürzeren zieht. Die Kokosnuss riecht zwar verlockend, aber mit drei Jahren ist der Palmendieb noch lange nicht ausgewachsen. Keine Chance, an den Inhalt zu kommen.

Es bedarf viel Geschick und Kraft, so eine harte Kokosnuss zu knacken. Messungen japanischer Forscher ergaben bei ausgewachsenen Exemplaren eine Beißkraft von 3300 Newton – doppelt so stark wie der Kiefer eines Löwen. Die linke Schere ist jeweils größer und kräftiger. Gezielt wird zunächst die faserige Außenhaut in Streifen geschnitten und entfernt. Dann schlägt der Palmendieb mit den Scheren auf die Keimlöcher ein, bis die Kokosnuss aufbricht. Die Kraft der Scheren ist so gigantisch, dass der Krebs problemlos Metallrohre verbiegen und Äste oder sogar Knochen durchtrennen kann.

GESCHICK
Der Krebs entfernt erst die Außenhaut der Kokosnuss


Abwechslung im Speiseplan

Knochen durchtrennen? Nicht nur eine theoretische Möglichkeit. Palmendiebe ernähren sich zwar hauptsächlich von Früchten, verschmähen aber auch unvorsichtige Vögel, frisch geschlüpfte Schildkröten und Krabben nicht. Auf der Weihnachtsinsel etwa findet jedes Jahr eine der größten Tierwanderungen der Erde statt. Kurz vor Neumond ziehen Millionen Rote Landkrabben durch die Wildnis zum Strand. Moritz Katz und Braydon Moloney, ein ehemaliger Ranger der Weihnachtsinsel, filmten dieses Schauspiel – und die Jagdstrategie der Palmendiebe. Schnell und geschickt sind sie dabei nicht, doch hat der Krebs erst mal eine der Krabben erwischt, gibt es kein Entrinnen. Bei solchen Massenwanderungen ist der Tisch dann überreich gedeckt.
Doch auch die wehrhaften Palmendiebe selbst sind nicht sicher vor Gefahren. Tagsüber schlafen sie meist in Sandlöchern und Felsspalten, um sich vor der heißen Sonne zu schützen. Vor den Autos der Menschen hingegen gibt es keinen Schutz. Immer wieder werden Riesenkrebse überfahren. Die Naturfilmer begleiteten den Nationalpark-Ranger Roger Turl bei seiner Patrouille auf den wenigen Straßen der Weihnachtsinsel. „Es ärgert mich sehr, diese alten Jungs überfahren zu sehen“, beklagt Turl. „Einige sind 100 Jahre alt, haben zwei Weltkriege mitbekommen und in ihrem Leben mehr gesehen als ich in meinem. Es ist traurig, dass ein Tier so lange gelebt hat, um dann einfach von einem Auto getötet zu werden.“

Gut versteckt im Inselreich

Auf einigen Inseln gelten die Riesenkrebse als Delikatesse. Sie haben ein schlechtes Sehvermögen und können Feinde nur durch Bodenerschütterungen wahrnehmen. Oft zu spät. Wie viele Palmendiebe es auf den Inseln des Westpazifiks und des Indischen Ozeans noch gibt, weiß niemand genau. In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN werden die Krebse unter „Daten unzureichend“ geführt. Wer kann schon Palmendiebe zählen, die sich auf einsamen Inseln tagsüber in Höhlen verstecken?


FOTOS: S. 14-15: RAFF/OKAPIA (GR.), CORDIER/GETTY IMAGES; S. 16: GARY BELL/OCEANWIDEIMAGES.COM, DIRSCHERL/MAURITIUS, KYTAN/SHUTTERSTOCK; KARTE: HÖRZU